Dritte Szene.
Die Vorigen. Rübezahl (als Jäger).
Gustav.
Sieh, Mutter, da kommt ein fremder Mann.
Mutter.
Brauchst darum keine Furcht zu hegen.
Was geht der fremde Jäger uns an?
Wir sind ja nicht auf bösen Wegen.
Rübezahl.
Gott grüß euch!
Mutter.
Schönen Dank, Herr!
Rübezahl.
Was macht ihr da?
Mutter.
Wir sammeln Reiser;
Der Winter ist lang und oft gar schwer,
Und schlecht verwahrt sind hier die Häuser.
Rübezahl.
Wer seid ihr?
Mutter.
Eine arme Frau
Mit ein paar guten, frommen Kindern;
Wir lebten sonst dem Ackerbau,
Der Feind tat uns die Scheuern plündern,
Nahm unser bißchen Vieh, zerschlug,
Was eben nicht fortzubringen war;
So kamen wir um Acker und Pflug,
Es geht nun schon ins fünfte Jahr.
Rübezahl.
So seid ihr Witwe?
Mutter.
Nein, ach nein!
Das wolle der liebe Gott verhüten!
Rübezahl.
Dann wird der Mann in der Schenke sein,
Statt sich um Tagelohn zu vermieten?
Mutter.
Bewahre! mein guter Thomas war
Stets fleißig und lebte eingezogen;
Als aber das Vaterland in Gefahr,
Da ist er mit in den Krieg gezogen.
Fünf Jahr und drüber sind schon verflossen,
Seit ich nichts mehr von ihm gehört,
Seit ich und meine Unglücksgenossen
Mit Tränen jeden Bissen verzehrt.
Rübezahl.
So läßt sich wohl nicht anders glauben,
Als daß eine Kugel ihn hingerafft?
Mutter.
Wollt ihr die letzte Hoffnung mir rauben?
Mit ihr des Lebens Mut und Kraft?
Rübezahl.
Doch besser, er schlummert im kühlen Grabe,
Als wenn er, ein Bettler, wiederkehrt!
Mutter.
O, wenn ich ihn nur wiederhabe,
Mein treues Herz nicht mehr begehrt.
Rübezahl.
Wenn nur nicht etwa gar am Ende
Zum Krüppel ward der arme Mann?
Mutter.
Ach, dann gibt’s noch vier fleißige Hände,
Und auch der Gustel wächst heran! —
Rübezahl.
Ihr wagt euch so auf diese Straße,
Wie, wenn der Berggeist euch erschreckt?
Mutter.
Hab ich doch immer gehört, er lasse
Die guten Menschen ungeneckt!
Elisabeth.
Ja, Herr! wir haben ein gutes Gewissen;
Er mag nur kommen, wenn’s ihm beliebt.
Rübezahl.
Vielleicht würd’ er dich zu trösten wissen,
Du schienst vorhin mir sehr betrübt.
Mutter.
Wir haben schon viel Zeit verplaudert,
Und im Gebirge ist’s nicht gut,
Wenn man bis in die Dämmrung zaudert.
Lebt wohl!
Rübezahl.
Auch ihr, und bleibt bei gutem Mut.
Mutter.
O ja, was Gott über mich verhängt,
Das wird er auch alles zum Guten lenken.
Gustav (vertraulich zu Rübezahl).
Wenn er einmal ein Eichhörnchen fängt,
So könnt’ er’s wohl dem Gustel schenken!
Rübezahl.
Bist du der Gustel? wir wollen sehn!
Gustav.
Er sieht zwar etwas grimmig aus,
Als wollt er einem den Hals umdrehen;
Ich mache mir aber gar nichts daraus.
Rübezahl.
Das freut mich, Kleiner!
Mutter.
Komm, mein Kind!
Noch ist der Korb nicht voll, drum munter!
Wir suchen und füllen ihn geschwind;
Und dann in unser Dörfchen hinunter.
(ab).