Zweite Szene.

Die Mutter, Elisabeth und Gustav (dürres Reisig suchend);

Mutter.

Gottlob! das Gewitter ist vorüber;

Es scheint die Sonne wieder schön.

Elisabeth.

Doch, gute Mutter, ihr solltet lieber

Um trockne Kleider jetzt nach Hause gehn.

Mutter.

Es ist ja nur ein Rock im Schranke,

Und du bist mehr als ich durchnäßt.

Elisabeth.

Ei, liebe Mutter, welch ein Gedanke,

Ich bin noch jung, gesund und fest!

Mutter.

So laß uns nur die Hände rühren,

Die Arbeit hier macht wieder warm

Und läßt im Winter uns nicht frieren.

Elisabeth (seufzend).

Ach, wären wir nur nicht so arm!

Mutter.

Sprich, möchtest du denn etwa lieber

Reich, wie der Nachbar Töffel, sein?

Elisabeth.

O nein, der schließt ja jeden Stüber

Voll Geiz in seinen Kasten ein!

Mutter.

Könnt ich doch, wie der Schulze, schenken

Der Tochter ein so stattlich Haus —

Elisabeth.

Da würd ich mich noch sehr bedenken,

Dort sieht’s nicht eben friedlich aus!

Mutter.

Ist Küsters Röse zu beneiden?

Sie hat voll Linnen Kist’ und Schrank! —

Elisabeth.

O nein, das wär’ ein rechtes Leiden,

Jahraus, jahrein ist Röse krank!

Mutter.

Die reiche Elsbeth aus der Mühle,

Die wärst du aber gern, mein Kind?

Elisabeth.

Ha! was du sagen willst, das fühle

Ich tief, — ihr ist die Mutter blind!

Nein, nein, ich schäme mich der Klage,

Mit keinem möcht ich tauschen gern,

Es hat ein jeder seine Plage;

Vertrau’n wir nur auf Gott den Herrn.

Um deinetwillen mög’ er schenken

Uns bess’re Tage, nicht so schwer. —

Mutter.

Willst du nicht auch des Guten denken?

Wenn ich nur Elsbeths Mutter wär’ —

So bin ich rüstig auf den Füßen,

Zur Wette spinn ich noch mit dir,

Und meine Kinder — sie versüßen

Auch kummervolle Tage mir.

(Elisabeth schlingt ihren Arm um die Mutter. Gustav kommt herbeigesprungen.)

Gustav.

Hier, seht nur, bring ich reife Beeren,

Die Mutter jetzt allein sie essen muß.

Mutter.

Wir wollen sie zusammen verzehren,

Denn so nur ist’s für mich Genuß.