Am 2. März.
Bin bei der süßesten Arbeit, Du weißt bei welcher. Natürlich sind wir nie allein, aber wozu auch? ich würde ihr doch nichts sagen, nicht von fern meine schneeweiße Lilie beunruhigen. Wir plaudern herrlich unbefangen mit einander und ich bin auch, ihr gegenüber, vollständig befriedigt. Was könnte ich noch Schöneres wünschen, als sie ansehen, ihre freundliche Stimme hören zu dürfen, die mir des Lieblichen so viel sagt: – Sie ist ganz vertrauungsvoll, und plaudert, was ihr in den Sinn kommt. »Was wird Theodor sagen,« meinte sie gestern, »wenn er wiederkommt und mich auch gemalt sieht; ich habe es immer für Scherz gehalten, wenn Sie davon sprachen.« – »Warum,« fragte ich, »sah ich so spaßhaft dabei aus?«
»Auch wohl, und ich bleibe ja bei den Eltern.« –
»Ida ja auch,« wendete ich ein, als wäre das kein Grund. Sie lächelte. »Wenn Sie wieder kommen, müssen Sie Theresen auch malen,« fuhr sie fort, »in spätestens zwei Jahren ist ihre Hochzeit und dann verläßt sie Burgwall.«
»Komm ich denn wieder?« fragte ich.
»Ich dachte,« antwortete sie ganz erstaunt.
»Und so bald?« fuhr ich zu fragen fort.
»Das müssen Sie am besten wissen.« – Ich schüttelte den Kopf; es schien mir gerade in diesem Augenblicke, als sei es doch besser, ich kehre in Jahr und Tag nicht wieder hierher zurück. – Zuweilen erzählt sie etwas aus ihrer Kinderzeit, und wie frisch lacht sie dabei! Neulich wurde das Gespräch zwischen ihr und den Schwestern sehr lebhaft, man neckte sie mit vergangenen Zeiten, da hatte sie sich zu vertheidigen, und dann mußte sie wieder lachen, sie wurde ganz unruhig auf ihrem Stuhle und wendete sich bald hier und bald dorthin, ich vergaß das Malen darüber und sah sie an. Plötzlich fiel ihr Blick auf mich, wie ich dasaß, nichts that und sie betrachtete, sogleich setzte sie sich in Positur, neigte sich mir etwas entgegen und flüsterte: »Sie sind eigentlich sehr gut – nicht wahr Mama?«
»Was denn?« fragte diese.
»Herr Brand ist sehr gütig, so geduldig zu warten.« –
Hätte sie die Sache nicht unter uns lassen können? – aber nein, sie hat nichts zu verheimlichen, was mich angeht.
Julchen Hermann hatte, als sie an der Reihe war, kein Buch mitgebracht, und appellirte an die Großmuth der Jugend, die da nichts verlangen werde, wo nichts sei, sie habe keine belletristischen Bücher. Sie kam aber mit ihren schönen Reden nicht durch, sondern mußte sich bequemen frei eine Erzählung aus dem Leben vorzutragen, und wenn nicht aus ihrem eigenen Leben, so doch aus ihrer Zeit.
Nach einigem Weigern that sie's, und ich will sie Dir copiren.