7.
Otto Pichler las in seinem Stammcafé in den Zeitungen, daß das Unternehmen des einstigen Freundes gescheitert war. Es bewegte ihn nur wenig. Sein Schifflein war geborgen.
Schon längst hatte er Grete Deming geheiratet, schon längst war er Prokurist und Stellvertreter des Direktors der chemischen Fabrik. Sein Schwiegervater hatte sich vor einigen Jahren zur Ruhe gesetzt. Ein verdienstvoller alter Herr, den man nicht hatte übergehen können, war dermalen mit der Leitung betraut. Aber sein Rücktritt konnte nicht mehr lang auf sich warten lassen, und dann war Otto der kommende Mann. Bei den Beamten war er beliebt. ‚Das Glückskind‘ nannten sie ihn und hatten recht damit. Nur wenige gab es, die so spielend mit dem Leben fertig wurden und mühelos die reifen Früchte auflesen konnten, die ihnen ohne vieles Dazutun wie von selbst in den Schoß fielen.
Seine Ehe war wie tausend andere auch weder heiß noch kalt; eine gleichmäßig laue Atmosphäre hüllte sie ein, ließ keine Stürme heran, machte den Körper feist und war dem Wohlbefinden ungemein bekömmlich.
Er ging seine Wege, Grete ging ihre Wege, mit der Treue nahmen sie es beide nicht zu genau.
Als der zukünftige Direktor den Bericht gelesen hatte, fragte er den Kellner, ob die Herren seiner täglichen Tarockpartie schon anwesend seien. Der Befrackte bejahte. Da zog Otto ein goldenes Etui aus der Brusttasche, zündete sich eine Zigarette an, und während er den Rauch erst einatmete und dann langsam in die Luft hinausschwimmen ließ, dachte er: Ist es nicht Wahnsinn und Aberwitz, Gesundheit und Kraft und Blut für wildfremde Menschen einzusetzen? Wir leben schließlich doch nur das eine Leben, und warum sollten wir uns das nicht so angenehm wie möglich machen und trachten, daß es uns sacht und unmerklich verrinne in Fröhlichkeit und heiterem Behagen?
Dann ging er ins Spielzimmer und mischte die Karten.