Achtes Kapitel.
Einführung der Kakomonade in Europa, und in Frankreich.
Dreihundert Jahre sind es, daß uns ein Genueser das Glück verschaffte, Amerika zu kennen. Man ist nicht im Stande, sich genug bei den Vortheilen aufzuhalten, die uns daraus zugeflossen sind. Diese Entdeckung brachte uns das Vergnügen zu Wege, auf unsern Kleidern Tressen zu tragen, und um das Dreifache mehr für das Brod — zu bezahlen. Seit diesem glücklichen Augenblicke ists, daß unsre Frauenzimmer Papageien, und unsre Matrosen den Scharbock haben. Seit dieser Zeit fand man sich in Europa in den Stand gesetzt, Jahr für Jahr nach allen Regeln zweimal hundert tausend Menschen
zu erwürgen, anstatt, daß zuvor die durch das Kriegs- und Völkerrecht gesetzgekräftigten Massakres sich höchstens auf beiläufig sechzig tausend beliefen.
Das erste Schiff, welches so, mit den Produkten der neuen Welt befrachtet, in Spanien anlandete, erregte da ein allgemeines Erstaunen. Man ward nicht müde, die Helden zu bewundern, welche so weit her, und mitten durch so große Gefahren, neue Quellen für die Glückseligkeit des Menschengeschlechtes geholet hatten. Man ward entzückt, da man die Frucht ihrer Arbeiten erblickte.
Auf dem Verdecke, und an den für das Auge angenehmsten Orten nahm man kurze Gewänder von rothen Federn wahr, die mit dem Blute der Indianer gemalet waren; Ohrringe, an denen die Spitzen der Ohren hiengen, von denen man sie abgerissen hatte;
Ringe, die man sammt den Fingern ihrer vormaligen Besitzer mit übergeführet hatte; goldne Nasenringe sammt den Nasen, die lange Zeit damit sich gebrüstet hatten.
Die Argonauten des sechszehnten Jahrhunderts pochten mehr auf Muth, als auf Geduld, um sich desto geschwinder den Schmuck der Karaiben zuzueignen, raubten sie mit einem den Schmuck, und den Theil des Körpers, an dem er befestiget war, ab. Alles, was die Ehre hatte, mit Golde bedeckt zu seyn, blieb sammt seiner Zierde unter den Händen der Sieger. Dieß geschah, um die Zeit zu ersparen, mit welcher die Eroberer aller Jahrhunderte gewaltig geizten. Diese Oekonomie both eine überflüssige Ladung für ein Schiff, das nach Spanien kam, um da die Beute aus einem andern Welttheile auszukramen.
Während dieses Schauspiel alle Augen auf sich zog, ward man der Kakomonade, die hinter so vielen kostbaren Gepäcken verborgen lag, nicht gewahr. Sie machte sich fertig, festen Fuß zu fassen, und wählte sich schon ihre Wohnungen mitten unter dem Haufen, der sie umgab. Sie hatte sich bald ausgeschifft, und folgte dem Christoph und Martin Kolumbus bis nach Hofe, wo eine tugendhafte Königinn, Namens Isabelle, den Thron besaß, von dem sie so eben ihren Bruder herabgestossen hatte.
Diese weise Prinzessinn mit ihrem Gemahle, dem aufrichtigen, großmüthigen Ferdinand dem Katholischen, hatte dem Könige von Neapel, ihrem Blutsfreunde geschworen, ihn zu beschützen. In der Folge fanden sie, daß es edler, anständiger, und gerechter wäre, ihn auszuplündern. Sie ließen also zu Barzellona zu diesem Felszuge ihre Trouppen die Schiffe besteigen.
Die Trouppen giengen unter Seegel mit einer ganz neuen Gattung von Provisionen. Einen Hauptartikel davon machte die Kakomonade, ob sie gleich in die Verzeichnisse der Proviantmeister nicht eingetragen war. Sie reiste zu gleicher Zeit mit der Armee. In Italien, dessen Landesgebräuche ihr nicht günstig waren, machte sie Anfangs schlechte Progressen. Aber zu ihrem Glücke hatte sich Karl der Achte in den Kopf gesetzt, den heiligen Vater Alexander den Sechsten zu Rom zu besuchen.
Jedermann weis, wie unnütz, und prächtig dieser Feldzug war. Die französischen Ritter entwickelten da den wunderbarsten und fruchtlosesten Heldenmuth. Reißenden Fluges brachten sie Mailand, Florenz, Rom, Neapel, und die Kakomonade an sich; aber von allen Eroberungen, war diese letzte, die sie am liebsten aufgegeben hätten, die einzige, die ihnen blieb.
Bei ihrer Heimkehr, überpflanzten sie sie in ihr Vaterland, wo die französische Galanterie sie mit allen Ehren empfieng; und dieß war beinah der einzige Nutzen, der unsern Verfahren aus einem so herrlichen Feldzuge zufloß.