1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi dschoha


[339.]

MAn fragte Nasreddin: »Kannst du rechnen?« »Freilich,« antwortete er; »darüber gibts keinen Zweifel.« »Wie würdest du also vier Dirhem unter drei Personen gleichmäßig verteilen?« »Zweien von ihnen gäbe ich jedem zwei Dirhem, der dritte bekäme nichts und müßte warten, bis noch zwei Dirhem dawären; dann nähme er diese und so hätten alle drei gleich viel.«

[340.]

NAsreddin, der Pfirsiche in der Tasche hatte, kam bei etlichen Leuten vorbei und sagte zu ihnen: »Wer es errät, was ich in der Tasche habe, bekommt den größten Pfirsich.« Sie antworteten ihm: »Es sind Pfirsiche.« Er sagte: »Ja, wer hat euch denn das gesagt? das muß ein rechter Hurensohn sein.«

[341.]

EInes Tages ging Nasreddin mit einer Flasche zum Bache, um Wasser zu holen; sie fiel ihm aus der Hand und sank unter. Da setzte er sich am Ufer nieder. Ein Freund von ihm kam vorbei und sagte: »Was sitzst du da, Dschoha?«

»Eine meinige Flasche ist ertrunken; ich warte, bis sie aufquillt und an die Oberfläche kommt.«

[342.]

EInes Tages brachte Nasreddin Korn in die Mühle; dort begann er dann das Korn aus den Körben der andern Leute zu nehmen und es in den seinigen zu tun. Endlich sagte der Müller zu ihm: »Was machst du da?« »Ich bin ein Narr.« »Warum nimmst du dann nicht das Korn aus deinem Korbe und tust es in die der andern?« »Ich bin ein einfacher Narr; täte ich das, was du sagst, wäre ich ein doppelter Narr.«

Der Müller begann zu lachen und ließ ihn laufen.

[343.]

DAs Maultier Nasreddin Dschohas nahm einmal einen andern Weg, als er gewollt hätte. Einer seiner Freunde, der ihm begegnete, fragte ihn: »Wohin, Dschoha?« »Wohin mein Maultier will.«

[344.]

DSchoha brachte eines Tages einen löcherigen Kessel auf den Markt, um ihn zu verkaufen; aber man sagte ihm: »Er hat ein Loch, er ist nichts wert.« Er antwortete: »Bei Gott, das ist nicht wahr, er hat kein Loch; meine Mutter hatte Baumwolle drinnen, und er hat nicht geronnen.«

[345.]

EInmal ging die Mutter Si Dschohas zu einer Lustbarkeit und sagte zu ihm: »Hüte die Tür.« Da setzte er sich nieder, mit dem Rücken an die Tür gelehnt. Als es ihm dann langweilig wurde, stand er auf und ging weg, trug aber dabei die Tür auf dem Kopfe. Einer seiner Freunde sah ihn und sagte: »Was soll das heißen?« Er antwortete: »Meine Mutter hat mir gesagt, ich soll die Tür hüten.«

[346.]

EInes Tages knackte Dschoha eine Mandel auf und der Kern entschlüpfte ihm; da sagte er: »Wie wunderbar! alles flieht vor dem Tode, sogar die unvernünftigen Wesen.«

[347.]

EInmal ging Dschoha in den Vorraum seines Hauses hinaus und fand dort einen Ermordeten. Er warf ihn in den Brunnen und sagte es seinem Vater. Der nahm den Leichnam wieder heraus und begrub ihn; dann erwürgte er einen Hammel und warf ihn in den Brunnen. Die Verwandten des Toten durchliefen alle Straßen und fragten um den Leichnam; Dschoha begegnete ihnen und sagte zu ihnen: »Bei uns ist ein Ermordeter; kommt nachsehn, ob es euer Mann ist.« Sie gingen zu ihm und ließen ihn in den Brunnen steigen; als er den Hammel sah, rief er zu ihnen hinauf: »Hat euer Mann Hörner gehabt?«

[348.]

DSchoha hatte drei Pfund Fleisch gekauft und sagte zu seiner Frau: »Koch uns ein wenig Fleisch.« Sie kochte es, aß es aber mit ihrem Geliebten. Dschoha kam heim und fragte: »Wo ist das Fleisch?« Die Frau antwortete: »Ich war in der Küche beschäftigt; unterdessen hat es die Katze gefressen.«

Dschoha stand auf, nahm die Katze und wog sie; da hatte sie gerade drei Pfund. Und er schrie: »Du Metze, wenn das die Katze ist, wo ist das Fleisch? und wenn das das Fleisch ist, wo ist die Katze?«

[349.]

DSchoha gab seiner Frau drei Dirhem und sagte zu ihr: »Kauf dafür Fleisch, laß es aber nicht wieder die Katze fressen wie neulich.« Sie ging es kaufen und traf einen von ihren Liebhabern; den nahm sie mit sich nach Hause. Die Nachbarn sahen das und führten beide vor den Richter. Der Richter befahl, die Frau auf einen Bullen zu setzen und sie also durch die Stadt zu führen. Als Dschoha die Zeit lang wurde, ging er sie suchen; da sah er sie in dieser Verfassung und sagte zu ihr: »Du Metze, was heißt das?«

Sie antwortete: »Nun, nun, was denn? Geh nur nach Hause; ich habe nur noch den Markt der Essenzenverkäufer und der Tuchhändler, dann gehe ich das Fleisch kaufen und komme heim.«

[350.]

DIe Frau Dschohas pflegte in der Nacht wegzulaufen und sich mit ihrem Geliebten zu treffen; deswegen wurde Dschoha von seinen Nachbarn gehänselt. Da hielt er sich einmal wach, bis sie wegging; dann stand er auf, verschloß die Tür und setzte sich dahinter. Als die Frau zurückkam, fand sie die Tür versperrt. Sie begann ihn zu bitten, er möge sich ihrer erbarmen, aber er beschimpfte sie. Als sie jede Hoffnung auf einen günstigen Ausgang aufgegeben hatte, sagte sie zu ihm: »Wenn du mir nicht öffnest, springe ich in den Brunnen.« Dann nahm sie einen großen Stein und warf ihn hinein. Voll Reue lief er hinaus, um zu sehn, was es gebe. Augenblicklich schlüpfte die Frau ins Haus und verschloß die Tür. Er gab sich alle Mühe, sie zur Nachgiebigkeit zu bestimmen, aber sie hörte nicht auf, ihn zu beschimpfen und zu ihm zu sagen: »Da hat mans, wie du dich aufführst; die ganze Nacht steckst du bei den Trunkenbolden.« So gelang es ihr denn, ihn vor den Nachbarn mit Schande zu bedecken.

[351.]

EIner, der die Frau Dschohas liebte, sagte eines Tages zu seinem Diener, einem bartlosen und wohlgewachsenen Knaben: »Geh zu ihr und sag ihr, daß ich sie bald besuchen werde.« Der Knabe ging hin. Sie konnte sich nicht enthalten, ihn zu umarmen und ihn an ihre Brust zu drücken, bis sie schließlich ihre Gelüste stillte. Der Herr des Knaben fand, daß der zu lange ausblieb; er machte sich also selber auf den Weg zum Hause Dschohas. Als ihn die Frau kommen hörte, verbarg sie den Knaben unter dem Bette, und ihn empfing sie wie gewöhnlich. In diesem Augenblicke klopfte Dschoha an die Tür. Da sagte sie zu ihrem Geliebten: »Steh auf, lauf mit blankem Schwerte in den Hof und stoße Schmähungen gegen mich aus.« Er tat es. Dschoha trat ein und fragte seine Frau: »Was will der Mensch?« »Ach, Mann,« sagte sie, »das ist unser Nachbar: sein Diener ist ihm entlaufen und hat sich zu uns geflüchtet; er wollte auf ihn los, um ihn zu töten, aber ich habe ihn unter das Bett gesteckt.« Dschoha sagte zu dem Knaben: »Komm nur hervor, mein Kind, und bete zu Gott für diese ehrsame Frau, die dir diesen großen Dienst geleistet hat; Gott möge ihn ihr lohnen.«

[352.]

DIe Frau Dschohas ging mitten in der Nacht weg. Es begegnete ihr einer und der sagte zu ihr: »Du gehst um diese Stunde aus?« »Das kümmert mich nichts,« antwortete sie: »treffe ich einen Mann, so ist das das, was ich suche; begegnet mir ein Teufel, so werde ich ihm gehorchen.«

[353.]

MAn sagte zu Dschoha: »Nun bist du alt geworden und weißt von der ganzen Überlieferung nichts auswendig.« Er antwortete: »Niemand von euch hat von Ikrimah das sagen hören, was ich von ihm gehört habe.« »Sag es uns.« »Ich habe gehört, wie Ikrimah nach ibn Abbas[1], der es von dem Propheten hatte, folgendes verkündete: ›Es gibt zwei Eigenschaften, die bei niemand sonst als bei den Gläubigen vereint sind.‹ Aber Ikrimah hat die eine vergessen gehabt und ich habe die andere vergessen.«

[354.]

DSchoha war gerade beim Essen, als ein Bettler vor seiner Tür stehn blieb und sagte: »Muselmanen, Brüder!« Dschoha sagte: »Es soll keine Verwandtschaft unter ihnen gelten und sie sollen sich nicht aneinander mit Bitten wenden.[2]« Der Bettler antwortete: »Hab Mitleid mit mir!« Dschoha sagte: »Eher brauchte ich dein Mitleid.« Der Bettler: »Höre mich doch an!« Dschoha: »Ich hätte dich angehört, wenn du dich an einen Lebenden gewandt hättest.« Der Bettler: »Wie weitschweifig sind deine Worte, und wie trügerisch deine Handlungen! Möge Gott deine Hoffnungen zu Schanden machen!«

[355.]

DSchoha brachte seiner Frau ein Stück Fleisch und fragte sie: »Was kann man daraus machen?« Sie antwortete: »Mit gutem Fleische lassen sich alle möglichen guten Sachen kochen.« »Gut,« sagte Dschoha, »koch mir alle möglichen guten Sachen.«

[356.]

DSchoha hatte einen Kamelhengst bestiegen; auf dem Wege warf ihn der ab und entwich. Dschoha verfolgte ihn, bis er ihn schließlich in einer Stadt einholte; und er sagte zu den Einwohnern der Stadt: »Habt ihr den Schuft gesehn, der mich hat umbringen wollen? Bringt den Metzger her, damit er den Verfluchten schlachte.« Der Metzger schlachtete das Kamel und Dschoha verteilte das Fleisch an die Einwohner der Stadt.

[357.]

EIner lud Dschoha zu Tische und sagte zu seiner Sklavin: »Bereite uns Feigen.« Aber sie vergaß es und er ebenso. Später sagte er zu Dschoha: »Lies uns einen Abschnitt aus dem Koran.« Dschoha willigte ein und begann: »Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen! Bei dem Ölbaume und dem Berge Sinaï ....«[3] Der Gastgeber sagte: »Wo bleibt die Feige?« Dschoha antwortete: »Die habt ihr, du und deine Sklavin, seit Anbruch der Nacht vergessen.«

[358.]

DSchoha heiratete eine Frau, die schielte. Um die Essensstunde brachte er zwei Brote; sie sah vier. Dann brachte er eine Schüssel mit Speise; sie sah zwei und sagte zu ihm: »Was sollen wir mit zwei Schüsseln machen? eine ist genug.« Er sagte bei sich: »Was für eine ausgezeichnete Frau, die alles doppelt sieht!« Als er sich dann mit ihr zu Tische setzte, warf sie ihm die Schüssel an den Kopf und sagte: »Bin ich denn eine Dirne, daß du einen andern Mann zu mir führst?« »Liebste,« sagte Dschoha, »bitte, sieh alles doppelt, nur deinen Mann nicht!«

[359.]

DSchoha war bei einem großen Herrn zu Tische und es gab Nugat. Da fragte ihn einer: »Was ist das?« Er antwortete: »Ich weiß es nicht; aber ich habe sagen hören, das Bad sei eines der köstlichsten irdischen Dinge, und so denke ich, daß das ein Bad ist.«

[360.]

DSchoha sah auf dem Tische eines Geizigen ein Huhn, das niemand anrührte; man hatte es zugleich mit dem Kuskussu[4] gebracht und nach dem Essen wurde es wieder zurückgetragen. Da sagte er: »Bei Gott, dieses Huhn hat nach seinem Tode ein längers Dasein als zu seinen Lebzeiten.«

[361.]

DSchoha aß bei einem großen Herrn; es gab eine Fleischpastete und die verschlang er mit vollem Munde. Einer sagte zu ihm: »Dschoha, iß nicht zu viel; wer sich daran übernimmt, muß sterben.« Er hielt einen Augenblick inne, dann klatschte er seine fünf Finger zusammen und sagte: »Nehmt euch meiner Familie an; ich befehle sie euch.«

[362.]

DSchoha traf einen Christen, der in der christlichen Fastenzeit Fleisch aß; da setzte er sich zu ihm, um an seinem Mahle teilzunehmen. Der Christ sagte zu ihm: »Dschoha, das Fleisch von Tieren, die wir geschlachtet haben, ist euch Muselmanen nicht erlaubt.« Dschoha antwortete: »Ich bin unter den Muselmanen das, was du unter den Christen bist.«

[363.]

DIe Frau Dschohas erzählt: Mein Geliebter hatte Lust nach einer Schüssel gedünstetes Fleisch, und ich verlangte die Sachen dazu von meinem Manne. Als alles nötige bereit war, kochte ich das Gericht und aß es mit meinem Geliebten und tat eine Gurke in den Topf. Mein Mann kam heim und ich setzte ihm diese vor; er kostete sie und sagte: »Das schmeckt ja wie eine Gurke.« Ich stellte sie noch einmal zu, bis sie eingetrocknet war. Er aß sie und ging weg. Mein Geliebter kam zum zweiten Male, aber er war noch kaum recht eingetreten, als ihn mein Mann ertappte; er packte ihn und steckte ihn in eine Truhe und verschloß sie. Dann ging er meine Verwandten holen. Sofort, als er draußen war, machte ich mich an das Schloß, öffnete es und ließ meinen Geliebten heraus. Unser Nachbar hatte einen Esel; den nahm ich und steckte ihn in die Truhe. Da trat auch schon mein Mann mit meinem Vater und meinem Bruder ein. Sie öffneten die Truhe und fanden einen Esel. Und sie sagten zu Dschoha: »Bist du närrisch?« Er sah mich an und sagte: »Dirne! du hast eine Gurke in Fleisch verwandelt; kein Wunder, daß du einen Menschen in einen Esel verwandelst.«

[364.]

DIe Frau Dschohas erzählt weiter: Eines Tages kam mein Mann nach Hause und mein Geliebter war da; ich versteckte ihn im Keller. Mein Mann brachte dreißig Eieräpfel mit und legte sie in den Keller. Mein Geliebter aß einen. Dann ging mein Mann die Äpfel zählen; mein Geliebter gab sie ihm einzeln, und er bildete sich ein, es sei seine eigene Hand, die sie ihm von innen reichte. Als er fand, daß einer fehlte, ging er hinein; da traf er meinen Geliebten. Er fragte ihn: »Wer bist du?« Und mein Geliebter antwortete: »Ich bin ein Eierapfel.« Nun sagte mein Mann zu mir: »Schau, was für ein Spitzbube der Händler ist! er hat mir den da für einen Apfel zugezählt, und dabei habe ich zu ihm gesagt: ›Welcher ists denn, wenn nicht der da, der den Korb so schwer macht?‹« Dann führte er ihn zu dem Apfelhändler und sagte zu ihm: »Hast du denn keine Furcht vor Gott? wie kannst du mir den zu den Äpfeln zuwägen?« Der Händler, der ein Schalk war, nahm meinen Geliebten beim Ohre und sagte zu ihm: »Wie oft habe ich dir schon gesagt: ›Bleib bei den Rüben und komme nicht immer unter die Eieräpfel!‹« Dann gab er meinem Manne an seiner statt einen Eierapfel.

[365.]

DSchoha erhielt von seinem Vater einen Dirhem, um dafür einen Hammelkopf zu kaufen. Er kaufte ihn, aß aber alles Fleisch herunter und brachte seinem Vater den nackten Schädel. Der Vater sagte: »Schuft, was ist das?« »Ein Hammelkopf.« »Wo sind die Ohren?« »Er war taub.« »Und die Zunge?« »Er war stumm.« »Und das Fleisch am Kopfe?« »Er war kahl.«

[366.]

EIner lud eines Tages Dschoha ein, um ihn zu hänseln, und als Dschoha zu Tische kam, war nur ein Brot da; Dschoha stand auf und lief eiligst weg. Der andere sagte: »Wohin denn, Dschoha?« Dschoha antwortete: »Ich werde am Opfertage wiederkommen; vielleicht gibts dann bei dir Fleisch.«

[367.]

DSchoha war gerade dabei, ein Huhn mit Brot zu essen, als einer bei ihm vorbeikam; der sagte zu ihm: »Gib mir ein Stückchen.« Aber Dschoha sagte: »Bei Gott, Bruder, das Huhn gehört nicht mir; es gehört meiner Frau und sie hat es mir gegeben, damit ich es esse.«

[368.]

DSchoha fragte einen Geizhals: »Warum lädst du mich nicht ein?« »Weil du große Bissen nimmst und sie gierig verschlingst; während du den einen ißt, bereitest du dir schon den andern vor.« »Aber Bruder,« entgegnete Dschoha, »möchtest du denn, daß ich jedesmal zwischen zwei Bissen zwei Kniebeugungen machte?«

[369.]

EInes Tages sagte Dschoha zu seiner Frau, als er mit ihr aß: »Nichts könnte lieblicher sein als diese Speise, wenn sie nur nicht so knapp wäre.« »Wieso denn knapp?« sagte sie; »wir sind doch allein, du und ich.« »Mir wäre es am liebsten,« sagte er, »wenn nur der Topf und ich dawären, und sonst niemand.«

[370.]

DSchohas Esel hatte sich verlaufen; da schwur Dschoha, ihn, wenn er ihn finden werde, für einen Dinar zu verkaufen. Als er ihn aber gefunden hatte, nahm er eine Katze, setzte sie dem Esel auf den Hals und führte beide Tiere auf den Markt und schrie: »Wer will einen Esel um einen Dinar und eine Katze um hundert Dinar? eines ohne das andere verkaufe ich aber nicht.«

[371.]

EInes Tages war Dschoha in dem neugebauten Hause eines Freundes; er setzte sich einen Augenblick nieder, bekam aber nichts zu essen. Da stand er auf und begann das Haus von einer Ecke zur andern mit seinem Fuße auszumessen. Der Eigentümer sagte: »Was machst du da, Dschoha?« »Ich will mir ein Haus bauen lassen wie dieses da; ein Haus, wo nichts zu trinken und nichts zu essen ist, muß ja leicht zu bauen sein.«

[372.]

DSchoha wollte für heilig gelten. Er wurde gefragt: »Wo sind deine Wunder?« und er sagte: »Ich werde einem Baume, gleichgültig welchem, befehlen, zu mir zu kommen, und er wird mir gehorchen.« »Sag es dem Palmbaum da.« »Komm,« sagte Dschoha; aber der Palmbaum rührte sich nicht, auch nicht, als er ihn dreimal angerufen hatte. Nun stand Dschoha auf; man fragte ihn: »Wohin, Dschoha?« Er sagte: »Die Propheten Gottes und die Heiligen kennen weder Hochmut, noch Verblendung; da der Palmbaum nicht zu mir kommt, werde ich zum Palmbaum gehn.«

[373.]

EInes Tages stieg Dschoha auf das Minaret der Moschee und rief zum Gebete; und er verwunderte sich über seine Stimme. Alsbald stieg er hinunter und begann hastig davonzulaufen. Man fragte ihn: »Wohin, Dschoha?« Und er antwortete: »Ich will wissen, bis wohin meine Stimme reicht.«

[374.]

EInes Tages ging der Hodscha mit einem seiner Freunde auf die Jagd. Sie sahen einen Wolf, und den wollten sie fangen; sie verfolgten ihn, bis er sich unter einen Felsen verkroch. Der Gesell Dschohas steckte seinen Kopf hinein, um ihn zu packen, aber der Wolf riß ihm ihn ab. Dschoha wartete länger als eine Stunde; als er schließlich sah, daß sich sein Gesell nicht wieder erhob, zog er ihn heraus, und da sah er, daß er keinen Kopf hatte. Er fragte sich, ob er einen gehabt habe oder nicht; dann ging er in die Stadt und fragte die Frau seines Freundes: »Hat dein Mann, als er heute weggegangen ist, seinen Kopf bei sich gehabt oder nicht?«

[375.]

EInes Tages trug Dschoha einen Sack Korn in die Mühle. Auf dem Wege dachte er, wie schön es wäre, wenn Gott das Korn in seinem Sacke in Gold verwandeln möchte, und schließlich glaubte er, daß sein Wunsch erhört sei. Er streckte die Hand aus, um zu sehn, ob es Gold geworden sei oder nicht, aber der Sack legte sich um. Da wandte er den Blick gen Himmel und sagte: »Herr, du hast mich betrogen.«

[376.]

EIner lud Dschoha ein in der Absicht, ihn zu hänseln; er brachte Rosinen in einer zugedeckten Schüssel, worein er auch Mistkäfer getan hatte. Als der Deckel abgenommen wurde, liefen die Käfer davon; aber Dschoha machte sich daran, sie aufzulesen und zu essen. Der Hausherr fragte ihn: »Was tust du denn?« Und Dschoha antwortete: »Ich fange vorerst die Ausreißer; die Rosinen rühren sich ja nicht von der Stelle.«