Erster Teil


Studien und Plaudereien.

I.

Herr Meister: Hier ist mein Buch. Mein Buch ist braun. Dieses Buch hier ist grün; mein Buch ist nicht grün. Bella, ist das Gras grün?

Bella: Das Gras ist grün.

Herr Meister: Ja, das Gras ist grün. Anna, ist das Gras im Sommer grün?

Anna: Das Gras ist im Sommer grün.

Herr Meister: Ja, das Gras ist im Sommer grün. Louis, ist das Gras im Winter grün?

Louis: Das Gras ist im Winter nicht grün.

Herr Meister: Nein, das Gras ist im Winter nicht grün. Bella, ist die Rose grün?

Bella: O nein, die Rose ist nicht grün.

Herr Meister: Ist die Rose rot?

Bella: Ja, die Rose ist rot.


Herr Meister: Anna, ist der Winter kalt?

Anna: Ja, Herr Meister, der Winter ist kalt.

Herr Meister: Louis, ist der Sommer kalt?

Louis: Nein, Herr Meister, der Sommer ist nicht kalt.

Herr Meister: Ist der Sommer warm?

Louis: Ja, der Sommer ist warm.

Herr Meister: Bella, ist es Sommer im Dezember?

Bella: Nein, im Dezember ist es nicht Sommer.

Herr Meister: Ist es Winter im Dezember?

Bella: Ja, es ist Winter im Dezember.

Herr Meister: Bella, ist der Rosenbusch im Dezember im Garten?

Bella: Ja, Herr Meister, der Rosenbusch ist im Dezember im Garten.

Herr Meister: Ist die Rose im Dezember am Rosenbusch im Garten?

Bella: Nein, Herr Meister, im Dezember ist die Rose nicht am Rosenbusch im Garten.

Herr Meister: Mein Kompliment, Fräulein Bella, Sie sprechen gut deutsch!

Bella: O, Herr Meister!


Herr Meister: Louis, ist dieses Buch englisch?

Louis: Nein, dieses Buch ist nicht englisch.

Herr Meister: Ist dieses Buch deutsch?

Louis: Ja, dieses Buch ist deutsch.

Herr Meister: »Ja,« »dieses« »Buch« »ist« »deutsch.« — »Ja« ist ein deutsches Wort. Ist »dieses« ein deutsches Wort?

Louis: »Dieses« ist ein deutsches Wort.

Herr Meister: Gut, Louis, gut! »Ja« ist ein deutsches Wort, und »dieses« ist ein deutsches Wort. »Ja« — »dieses«, das sind zwei (= 2) deutsche Wörter. Eins (= 1) und eins (= 1) ist zwei (= 2); Anna, ist »Buch« ein deutsches Wort?

Anna: Ja, Herr Meister, »Buch« ist ein deutsches Wort.

Herr Meister: Gut, Anna! Das sind drei (= 3) deutsche Wörter. Zwei (= 2) und eins (= 1) ist drei (= 3). Bella, ist das im Englischen auch so?

Bella: O ja, Herr Meister, das ist im Englischen auch so. Das Wort »ist,« Herr Meister, ist englisch und deutsch.

Herr Meister: Im Englischen ist es "i–s," im Deutschen »i–s–t.« Das »t« ist nicht im Englischen. — Nun sind es vier (= 4) Wörter. »Ja« — ein deutsches Wort; »dieses« — zwei deutsche Wörter; »Buch« — drei deutsche Wörter; »ist« — vier deutsche Wörter; »deutsch« — fünf (= 5) deutsche Wörter. Hier ist Louis. Louis ist eine Person. Hier ist Anna. Anna ist auch eine Person — das sind zwei Personen; und Bella ist auch eine Person — das sind drei Personen; und hier ist meine Person (= Herrn Meisters Person) — das sind vier Personen.

Herr Meister: Ich (= meine Person) spreche deutsch; ich bin in Deutschland geboren, und ich bin ein Deutscher. Louis, ist General Grant ein Deutscher?

Louis: Nein, General Grant ist nicht ein Deutscher.

Herr Meister: General Grant ist kein (= nicht ein) Deutscher; General Grant ist ein Amerikaner. Karl Schurz ist kein (= nicht ein) Amerikaner; er (= Karl Schurz) ist ein Deutscher. Anna, ist Louis ein Deutscher?

Anna: Nein, Louis ist kein Deutscher; Louis ist nicht in Deutschland geboren.

Herr Meister: Kann Louis deutsch sprechen, Anna?

Anna: Ja, Louis kann deutsch sprechen.

Louis: O nein, ich kann nicht deutsch sprechen.

Herr Meister: O ja, Louis; Sie (= Louis' Person) können (ich kann — Sie können) deutsch sprechen. Sie sagten: »O nein, ich kann nicht deutsch sprechen.« — Sind das englische Wörter, Louis?

Louis: Nein, das sind keine englischen Wörter; das sind deutsche Wörter.

Herr Meister: Nun gut; Sie (= Louis' Person) sprechen deutsch. Ist es nicht so, Bella?

Bella: Ja, so ist es.


Herr Meister: Ist das braune Buch englisch?

Anna: Nein, Herr Meister, es ist nicht englisch.

Herr Meister: Ist es spanisch?

Anna: Nein, es ist nicht spanisch.

Herr Meister: Ist es deutsch?

Anna: Ja, es ist deutsch.

Herr Meister: Louis, ist dieses Buch deutsch?

Louis: Ja, es (= das Buch) ist deutsch.

Herr Meister: Ist dieses grüne Buch auch deutsch?

Louis: Ja, Herr Meister; es ist auch deutsch.

Herr Meister: Ist dieses rote Buch spanisch?

Louis: Ja, das rote Buch ist spanisch.

Herr Meister: Ist dieses Buch spanisch?

Louis: Nein, Herr Meister, dieses Buch ist nicht spanisch.

Herr Meister: Bella, sind hier vier (= 4) Bücher?

Bella: Ja, hier sind vier Bücher.

Herr Meister: Sind sie (= die vier Bücher) alle braun?

Bella: Nein, Herr Meister; sie (= die Bücher) sind nicht braun. Ein (= 1) Buch ist braun, ein Buch ist grün, ein Buch ist rot und ein Buch ist .... ist ....

Herr Meister: Ist .... ist .... Ist es (= das Buch) rot?

Bella: Nein, es ist nicht rot.

Herr Meister: Ist es grün?

Bella: Nein, es ist nicht grün.

Herr Meister: Ist es braun?

Bella: Nein, es ist nicht braun.

Herr Meister: Es ist nicht braun, nicht grün, nicht rot. Wie ist das vierte (= 4te) Buch? Bella, ist das Linnen weiß?

Bella: Ja, das Linnen ist weiß.

Herr Meister: Ist das vierte (= 4te) Buch weiß?

Bella: Nein, Herr Meister; das vierte (= 4te) Buch ist nicht weiß.

Herr Meister: Nein, Bella; es ist nicht weiß. — Ist die Orange gelb?

Bella: Ja, die Orange ist gelb.

Herr Meister: Ist dieses vierte (= 4te) Buch gelb?

Bella: Ja, Herr Meister; das vierte Buch ist gelb.

Herr Meister: Ist das Papier in dem gelben Buche weiß?

Bella: Ja, das Papier in dem gelben Buche ist weiß.


Herr Meister: Bella, Sie sagen (= sprechen): »Das Linnen ist weiß.« Das ist so. Ist das Linnen an diesem Buche auch weiß?

Bella: Nein, das Linnen an diesem Buche ist nicht weiß.

Herr Meister: Der Buchbinder bindet alle meine Bücher in grünes Linnen. Hier, die Decke an meinem Buche ist von Linnen. Hat das Buch in Ihrer (= Bellas) Hand auch eine Decke von Linnen?

Bella: Nein, Herr Meister; diese Decke ist von .... von ....

[Louis:][I-1] Von Leder.

Herr Meister: Ja Louis, von Leder. An Ihrem Schuhe haben Sie auch Leder; aber das Leder an diesem Buche ist feiner. Nicht wahr? (= Ist das nicht so?)

Herr Meister: Was ist das, Louis?

Louis: Das ist Websters Dictionary.

Herr Meister: Louis, sagen (= sprechen) Sie nicht Dictionary. Das Wort Dictionary ist nicht deutsch. Sagen Sie Wörterbuch. Louis, sind mehr als tausend (= 1000) Wörter in Websters Wörterbuch?

Louis: O ja, Herr Meister.

Herr Meister: Sind mehr als viertausend (= 4000) Wörter in Websters Wörterbuch?

Louis: Ja, Herr Meister; es sind mehr als viertausend Wörter in Websters Wörterbuch.

Herr Meister: Ist Websters Wörterbuch dick?

Louis: Ja, Websters Wörterbuch ist dick.

Herr Meister: Ist Ihr (= Louis') grünes Buch so dick, wie Websters Wörterbuch?

Louis: Nein, mein grünes Buch ist nicht so dick, wie Websters Wörterbuch.

Herr Meister: Ist Ihr grünes Buch dicker, als mein rotes Buch?

Louis: Ja, mein grünes Buch ist dicker, als Ihr rotes Buch.

Herr Meister: Gut, Louis. Mein rotes Buch ist dick; Ihr grünes Buch ist dicker, als mein rotes Buch; und Websters Wörterbuch ist das dickste Buch. Bellas Buch ist nicht so dick, wie Ihr Buch, Louis; es (= Bellas Buch) ist dünn.

Dick ist nicht dünn,
Dünn ist nicht dick.

Herr Meister: Ist Annas Buch dünner, als Bellas Buch?

Louis: Nein, Herr Meister, Bellas Buch ist dünner.

Herr Meister: Welches Buch ist das dünnste, das grüne, das rote oder das gelbe?

Bella: Das gelbe Buch ist das dünnste.

Herr Meister: Das ist recht (= gut). Ihr Buch ist dünn; ich kann es (= Ihr Buch) mit zwei (= 2) Fingern halten; Websters Wörterbuch kann ich nicht mit zwei Fingern halten; es (= Websters Wörterbuch) ist zu dick. Louis, können Sie tausend (= 1000) Wörterbücher von Webster mit einer Hand halten?

Louis: O nein, Herr Meister!

Herr Meister: Nein, Louis, nein; Sie können es nicht. Kein (= nicht ein) Mann kann es [thun][I-2]. Bella, ist das ein Finger?

Bella: Ja, das ist ein Finger; und das ist ein Finger, und das ist ein Finger; das sind drei (= 3) Finger; und das ist ein Finger; ich habe vier (= 4) Finger.

Herr Meister: O nein, Bella; Sie haben einen Finger mehr. Sie haben vier (= 4) und einen (= 1). Vier und eins ist fünf (= 5). Sie haben fünf Finger und Louis hat fünf Finger und Anna hat fünf Finger und ich auch (= habe fünf Finger) und Ihr Vater und Ihre Mutter und Ihr Onkel. Alle, alle Menschen (= Personen) haben fünf Finger an einer Hand.

Bella: Das ist nicht so im Englischen.

Herr Meister: Nein, im Englischen sagen (= sprechen) wir nicht so. Im Englischen sagen wir: Ich habe vier Finger und einen Daumen.

Bella: Ist der Daumen ein Finger?

Herr Meister: Ja, die Deutschen sagen: der Daumen ist ein Finger. Der Daumen ist der dickste Finger. Louis, ist dieser Finger der Daumen?

Louis: Nein, Herr Meister, dieser Finger ist nicht der Daumen.

Herr Meister: Ist dieser Finger dick oder dünn?

Louis: Dieser Finger ist dünn.


Herr Meister: Anna, haben Sie einen Ring an dem Daumen?

Anna: Ha, ha, ha! Herr Meister, ich habe keinen (= nicht einen) Ring an dem Daumen.

Herr Meister: Haben Sie einen Ring an dem vierten (= 4ten) Finger?

Anna: Ja, Herr Meister; ich habe einen Ring an dem vierten (= 4ten) Finger.

Herr Meister: Ist Ihr Ring von Silber?

Anna: O, Herr Meister! Ich habe keinen Ring von Silber an meinem Finger!

Herr Meister: Ist er (= der Ring) von Gold?

Anna: Ja, er ist von Gold.

Herr Meister: Ja, Anna, er ist von Gold; und Sie haben eine Perle in dem Ringe. Sie haben auch einen Ring von Gold, Bella; aber Sie haben keine Perle; Sie haben einen Diamanten; und Sie, Louis, haben keinen Diamanten und keine Perle; Sie haben einen grünen Stein. Ich habe auch einen Ring mit einem grünen Steine. Hier ist mein Ring. Sind die Ringe rund, Louis?

Louis: Ja, die Ringe sind rund.

Herr Meister: Ist die Orange auch rund?

Louis: Ja, die Orange ist auch rund.

Herr Meister: Ist der Apfel rund?

Louis: Ja, der Apfel ist rund.

Herr Meister: Ist der Ball auch rund?

Louis: Ja, der Ball ist auch rund.

Herr Meister: Haben Sie einen Ball?

Louis: Ja, Herr Meister, ich habe einen Ball.

Herr Meister: Ist Ihr Ball gelb, wie die Orange?

Louis: Nein, Herr Meister; mein Ball ist nicht gelb, wie die Orange, und er (= der Ball) ist nicht braun, nicht rot und auch nicht weiß, wie das Linnen.

Herr Meister: Ist Ihr Ball wie die Kohle?

Louis: Ja, Herr Meister; er (= der Ball) ist wie die Kohle.

Herr Meister: Ah, ich verstehe. Ihr Ball ist schwarz.

Bella: Ist die Kohle schwarz, Herr Meister?

Herr Meister: Ja, die Kohle ist schwarz.


Herr Meister: Anna, ist Webster ein Amerikaner oder ein Deutscher?

Anna: Webster ist ein Amerikaner.

Herr Meister: Ist sein (= Websters) Wörterbuch deutsch oder englisch?

Anna: Sein (= Websters) Wörterbuch ist englisch und nicht deutsch.

Herr Meister: Anna! Sie sprechen so gut deutsch! Kann Ihr Vater deutsch sprechen?

Anna: Nein, Herr Meister; mein Vater kann nicht deutsch sprechen, und meine Mutter auch nicht.

Herr Meister: Louis, können (= ich kann—Sie können) Ihre Eltern deutsch sprechen?

Louis: Was ist das »Eltern«?

Herr Meister: »Eltern« ist ein Wort für Vater und Mutter.

Louis: Danke, ich verstehe. Meine Mutter kann nicht deutsch sprechen; mein Vater auch nicht; aber er (= der Vater) versteht deutsch.

Herr Meister: Louis, haben Sie nicht einen Bruder?

Louis: Ja, Herr Meister; ich habe einen Bruder hier in New York; er (= der Bruder) studiert im Colleg; er kann deutsch verstehen und sprechen; und ich habe auch einen Bruder in Berlin.

Herr Meister: In Berlin?

Louis: Ja, in Berlin. Mein Bruder Albert ist in Berlin.


Louis: Herr Meister, ich habe hier ..... O, was ist das, Herr Meister?

Herr Meister: Ah, kommen Sie von der Post?

Louis: Ja, Herr Meister.

Herr Meister: Das ist ein Brief!

Louis: Und ich kann den Brief nicht verstehen.

Herr Meister: Nicht? Warum nicht?

Louis: Der Brief ist nicht englisch. Hier ist er (= der Brief), Herr Meister.

Herr Meister: Ah, ich sehe. Der Brief ist deutsch. Er (= der Brief) ist von Ihrem Bruder Albert. Darf ich ihn (= den Brief) laut lesen?

Louis: Ja, Herr Meister. Lesen Sie ihn (= den Brief) laut.

Herr Meister: Der Brief beginnt so:

Berlin, den 6ten (= sechsten) September 1878.

Mein guter Bruder Louis!

Ich sende dir (= Louis) hier einen deutschen Brief. Du verstehst kein Deutsch? O, lerne, mein Bruder, lerne es (= Deutsch); das ist gut für dich (= Louis). Ich muß hier auch viel lernen; o, so viel: Anatomie, Botanik, Chemie, Mathematik, Astronomie und die deutsche Sprache. Hier sprechen alle deutsch. Die Universität hier ist gut. Drei tausend (= 3000) Studenten sind hier aus Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Italien; aus Afrika und Asien; Australien und Amerika. Unser Cousin Leo aus Boston ist auch hier. An der Universität sind gute Professoren; und die besten sind: Sanders und Langenbeck, Virchow und Helmholtz.

Oft sehe ich den Kaiser Wilhelm und seinen Sohn Friedrich Wilhelm; das ist der Kronprinz von Deutschland. Der Kaiser ist nicht mehr jung; er ist alt. Sein (= des Kaisers) Haar und sein Bart sind weiß. Den Fürsten Bismarck sehe ich auch oft »Unter den Linden.« »Unter den Linden« ist die feinste Straße hier, wie die Fifth Avenue in New York. An dem einen Ende der Linden ist der Palast des Kaisers und das Monument Friedrichs des Großen; an dem andern Ende ist ein Park. Der Name dieses Parks ist »der Tiergarten.« O, da (= in dem Tiergarten) ist es schön! Aber im Central–Park in New York ist es noch schöner. Sind die Eltern (= Vater und Mutter) wohl? Ist Schwester Martha wohl und Bruder Otto auch? Adieu, mein guter Louis!

Dein Bruder
Albert.

Hier endet der Brief.


Louis: O, Herr Meister! Ich verstehe den Brief! Ich verstehe Deutsch!

Anna: Und ich auch!

Herr Meister: Und Sie, Fräulein Bella? Sie sind so still, Sie sagen kein Wort. Verstehen Sie den Brief nicht?

Bella: O ja, Herr Meister; aber ich verstehe nicht alle Wörter.

Herr Meister: Mein Fräulein, sagen Sie mir die Wörter, die Sie nicht verstehen. Hier ist der Brief.

Bella: Danke, Herr Meister. Hier ist: Berlin, den sechsten September, ein tausend acht hundert und ....

Herr Meister: Achtundsiebzig.

Bella: Achtundsiebzig. Ich verstehe acht. Was ist siebzig?

Herr Meister: Verstehen Sie das Wort siebzig, Louis?

Louis: Nein, das Wort verstehe ich nicht.

Anna: Ich auch nicht.

Herr Meister: Siebzig ist: zehn und zehn und zehn und zehn und zehn und zehn und zehn. — Das ist sieben (= 7) mal (= ×) zehn (= 10); und sieben mal (= ×) zehn ist siebzig (= 7 × 10 = 70).

Louis: Ich verstehe nun das Wort siebzig.

Herr Meister: Berlin ist ein Name; September ist ein Monat; achtzehn hundert achtundsiebzig ist das Jahr.


Herr Meister: Louis, was wollen Sie sagen?

Louis: Was ist zehn (= 10) und eins (= 1)?

Herr Meister: Zehn und eins ist elf (= 11). Zehn und zwei ist zwölf (= 12). Zwölf ist ein Dutzend. Sechs (= 6) ist ein halbes (= ½) Dutzend; drei ist ein viertel (= ¼) Dutzend; vier ist ein drittel (= 1⁄3) Dutzend. Zehn und drei ist dreizehn (= 13).

Anna: Die Mutter von meiner Mutter ....

Herr Meister: Die Mutter von meiner Mutter! Das ist meine Großmutter, Fräulein Anna.

Anna: Danke, Herr Meister. Meine Großmutter sagt: »Anna! Anna! Dreizehn Personen im Hause,—o, das ist nicht gut! nein! nein! nein!«

Alle (lachen): Ha, ha, ha!....

Herr Meister: Sie lachen! Denken Sie nicht so?

Louis: O, nein. Dreizehn ist so gut wie zwölf, wie elf und wie zehn. Herr Meister, wie viel ist zehn und vier?

Herr Meister: Das ist vierzehn (= 14).

Louis: Und zehn und fünf?

Herr Meister: Zehn und fünf ist fünfzehn (= 15).

Louis: Und zehn und sechs (= 6)?

Herr Meister: Das ist sechzehn (= 16). Nach sechzehn (= 16) kommt siebzehn (= 17); nach siebzehn (= 17) kommt achtzehn; dann neunzehn (= 19) und dann zwanzig (= 20).

Louis: Was ist zwanzig (= 20) und zehn?

Herr Meister: Zwanzig und zehn ist dreißig (= 30). Dreißig und zehn ist vierzig (= 40). Vierzig und zehn ist fünfzig (= 50). Fünfzig ist ein halb hundert. Fünfzig und zehn ist sechzig (= 60). Sechzig und zehn ist siebzig (= 70). Siebzig und zehn ist achtzig (= 80). Achtzig und zehn ist neunzig (= 90). Neunzig und zehn ist hundert (= 100). Zehn mal hundert ist tausend (= 1000). Zehn mal tausend ist zehntausend (= 10,000). Zehn mal zehntausend ist hunderttausend (= 100,000). Zehn mal hunderttausend ist eine Million (1,000,000).

Anna: O, das ist schön (= gut)! Nun kann ich addieren und multiplizieren mit deutschen Zahlen.

Bella: In dem Briefe ist noch ein anderes Wort, das ich nicht verstehen kann: Fürst Bismarck.—Bismarck ist der Name; das verstehe ich; was ist Fürst?

Herr Meister: Das Wort ist ein Titel. Baron ist auch ein Titel.

Bella: Das verstehe ich.

Herr Meister: Verstehen Sie alles?

Bella: Ja, ich verstehe alles, Herr Meister.

Louis: Und ich auch.

Anna: Und ich auch.

Herr Meister: Das ist gut. Hier ist Ihr Brief, Louis.

Louis: Danke.


Anna: Das Papier ist so fein. Ist alles Papier in Deutschland so fein, Herr Meister?

Herr Meister: Fräulein Anna, das Papier in Deutschland ist wie das Papier in Amerika. Man (= die Personen) hat dünnes Papier und dickes; feines Papier und grobes.

Anna: Grobes Papier?

Herr Meister: Ja;

grob ist nicht fein, fein ist nicht grob;
dick ist nicht dünn, dünn ist nicht dick;
kalt ist nicht warm, warm ist nicht kalt;
lang ist nicht kurz, kurz ist nicht lang;
weise ist nicht dumm, dumm ist nicht weise.

Können Sie das verstehen, Anna?

Anna: Ja, Herr Meister, das kann ich gut verstehen.

Herr Meister: Ist das Papier an diesem Buche grob?

Anna: Nein, es (= das Papier) ist nicht grob, es ist fein.

Louis: Herr Meister, was für ein Buch haben Sie in der Hand?

Herr Meister: Welches Buch, Louis? Ich habe zwei (= 2) Bücher; eins (= 1 Buch) habe ich in der einen Hand und eins in der andern Hand. Die eine Hand ist meine rechte Hand; mit der rechten Hand schreibe ich. Ihr Bruder Albert hat den Brief mit der rechten Hand geschrieben (ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben) und nicht mit der linken Hand. Können Sie mit der linken Hand schreiben, Louis?

Louis: Nein, ich kann nicht mit der linken Hand schreiben. Ich spreche von dem Buche in Ihrer (= Herrn Meisters) rechten Hand, Herr Meister.

Herr Meister: Das Buch in meiner rechten Hand ist von Goethe.

Anna: Goethe? Das ist ein deutscher Poet. Nicht wahr, (= ist es nicht so,) Herr Meister?

Herr Meister: Gewiß, (= so ist es,) Fräulein Anna; Goethe ist ein deutscher Dichter (= Poet).


Herr Meister: Was für ein Buch ist dieses hier in meiner linken Hand? Ah, es ist ein altes, altes Buch, und es ist ein gutes Buch.

Anna: Ah, ich sehe. Das ist die ..... die .....

Herr Meister: Die Bibel.

Anna: Ja, die Bibel.

Louis: Das ist eine deutsche Bibel.

Herr Meister: Hier ist die erste (= 1te) Seite.

Bella: O, das kann ich lesen! »Im Beginne machte Gott den Himmel und die Erde.« Verstehen Sie das, Louis?

Louis: Ja, Fräulein Bella.


Louis: Herr Meister!

Herr Meister: Herr Louis?

Louis: Ich kann meines Bruders Brief nicht lesen.

Herr Meister: Nicht?

Louis: Nein. Die Konsonants und .....

Herr Meister: Sagen Sie nicht Konsonants. Sagen Sie: Konsonanten. Konsonants ist englisch.

Louis: Die Konsonanten und die ..... die ..... die .....

Bella: Was ist das, Louis? »Und die ..... die ..... die .....«

Herr Meister: Was wollen (= ich will, Sie wollen) Sie sagen, Louis?

Louis: Was ist das A, E, O, U?

Herr Meister: A, E, O, U sind Vokale.

Louis: Danke, Herr Meister. Ich will sagen: Diese Konsonanten und Vokale in Alberts Brief sind deutsch, und ich verstehe die deutschen Konsonanten und Vokale nicht.

Herr Meister: Für »Konsonanten« und »Vokale« können Sie besser (gut, besser, best) sagen: »Buchstaben.« Sagen Sie: Ich verstehe die deutschen Buchstaben nicht.

Louis: Herr Meister, o, schreiben Sie die deutschen Buchstaben auf dieses Papier.

Herr Meister: Das will ich thun.

Louis: Hier ist das Papier.

Herr Meister: Danke. — Ich schreibe die englischen Buchstaben dabei. — So:

Können Sie gut sehen, Fräulein Bella?

Bella: Danke, Herr Meister; ich kann alles gut sehen. —

Bella: Das L, das M, das N und das O schreibe ich auch im Englischen so.

Herr Meister (schreibt):

Nun muß ich noch schreiben:

Louis: Sind das die deutschen Buchstaben alle?

Herr Meister: Nein; das sind die großen Buchstaben.

Louis: Und die anderen?

Herr Meister: Das sind die kleinen Buchstaben.

Bella: Wollen Sie die kleinen Buchstaben auch schreiben, Herr Meister?

Herr Meister: Gewiß (= o ja), mein Fräulein! Hier:

Louis: Diese kleinen Buchstaben kann ich auch schreiben.

[Herr Meister schreibt:]

Anna: Diese Buchstaben sind wie die englischen.

Bella: Die englischen sind rund; die deutschen nicht.

[Herr Meister schreibt:]

Anna: Herr Meister, ich kann das A, B, C von Mozart singen. Hören Sie!

Louis: Mit diesen Buchstaben schreibt man Briefe, aber nicht Bücher.

Herr Meister: Mein guter Louis! Man schreibt nicht Bücher; der Autor schreibt das Manuskript; aber Bücher druckt man. Die Bibel kommt aus der Presse, nicht wahr? (= ist es nicht so?)

Louis: Ja wohl, Herr Meister.

Herr Meister: Man druckt die Bibel in der Presse.

Anna: Und Goethes Werke auch.

Bella: Und Lord Byrons Werke auch.

Herr Meister: Und der Mann, der das Buch druckt, ist der Buchdrucker.

Anna: War nicht Benjamin Franklin ein Buchdrucker?

Herr Meister: Recht so (= ja), mein Fräulein.

Bella: Horace Greeley war auch ein Buchdrucker.

Louis: Horace Greeley?

Bella: Ja, als er jung war.

Herr Meister: Wer war der Erfinder der Presse?

Anna: Erfinder?

Herr Meister: Ah, Sie verstehen das Wort »Erfinder« nicht. Edison ist der Erfinder des Telephon. Singer ist auch ein Erfinder; Morse auch.

Louis: Ich verstehe. War ein Amerikaner der Erfinder der Presse?

Herr Meister: Nein, mein Freund.

Louis: Nein? Nein?

Herr Meister: Nein. Bevor Christoph Columbus, der Entdecker Amerikas, geboren war, druckte man schon eine Bibel.

Louis: Wer hat die erste Bibel gedruckt?

Herr Meister: Johannes Guttenberg.

Anna: Wo war Johannes Guttenberg geboren?

Herr Meister: In Mainz.

Bella: Ist Mainz nicht eine Stadt in Deutschland?

Herr Meister: Ja wohl, mein Fräulein.

Bella: Die Stadt Mainz ist bei Frankfurt am Main; nicht wahr?

Herr Meister: So ist es, mein Fräulein; Frankfurt ist eine alte, alte Stadt. Goethe ist hier geboren.

Bella: Mein Onkel Charles sah Goethes Geburtshaus.

Louis: Herr Meister, ich kann Alles verstehen. Sie sagen Geburtshaus, das ist das Haus, in dem Goethe geboren ist! O, ich lerne Deutsch so gut, wie mein Bruder Albert!

Herr Meister: Gewiß, gewiß (= ja, ja). Nun muß ich Ihnen Adieu sagen. Adieu, meine Damen!

Alle: Adieu, Herr Meister.

[Herr Meister geht.]


II.

Herr Meister: Guten Tag!

Louis: Was sagen Sie, Herr Meister?

Herr Meister: Guten Tag!

Louis: Was ist das: »Guten Tag«? Ich verstehe Sie nicht, Herr Meister.

Herr Meister: Ich sage: Adieu, wenn ich von Ihnen (= Anna, Bella und Louis) gehe; und ich sage: Guten Tag, wenn ich zu Ihnen komme.

Louis: Nun verstehe ich. Sehen Sie, was ich hier habe!

Herr Meister: Ah! das ist ein feiner Chronometer!

Louis: Mein Onkel aus England sendet [ihn][II-1] (= den Chronometer) mir zu meinem Geburtstage.

Anna: Wann ist Ihr Geburtstag, Louis?

Louis: Am vierten (= 4ten) Oktober.

Anna: Das ist an diesem Tage.

Herr Meister: Fräulein Anna, sagen Sie nicht: »Das ist an diesem Tage«; sagen Sie: »Das ist heute.« Mein Freund Louis, Ihr Geburtstag ist heute; ich bringe Ihnen meine beste Gratulation.

Anna: Ich gratuliere auch.

Bella: Und ich auch.

Herr Meister: Ich hoffe, dieser Tag wird noch oft kommen für Sie.

Louis: Ich danke.


Louis: Sind die englischen Chronometer besser, als die amerikanischen?

Herr Meister: Ja, die englischen sind die besten.

Louis: Ach, sehen Sie die Hände an diesem Chronometer!

Herr Meister: Die Hände? Hat der Chronometer Hände?

Louis: Ja, sehen Sie nicht hier? Die große Hand steht auf zwölf (= 12), die kleine (= nicht große) auch.

Herr Meister: Ah, ich verstehe Sie. Louis, der Chronometer hat keine Hände; der Mensch (= die Person) hat zwei Hände. Sehen Sie! Das sind meine zwei Hände. Der Chronometer hat keine Hände; der Chronometer hat zwei Zeiger; einen großen Zeiger und einen kleinen Zeiger. Hier! Der große Zeiger steht auf zwölf. Ist es nicht so, Anna?

Anna: Ja wohl, Herr Meister.

Herr Meister: Und der kleine Zeiger steht auch auf zwölf; es ist zwölf Uhr; es ist Mittag; das ist: Mitten am Tage. Ist der kleine Zeiger auf eins (= 1) und der große auf zwölf (= 12) dann ist es ein Uhr. Von zwölf bis eins ist eine Stunde. Von eins bis zwei ist eine Stunde, und von zwei bis drei ist auch eine Stunde. — Eine Stunde hat sechzig (= 60) Minuten. Fünfzehn (= 15) Minuten sind eine viertel (= ¼) Stunde; dreißig (= 30) Minuten sind eine halbe (= ½) Stunde; und fünfundvierzig (= 45) Minuten sind dreiviertel (= ¾) Stunden.

Herr Meister: Sehen Sie hier diesen kleinen Zeiger?

Anna: Ach, ja! Sieh hier, Bella; o, so klein!

Herr Meister: Er (= der kleine Zeiger) zeigt die Sekunden. Eine Minute hat sechzig (= 60) Sekunden. Die Sekunden! Louis, sehen Sie den Regenschauer, sehen Sie diese Wassertropfen fallen. Da ist ein Tropfen und da ist noch ein Tropfen, und noch einer. — Diese Wassertropfen sind klein, nicht wahr? Aber alle diese kleinen Tropfen machen den großen Ozean. Und so ist es mit den Sekunden! Sechzig Sekunden machen eine Minute, sechzig Minuten eine Stunde, vierundzwanzig (= 24) Stunden machen einen Tag, und drei hundert und fünf und sechzig (= 365) Tage sind ein Jahr. »Siebzig (= 70) Jahre hat der Mensch auf Erden,« sagt die Bibel. Siebzig Jahre! Das ist eine lange Zeit für viele Leute (= Personen); für viele Leute ist sie (= die Zeit) zu kurz (= nicht lang) all das Gute zu thun, das sie thun wollen. Viele Leute thun nichts Gutes, so lange sie leben (= sind).


Anna: Louis, wie viel Uhr haben Sie?

Louis: Ich habe zwanzig ..... dreißig ..... vierzig Minuten vor ein Uhr.

Herr Meister: Das ist zwanzig (= 20) Minuten nach zwölf (= 12), nicht wahr? Sagen Sie: Zwanzig Minuten nach zwölf; das ist besser.

Louis: Ich habe zwanzig Minuten nach zwölf; haben Sie auch so viel, Herr Meister?

Herr Meister: Nein, ich habe achtzehn (= 18) Minuten nach zwölf.

Louis: Herr Meister, Ihre Uhr ist nicht recht.

Herr Meister: So ist es; meine Uhr geht zwei Minuten zu langsam; sie (= die Uhr) geht oft zu langsam.

Louis: Wie viel Uhr haben Sie, Bella?

Bella: Ich habe achtundzwanzig (= 28) Minuten nach zwölf.

Louis: Ihre Uhr geht auch nicht recht.

Herr Meister: Bellas Uhr geht zu schnell.

Anna: Ha, ha, ha! Hier sind drei Uhren; und die eine geht nicht, wie die andere!


Anna: Ich habe eine Uhr in meinem Hause, die ruft (= sagt) alle Stunde: Kuckuck! Kuckuck!

Louis: O, Anna, eine Uhr ruft Kuckuck!

Anna: Sie wundern sich, Louis?

Louis: Ja, ich wundere mich.

Bella: Haben Sie noch keine Kuckucksuhr gesehen?

Louis: Nein, nie.

Anna: Sie können meine Uhr sehen.

Louis: Bringen Sie Ihre Kuckucksuhr mit hierher.

Anna: Das kann ich nicht, Louis.

Louis: Sie können nicht, Anna? Herr Meister bringt seine Uhr mit sich und Bella auch; sehen Sie hier? Ich habe meine Uhr auch bei mir.

Anna: Nein, Freund Louis, nein; ich kann meine Uhr nicht mit mir bringen; sie (= die Uhr) ist zu groß, so groß, wie dieses dicke Buch.

Louis: Die Uhr ist groß. Nein, Anna, die (= Uhr) können Sie nicht mitbringen.

Herr Meister: Louis, wo haben Sie Ihre Uhr? Ich sehe sie (= die Uhr) nicht.

Louis: Hier, hier.

Herr Meister: Hier? Ah, ich kann sie fühlen; sie ist in Ihrer Westentasche. Ihre Uhr ist eine Taschenuhr. Meine Uhr ist auch eine Taschenuhr und Bellas auch. Annas Uhr ist keine Taschenuhr. Fräulein Anna, hängt Ihre Kuckucksuhr in Ihrem Hause an der Wand?

Anna: Ja wohl, Herr Meister.

Herr Meister: Das ist eine Wanduhr.

Anna: Und an der Wand an der einen Seite (von) der Uhr hängt Bellas Photographie, und an der andern Seite hängt meine Photographie, nicht wahr, Bella?

Bella: Ja, so ist es.


Louis: Kommen die Kuckucksuhren auch aus England?

Herr Meister: Nein, sie (= die Kuckucksuhren) kommen aus dem Schwarzwalde in Deutschland.

Louis: Schwarzwald? Ist das eine große Stadt?

Bella: O Louis! Studieren Sie in der Schule nicht Geographie von Europa? Der Schwarzwald ist keine Stadt; der Schwarzwald ist im Westen Deutschlands. Ist es nicht so, Herr Meister?

Herr Meister: So ist es, mein Fräulein.

Louis: Sie sagen, Fräulein Bella: Der Schwarzwald ist keine Stadt; der Schwarzwald ist im Westen Deutschlands. Was ist nun der Schwarzwald?

Bella: Ich kann Ihnen nicht mehr sagen im Deutschen. Ich kann nicht viel deutsch sprechen. Herr Meister, helfen Sie mir; bitte, bitte.

Herr Meister: Das will ich thun, mein Fräulein. Louis, Sie wissen, the White Mountains sind in den New–England–Staaten.

Louis: Bei Boston?

Herr Meister: O nein, nicht so nahe bei Boston. Die Apenninen sind Berge in Italien, und die Alpen sind Berge in der Schweiz und in Tirol.

Louis: O, alles das weiß ich.

Herr Meister: Gut. Schwarzwald ist der Name für Berge im Westen Deutschlands.


Bella: Ist der Schwarzwald nicht nahe beim Rhein?

Herr Meister: Ja wohl, mein Fräulein. Der Schwarzwald ist nahe bei dem Rhein.

Louis: Rhein? Mein Vater spricht (ich spreche—er spricht) oft vom Rhein. Er hat ihn (= den Rhein) diesen Sommer gesehen. Mein Vater sagt: der deutsche Rhein ist wunderschön. An beiden (= zwei) Seiten sind Berge, und auf den Bergen sind Ruinen. Unser Hudson ist schön, aber der Rhein ist schöner. Meine Mutter spricht nicht so. Sie (= die Mutter) sagt: »Unser Hudson von New York bis Albany ist so schön, wie der Rhein.« Was meinen (= denken) Sie, Herr Meister?

Herr Meister: Ich sah (ich sehe—ich sah—ich habe gesehen) den Hudson im Sonnenschein des Tages, und ich sah ihn (= den Hudson) in einer wundervollen Nacht im Sommer. Der Mond stand am Himmel so mild und Millionen und Millionen Sterne waren über mir so klar. O welche Scene!

Louis: Aber der Hudson hat keine Ruinen!

Bella: Nein, er hat keine Ruinen; aber er hat grüne Berge an beiden Seiten, wie der Rhein; und anstatt der Ruinen hat unser Hudson neue Paläste. Unser Hudson ist schön.

Herr Meister: Sie haben Patriotismus, mein Fräulein; das ist recht!


Herr Meister: Wir haben in Amerika auch einen Schwarzwald.

Anna: Einen Schwarzwald in Amerika?

Herr Meister: Ja, ja, Fräulein Anna; die Black Hills.

Alle: O, ja, ja.

Louis: Da ist viel Gold. Findet man auch Gold im deutschen Schwarzwald?

Herr Meister: Ich sage nein und ja. Ich sage nein, denn der deutsche Schwarzwald hat keine Goldminen; und ich sage ja, denn die Leute gewinnen im Schwarzwalde Gold mit ihren Uhren. Zweimal hundert tausend Uhren, Taschenuhren und Wanduhren, kommen alle Jahre aus dem Schwarzwalde in die Länder Amerikas und Europas, nach Asien und Afrika und auch nach Australien. So finden die Leute im Schwarzwalde Gold.

Louis: Macht man im Schwarzwalde auch viele Taschenuhren?

Herr Meister: Ja, aber mehr Taschenuhren macht man in den Alpen; ich will sagen: in der Schweiz. Alpen — das sind die Berge. Schweiz — das ist das Land in dem die Alpen sind. Wollen Sie hören, wer die erste Taschenuhr in der Schweiz gemacht?

Louis: O, ja, Herr Meister.

Bella und Anna: Bitte, bitte.

Herr Meister: Im Jahre 1679 kam ein Mann aus Nürnberg in die Schweiz. Er hatte eine Taschenuhr. Die Schweizer (= die Leute in der Schweiz) hatten nie eine Taschenuhr gesehen. Sie sahen (ich sehe—ich sah—ich habe gesehen) die kleine Uhr des Mannes und sagten: »Das ist ein Wunderwerk.« Richard, ein junger Mann, sah diese kleine Uhr auch, und er bewunderte sie. Er hatte sie (= die kleine Uhr) wenige Minuten gesehen, dann sagte er zu seinem Freunde: Ich muß ein solches Wunderwerk haben! — und in einem halben Jahre hatte er eines (= ein Wunderwerk). Er selbst hatte eine Taschenuhr gemacht, — Richard war der erste Uhrmacher in der Schweiz.

Anna: Richard war der erste Uhrmacher in der Schweiz! Waren schon Taschenuhren vor Richard?

Herr Meister: O ja, lange zuvor. Wissen Sie, wer die erste Taschenuhr gemacht hat?

Anna: Nein, ich weiß es nicht.

Herr Meister: [Peter Hele][II-2] in Nürnberg.

Louis: Waren die ersten Taschenuhren so wie unsere Uhren heute?

Herr Meister: Nein, nicht so fein und nicht so klein. Die ersten Uhren waren oval, wie das Ei von der Henne und hatten den Namen »Nürnberger Eier.«

Louis: Herr Meister, sprechen Sie noch mehr von der Uhr, bitte!

Herr Meister: Ich kann heute nicht, Louis. Es ist ein Uhr. Ich muß gehen. Morgen sehe ich Sie alle wieder, und dann sprechen wir von ..... nun, wir wollen sehen (ich will—wir wollen). Auf Wiedersehen!


III.

Herr Meister: Meine Damen, Sie haben wundervolle Rosen; sind das Theerosen?

Anna: Ja, wir bringen diese Rosen für Sie. Hier, Herr Meister!

Herr Meister: Sie wollen diese Rosen mir geben, Fräulein? Sie sind sehr gütig (= gut). Ich nehme sie (= die Rosen) mit Dank. Ist Louis nicht hier? Ich sehe ihn (= Louis) nicht. Ah, da kommt er! Es ist gut, daß Sie kommen, Louis; wir können nun beginnen.

Louis: Herr Meister, hier bringe ich meinen Bruder Otto mit mir; er (= mein Bruder) will auch Deutsch lernen.

Herr Meister: Ihr Bruder Louis sagt mir, Sie verstehen die deutsche Sprache sehr gut.

Otto: Mein Bruder Louis — ja, mein Bruder spricht oft zu gut von mir. Ich kann Deutsch sprechen, aber nicht viel und nicht gut. Ich hoffe, hier kann ich gut sprechen lernen.

Louis: O ja; hier mußt du gut sprechen lernen; wir sprechen nur Deutsch und kein Englisch.

Otto: Kein Englisch?

Louis: Nein, Otto, kein Englisch .....

Bella: Louis, es ist zwölf Uhr und zehn Minuten ....

Herr Meister: Das ist zehn Minuten nach zwölf, mein Fräulein.

Bella: Es ist zehn Minuten nach zwölf. Wir alle waren vor Ihnen hier, Louis. Sie kommen heute spät.

Louis: Ja, ich komme heute zehn Minuten zu spät. Ich war mit meinem Bruder in dem Park.

Anna: Wie ist es heute in dem Park?

Louis: Es ist schön, meine Damen.

Otto: We have here beautiful leaves from the maple tree .....

Louis: Halt, Otto, halt! Kein Englisch!

Otto: O ..... we have ..... wir ..... wir haben hier schöne Herbstblätter vom Ahornbaum.

Anna: Ah, gelbe Blätter!

Bella: So gelb wie Gold!

Otto: Diese Blätter sind für meine Mutter; morgen gehe ich wieder, dann bringe ich auch Blätter für Sie, meine Damen.

Bella: Danke, danke Ihnen.

Anna: Danke, Otto.

Herr Meister: Es ist nicht lange her, da war alles im Parke so grün; heute ist alles gelb und braun, und nicht lange mehr, dann haben wir Dezember und alles ist weiß von Eis und Schnee.

Otto: O, im Park sind Bäume (1 Baum, 2 Bäume), die sind immer grün, im Sommer und im Winter.

Anna: So? Im Sommer und im Winter?

Otto: Ja, es sind die .... o, ich weiß den deutschen Namen nicht. Soll ich es auf Englisch sagen?

Alle: Nein, Otto, nein! Kein Englisch! Deutsch! Deutsch!

Herr Meister: Otto, wie sind die Blätter an diesem Baume? Sind sie so groß, wie die Blätter am Rosenbusch?

Otto: Nein.

Herr Meister: Sind sie rund?

Otto: Nein; sie sind grün, und an dem einen Ende sind sie wie die Dornen am Rosenbusch.

Herr Meister: Ah, ich verstehe. »An dem einen Ende sind sie wie die Dornen am Rosenbusch«? Sie sind spitz.

Louis: Herr Meister, ist das Bajonett spitz?

Herr Meister: Das Bajonett ist auch spitz, aber nicht so spitz wie die Dornen an dem Rosenbusch und nicht so spitz wie die Nadeln an Ihrem Baume.

Otto: Sagen Sie im Deutschen: Der Baum, der immer grün ist, hat Nadeln?

Herr Meister: Ja, so sagen wir im Deutschen, und der Baum heißt (= hat den Namen) Nadelbaum oder Tannenbaum.


Otto: Im Colleg habe ich ein Gedicht (= Poem) gelernt, von einem Bäumlein, das Nadeln hatte.

Herr Meister: Ist das Gedicht von Friedrich Rückert?

Otto: Friedrich Rückert — ja, das ist der Name des Dichters (= Poeten).

Bella: Ist Rückert ein guter Dichter?

Herr Meister: Das ist er. Goethe spricht sehr gut von ihm.

Louis: Bevor Sie mehr sprechen, Herr Meister, sagen Sie mir: Wann ist Goethe geboren?

Herr Meister: Goethe ist am achtundzwanzigsten (= 28sten) August 1749 geboren.

Bella: Ist Goethe älter (alt, älter, ältest) als Schiller?

Herr Meister: Ja, mein Fräulein; Goethe ist älter; Schiller ist 1759 geboren und Rückert 1789; Heine 1799 und Lessing 1729.

Anna: Das ist wunderbar!

Herr Meister: Unsere größten Dichter sind in Jahren geboren, welche die Zahl neun (= 9) am Ende haben.

Louis: Das muß ich meiner Mutter sagen. Lessing 1729, Goethe 1749, Schiller 1759, Rückert 1789, Heine 1799. Ist das so recht?

Herr Meister: Ganz recht so.


Bella: Otto! Bitte, sagen Sie doch das Gedicht von Rückert!

Otto: Gut. Ich beginne:

[»][III-1]Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald
In gutem und schlechtem Wetter.
Das hat von unten bis oben
Nur Nadeln gehabt, statt Blätter.
Die Nadeln haben gestochen,
Das Bäumlein hat gesprochen[:«][III-2]

Das ist der erste Vers.

Herr Meister: Verstehen Sie alles, Bella?

Bella: Alles? Nein. Ich verstehe: Es war ein Baum, und dieser Baum hatte keine Blätter, er hatte Nadeln.

Louis: Sie sagten, Otto .....

Herr Meister: Louis, »Sie sagten, Otto« — das ist nicht gut; »Du sagtest, Otto,« das ist besser. Otto ist Ihr Bruder. Nicht wahr? (= ist es nicht so?)

Louis: Ja, und er ist ein guter Bruder!

Herr Meister: Das ist sehr schön (= gut). Der Bruder sagt zum Bruder: »Du«; und der Vater auch zu seinem Sohne, und der Sohn auch zu seinem Vater und zu seiner Mutter und zu seinem Onkel und zu seiner Cousine und zu allen andern Verwandten.

Louis: Ich danke Ihnen, Herr Meister. Otto, du sagst: Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald und Bella sagt: Es ist ein Baum gestanden. Ist Bäumlein und Baum dasselbe?

Otto: Ein Bäumlein ist ein kleiner Baum; und eine kleine Rose ist ein [Röslein][III-3]; und ein kleines Buch ist ein [Büchlein][III-3]; und ein kleines Haus ist ein [Häuslein][III-3]. Der Baum im Walde war klein, darum sagte der Dichter: »Bäumlein.« Habe ich Recht, Herr Meister?

Herr Meister: Gewiß (= ja, ja), Otto.

Anna: Wo stand das Bäumlein?

Otto: Im Walde.

Anna: Was ist ein Wald?

Bella: Ich denke, es ist ein Garten.

Herr Meister: Nein, es ist kein Garten. Im Garten stehen nicht viele Bäume, aber im Walde sind viele, oft hundert, oft tausend und oft noch mehr.

Anna: Ich verstehe.

Otto: Ist Forst nicht ein Synonym von Wald?

Herr Meister: Ja, aber Forst ist ein großer Wald.

Louis: »Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald, in ..... in .....«

Otto: »In gutem und schlechtem Wetter — «

Louis: In gutem und schlechtem Wetter, das hat ....

Otto: Von unten bis oben .....

Louis: Halt! halt! Otto, was ist das: Von unten bis oben?

Otto: Das kann ich dir sagen. Sieh, hier ist Seite 5 in diesem Buche. Wie viele Wörter sind auf dieser Seite?

Louis: Eins, zwei, drei ..... hundert ..... hundert und fünfzig ..... zweihundert [.....][III-4] zweihundert und zehn (= 210).

Otto: Gut. Das erste (= 1ste) Wort ist an dem einen Ende und das zweihundertzehnte (= 210te) an dem anderen Ende. Nicht wahr?

Louis: Ja wohl.

Otto: Nun, das eine Ende ist »oben« und das andere Ende ist »unten.«

Bella: Otto, sagen Sie so: »Von unten bis oben« das ist: Von einem Ende bis zum andern.

Louis: »Das hat von unten bis oben nur Nadeln gehabt, statt Blätter.«

Bella: Nur? Was ist das: Nur Nadeln?

Herr Meister: Das Bäumlein hatte Nadeln und keine Blätter; es hatte Nadeln und Nadeln und nichts anderes als Nadeln; das ist: Das Bäumlein hatte nur Nadeln.

Bella: Und was ist: statt?

Otto: Im Englischen ist dasselbe Wort: "instead."

Louis: Ich verstehe, Otto. Aber du mußt nicht Englisch sprechen.

Anna: Ich verstehe dieses Wort nicht: »gestochen

Otto: Anna, Sie wissen, der Dorn an der Rose sticht, und die Moskito sticht auch und die Wespe und die Biene; und die Nadel sticht. Heute, im Oktober, sticht keine Wespe, aber im August hat mich eine gestochen, sehen Sie hier, an diesen Mittelfinger. Die Nadeln des Tannenbaumes haben auch gestochen (ich steche, ich stach, ich habe gestochen).

Alle: Nun verstehen wir alle Wörter!


Otto: So, nun wollen wir alle das Gedicht sagen; Sie, Bella und Anna, und mein Bruder und ich — alle, alle zusammen.

Alle:

»Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald
In gutem und schlechtem Wetter.
Das hat von unten bis oben
Nur Nadeln gehabt statt Blätter.
Die Nadeln haben gestochen,
Das Bäumlein hat gesprochen.«

Bella: Was hat das Bäumlein gesprochen? (ich spreche, ich sprach, ich habe gesprochen.)

Otto:

Alle meine Kameraden
Haben schöne Blätter an
Und ich habe nur Nadeln ..... Nadeln .....
und Nadeln ..... und ..... und .....

Louis: Nadeln ..... und ..... und .....?

Otto: Herr Meister, ich kann die andern Verse nicht sagen; ich habe sie (= die Verse) vergessen (ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergessen). Helfen Sie mir, ich bitte!

Herr Meister: Ich kann nicht. Ich habe mein Buch nicht hier; und so kann ich das Gedicht auch nicht sagen.

Louis: Aber ich will das Ende wissen.

Herr Meister: Louis, sagen Sie nicht: »Ich will«; das ist nicht fein. Sagen Sie: »Ich möchte das Ende wissen.« Das ist besser.

Louis: O, ich möchte das Ende wissen.

Otto: Ich kann Ihnen alles in Prosa erzählen (= sagen).

Alle: O, erzählen Sie es in Prosa! Erzählen Sie!


Otto: Das Bäumlein hat gesprochen: Ich will diese Nadeln nicht; nein, ich will sie nicht; alle die anderen Bäume im Walde haben schöne Blätter, und ich nicht. Ich will auch Blätter, und ich will bessere; ich will Blätter von Gold. Und da kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) die Nacht; da ist das Bäumlein eingeschlafen und .....

Louis: Eingeschlafen? Was ist das?

Otto: Um elf Uhr in der Nacht gehst du (ich gehe, du gehst) in dein Bett, und in fünf Minuten hörst du (ich höre, du hörst) nichts mehr und siehst (ich sehe, du siehst) nichts mehr, und deine Augen sind nicht mehr offen; nicht wahr, Louis?

Louis: Ja wohl, Otto, so ist es.

Otto: Du bist eingeschlafen; und dann schläfst du (ich schlafe, du schläfst) sieben Stunden.

Louis: O ja, das ist wahr (= das ist so).

Otto: — und am anderen Morgen ist es aufgewacht .....

Louis: Aufgewacht? Das Wort verstehe ich auch nicht.

Herr Meister: Das Bäumlein öffnete (ich öffne, ich öffnete, ich habe geöffnet) die Augen.

Louis: Ich verstehe.

Otto: — ist es aufgewacht und hatte Blätter von Gold. Da war es reich. Blätter von Gold im Sonnenschein! Das war so schön. Und das Bäumlein lachte, und es war so froh, und es sagte (ich sage, ich sagte, ich habe gesagt): Ich bin das schönste Bäumlein im Walde! Und dann war es Abend. Da kam ein Mann. Er sah (ich sehe, ich sah, ich habe gesehen) das Gold und steckte alles, alles in seinen großen Sack und in seine langen Taschen. Da hatte das Bäumlein keine Blätter mehr und auch kein Gold; es war so arm!

Anna: O, das arme Bäumlein!

Louis: Da lachte das Bäumlein nicht!?

Otto: Nein, es lachte nicht; es war traurig und sagte: Heute Morgen war ich voll mit goldenen Blättern und nun — ach, ich will keine goldenen Blätter, ich will Blätter von Glas. Und am nächsten Morgen hatte (ich habe, ich hatte) das Bäumlein Blätter von Glas. Das Glas glitzerte in der Sonne, und das Bäumlein sagte: Kein Baum im Walde glitzert so. Da kommt der Sturm durch den Wald, und er kommt an die Blätter von Glas; die Blätter von Glas fallen auf die Erde und in einer Minute waren alle, alle zerbrochen.

Bella: Der böse, böse Wind!


Otto: Da war das Bäumlein wieder traurig und es sagte: Ich will keine Blätter von Glas und keine von Gold; ich möchte grüne Blätter, wie alle die anderen Bäume hier im Walde. Und wieder ist es eingeschlafen am Abend, und wieder ist es aufgewacht am Morgen und da hatte es grüne Blätter. Da kam die Ziege.

Louis: Die Ziege? Was ist eine Ziege?

Otto: Das kann ich dir sagen, Louis. Du trinkst Milch im Kaffee, nicht wahr?

Louis: Nein, Otto, nicht ich; ich trinke keinen Kaffee und keinen Thee, aber mein Vater trinkt Kaffee und Milch.

Otto: Und wir haben die Milch von .....?

Louis: Von ..... von dem Milchmanne.

Otto: Nun ja, Louis, von dem Milchmanne! Von wem hat der Milchmann die Milch?

Louis: Von der K..... K.....

Otto: Das ist recht, Louis! Von der Kuh. Die Kuh [giebt][III-6] uns Milch und Butter. Die Ziege giebt uns auch Milch; die Ziege ist kleiner als die Kuh.

Louis: Die Ziege ist eine kleine Kuh, nicht wahr?

Otto: O nein, Louis, nein. Höre! Die Kuh macht: Muh! muh! und die Ziege macht: Mä.....e..... e.....e!

Louis: Otto, du machst sehr gut mä.....e..... e.....e.....; so gut kann ich es nicht. Ich verstehe dich (= Otto). Die Ziege ist kleiner als die Kuh, und sie ist größer als das ..... das .....

Otto: Größer als was?

Louis: Größer als das ..... das ..... das ..... O, ich kann es nicht sagen.

Otto: Hat es Federn, wie die Henne?

Louis: Nein.

Otto: Hat es Haare, wie die Ziege?

Louis: Nein; es hat keine Haare, wie die Ziege, und keine Federn, wie die Henne.

Otto: Es hat keine Haare und keine Federn. Was hat es?

Louis: O, du weißt (= verstehst), was ich meine!

Herr Meister: Hat es Wolle?

Louis: Ja, es hat Wolle und macht: Blä! blä! blä!

Otto: Ah, du meinst ein Lamm.

Louis: Ja, ein Lamm.

Herr Meister: Ein Lamm ist jung, und wenn das Lamm alt ist, so ist es ein Schaf.


Otto: Da kam die Ziege und sah die grünen Blätter. Das Bäumlein war so jung, und die Blätter so frisch, und die Ziege so hungrig, und da nahm (ich nehme, ich nahm, ich habe genommen) sie alle Blätter. Da sagte das Bäumlein: Ich will keine Blätter mehr, keine Blätter von Gold und keine von Glas und auch keine grünen Blätter. Ich möchte meine Nadeln wieder haben! Und am Abend ist das Bäumlein wieder eingeschlafen, und am Morgen ist es wieder aufgewacht, und da — da lacht es (ich lache, ich lachte, ich habe gelacht), und die andern Bäume im Walde lachen auch. Warum denn? Das Bäumlein hatte wieder (ich habe, ich hatte, ich habe gehabt) alle seine Nadeln. Und das war gut! Verstehst du alles, Louis?

Louis: Ich verstehe alles.

Otto: Haben Sie mich auch verstanden, Anna?

Anna: O ja! sehr gut.

Otto: Und Sie, Bella?

Bella: Ich auch. Sie sprechen so gut deutsch, Otto.

Otto: Im Gedicht ist alles schöner, als in Prosa.

Bella: Ich werde (= will) es lesen.

Anna: Ich werde es (= das Gedicht) meiner kleinen Schwester zu Hause erzählen.

Herr Meister: Ah! Rückert hat dieses Gedicht auch für seine kleine Schwester geschrieben (ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben).

Anna: Erst will das Bäumlein Blätter von Gold, dann von Silber und .....

Louis: Nein, Anna; nicht von Silber; von Glas.

Anna: ... von Glas und dann grüne Blätter, und zuletzt will es seine Nadeln wieder. Nicht wahr, Herr Meister?

Herr Meister: Ja, so ist es. Das Bäumlein ist nicht zufrieden, oft will es das eine, oft das andere.

Anna: So ist meine kleine Schwester Julie auch. Heute Morgen sagte sie: Ach, wann kommt der Winter? Und ist der Winter da, so sagt sie: Ach, wann kommt der Sommer?

Herr Meister: Ihre Schwester Julie ist, wie die Menschen so oft sind — unzufrieden.

Otto: Ist unzufrieden dasselbe wie »nicht zufrieden«?

Herr Meister: Ja, Otto. Die Silbe »un« vor einem Wort ist »nicht

Otto: Das ist im Englischen auch so; unhappy ist not happy; unkind ist not kind.


Bella: Ich bin auch oft unzufrieden, wie Julie; ich sagte auch oft im Winter: Wann kommt der schöne Sommer?

Otto: Glauben (= denken) Sie, der Sommer ist besser, als der Winter?

Bella: O, viel besser!

Anna: Ich glaube, der Winter ist besser und schöner. Im Winter kann man in das Theater gehen, in die Oper, in das Konzert und auf den Ball; am fünfundzwanzigsten Dezember sind die Weihnachten (= Christtage), und am ersten Januar haben wir Neujahr. Der Winter, o, der Winter ist so schön!

Louis: Ja, Weihnachten ist ein schönes Fest; ich denke auch so, Anna! Im Winter kann ich auf das Eis gehen und kann in meinem Hause sitzen bei meiner Lampe; ich kann schöne Bücher lesen; aber im Sommer, im warmen Sommer, kann ich das nicht.

Bella: Und Sie, Otto? Sie denken so wie ich! Nicht wahr? O, bitte, sagen Sie: Ja. Bitte, bitte.

Otto: Bella, Sie sind meine Freundin; das ist auch Fräulein Anna. Sage ich: Der Winter ist besser, so spreche ich gegen die eine Freundin; sage ich: Der Sommer ist besser, so spreche ich gegen die andere. Was kann ich hier thun? Halt! ich weiß. Herr Meister, was kommt nach dem Sommer und ist vor dem Winter?

Herr Meister: Der Herbst. Der Herbst ist zwischen Sommer und Winter.

Otto: Gut; so sage ich: Der Herbst ist am besten; er ist besser, als der warme Sommer, und besser, als der kalte Winter. Und im Herbste, — o, da haben wir Thanksgivingday! meine Freundinnen, ja, Thanksgivingday! Da haben wir ein [Türkischhuhn][III-6] (= Henne). Ja, der Herbst ist am schönsten!

Bella: Otto! Sie sprechen nicht für mich; gut! ich werde selbst für mich sprechen. Und ich sage: Der Sommer ist besser; er ist besser, als der Winter und besser, als der Herbst. Ich weiß, der Winter hat Theater, Konzert und Ball. Das ist sehr schön, o, ja! und schön ist es auch im Kreise (= im Zirkel) von Freunden beim Feuer zu sitzen; aber ich denke nicht an mich allein. Hunderte und Tausende von Menschen sind im Winter oft in bitterer Kälte auf der Straße; sie haben kein Haus, kein Brot, und sind so hungrig. O nein, nein! Preiset nicht den Winter, den harten, harten Winter! Denken Sie nicht auch so, Herr Meister?


Herr Meister: Mein Fräulein; Sie sprechen so gegen den Winter, daß ich denken muß, wie Sie: Ja, der Sommer ist schöner und besser, als der Winter; das ist: Hier in New York. Aber in Deutschland, in Deutschland ist der Frühling schöner als der Winter, schöner als der Sommer und schöner als der Herbst. Ah, meine Freunde, ich finde nicht die Worte, Ihnen zu sagen, was der deutsche Frühling ist! Da müssen Sie die Gedichte lesen von Heine, von Goethe, von Schiller, von Rückert. Otto, wissen Sie, wer der deutsche Dichter des Frühlings ist?

Otto: Nein, das weiß ich nicht. Ich kenne Thomsons "Seasons," aber das ist nicht Deutsch; es ist Englisch.

Herr Meister: "The Seasons" ist ein gutes Gedicht. Der deutsche Dichter des Frühlings ist Ewald von Kleist. Von den deutschen Dichtern: Schiller, Goethe, Heine, Rückert

. spreche ich noch oft mit Ihnen. Heute kann ich nicht mehr. Adieu, meine Freunde!

Alle: Adieu, Herr Meister!

[Herr Meister geht.]


Anna: Das war heute schön.

Bella: Bitte, Otto, sagen Sie ein anderes Gedicht.

Otto: To him, who....

Louis: Halt, Otto, halt!

Bella und Anna: Bitte, Otto, kein Englisch.

Otto: Kein Englisch? Ach so, ich habe das vergessen. Deutsch. Ja, ein deutsches Gedicht — — — Ich habe eins zu Hause. Es (= das Gedicht) ist von Hoffmann von Fallersleben, und Sie können es verstehen. Ich werde es Ihnen morgen bringen, meine Damen.

Bella: Kommen Sie morgen wieder, Otto?

Otto: Ja, ich hoffe es.

Louis: Wir wollen heute hier enden.

Alle: Um 12 Uhr morgen.

Anna: Was wird Herr Meister uns (= Anna, Bella, Louis, Otto) morgen bringen?

Bella: Das weiß ich nicht.

Otto und Louis: Auf Wiedersehen!

Anna und Bella: Auf Wiedersehen!

[Sie gehen.]


IV.

Louis: Es ist zwölf Uhr und Herr Meister ist (noch) nicht hier.

Anna: Ich wundere mich. Herr Meister kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) nie zu spät.

Bella: Da kommt jemand (= eine Person). Hören Sie? Bitte, Louis, sehen Sie, ob es Herr Meister ist. (Louis geht.) Otto, haben Sie heute das Gedicht von Hoffmann von Fallersleben?

Otto: Ja wohl; hier ist es, und wenn mein Bruder Louis wieder kommt, so — ah, hier ist er. (Louis kommt mit einem Briefe.)

Otto: Nun? Kommt Herr Meister?

Louis: Ich glaube (= denke) nicht. Hier ist ein Brief von ihm.

Bella: O, das ist ein dicker Brief.

Louis: Die Adresse ist:

Herrn Louis Parks,
225 5. Ave.,
hier.

Louis: Ich will den Brief öffnen und ihn laut vorlesen:

Mein lieber Freund Louis!

Ich bin recht traurig, daß ich Ihnen schreiben muß: Ich kann heute nicht kommen. Gestern Abend war ich im Theater und sah ein Drama von Lessing: »Nathan der Weise.« Es ist Lessings letztes und größtes Drama. In vielen Jahren hatte ich es (= das Drama) nicht gesehen, und da wollte ich (ich will, ich wollte, ich habe gewollt) es nicht versäumen. Alles war wundervoll. Warum waren Sie nicht bei mir, mein Freund? Im Theater war es warm von den vielen, vielen Gaslichtern, und als ich am Ende des Stückes (= Dramas) auf die Straße kam, war der Wind eiskalt, und so habe ich mich erkältet; ich kann kein Wort sprechen.

Doktor Smith, mein Arzt, kam heute Morgen zu mir und sagte sehr ernst: Herr Meister, Sie müssen heute im Bette bleiben; ich werde (= will) Ihnen Medizin verschreiben; davon (= von der Medizin) nehmen Sie jede Stunde einen Theelöffel voll. Halten Sie sich warm; und so hoffe ich, in vier oder fünf Tagen können Sie wieder aus dem Hause gehen. So sprach der böse Doktor (ich spreche, ich sprach, ich habe gesprochen). Vier oder fünf Tage im Hause bleiben! Das ist schlimm (= nicht gut), sehr schlimm für mich; aber was kann ich thun?

Sie kennen (ich kenne = ich weiß) meine Töchter Martha und Gretchen. Nicht wahr? Sie (= Martha und Gretchen) sind in guter Laune (= Humor), daß ich zu Hause bei ihnen (= Martha und Gretchen) bin. Sie spielen auf dem Piano, singen Lieder von Schumann und Mendelssohn, und soeben (= in dieser Minute) sangen sie (ich singe, ich sang, ich habe gesungen) das wundervolle Lied von Abt: »All' Abend bevor ich zur Ruhe (= Rast) gehe.« Ich möchte (= will) nun nicht, daß Sie Ihr Deutsch vergessen; ja, ich wünsche (= möchte, will), daß Sie mehr lernen, und darum habe ich Fragen für Sie und Ihre [Freundinnen][IV-1] aufgeschrieben (ich schreibe auf, ich schrieb auf, ich habe aufgeschrieben), und ich sende sie (= die Fragen) hier. Ihr Bruder Otto versteht sehr gut Deutsch. Er kann Sie und Ihre [Freundinnen] fragen. In wenigen Tagen werde ich wieder bei Ihnen sein. So hoffe ich. Meine besten Empfehlungen (= Komplimente) an Sie, Ihren Bruder und Ihre [Freundinnen] Bella und Anna.

Ihr Freund,
W. Meister.

Louis: Sie hören, meine Damen, Herr Meister kann nicht kommen. Er ist unwohl, er kann nicht sprechen, er hat sich erkältet.

Anna und Bella: O, das ist schlimm (= nicht gut)!

Otto: Ich höre hier, Herr Meister ist verheiratet. Das wußte ich nicht (ich weiß, ich wußte, ich habe gewußt).

Louis: Verheiratet? Was ist das?

Otto: Herr Meister hat ein Weib.

Bella: Und zwei Töchter.

Louis: Ein Weib? Ich verstehe auch das Wort Weib nicht.

Bella: O Louis! Das wissen Sie nicht? Es ist dasselbe wie im Englischen. Adams Weib war Eva und George Washingtons Weib war Martha Washington.

Louis: O ja, nun weiß ich, was du meinst, Otto. Ich habe oft das Wort Frau gehört, aber noch nie das Wort Weib.

Anna: Ist Weib und Frau dasselbe?

Otto: Nicht immer. Man sagt im Deutschen: Herr Meister hat ein schönes Weib, und auch: Herr Meister hat eine schöne Frau. Das eine ist so gut, wie das andere. Man sagt aber nicht: Das ist Weib Meister; nein, man sagt: Das ist Frau Meister.

Louis: Das kann ich gut verstehen.


Bella: Herr Meister kommt oft mit seiner Frau und seinen Töchtern in unser Haus.

Anna: Sage mir, Bella, ist Martha älter (alt, älter, ältest) als Gretchen?

Bella: Nein, Anna; sie ist größer als Gretchen, und so denken alle Leute, sie ist älter; sie ist aber nicht älter; sie ist jünger. Beide (= die eine und die andere) sind sehr klug (= weise), und sie haben viel gelernt. Und Martha hat die wundervollsten, blauen Augen und ihr Kopf mit dem langen, braunen Haar ist schön, wie der Venuskopf — ah, Martha ist schön!

Otto: Sie muß sehr schön sein.

Bella: Ja, sie ist sehr schön, und alle Leute sagen es.

Louis: Hier, Otto, gebe ich dir die Fragen des Herrn Meister.

Otto: Meine Damen, was wollen Sie hören, die Fragen oder das Gedicht von Hoffmann von Fallersleben?

Bella: Ich bitte, mit den Fragen zu beginnen und dann mit dem Gedichte zu enden.

Anna: Ja, so ist es gut.

Otto: Und was meinst du, mein lieber Louis?

Louis: Ich bin zufrieden mit allem, was die Damen sagen.

Otto: Sehr wohl. Dann werde ich Sie zuerst fragen, Fräulein Bella; und dann Sie, Fräulein Anna; und dann dich, mein lieber Louis. Die erste (= 1ste) Frage ist:

1) Ist der Fisch in dem Wasser? Ja, der Fisch ist in dem Wasser. — 2) Kann der Fisch schwimmen? Ja, der Fisch kann schwimmen. — 3) Kann der Schwan gut schwimmen? Ja, der Schwan kann gut schwimmen. — 1) Kann die Henne schwimmen? Nein, die Henne kann nicht schwimmen. — 2) Kann der Schwan so gut schwimmen, wie die Gans? Ja, der Schwan kann so gut schwimmen, wie die Gans. — 3) Ist der Schwan größer, als die Gans? Ja, der Schwan ist größer, als die Gans. — 1) Ist er auch schöner, als die Gans? Ja, er ist auch schöner.

Otto: Louis, ich will dir eine Frage geben, aber es ist nicht Herrn Meisters Frage. Kann der Schwan singen?

Louis: Nein, der Schwan kann nicht singen.

Otto: Was sagen Sie, Anna?

Anna: Ich sage dasselbe.

Otto: Und Sie, Bella?

Bella: Ich habe nie gehört (ich höre, ich hörte, ich habe gehört), daß der Schwan gesungen (ich singe, ich sang, ich habe gesungen) hat. Aber man sagt: Der Schwan singt vor seinem Ende.

Louis: O, das ist eine Sage (= Fabel).

Otto: Man sagt auch von dem letzten Werke eines Dichters: Das ist sein Schwanengesang, das ist: das letzte Werk vor seinem Ende.

Louis: Dann ist »Nathan der Weise« Lessings Schwanengesang?

Otto: So ist es!

Bella: Was ist Schillers Schwanengesang?

Otto: »Wilhelm Tell.«


Otto: Bitte, Bella, antworten Sie [wieder].[IV-2] — 1) Ist der Schwan oft im Wasser? Der Schwan ist oft im Wasser. — 2) Ist er auch oft auf dem Lande? Er ist auch oft auf dem Lande. — 3) Ist der Fisch im Wasser und auf dem Lande? Nein, der Fisch ist nicht auf dem Lande.

Otto: Mein lieber Louis! Du antwortest nicht auf meine Frage. Antworte genau (= exakt) auf meine Worte; ich fragte dich: »Ist der Fisch im Wasser und auf dem Lande?«

Louis: Der Fisch ist im Wasser und nicht auf dem Lande. Otto, müssen wir immer so genau (= exakt) antworten?

Otto: Ja, es wird gut sein. — 1) Ist der Fisch immer im Wasser? Der Fisch ist immer im Wasser. — 2) Kann der Fisch auf dem Lande leben? Der Fisch kann nicht auf dem Lande leben.

Otto: Nein, der Fisch kann nicht auf dem Lande leben; er (= der Fisch) muß sterben auf dem Lande. — 3) Können Schwäne und Gänse im Wasser und auf dem Lande leben? Schwäne und Gänse können im Wasser und auf dem Lande leben.


Otto: 1) Können alle Menschen (= Personen) schwimmen? Alle Menschen können nicht schwimmen.

Otto: Sie können auch so sagen (= sprechen): Nicht alle Menschen können schwimmen. Louis, kann man schwimmen lernen?

Louis: O ja, ich habe es (= das Schwimmen) letzten Sommer gelernt (ich lerne, ich lernte, ich habe gelernt).

Bella: Bei einem Schwimmmeister?

Louis: Nein, Fräulein Bella.

Otto: Mein Bruder hat allein schwimmen gelernt (ich habe gelernt, er hat gelernt).

Anna: Allein? Was ist das? Ich verstehe das Wort allein nicht.

Otto: Nein? Ich will es Ihnen sagen, Anna:

Im Beginne machte Gott den Himmel und die Erde und die Sonne und den Mond und die Sterne und die Pflanzen (die Bäume, das Gras), die Tiere auf dem Lande (Bären, Elefanten) und die Fische im Wasser, und zuletzt (= am Ende) machte er den Menschen, einen Mann; das war Adam. Da sagte Gott: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, und da gab (ich gebe, ich gab) er ihm (= Adam) ein Weib — Eva. Da war der Mensch nicht (mehr) allein. Verstehen Sie? Sie sind nicht allein hier; Fräulein Bella ist auch hier bei Ihnen, und Louis ist hier, und ich bin auch hier. Verstehen Sie das Wort »allein«?

Anna: Danke, Otto, sehr gut; danke.


Bella: Lord Byron war ein guter Schwimmer. Er ist über den Hellespont geschwommen.

Louis: Kapitän Boyton hat mehr gethan (ich thue, ich that, ich habe gethan), er ist über den englischen Kanal geschwommen. Kapitän Boyton ist ein Amerikaner. Er ist unser Landsmann.


Otto: Mein Bruder Louis ist ein guter Patriot, nicht wahr, meine Damen? Aber nun kommen Fragen, meine Damen, Fragen! — 1) Kann ein Mensch immer im Wasser leben? Ein Mensch kann nicht immer im Wasser leben. — 2) Kann die Katze besser eine Maus fangen, als einen Fisch? Die Katze kann besser eine Maus fangen, als einen Fisch. — 3) Kann der Mensch auch Fische fangen? Der Mensch kann auch Fische fangen. — 1) Fängt der Fischer die Fische mit dem Netze? Der Fischer fängt die Fische mit dem Netze. — 2) Kann der Fischer im Hudson so große Fische fangen, wie im Atlantischen Ocean? Der Fischer kann im Hudson nicht so große Fische fangen, wie im Atlantischen Ocean.


Otto: In meinem Collegium habe ich ein Gedicht von Goethe gelesen: »Der Fischer«; das müssen (ich muß, Sie müssen) Sie auch lesen, meine Damen.

Anna: Ist es schön?

Otto: Sehr schön.

Louis: O, es giebt (= es ist) so viel Gutes, was wir lesen müssen!

Bella: Ja, aber wir sind noch jung und haben viel, viel Zeit.

Louis: Ich fange die Fische nicht mit dem Netze; ich habe ein Instrument .....

Otto: Ein Instrument?

Louis: Ja. Ich weiß den Namen nicht. Sieh hier, das Instrument ist lang und an dem einen Ende ist ..... ist .....

Otto: .... ist ein Haken von Metall.

Louis: Ja, ein Haken von Metall.

Otto: Das Instrument ist »die Angel.«

Louis: Und an diesen Haken hänge ich einen Wurm, den halte ich in das Wasser. Dann kommt der Fisch, er sieht (ich sehe, er sieht) den schönen Wurm, will ihn (= den Wurm) fangen, — aber ich habe den Fisch!

Otto: So ist es oft; oft ist es auch nicht so.

Louis: O, nein; oft muß ich an dem Wasser, ach, so lange sitzen, lange, lange Stunden, und kann nicht einen Fisch fangen; dann bin ich traurig. Oft aber kommen Momente, dann hören Sie mich (= Louis): »Otto, o sieh diesen schönen Fisch!« und dann hören Sie Otto: »Louis, o sieh hier, diesen großen Fisch!« Und alles bringen wir nach Hause zu unserer guten Mutter. Ha! das ist schön! Nicht wahr, Otto?

Otto: Gewiß, lieber Louis.


Otto: 1) Geht der Fischer in einem Boote auf den Ocean? Der Fischer geht in einem Boote auf den Ocean. — 2) Gehen Sie oft in ein Boot? Nein, ich gehe nicht oft in ein Boot.

Otto: Louis, möchtest du in einem Boote auf den Ocean gehen?

Louis: Ja, ich möchte in einem Boote auf den Ocean gehen.

Otto: Und Sie, Fräulein Bella?

Bella: Nein, ich möchte nicht.

Anna: Ich auch nicht.

Otto: 3) Gehen die Leute in einem Boote oder in einem großen Schiffe nach Liverpool? Ich antworte selbst: Die Leute gehen nicht in einem Boote, sondern in einem großen Schiffe nach Liverpool.

Otto: 1) Möchten Sie in einem Boote nach Hamburg reisen? Ich möchte nicht in einem Boote nach Hamburg gehen. — Nach Bremen? Auch nicht nach Bremen. — 2) Hat ein Schiff einen Mastbaum? Ein Schiff hat einen Mastbaum. — 3) Haben große Schiffe mehr als einen Mastbaum? Große Schiffe haben mehr als einen Mastbaum. — 1) Haben wir auch Schiffe mit drei Mastbäumen? Wir haben auch Schiffe mit drei Mastbäumen. — 2) Ist der Mastbaum von Metall? Der Mastbaum ist nicht von Metall.

Otto: Nein, der Mastbaum ist nicht von Metall; er ist von Holz. So oft ich das Wort Mastbaum höre, muß ich an Odysseus (Ulysses) denken.

Louis: Odysseus? Wo lebt (= ist) er?

Otto: Odysseus lebt nicht mehr, Louis. Er ist tot, — schon sehr lange.

Louis: Wo hat er gelebt?

Otto: In Griechenland. Ah, ich sehe an deinen Augen, du willst wissen, wo Griechenland ist. Griechenland ist ein Land in Europa, und der König von Griechenland wohnt (= lebt) in Athen.

Louis: Ich danke. Bitte, erzähle (= sage) mir von Odysseus.

Otto: Sehr wohl.

Otto: Odysseus kam mit seinen Schiffen von Troja in ein Meer (= Ocean), wo die Sirenen waren.

Louis: Sirenen?

Otto: Das sind Frauen im Wasser, die sehr schön sind und wundervolle Melodieen singen, wenn ein Schiff mit Männern zu ihnen (= den Sirenen) kommt.

Louis: Frauen im Wasser?!

Otto: So habe ich gelesen (ich lese, ich las, ich habe gelesen). Halb sind sie Frauen und halb Fische. Die Schiffer hören den Gesang, sehen die schönen Frauen und wollen zu ihnen; springen in das Wasser und —

Louis: Und — ?

Otto: Und versinken alle auf den Grund; die Sirenen lachen. O, so viele Schiffer waren auf den Grund gesunken.

Louis: Wenn ich dahin komme, so werde ich nicht in das Meer springen; und ich will sie hören und sie sehen.

Otto: Ja wohl, mein guter Louis. Viele Schiffer sprachen so, und kamen sie (ich komme, ich kam, sie kamen) zu den Sirenen, so thaten sie, was alle zuvor gethan und — versanken.

Louis: Odysseus auch?

Otto: Nein, er nicht. Und das kam so. Odysseus stopfte Wachs .....

Anna: Wachs?

Otto: Ja, Wachs. Im Englischen ist dasselbe Wort "Wax." Das Wachs kommt von der Biene, und der Honig auch.

Anna: Ah, so!

Otto: Odysseus stopfte Wachs in die Ohren der Männer; so konnten (ich kann, ich konnte, ich habe gekonnt) sie nicht hören; ihn selbst (= Odysseus) mußten die Männer an einen Mastbaum binden. Nun kommt das Schiff zu den Sirenen. Die Sirenen singen, singen wundervoll: »Kommt, o kommt, ihr schönen Schiffer!« Sie hören nicht aber Odysseus hört sie, — und sieht sie, — und will zu ihnen, — er kann nicht; er ruft (= sagt laut) den Schiffern: »Macht mich los!« Sie hören ihn nicht, denn das Wachs war in ihren Ohren; und das war gut. Sie kamen an den Sirenen vorbei und da binden sie Odysseus wieder los. Alle sind am leben.

Bella: Das ist sehr schön.

Anna: Sie sprechen sehr gut Deutsch, Otto.

Louis: Bitte, Otto, sieh (ich sehe) auf deine Uhr.

Otto: O, o, meine Damen! Es ist zwanzig Minuten nach zwei. Ich muß gehen.

Anna: Ich muß auch gehen.

Louis: Und ich auch.

Bella: Sind Sie zu Ende mit Herrn Meisters Fragen?

Otto: Nein, Bella. Sehen Sie hier.

Bella: Das sind noch viele. Können Sie nicht heute Abend in mein Haus kommen? Wir können dann die anderen Fragen hören.

Otto: Um wie viel Uhr, Fräulein?

Bella: Um sieben Uhr.

Louis: Um sieben Uhr kann ich heute nicht; ein Freund kommt zu mir (= Louis); den muß ich sprechen.

Bella: Um acht Uhr dann?

Louis: Ja, das ist besser.

Bella: Um acht Uhr heute Abend.

Anna: O, das ist schön!

Otto: Um acht Uhr dann in Bellas Haus. Auf Wiedersehen!


Otto: Guten Abend, meine Damen!

Louis: Guten Abend, Bella; guten Abend, Anna!

Anna: Guten Abend, meine Freunde!

Bella: Willkommen, Otto und Louis! Wollen Sie hier sitzen auf dem Sofa?

Otto und Louis: Danke, danke.

Bella: Ist das Gaslicht gut? Können Sie sehen?

Otto: O, sehr gut! Kann ich beginnen?

Alle: Bitte, bitte!

Otto: [Herrn][IV-3] Meisters Frage ist: 1) Sind alle Schiffe von Holz? Nicht alle Schiffe sind von Holz. — 2) Haben wir auch Schiffe von Eisen? Wir haben auch Schiffe von Eisen.

Louis: Ist Eisen ein Metall?

Otto: Ja. — 3) Ist das Segel an dem Mastbaume von Linnen? Ja, es ist von Linnen. — 1) Ist das Linnen des Segels fein? Das Linnen des Segels ist nicht fein.

Otto: Es ist grob.

Fein ist nicht grob,
Grob ist nicht fein.

2) Hat ein Boot oft auch ein Segel? Ein Boot hat auch oft ein Segel. — 3) Muß ein Segelschiff Wind haben? Ein Segelschiff muß Wind haben. — 1) Kann ein Segelschiff segeln, wenn es keinen Wind hat? Ein Segelschiff kann nicht segeln, wenn es keinen Wind hat.


Otto: Die Griechen wollten (ich will, ich wollte, ich habe gewollt) nach Troja; da konnten sie lange Zeit nicht segeln, weil sie keinen Wind hatten. Und das ist sehr gut für uns.

Anna: Gut für uns?

Otto: So sagte ich. Gut für Sie, Anna, und für alle, die das Gute und Schöne lesen und hören wollen.

Bella: Was meinen (= denken) Sie, Otto?

Otto: Die Griechen konnten nicht segeln, weil sie keinen Wind hatten. Da fragten sie den Priester Kalchas: »Was sollen wir thun?« Und der Priester antwortete: »Iphigenia, Agamemnons Tochter, muß sterben auf dem Altar der Götter (ein Gott, zwei Götter); dann geben die Götter euch (= den Griechen) guten Wind zum Segeln.« Und der König Agamemnon mußte seine Tochter Iphigenia dem Priester geben. Auf dem Altar sollte sie sterben. Aber es kam nicht so, Dank der Göttin Diana! und viele Jahre war Iphigenia eine Priesterin der Diana auf Tauris. Drei große Dichter haben Dramen geschrieben (ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben) über diese Iphigenia: Euripides, Racine und Goethe. Das Drama von Goethe: »Iphigenia auf Tauris« habe ich im Colleg gelesen. — O, meine Freunde, welch ein Frauencharakter ist diese Iphigenia von Goethe! Mein Professor im Colleg sagte dieses: »Vieles Schöne danken wir den Griechen und vieles den Franzosen —«

Louis: Franzosen?

Bella: Verstehen Sie das nicht? Die Engländer sind in England und in London; die Deutschen in Deutschland und in Berlin; die Franzosen in Frankreich und in Paris.

Louis: Danke, Bella.

Otto: ..... »Vieles Schöne danken wir den Griechen und vieles den Franzosen; aber eines konnten sie uns nicht geben, und das ist — einen Frauencharakter wie die »Iphigenia« von Goethe.[«][IV-4]

Bella: »Iphigenia auf Tauris« von Goethe, das müssen wir lesen, Anna!

Anna: Wir wollen es Herrn Meister sagen.

Otto: Ja, thun Sie das.


Otto: Nun muß ich wieder fragen: 1) Trinken Sie das Wasser aus dem Glase oder aus der Tasse von Porzellan? Ich trinke das Wasser aus dem Glase. — 2) Trinken die Leute (= die Personen) den Kaffee, den Thee und die Chokolade aus dem Glase oder aus der Tasse? Die Leute trinken den Kaffee, den Thee und die Chokolade nicht aus dem Glase, sondern aus der Tasse. Das war eine lange Frage, Otto.

Otto: Und das war eine gute Antwort. O, wir lernen viel! Herr Meister wird sich wundern, wenn er kommt! — 3) Ist das Seewasser salzig? Das Seewasser ist salzig. — 1) Ist es auch bitter? Es ist auch bitter.

Otto:

Bitter ist nicht süß,
Süß ist nicht bitter.

Zucker ist süß und Honig auch. — 2) Ist das Wasser auf dem Lande bitter und salzig? Das Wasser auf dem Lande ist nicht bitter und salzig. — 3) Ist frisches Wasser gut zum Trinken? Frisches Wasser ist gut zum Trinken. — 1) Ist das Wasser des Waldes auch im Sommer frisch und kühl? Das Wasser des Waldes ist auch im Sommer frisch und kühl. — 2) Ist im Sommer das Wasser in der Stadt so frisch, wie das Wasser auf dem Lande? Im Sommer ist das Wasser in der Stadt nicht so frisch, wie das Wasser auf dem Lande. — 3) Springt (= kommt) das Wasser im Walde aus der Erde? Das Wasser springt im Walde aus der Erde.

Otto: Wo das Wasser aus der Erde springt, da ist die Quelle.

Otto: 1) Ist das Wasser aus der Quelle klar? Das Wasser aus der Quelle ist klar. — 2) Ist klares Wasser gut zum Trinken? Klares Wasser ist gut zum Trinken.

Otto:

Klar ist nicht trüb,
Trüb ist nicht klar.

3) Ist trübes Wasser gut zum Trinken? Trübes Wasser ist nicht gut zum Trinken. — 1) Ist warmes Wasser gut zum Trinken? Warmes Wasser ist auch nicht gut zum Trinken.

Otto: Wasser, das sehr warm ist, ist heiß.

Louis: Wenn ich mich erkältet habe, muß ich heißes Wasser trinken. Meine Mutter sagt dann: »Heißes Wasser ist gut für dich, mein Sohn. Trinke es, trinke es.«

Anna: Herr Meister sollte (auch) heißes Wasser trinken.

Otto: Ich will es ihm (= Herrn Meister) sagen.

Louis: O, es schmeckt so schlecht (= nicht gut)!

Anna: Aber nicht so schlecht wie die Medizin, Louis.


Bella: Wollen Sie eine Anekdote hören von heißem Wasser?

Alle: O, eine Anekdote! Bitte, Bella, bitte.

Louis: Anekdoten sind so schön!

Bella: Ich weiß nicht, ob ich sie (= die Anekdote) gut erzählen kann im Deutschen.

Otto: O, gewiß (= ja, ja); Sie sprechen so gut Deutsch, wie ich.

Bella: O, Otto; Sie machen mir Komplimente! Nun: — Ein Engländer in Berlin kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) in ein Hotel. Er sprach nicht gut Deutsch.

Louis: So wie ich!

Bella: Und sein Englisch war auch nicht gut. Für horse sagte er 'orse und für hand sagte er 'and; für aunt sagte er h'aunt und für eye sagte er h'eye. So machte er es auch im Deutschen. Einer von den Leuten (= Personen) des Hotels kam zu ihm und fragte: »Mein Herr, was wünschen Sie (= wollen Sie)?« Engländer: »Bringen Sie mir ein Glas Heis–Wasser.« Kellner (= der Mann aus dem Hotel): »Sehr wohl, mein Herr!« Und in wenigen Minuten kam der Kellner mit einem Glase, voll mit heißem Wasser. — Engländer: »Ich will Heis–Wasser, Kellner, Heis–Wasser; das ist nicht Heis–Wasser.« — Kellner: »Mein Herr, das Wasser kommt in dieser Minute vom Feuer, es ist heißes Wasser.« — Engländer: »O, verstehen Sie nicht Deutsch hier in Berlin? Bringen Sie mir a glass of hice–water.« — Kellner: »Very well, my Lord, ich verstehe. Sie wünschen nicht heißes Wasser, sondern ein Glas Eiswasser, ein Glas Wasser mit Eis.« — Engländer: »Das ist es! Das ist es!« Und in wenigen Minuten hatte der Engländer ein Glas Eiswasser.

Otto: Die Anekdote ist sehr schön, Bella. Aber nun muß ich wieder fragen. — Anna: 2) Ist es im Winter kälter im Walde als in der Stadt? Im Winter ist es im Walde kälter als in der Stadt. — 3) Ist viel Eis und Schnee dort (= im Walde)? Es ist viel Eis und Schnee dort. — 1) In welchem Monate wird die Sonne das Eis und den Schnee schmelzen? Die Sonne wird das Eis und den Schnee im Monate März oder April schmelzen.

Otto: Sie haben diese Antwort sehr gut gegeben (ich gebe, ich gab, ich habe gegeben), Bella. — 2) In welchem Monate kommt mehr Wasser aus der Quelle, im April oder im August? Ich meine (= denke), im April kommt mehr Wasser aus der Quelle.

Otto: Das ist recht, Anna! Das Wasser aus vielen Quellen macht oft ein Wasser. Das ist ein Bach. — 3) Hat eine Quelle Fische? Eine Quelle hat keine Fische. Ich habe noch keine Fische darin (= in der Quelle) gesehen. — 1) Hat ein Bach Fische? Ein Bach hat Fische. — 2) Haben Sie schon kleine Boote auf dem Bache gesehen? Ich habe schon kleine Boote auf dem Bache gesehen.

Otto: Das Wasser aus vielen Bächen macht einen Fluß. — 3) Hat ein Fluß mehr Wasser, als ein Bach? O, gewiß. Ein Fluß hat mehr Wasser, als ein Bach.


Otto: 1) Ist ein Bach so tief, wie ein Fluß? Ein Bach ist nicht so tief, wie ein Fluß. — 2) Ist ein Fluß tiefer, als ein Bach? Ein Fluß ist tiefer, als ein Bach. — 3) Was ist am tiefsten, der Bach, der Fluß oder der Ocean?

Louis: Welch eine Frage!

Otto: Bitte, Louis, antworte. Herr Meister hat die Frage gegeben und er weiß warum.

Louis: Nun ja; der Ocean ist am tiefsten.

Otto: 1) Ist ein Bach so breit, wie ein Fluß?

Bella: Ist weit und breit dasselbe?

Otto: Hier ist es dasselbe.

Bella: Der Bach ist nicht so breit, wie ein Fluß.

Otto: Das Wasser von vielen Flüssen macht einen Strom. — 2) Ist der Rhein ein schöner Strom? O, ja, der Rhein ist ein schöner Strom. — 3) In welchem Gebirge (= Bergen) entspringt (= kommt) der Rhein? Das weiß ich nicht.

Otto: In den Alpen, Louis. Du mußt die Geographie von Europa gut studieren, mein lieber Bruder.

Louis: Ja, das will ich thun.

Otto: 1) Gehen Segelboote auf dem Rhein und auf dem Hudson? Es gehen Segelboote auf dem Rhein und auf dem Hudson. — 2) Auch Dampfboote? (Das sind Boote mit Maschinen.) Auch Dampfboote gehen auf dem Rhein und auf dem Hudson.

Otto: Anstatt Dampfboot sagt man im Deutschen auch Dampfer.

Louis: Darf ich einmal fragen, Otto?

Otto: Bitte sehr, bitte.

Louis: Sagen Sie mir, Fräulein Bella: In welchem Jahre hatte Robert Fulton das erste Dampfboot fertig (= beendet)?

Bella: Das weiß ich nicht, Louis; ich habe es vergessen (ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergessen).

Louis: Wissen Sie es, Anna?

Anna: Nein, ich weiß es auch nicht.

Otto: Und ich weiß es auch nicht, Louis.

Louis: Ha, ha! Nun gut; ich werde es Ihnen sagen: Im Jahre 1807. Ich habe noch ein Frage: Auf welchem Strome ist Fulton zuerst mit seinem Dampfer gefahren? Nun? Niemand (= keine Person) antwortet. — Fulton ist [am][IV-5] 7. Oktober 1807 zuerst auf dem Hudson von New York nach Albany gefahren, auf dem Dampfer »Elermont.«

Bella: Louis, Sie wissen sehr viel!

Otto: Sie wundern sich, meine Damen, über meinen Bruder. Von Odysseus und Agamemnon, von den Alpen und von Griechenland weiß er nicht viel; aber von Maschinen und Dampfbooten, von Fulton, von Morse, von Singer, von Edison, von Washington und Lincoln weiß er sehr viel zu sprechen. Louis, wie viele Meilen kann ein gutes Dampfboot in einem Tage zurücklegen?

Louis: Ein gutes Dampfboot kann in einem Tage 428 Meilen zurücklegen.

Otto: Das ist viel, sehr viel. Ein Dampfboot geht schnell.

Anna: Louis, kann ein Segelboot auch 428 Meilen bei gutem Winde machen?

Louis: Nein, Anna; das kann ein Segelboot nicht.

Otto: Ein Dampfer geht viel schneller, als ein Segelboot.

Anna: Louis, kann ein Wagen so schnell gehen, wie ein Segelboot?

Louis: Das weiß ich auch nicht. Ich werde meinen Onkel Adolf fragen; der weiß alles.

Otto: Meine Damen, die Zeit vergeht schnell. Es ist zehn Minuten vor zehn und ich glaube (= denke) wir müssen nun gehen. Ich hoffe, Sie morgen um zwölf Uhr wieder zu sehen.

Bella: Wir hatten einen schönen Abend, nicht wahr, Anna?

Anna: O, sehr schön.

Bella: Otto und Louis, wir danken Ihnen.

Otto und Louis: Gute Nacht!

Anna und Bella: Gute Nacht!


Anna: Kamen Sie gestern Abend gut nach Hause?

Louis: Danke, sehr gut. Wir fanden (ich finde, ich fand, ich habe gefunden) unsere Eltern (= Vater und Mutter) beim Feuer sitzen.

Otto: Haben Sie gut geschlafen, meine Damen?

Anna: Danke, ich habe sehr gut geschlafen.

Otto: Und Sie, Bella?

Bella: Ich? o nein, ich habe nicht gut geschlafen. Ich habe böse Dinge im Schlafe gesehen.

Otto: Sie hatten einen bösen Traum. Träumen Sie oft?

Bella: Nein, nicht oft, selten, sehr selten.

Anna: Bitte, erzähle (= sage) mir deinen Traum, Bella.

Bella: O nein; ich kann nicht, Anna.

Alle: Bitte, Bella, den Traum! den Traum!

Bella: Nun gut. Wenn alle es wünschen (= wollen), kann ich nicht nein sagen.

Wir waren auf dem Ocean in einem Boote. Auf der einen Seite des Bootes saßen (ich sitze, ich saß, ich habe gesessen) Anna und Louis, und auf der anderen Seite saßen Otto und ich. Das Boot war klein. O wie schön war alles! Das Wetter war wundervoll, die Luft war so mild, und auf dem Ocean war alles still. Hier und da kam ein kleiner Fisch aus dem Wasser, sah uns, wunderte sich, schwamm (ich schwimme, ich schwamm, ich [bin][IV-6] geschwommen) dann zu den anderen Fischen in die Tiefe und sagte ihnen (= den Fischen) alles, was er gesehen. So war es eine Weile. Da kam eine andere Scene. Der Himmel war schwarz und das Wasser war rot, so rot wie Blut. Überall Sturm! Da kam ein großer, großer Fisch mit hundert Köpfen (1 Kopf, 2 Köpfe). Er kam auf mich zu, wollte nach mir schnappen, da rief ich (= sagte ich) laut: Otto! Otto! Hilfe! Hilfe! Und — »Meine Tochter,« sagte da meine Mutter: »Meine Bella, du sprichst ja so laut. Was ist dir, liebe Tochter?« Und ich sagte zu meiner Mutter: »Danke, beste Mutter; danke, daß du mich geweckt hast; ich hatte einen bösen, bösen Traum.« »O,« sagte meine Mutter, »Träume sind Schäume (= nichts).«

Otto: Ja, so denke ich auch. Haben Sie den Rest der Nacht gut geschlafen, Fräulein Bella?

Bella: O ja; danke, Otto, sehr gut.


Bella: Haben Sie nichts von Herrn Meister gehört?

Louis: Wir waren heute morgen bei ihm in seinem Hause; er ist ein wenig besser.

Anna und Bella: Das ist gut.

Otto: Er (= Herr Meister) sendet Ihnen seine besten Empfehlungen (= Komplimente). Ich sagte ihm, wie gut Sie Deutsch sprechen[.][IV-7]

Bella: Sie sind sehr gütig (= gut), Otto.

Otto: Und Herr Meister sagte: »Beenden Sie die Fragen. Sie werden viel Neues lernen.«

Anna: Ja, ich glaube (= denke) es auch.

Otto: Kann ich beginnen?

Bella: Ja, wir sind bereit.

Otto: 1) In welchem Monate gehen die reichen Leute an den Ocean?

Louis: Die reichen Leute? Was für Leute sind das?

Otto: Das sind Leute, die viel Geld haben. Vanderbilt ist ein reicher Mann, Astor und Rothschild sind reiche Leute.

Reich ist nicht arm,
Arm ist nicht reich.

Louis: Die reichen Leute gehen im Juli oder August an den Ocean. Da (= an dem Ocean) ist es schön. Wir gehen alle Jahre.

Otto: Das Land an dem Ocean ist die Küste. — 2) Ist die Luft an der Küste so warm, wie in der Stadt? Die Luft an der Küste ist nicht so warm, wie in der Stadt. — 3) Ist die Luft in der Stadt wärmer, als die Luft an der Küste? Die Luft in der Stadt ist wärmer, als die Luft an der Küste. — 1) Ist die Luft an dem Ocean im Sommer kühl? Die Luft an dem Ocean ist im Sommer kühl. — 2) Ist Newport ein guter Platz zum Baden? Newport ist ein guter Platz zum Baden. — 3) Hat Amerika mehrere gute Badeplätze? Amerika hat mehrere gute Badeplätze: Cape May und Long Branch auch, und .....

Otto: Nicht mehr, Louis, bitte. Das ist genug.


Otto: 1) Ist das Wasser des Oceans im November so still, wie im Juni? Das Wasser des Oceans ist im November nicht so still, wie im Juni. — 2) Ist das Wasser des Oceans im Dezember ruhig (= still)? Das Wasser ist im Dezember nicht ruhig. — 3) Wann ist das Wasser ruhiger, im Mai oder im Januar? Das Wasser ist im Mai ruhiger.

Otto: Das Wasser ist nicht ruhig, — dafür kann ich sagen: Das Wasser bewegt sich; sehen Sie, meine Hand ist nicht ruhig, nicht wahr? dafür sage ich: »ich bewege meine Hand,« so; nun bewege ich meinen Arm. Louis, bewege deinen Kopf. So — das ist gut, Louis, das ist gut; o nicht mehr, bitte, bitte.

Bella: Louis' Kopf ist sehr beweglich.

Otto: Ja wohl. Das Wasser, das sich bewegt, sind: die Wogen oder die Wellen. Haben Sie schon die Wellen des Oceans im Sturme gesehen, Bella?

Bella: O ja, gestern Nacht in meinem Traum.

Otto: Nicht zuvor?

Bella: Nein, nie zuvor und das ist auch gut.

Otto: 1) Haben Sie schon Perlen gefunden (ich finde, ich fand, ich habe gefunden) an der Küste des Oceans? Ich habe nie eine Perle an der Küste des Oceans gefunden. — 2) Sehen wir viele Bäume an der Küste des Oceans? Nein, wir sehen nicht viele Bäume an der Küste des Oceans. — 3) Sehen wir viele Bäume an dem Ufer des Stromes?

Louis: Ufer? Das Wort kenne ich noch nicht.

Otto: Ufer ist das Land an den beiden (= 2) Seiten des Flusses und des Baches.

Louis: Ja, wir sehen viele Bäume an dem Ufer des Stromes und dem Ufer des Flusses und des Baches.

Otto: 1) Sind an dem Bache auch Büsche (1 Busch, 2 Büsche)? An dem Bache sind auch Büsche. — 2) An der Quelle auch? An der Quelle auch. — 3) Auch an dem Brunnen?

Bella: Brunnen? Was ist das?

Otto: Brunnen ist eine tiefe Quelle.

Bella: O ja, an dem Brunnen sind auch Büsche. Ich habe oft Rosenbüsche an dem Brunnen gesehen.

Otto: 1) Ist es im Sommer in den Bergen kühler (kühl, kühler, kühlst), als in der Stadt? Im Sommer ist es in den Bergen kühler, als in der Stadt. — 2) Ist der Bär und der Wolf in den White Mountains? Ich weiß es nicht.

Louis: Ich habe schon einen Wolf dort gesehen.

Otto: 3) Ist der Wolf ein Freund des Lammes? O nein, der Wolf ist kein Freund des Lammes.

Otto: Nein, er (= der Wolf) ist kein Freund, er ist ein Feind des Lammes.

Louis: Ich weiß eine Fabel von einem Wolfe und einem Lamme. Darf (= kann) ich sie erzählen?

Otto: Bitte, Louis, beginne!

Louis: Ein Lamm kam an einen Bach; es (= das Lamm) war durstig und wollte trinken. Da kam der böse Wolf und sprach (= sagte): »Was thust du hier? Du machst mein Wasser trüb, daß ich nicht trinken kann.« »Ach, lieber Wolf,« sprach das Lamm, »ich trübe das Wasser nicht; denn sieh, ich trinke ja hier unten an dem Bache, das ist so weit von dir.« Der Wolf sagte: »Und im letzten Jahre hast du auch Böses (= nicht Gutes) von mir gesprochen.« »Ach nein, lieber Wolf,« sagte das Lämmlein, »das habe ich nicht gethan; im letzten Jahre war ich noch nicht geboren.« »Nicht? so war es dein Bruder!« »Mein Bruder? Ich habe keinen Bruder und keine Schwester.« »Nun so war es ein anderer aus deiner Familie,« sprach der böse Wolf, und in wenigen Minuten war das Lämmchen in den Klauen des Wolfes.

Anna: Das ist eine schöne Fabel, Louis.

Otto: Und du hast sie (= die Fabel) sehr gut erzählt.

Bella: Ja, das ist wahr.


Otto: 1) Wann hat das Schaf mehr Wolle, im Dezember oder im Juni? Das Schaf hat im Dezember mehr Wolle, als im Juni. — 2) Ist das Schaf im Winter auf dem Grasplatze oder in dem Stalle? Das Schaf ist im Winter in dem Stalle.

Otto: Der Mann, der die Schafe zum Grase und zum Wasser bringt, ist der Schäfer. — 3) Warum bringt der Schäfer die Schafe und Lämmer nicht im Winter an den Bach? Weil die Schafe und Lämmer das Wasser nicht trinken können; Eis ist im Bache.

Otto: Ja, Eis ist im Bache — der Bach friert zu im Winter. — 1) Frieren die Flüsse oft zu? Die Flüsse frieren oft zu im Winter. Friert der Hudson auch zu, Otto?

Otto: Nicht immer; aber in sehr kaltem Winter ist auch der Hudson zugefroren und auch die Themse bei London. Dann können die Leute auf dem Eise vom einen Ufer zum andern gehen; auch Wagen können von dem einen Ufer zum andern fahren. Aber das ist nicht oft so; das ist sehr selten.

Anna: Wie kommen die Leute im Sommer von einem Ufer zum andern?

Otto: Sie können mit dem Segelboote segeln oder auf dem Dampfboote fahren oder auch über die Brücke gehen. — 2) Welche Brücken sind am besten; die Brücken von Stahl, von Steinen oder von Holz? Die Brücken von Stahl sind am besten. Die Brücke von New York nach Brooklyn über den East River ist auch von Stahl.

Bella: O, das ist eine Brücke! Ein Wunderwerk!

Louis: Und so lang und so hoch, daß große Schiffe mit Mastbäumen unter ihr (= der Brücke) segeln können.


Otto: 1) Welche Jahreszeit ist besser für den Schiffer, der Winter oder der Sommer? Der Sommer ist die bessere Jahreszeit für den Schiffer. — 2) Welche Jahreszeit hat mehr Stürme, der Winter oder der Sommer? Der Winter hat mehr Stürme als der Sommer. — 3) Ist das Wetter im Sommer immer klar auf der See? Das Wetter ist im Sommer nicht immer klar auf der See; es regnet.

Otto: Und es ist Nebel.

Bella: Das Wort Nebel verstehe ich nicht.

Otto: London hat viel Nebel. Wir haben im Herbst oft Nebel und oft auch im Winter. Dann ist kein Regen in der Luft, kein Schnee; und doch ist die Luft dick; wir können nicht weit sehen, oft nicht das Haus auf der andern Seite der Straße.

Bella: Ich verstehe. Der Nebel ist nicht gut für die Schiffer, nicht wahr?


Otto: Hier kommen Herrn Meisters letzte Fragen. Wer hat es besser?

Der Schiffer auf dem Schiffe,
Der Fischer in dem Boote,
Der Landmann auf dem Acker,
Der Müller in der Mühle,
Der Bäcker vor dem Backofen,
Der Schäfer auf der Weide (= Grasplatz).

Was meinen Sie, Bella?

Bella: Ich meine, der Landmann hat es am besten.

Otto: Und Sie, Anna?

Anna: Ich meine der Schäfer.

Otto: Und was meinst du, Louis?

Louis: Ich meine der Schiffer. Hast du keine Fragen mehr, Otto?

Otto: O ja, noch eine. Wer war der erste Schäfer?

Louis: O, das weiß jeder (= alle). Das war Abel.

Otto: Das ist recht, Louis. Aber du sprichst das Wort nicht gut aus. Du sagst »Ebel«; das ist Englisch. Sprich das A lang wie aa — — h; wie das a in far und in father.

Louis: Aaabel. Ist das recht?

Otto: So ist es gut. Meine Damen, kennen Sie die Anekdote von Herrn Abel in Berlin?

Bella: Nein, Otto, wir haben sie (= die Anekdote) nie gehört; nicht wahr, Anna?

Anna: Nein, niemals.

Otto: Nun; Herr Abel in Berlin ist ein reicher Mann. Im Sommer ist er nie in Berlin. Er reist (= geht) nach Wiesbaden oder Homburg oder in die Schweiz oder in ein Seebad. Eines Sommers war er in Norderney. »O,« denkt Herr Abel, »ich bin in Norderney, und London ist nicht weit von hier; ich will London sehen.« Herr Abel reist nach London, kommt in ein feines Hotel und schreibt seinen Namen in das große Buch: »B. Abel aus Berlin,« mit englischen Buchstaben: B. A–b–e–l. Man liest seinen Namen: B. Ebel. — Herr Abel sagt: »Man spricht meinen Namen nicht recht; ich werde meinen Namen B. Ebel schreiben,« und Herr Abel schreibt: B. E–b–e–l. Da liest man den Namen: B. Ibel. »Gut,« sagt Herr Abel, »ich will meinen Namen B. Ibel schreiben,« und schreibt B. I–b–e–l und da liest man ihn: B. Eibel. Er schreibt seinen Namen nun: B. E–i–b–e–l, da liest man wieder: B. Ebel wie im Beginn. »O, o,« sagte Herr Abel, »was für ein Land! Hier kann man nicht einmal meinen Namen recht sprechen! Hier bleibe ich nicht!« und nicht lange, so war Herr Abel wieder auf dem Dampfboote nach Deutschland.

Louis: Und wir müssen auch gehen. Es ist spät.

Otto: Ja, es ist spät.

Bella: Otto, vergessen Sie morgen nicht, Ihr Gedicht von Hoffmann von Fallersleben zu bringen.


Bella: Hui! Das ist heute schlechtes (= nicht gutes) Wetter!

Anna: Und wie trüb der Himmel ist!

Louis: Sehen Sie hier, wie das Wasser von mir tropft.

Otto: Das ist ein Regen, so habe ich lange, lange keinen (= Regen) gesehen.

Anna: Louis, haben Sie keinen — o, was ist das Ding, das gut ist im Regen?

Otto: Ein Ding, das gut ist im Regen? Ich weiß nicht, was Sie meinen, Anna.

Anna: Ich halte das Ding so über den Kopf. Sehen Sie, so!

Otto: Ah, so; das Ding ist ein Regenschirm.

Louis: O ja; wir, das ist mein Bruder und ich, waren bei unserm Cousin; da begann es zu regnen. Cousin Karl gab uns seinen Alpakaschirm; aber der Schirm ist zu klein für zwei Personen.

Anna: Sie werden sich erkälten, Louis.

Louis: O nein, das schadet mir nichts (= das ist nicht böse für mich).


Otto: Da fällt mir eine Anekdote von Cherubini ein.

Louis: Was ist das: »Da fällt mir ein«?

Otto: »Da fällt mir eine Anekdote von Cherubini ein,« dafür kann ich auch sagen: »Da muß ich an eine Anekdote von Cherubini denken.« Wenn ich sage: »Sein Name fällt mir nicht ein,« so ist das: »Ich kann nicht an seinen Namen denken, ich kann seinen Namen nicht finden.«

Louis: Ich verstehe, Otto; danke.

Anna: Ist Cherubini nicht ein italienischer Komponist?

Otto: Ja wohl, Cherubini ist ein italienischer Komponist.

Bella: Er ist aber nicht so groß wie Beethoven.

Otto: O nein. Also, die Anekdote: Cherubini ging (ich gehe, ich ging, ich bin gegangen) eines Tages (= an einem Tage) aus seinem Hause. Er mußte in das Opernhaus. Es regnete (es regnet, es regnete, es hat geregnet) und Cherubini nahm (ich nehme, ich nahm, ich habe genommen) seinen Regenschirm. Ein reicher Freund des Komponisten kam in einem feinen Wagen und sah Cherubini. Er ließ den Wagen halten und sagte: »Herr Cherubini, das ist ein böses Wetter. Ihr Weg zum Opernhaus ist lang, kommen Sie in meinen Wagen; mein Haus ist nicht fern von hier, ich kann gehen.« Der Freund stieg (= kam) aus dem Wagen. Cherubini stieg hinein (= in den Wagen). »Borgen (= geben) Sie mir Ihren Regenschirm, Herr Cherubini,« sagte der Freund. [»][IV-8]Meinen Schirm? nein, meinen Schirm gebe ich nicht aus meiner Hand,« — sprach der Komponist. Die Equipage rollte fort, und der gute Freund stand in Sturm und Regen.

Bella: Große Männer sind oft in böser Laune (= Humor). So war es auch oft mit Beethoven.


Louis: Meine Damen, mein Bruder Otto hat gestern Abend das Gedicht von Hoffmann von Fallersleben mit mir studiert. Wollen Sie es von mir hören?

Anna: Bitte, Louis.

Bella: O, ja, ja.

Louis: Soll ich beginnen? Ja? und wenn ein Wort kommt, das Sie nicht verstehen, so sagen Sie: Halt! Nicht wahr, Anna?

Anna: Sehr wohl.

Louis:

Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat —— —— —— ——

Anna: Halt, Louis, halt! Schäfchen? Was ist das?

Louis: Schäfchen ist ein kleines Schaf, Lämmchen ist ein kleines Lamm, und Häuschen ist ein kleines Haus. Ist das nicht recht, Otto?

Otto: Ganz recht, Louis.

Bella: Ist die Endsilbe »chen« dasselbe, wie die Endsilbe »lein«?

Otto: Ja wohl. Sie können von einem kleinen Baume sagen: Bäumlein und Bäumchen und von einer kleinen Rose: Röslein und Röschen.

Bella: Ah, ich verstehe.

Otto: Im Deutschen ist ein Wort: »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr[.][IV-9]«

Bella: Ich verstehe: [»Hans« ist ein Name,][IV-10] nicht wahr?

Otto: Ja, mein Fräulein; noch eins möchte (= will) ich sagen. Sie sagen: Die Rose, der Baum, aber Sie sagen nicht: die Röslein, der Bäumchen; Sie sagen: Das Röslein; das Bäumchen.

Bella: Ist »das« vor allen Wörtern mit chen und lein?

Otto: Ja, so ist es.

Louis:

Die hat der goldne Mond
Der hinter uns —— —— ——

Anna: Halt! Hinter.

Louis: Hinter — hinter. Ich weiß es; aber ich kann es Ihnen nicht im Deutschen sagen. Otto, bitte, hilf mir!

Otto: Anna, ist der Mond immer am Himmel?

Anna: Nein, er ist nicht immer am Himmel.

Otto: Warum können Sie den Mond oft nicht sehen wenn er am Himmel ist? Warum nicht?

Anna: Weil das Wetter oft nicht klar ist.

Otto: Und weil ein Haus vor dem Monde ist, oder ein Baum oder viele Bäume, nicht wahr?

Anna: Ja.

Otto: Nun wohl. Das Haus und die Bäume sind vor dem Monde; der Mond ist hinter dem Hause und hinter den Bäumen.

Anna: O ja, ich verstehe es; im Englischen ist es dasselbe Wort — behind.

Louis:

Der hinter unsern Bäumen
Am blauen Himmel wohnt.

Sie verstehen das Wort »wohnt«; nicht wahr? Ich wohne in der 5. Avenue; der Präsident wohnt in Washington, und der deutsche Kaiser wohnt in Berlin. So, das ist der erste Vers; nun kommt der zweite:

Er kommt am späten .....

Anna: Späten? Was ist spät? Ich habe das Wort schon gehört, aber ich habe es vergessen (ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergessen). Was ist spät?

Louis: Spät ist nicht früh; früh ist nicht spät. Wenn ich zehn Minuten nach zwölf komme, dann komme ich spät; und komme ich zehn Minuten vor zwölf, dann komme ich früh.

Anna: O ja, nun weiß ich es wieder.


Louis:

Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis und still.

Anna: Was ist das Wort »leis«?

Otto: Es ist richtiger (= besser) zu sagen: Was bedeutet das Wort »leis«?

Anna: Was bedeutet das Wort »leis«?

Louis: Mein Bruder Otto sagte mir: »Leis ist nicht laut; laut ist nicht leis.« — »Leis« ist hier ein Synonym von »still.« Die Katze geht leise, und der Dieb geht leise, wenn er stiehlt.

Bella: Aber, Louis, der Dichter (= Poet) will nicht sagen, daß der Mond wie ein Dieb geht? das ist nicht schön, nicht wahr? Der Dichter meint (= will sagen): »Der Mond kommt so still, daß wir alle schlafen können; er will uns nicht wecken.«

Otto: Ganz recht, mein Fräulein.

Anna: »Hervor aus seinem Hause.« Hat der Mond ein Haus am Himmel?

Otto: Nein; aber der Poet denkt so. In der Prosa sagen wir das nicht. Dieses ist aber keine Prosa. Dieses ist Poesie.


Louis: Darf ich nun den dritten Vers beginnen?

Anna: Bitte, Louis, bitte.

Louis:

Dann weidet er die Schäfchen .....

Anna: Halt, Louis! Halt! Was bedeutet das Wort »weidet«?

Louis: »Er weidet« ist hier: »Er bringt.« Der Schäfer bringt die Schafe und die Lämmer an den Bach und auf die Wiese, wo das Gras ist. Der Schäfer weidet die Schafe.

Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur .....

Anna: Die »blaue Flur,« ist das der Himmel?

Otto: Das ist der Himmel. Das ist wieder poetisch. Auf der Erde ist die Flur grün, denn das Gras ist grün; aber am Himmel ist die Flur blau.

Louis:

Denn all die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.

Anna: Was bedeutet hier das Wort »nur«? »[Allein][IV-11]«?

Otto: Ich glaube (= denke), »nur« ist hier ein Synonym von »allein.« Die Sterne sind die Schafe des Mondes, nicht die Schafe der Sonne: sie sind des Mondes Schäfchen allein; sie sind des Mondes Schäfchen nur. Ich sage: Nur [Shakespeare][IV-12] konnte ein Drama schreiben, wie »Hamlet«[;][IV-13] das ist: er allein konnte es und kein anderer Poet. Ich sage: Nur Goethe konnte ein Werk schreiben wie »Faust,« — das ist: Er allein und kein anderer. In diesem Gedichte sagt der Dichter »nur« anstatt »allein«; er sagt »nur,« daß es sich reimt mit »Flur.« Die zweite Reihe des Verses ist:

Auf seiner blauen Flur

und die vierte:

Sind seine Schäfchen nur.


Louis:

Sie thun sich nichts zu Leide,
Hat —— —— —— ——

Anna: Halt, mein Freund! »Leide« verstehe ich nicht.

Otto: »Leide« ist hier ein Synonym von »Böses.« Ein Schäfchen thut dem andern nichts Böses. Das ist klar, nicht wahr? Nun gut; ich kann auch sagen: Ein Schäfchen thut (ich thue, er thut, sie thut, es thut) dem andern nichts zu Leide.

Louis: Hat eins das andere gern .....

Bella: »Gern«? — das Wort weiß ich auch nicht; alle anderen Wörter habe ich gewußt (ich weiß, ich wußte, ich habe gewußt).

Otto: Das glaube ich. »Gern«! Das ist ein Wort, das viele nicht verstehen; und unser Professor mußte lange, lange sprechen, bis wir es verstanden. »Gern,« — hm »gern.« Wie soll ich es klar machen, [daß][IV-14] Sie es verstehen? Eine Minute will ich denken. — So, ich habe es. Bella, trinken Sie oft Milch?

Bella: Sehr oft, Otto.

Otto: Warum trinken Sie oft Milch?

Bella: Weil die Milch gut ist.

Otto: Wohl. Die Milch ist gut, und Sie trinken gerne Milch. Schmeckt die Medizin gut?

Bella: Nein, nein! Medizin ist bitter.

Otto: Medizin ist bitter. Sie trinken Medizin nicht gern. Bella, essen Sie oft Beefsteak?

Bella: Ja, sehr oft.

Otto: Warum?

Bella: Weil Beefsteak so gut schmeckt.

Otto: Oh, Beefsteak schmeckt gut. Sie essen gern Beefsteak. Die Blätter am Bäumlein sind gut für die Ziege, nicht wahr? Die Ziege ißt (ich esse, er ißt) die Blätter gern. Warum wollen Sie oft Musik hören, Bella?

Bella: Weil die Musik so schön ist.

Otto: Die Musik ist schön und Sie hören gern Musik. Louis, was ist besser, gutes Wetter oder schlechtes Wetter?

Louis: Gutes Wetter.

Otto: Gutes Wetter ist besser. Du, mein lieber Louis, hast das gute Wetter gern; ich habe das gute Wetter auch gern. Das schlechte Wetter habe ich nicht gern.

Bella: Oh, nun verstehe ich Sie, Otto. Was gut ist für mein Ohr, das höre ich gern; was gut ist für mein Auge, das sehe ich gern. Alles was gut ist, habe ich gern, und alles, was nicht gut ist und nicht schön, habe ich nicht gern.

Otto: So ist es. Viele Leute sagen: »Ich liebe, Beefsteak zu essen.« O, Bella, Anna und Louis! Sagen Sie das nicht. Sagen Sie nie: »Ich liebe, Milch zu trinken.« Sagen Sie: »Ich esse gern Beefsteak, ich trinke gern Milch, oder Kaffee, oder Thee, oder Wein; ich habe gern schönes Wetter.« »Ich liebe« ist mehr, als »ich habe gern.« Man sagt: »Ich liebe meine Mutter und meinen Vater, meinen Onkel und meine Tante; ich liebe meinen Bruder, meine Schwester, meine Freundin und meinen Freund.« Nun, ein Stern liebt den andern, nicht wahr? Dafür kann ich auch sagen[:][IV-15] »Ein Stern hat den andern gern,« und so sagt der Poet hier.

Louis: O, das ist klar. Das verstehen wir; nicht wahr, Anna?

Anna: Ja wohl.


Louis:

Sie thun sich nichts zu Leide,
Hat eins das andre gern.
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.

Anna: Was bedeutet das Wort »droben«?

Louis: Das kann ich Ihnen sagen, Anna. »Droben« ist »am Himmel.«

Otto: »Da droben« und »droben« ist dasselbe. Oben ist der Himmel, unten ist die Erde. Oben ist die Sonne, unten ist der Baum. Louis, wo ist in unserm Hause der Salon?

Louis: Unser Salon ist unten im Hause.

Bella: Ist »Salon« ein deutsches Wort?

Otto: Wir sagen es im Deutschen. Hier sagen wir »Parlor.« Der »Parlor« ist das schönste Zimmer; »Salon« ist dasselbe.

Louis: Unser Salon zum Schlafen ist oben.

Otto: Das ist recht. Aber wir sagen nicht »Salon zum Schlafen,« sondern »Schlafzimmer.« In diesem Zimmer sind viele Bücher; das ist ein Bibliothekzimmer. Ich studiere in meinem Studierzimmer. Im Colleg und in der Schule sind viele Schulzimmer.

Bella: Darf ich Sie einmal fragen, Otto?

Otto: Bitte, mein Fräulein, fragen Sie doch!

Bella: Was ist das?

Ich weiß ein grünes Haus,
Weiß sehn die Wände (1 Wand, 2 Wände) aus.
Rot sind die Zimmerlein.
Es wohnen kleine Neger drein.

Was ist das?

Louis: Das ist eine Wassermelone.

Bella: Louis! Sie sind zu schnell.

Otto: Kennen Sie die Anekdote von dem deutschen Professor und dem Engländer?

Alle: Nein. O bitte, erzählen Sie uns die Anekdote. Bitte, bitte.

Otto: In einem Hause wohnte (ich wohne, ich wohnte, ich habe gewohnt) ein Engländer und ein deutscher Professor der Philosophie; im Zimmer oben der Philosoph, unten der Engländer. Der Lord war sehr reich und oft in böser Laune (= Humor). Dann sandte (ich sende, ich sandte, ich habe gesendet) er nach dem Doktor. Der Doktor kommt, sieht (ich sehe, er sieht) den fetten Lord, fühlt den Puls und sagt: »Mein Herr, Sie sind nicht krank. Gehen Sie mehr aus in den Park, in den Wald, in das Feld.« »Das kann ich nicht,« sagt der Lord, »aber ich kann mir hier einen Wald machen, hier in meinem Zimmer.« Und das that (ich thue, ich that, ich habe gethan) er auch. Man brachte (ich bringe, ich brachte, ich habe gebracht) ihm Bäume in sein Zimmer, wilde Schwäne, Gänse, Hühner (= Hennen). Die schießt er mit seiner Pistole und ruft: Halloo! Halloo! und machte (ich mache, ich machte, ich habe gemacht) solchen Lärm, daß der Philosoph nicht studieren konnte. Der kommt zum Engländer und sagt: »Mein Herr, der Lärm im Hause ist sehr groß; ich kann ja nicht studieren.« »Sehr wohl, Herr Professor, dieses ist mein Zimmer, und in meinem Zimmer thue ich, was ich will.« »So?« »Ja, so!« und der Professor der Philosophie macht: »Hm, hm!« sagt kein Wort mehr und geht.

Nicht lange nachher, da tropfte es in des Engländers Zimmer; erst wenig Wasser, dann mehr und mehr. »Was ist denn das,« denkt der Engländer und geht hinauf (= nach oben) in das Haus und sieht in des Philosophen Zimmer Wasser, viel Wasser; und in dem Wasser Fische. Der Philosoph aber steht da und fischt. »Mein Herr, was thun Sie hier? Sie machen meinen Wald zum See.« »Sehr wohl, mein Lord. Dieses ist mein Zimmer und in meinem Zimmer thue ich, was ich will.« Der Engländer macht: »Hm, hm! So, so,« und sagt: »Herr Professor, das kann so nicht gehen. Lassen (= enden) Sie das Fischen, so lasse ich das Schießen.« »Sehr wohl, mein Lord,« sagte der Philosoph und lachte (ich lache, ich lachte, ich habe gelacht), und mit ihm lachte der Lord, und beide waren Freunde.

Louis: Das war klug (= weise) von dem Philosophen.

Otto: Diese Anekdote habe ich in einem Gedichte gelesen.

Louis: Nun sage ich das Ende des Gedichtes:

Wenn ich gen Himmel schaue .....

Otto: Das ist: Wenn ich zum Himmel sehe.

Anna: Ist »schauen« ein Synonym von »sehen«?

Otto: So ist es.

Louis:

So fällt mir immer ein,
O, laßt uns auch so freundlich
Wie diese Schäfchen sein.

Anna: Was ist das, »freundlich«?

Otto: Wir wollen Freunde sein, wie diese Schäfchen, — das ist: Wir wollen freundlich sein.

Bella: Der Engländer war erst kein Freund des Professors und er war nicht freundlich. Am Ende waren sie Freunde, und dann waren sie freundlich.

Otto: Sehr gut, Bella. So hier ist ein Buch. Der Titel ist: »Gedichte von Hoffmann von Fallersleben.« Sehen Sie? Und hier ist unser Gedicht. Wer will es lesen?

Louis: Anna, lesen Sie es laut vor, bitte!

Anna:

Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der goldne Mond,
Der hinter unsern Bäumen
Am blauen Himmel wohnt.
Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis und still.
Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur;
Denn all die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.
Sie thun sich nichts zu Leide,
Hat eins das andre gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.
Wenn ich gen Himmel schaue
So fällt mir immer ein,
O, laßt uns auch so freundlich
Wie diese Schäfchen sein.

Bella: Das Gedicht ist wundervoll.

Otto: Und als Freunde wollen wir nun nach Hause gehen. Adieu, meine Damen.

Bella und Anna: Adieu! Adieu!

Otto: Bevor ich gehe, muß ich Ihnen noch sagen: Morgen kommt Herr Meister wieder.

Alle: O, das ist gut! Das ist schön!