Siebente Szene.
Gustav und Thomas.
Gustav (der einen Schmetterling haschen will).
Wart! wart! Ich will dich doch wohl fangen,
Und wärst du schneller als der Wind!
Thomas.
Wie wird mir — welch ein heimlich Bangen —
Ach, welch ein liebes, schönes Kind!
Gustav.
Ach! sieh — ein Fremder —
Thomas.
Darfst nicht erschrecken,
Mein Kind, ich bin kein böser Mann.
Gustav.
Ich werde mich nicht vor ihm verstecken,
Hab’ ich doch ihm auch nichts getan.
Thomas.
Hast du das Gebirge nicht gescheut?
Wie kommst du so allein in den Wald?
Gustav.
Nicht doch, die Mutter ist ja nicht weit.
Thomas.
Ach Gott, mein Gustel wär’ auch so alt!
Gustav.
Wir sammeln für den Winter Reisig.
Thomas.
Ihr guten Leute seid wohl arm!
Gustav.
Ei freilich, aber die Mutter ist fleißig;
Wär’ nur im Winter der Ofen warm.
Thomas.
Der Vater schafft euch warme Betten.
Gustav.
Ja, wenn wir noch einen Vater hätten!
Thomas.
Du hast den Vater schon verloren?
Gustav.
Er zog in den Krieg, kaum war ich geboren.
Thomas.
Wie mir das durch die Seele geht!
Wie alles seltsam sich muß treffen,
Mich Armen schadenfroh zu äffen.
Mein Gustel! — meine Elisabeth! —
Gustav.
Was wollt ihr von uns?
Thomas.
Von euch? wieso?
Gustav.
Ich und die Schwester, wir heißen ja so.
Thomas.
Ha! treibt denn hier in seinem Grimme
Mit mir sein Spiel ein böser Geist?
Mutter (hinter der Szene).
He! Gustel!
Thomas.
Das ist meines Weibes Stimme!
Mutter (noch immer hinter der Szene).
Wo bist du, Gustel? Um Gottes Willen!
Gustav.
Gleich, liebe Mutter! ich komme gleich!
Thomas.
O, könnt’ ich mein Verlangen stillen —
O, könnt’ ich kriechen durchs Gesträuch!
Gustav.
Will er die Mutter sehen, so sitze
Er nicht so faul, und rühr’ er sich.
Thomas.
Kind, ich bin lahm — hab’ keine Stütze.
Gustav.
Nun denn, so stütz’ er sich auf mich.
Thomas.
Du willst mich ihr entgegenführen?
Ihr — wag’ ich zu hoffen? — süßer Betrug.
Gustav (hilf ihm auf und stützt ihn).
Nur auf! Er soll gemächlich spazieren;
Ich bin wohl klein, aber stark genug.