Sechste Szene.

Rübezahl (als Köhler), Thomas.

Rübezahl.

Was wimmert denn da?

Thomas.

Ach, guter Freund,

Seid mir tausendmal willkommen!

Ihr wie ein Engel mir erscheint, —

Ein Bube hat mir die Krücken genommen,

Sucht doch im Strauchwerk, guter Mann,

Vielleicht warf er sie weg —

Rübezahl.

Der Bärenhäuter!

Thomas.

Ich bin ein lahmer Kriegesmann,

Und ohne Krücken kann ich nicht weiter.

Rübezahl (beiseite).

Ich will dir deinen Schmerz bezahlen.

(laut). Wer seid ihr denn? wo kommt ihr her??

Thomas.

Ich heiße Thomas, komm aus Westfalen,

Im Kriege ward ich verwundet schwer.

Dort unten im Tal liegt meine Hütte,

Wo mir in guter Kinder Mitte,

Das treue Weib zur Ruhe winkt,

Da bin ich denn bis hierher gehinkt. —

Rübezahl.

Seid ihr der Thomas, der vor fünf Jahren

Geplündert unter die Soldaten ging?

Thomas.

Der bin ich. Habt ihr was erfahren,

Wie es indes den Meinen ging?

Rübezahl.

Die Tochter — ist im Bach ertrunken;

Den Jungen — haben die Pocken hinweggerafft;

Und endlich ist die Mutter ins Grab gesunken,

Wie ein dürrer Baum, ohne Saft und Kraft.

(ab).

Thomas.

Gott! Gott! dann brauch’ ich keine Krücken,

Keinen Trost und keine Hilfe mehr! —

O Kugel, die mich lahm geschlagen,

Warum nicht höher herauf ins Herz!

Ich habe alles mit Mut ertragen;

Jetzt unterlieg’ ich meinem Schmerz.