Fünfte Szene.
Der Vorige. Thomas (auf Krücken, ohne Rübezahl zu sehen).
Thomas.
Für heute kann ich nun wohl nicht weiter,
Ich armer Krüppel! was soll ich tun?
Die Luft ist warm, der Himmel heiter —
Hier will ich unter dem Baume ruhn.
Den Berg herauf mußt’ ich schon keuchen,
Doch morgen hab’ ich neue Kraft,
Die liebe Heimat zu erreichen,
Die mir die letzte Ruh’ verschafft.
Zwar komm’ ich, ach, mit leeren Händen,
Und bin ein Krüppel obendrein,
Kann nur verzehren, nur verschwenden,
Und nichts erwerben — welche Pein!
Warum fand nicht den Weg zum Herzen
Die Kugel, die mein Knie gefaßt!
So wär’ ich ledig aller Schmerzen,
Und meinen Kindern nicht zur Last.
Zur Last? — Ach nein, sie werden gerne
Hilfreich dem Vater zur Seite stehn;
Und der da droben regiert die Sterne,
Läßt mich, wohl auch nicht untergehn. —
Könnt’ ich denn nichts, gar nichts erwerben?
Sind doch die Hände noch wohl geschickt;
Und gerne, gerne will ich sterben,
Hab’ ich nur die Meinen noch erblickt.
(Er hat sich unter einem Baum gelagert).
Rübezahl (beiseite).
Er ist’s! — fürwahr auf diese Höhen
Hat ihn ein guter Geist, geschickt;
Er mag im Traum die Kinder sehen,
Bis er sie wach an den Busen drückt.
(Ab, nachdem er nach einigem Nachsinnen dem Thomas die Krücken weggenommen hat).
Thomas (erwachend, greift um sich und sucht sie vergebens).
Wo sind meine Krücken? — guter Gott! —
Ein Bösewicht hat sie mir genommen, —
Wer trieb mit mir so bittern Spott,
Wie soll ich nun nach Hause kommen?