Neuntes Kapitel.
Verschiedene Reisen der Kakomonade.
Indessen die alte Bewohnerinn von Amerika sich so unter dem Gefolge einer Menge wackerer Krieger den Eingang in Frankreich öfnete; entwischte sie von Zeit zu Zeit, um auch in den übrigen Theilen der Erde Kolonien anzulegen. Sie schwamm die Rhone hinunter um in der Themse zu ankern. Sie maß die Pireneen zurück, um queer durch Spanien in Portugal zu eilen. Sie schifte sich zu Lisabon ein, um von Goa Besitz zu nehmen, den sie gemeinschaftlich mit der heiligen Inquisition noch behauptet.
Von Kadix reiste sie nach Fez in Mauritanien mit einigen Juden oder Mahometanern,
welche der religiose Ferdinand, der Katholische in seinem Reiche nicht dulden wollte. Sie drang mitten durch die Sandberge von Afrika bis zur Zone torrida ein. Sie wagte sich ohne Furcht unter jene schrecklichen Weiber der melindischen Küste. Sie breitete sich aus von dem Ursprunge des Senegal an bis zur Kafferei, und von Monomotapa bis an die Mündung des Nil. Sie wurzelte überall mit den Jesuiten, die dem ungeachtet nicht ihre eifrigsten Missionarien waren. Unermüdet, wie sie, aber in einer andern Art, faßte sie geschwinder als sie in den beträchtlichsten Wechselstuben Fuß. Sie hinterließ einsichtige Faktoren, die sichs angelegen hielten, die Anzahl ihrer lockeren Gesellen zu vermehren.
Mit mehr Bequemlichkeit begab sie sich durch Marseille nach Syrien und Aegypten. Sie durchsuchte die morgenländischen Handelsplätze. Die eisernen Gitter am Serail machten
sie knirschen vor Zorn. Röthe überzog ihr das Gesicht bei dem Anblicke von einem Haufen Menschengestalten, die, nicht nur unfähig sie mitzutheilen, sie nicht einmal anzunehmen im Stande waren. Unterdessen fand sie doch mittels der miethbaren Zirkassierinnen, die hier nicht seltner, als anderswo sind, und mit denen das Gesetz Mahomets den Umgang den Unbeschnittenen eben sowohl als den Gläubigen gestattet, einen Eingang bis zu den stolzen Muselmännern von der Sekte Omars.
Liebreich übersetzten sie diese zu den Ketzern von der Sekte des Aly, welche sie führten zu den Unterthanen des Mogul, die da anbeten den Brama und den Visthnu, welche sich Mühe gaben, sie mit Binsen zu versehen, um sie nach Makao und Nangazoni zu den Theologen des Fo und des Kaka zu übersetzen.
Auf ihrem Wege stieß sie an die Küste von Malabar. Sie nahm in den Philippinen und Moluken unter dem Schatten der Ananas und Kokusbäume Erfrischungen zu sich. Sie nährte sich da von Mußkatnißen, und Zimmet. Nachdem sie so die Ende der Welt durchwandert hatte, betrachtete sie mit Bewunderung den weiten Bezirk ihrer Macht.
Es giebt, sagte sie mit Entzücken, rothe und erzfärbige, milch- und pomeranzenfärbige, aschgraue und kohlschwarze Menschen, und all das gehört mein.
Man findet ihrer, die mit dem Safte von Trauben, von Aepfeln oder von Gerste, der durch die Gährung sauerte, sich berauschen; andere, die mit eben diesem Safte, den sie durch das Feuer distilliren, sich leckerhaft vergiften; andere die einen braunen, und ungesunden Staub in die Nase stopfen; andere, die mit Baumblättern Kalk fressen;
andere, die ihre Nachbarn stäupen, oder erwürgen lassen; und all das gehört mein.
Man sieht Weibsleute, die sich kaleinirtes Bley über das Gesicht schmieren; andre, die sich die Wangen, oder Arme mit Indigo, färben; andere, die ihren Hals zeigen; andere, die nichts, als allein ihren Hintern bloß tragen; andere, die sich parfümiren, und frisiren, um Liebhaber an sich zu locken; andere, die dieselben, wenn sie sich zu gewissen Zeiten bei ihnen aufhalten, mit der Pest beschenken; und all das gehört mein.
O tapfrer und berühmter Christoph Kolumbus! o ihr meine getreuen, und vielgeliebten Kastilianer! ewiger Segen sey mit euch, die ihr mein Geschlecht, wie den Sand am Meere, und meine Nachkommenschaft wie die Sterne am Himmel vermehret habt. Mögen die Schätze, des Potosi für euch so unerschöpflich werden, wie die meinigen!
möchtet ihr unaufhörlich eben so die Stützen meines Reiches seyn können, wie ihr die ersten Verbreiter desselben waret!
Nachdem sie sich so von ihrer Dankbarkeit, und von ihren Eroberungen Rechenschaft gegeben hatte, begab sich die Kakomonade auf den Weg, um neue zu machen, oder um die alten fester zu gründen; Das Fuhrwerk, dessen sie sich bediente, war sanft. Kein Wunder, daß sie nach so langwierigen, und so schnellen Reisen dennoch im Stande war, nach Frankreich zurückzukommen, das sie zum Mittelpunkte ihres Reiches bestimmet zu haben schien.
Man muß nicht vergessen, daß sie bey jeder ihrer Wanderschaften die Kleidungsart, und den Namen der Nation annahm, von welcher sie abreisete. In Frankreich war sie eine Neapolitanerinn, zu Neapel und Madrid eine Französin, zu Lisabon eine Kastilianerinn,
zu Nangazaqui eine Portugiesinn, zu Ispahan eine Türkinn, und zu Konstantinopel[6)] wieder eine Französinn. Vielleicht
giebt es nichts so schönes, als der Anblick ist, wie sie über Gebirge und Meere setzte, sich vom Adamspik auf die Spitzen des Imaus schwang, und von den Ufern von Kalifornien nach Madagaskar flog. Wir glaubten, daß dieses Schauspiel wenigstens sein Kapitel verdiente.