Am 4. August.

Heute will ich diesen Brief an Dich abschicken. Dein letzter Brief war mehr als ernst, es sprach sich Unruhe, Besorgniß darin aus. Du schreibst: ich verkenne das Streben meiner Seele, nicht flüchtige Befriedigung, die man täglich in irgend einer Sache, einer Creatur finden könne, sei der Endpunkt derselben, sondern Frieden in Gott. – Ist das nicht ein Spielen mit Worten, oder pedantische Festhaltung eines einmal so und nicht anders geformten Glaubenssatzes? Wir suchen was uns zu unserm Glücke fehlt, Jeder nach seiner Natur. Du bist ätherischer Natur als ich, und suchst geistigere, oder rein geistige, oder auch phantastische Genüsse, ich verstehe Dein Friedensverlangen nicht. Warum ist dieser Friede von Dir erst zu suchen, wodurch hast Du reines Kind ihn erschüttert, oder gar verbannt? Und warum ist mein Trachten nach Befriedigung verwerflich, da ich sie nicht im Unedlen, Rohen, Gemeinen suche? Widerstrebt mein Verlangen dem reinen Naturgeiste? – Ich habe vor meiner Vergangenheit in keiner Weise zu erröthen, und brauche dem Frieden nicht nachzujagen, weil ich ihn habe. Beunruhige Dich meinetwegen nicht im Geringsten, meine theure Schwester, ich bin vollkommen glücklich!

Lebe wohl!

Dein Bruder Justus.