Achte Szene.
Die Vorigen. Mutter. Elisabeth.
Mutter (setzt ihren Korb nieder).
Wo bleibst du? Hast du dich verirrt?
Thomas.
Sie ist’s! — O halte mich, Kind! halte!
Mutter.
Was seh’ ich! sind meine Sinne verwirrt —
Mein Mann! — (sie stürzt sich ihm in die Arme).
Thomas.
Mein Weib!
Elisabeth (hängt sich an ihn).
Der Vater!
Gustav (verwundert).
Dieser Alte?
Mutter.
Du bist nicht tot?
Thomas.
Ihr seid nicht gestorben?
Mutter.
Dich hab’ ich wieder?
Thomas.
Ich umarme dich.
Elisabeth.
Wir haben’s durch unser Gebet erworben.
Gustav.
Bist du der Vater, so küß auch mich.
Thomas (tut es).
Ja dich, den Gott als Engel sandte;
(zu Elisabeth) Und dich, die mir so hold erscheint.
Mutter.
Wo kommst du her?
Thomas.
Aus fernem Lande.
Mutter.
Wir haben lang um dich geweint!
Thomas.
Ach, weinen werdet ihr auch wieder!
Der liebe Gott mir alles nahm!
O, setzt mich unter dem Baume nieder,
Ich bin ein Bettler — und — bin lahm!
Mutter.
Ein Bettler? nein! nenn’ es gelinder;
Sechs Hände sind, Dich zu nähren, bereit,
Du hast dein Weib und deine Kinder,
Die werden dich stützen jederzeit.
Thomas.
O höre, Gott, mein dankbar Beten! —
Ich fand euch wieder, ihr habt mich lieb.
Doch soll ich meine Hütte betreten
Als ein unnützer Tagedieb!
Soll ich von euch mich lassen füttern?
Mutter.
Willst du uns die schöne Stunde verbittern?
Du brauchst ja nur zum Gehn die Krücken,
Kannst drum die Hände dennoch rühren.
Wir wollen es sogleich probieren;
Komm, hilf den Korb mir auf den Rücken;
Dann wandeln wir getrost und munter
Den wohlbekannten Pfad hinunter.
Thomas (dem seine Kinder aufgeholfen haben).
Ja, liebes Weib, du gibst mir neues Leben;
Wie wohl mir der Gedanke tut,
Ich sei doch noch zu etwas gut.
Wo ist der Korb? Ich will ihn heben!
(Elisabeth unterstützt ihn dabei, die Mutter stellt sich mit dem Rücken gegen ihn, und er versucht, den Korb auf ihre Schultern zu heben).
Thomas.
Von mir gewichen ist die Kraft des Lebens;
Auch dieser Korb ist mir zu schwer!
Elisabeth.
Ich will auch helfen, Vater; gebt her!
(sie will den Korb aufheben)
Seltsam; auch ich versuch’ es vergebens.
Thomas.
Um mich zu trösten, stellst du dich schwach.
Elisabeth.
Nein, wahrlich, Vater! ich heb’ und hebe;
Allein umsonst. (Sie blickt in den Korb). Ach, Mutter! Ach,
Die Reiser sind Gold! so wahr ich lebe!
Mutter (wendet sich um).
Was sagst du?
Gustav (hüpft um den Korb).
Gold, Gold, lauter Gold!
Mutter.
Ich bin erschrocken, daß ich bebe.
Thomas (sinkt wieder unter den Baum).
O Kinder, der Berggeist ist uns hold;
Gewiß von ihm kommt das Geschenk.
Mutter.
Nun sieh’, es leuchtet ein neuer Morgen!
Thomas.
Nun darf der Krüppel nicht mehr sorgen!
O, seid der Wohltat eingedenkt!
Gustav.
Dank dir, du guter Rübezahl!
Mutter.
Mein Dank ist stumm und ohne Wort.
Elisabeth.
Wie bringen wir aber den Korb nun fort?
Der Weg ist weit hinab ins Tal. —
Wir müssen auch den Vater führen;
Denn eher lass’ ich die goldene Beute.