Anhang
Der Umstand, daß die Sammlung Tewfiks, in der Reclamschen Universal-Bibliothek erschienen ist, hat es mit sich gebracht, daß die darin enthaltenen Stücke in dieser Ausgabe der Schwänke Nasreddins ausgeschlossen bleiben mußten. Immerhin ergeben sich zu den einzelnen Geschichten nicht uninteressante Parallelen.
516.
So wird bei Tewfik, Nr. 37 (Serbisch, S. 44; Kroatisch, S. 15; Tréfái, Nr. 156 statt 157) dem Hodscha, der ein Reis pflanzt, vorgehalten, daß er, wann der Baum Früchte tragen werde, selbst eine Speise der Würmer sein werde; Nasreddin antwortet, daß er für die Nachkommen pflanze, so wie die, die vor ihm dagewesen seien, für ihn gepflanzt hätten. Dazu vgl. die bei Basset, Contes populaires berbères, S. 216 ff., Lidzbarski, S. 154 und Chauvin, II, S. 208 angegebene Literatur, ferner Wünsche, Wajikra rabba, S. 168 ff.
517.
Zu Tewfik, Nr. 42 (Serbisch, S. 30; Kroatisch, S. 16; Tréfái, Nr. 157 statt 158: es ist unmöglich einen Brief an einen Freund in Bagdad zu schreiben) ist auf Philogelos, Nr. 137 zu verweisen:
Σιδωνίῳ μαγείρῳ λέγει τις· δάνεισόν μοι μάχαιραν ἕως Σμύρνης. ὁ δὲ ἔφη· οὐκ ἔχω μάχαιραν ἕως ἐκεῖ φθάζουσαν.
Ähnlich ist auch Philogelos, Nr. 99.
518.
Buadem, Nr. 14 (Serbisch, S. 56; Kroatisch, S. 33) hat ein merkwürdiges Gegenstück in den Nugae venales, s. l., 1720, S. 289 ff.
Audierat procul arma, bona de gente Batavus,
Gestit in hostiles fervidus ire globos.
At lateri patrium mater dum subligat ensem,
Haec, inquit, referas, nate fac arma domum.
Vix propior steterat pugnae, vestigia pressit
(Mille micant enses, vulnera mille ferunt),
Numquid, ait, ludi est? oculis non parcitur ipsis;
Certe oculis ludus non placet ille meis.
Forte tamen jacuit truncum sine nomine corpus;
Irruit: Hispanum nam cutis esse docet.
Saevit atrox, et qua caedendo, qua laniando,
Absecuit miles strenuus ense femur.
Facturusque fidem, magni argumenta duelli,
Et femur, et ferrum sanguinolenta gerit.
Inde memor moniti, nam pugna cruenta peracta est,
Arma celer properat salva referre domum.
Hoc, ait, Hispanum mulctavi verbere mater,
Maternosque femur projicit ante pedes.
Horret anus, sed enim potius caput ense tulisses,
Nate, refert, olim hic forte redibit eques.
Non faciet certo, o Mater; sed poscis iniquum;
Unde caput vellem tollere? non habuit.
519.
Die 15. Erzählung von Buadem (Serbisch, S. 56; Kroatisch, S. 33) scheint auf der folgenden in Abschihis Mustatraf, (Basset in der RTP, XIII, S. 552 ff.) zu beruhen:
Ein Bettler blieb vor einer Haustür stehn und sagte zu den Leuten: »Gott segne euch! gebt mir ein Stück Brot!« »Das können wir nicht.« »Also ein wenig Korn oder Bohnen oder Hirse.« »Wir können es nicht.« »Dann ein paar Tropfen Öl oder Milch.« »Haben wir auch nicht.« »Also einen Schluck Wasser.« »Bei uns gibts kein Wasser.« »Warum bleibt ihr dann da? geht doch auch betteln; ihr habt mehr Recht dazu als ich.«
Eine persische Parallele bei Kuka, S. 161, Nr. 28.
520.
Dasselbe wie bei Buadem, Nr. 20 (Serbisch, S. 58; Kroatisch, S. 34: Der betrunkene, vor dem sich alles dreht, wartet bis sein Haus kommt) erzählt Tewfik auch im 5. Monate, von Ein Jahr in Konstantinopel, (deutsch von Th. Menzel, Berlin, 1909 = Bd. 10 der Türkischen Bibliothek, S. 124); die Geschichte steht aber schon bei Kuka, S. 189, Nr. 103.
521.
Mit Buadem, Nr. 22 (Serbisch, S. 59, wo der in einen Brunnen gefallene um einen Strick laufen will, um sich herauszuziehen) hat viel Ähnlichkeit die 52. Facetie im Philogelos:
Σχολαστικὸς εἰς λάκκον πεσών, συνεχῶς ἐβόα ἀνακαλῶν ἑαυτῷ βοηθούς· ὡς δ’ οὐδεὶς ὑπήκουε, λέγει πρὸς ἑαυτόν· μωρός εἰμι, ἐὰν μὴ ἀνελθὼν πάντας μαστιγώσω, ἵνα οὕτω γοῦν μοι ὑπακούσωσι καὶ κλίμακα κομίσωσιν.
Bei Buadem scheint aber der Text doppelt verdorben zu sein (eine Ungereimtheit ist schon stillschweigend korrigiert worden); die Geschichte soll wohl ähnlich lauten wie folgende persische bei Kuka, S. 212:
A Kazwini’s[23] son fell into a well. The Kazwini went to the well and said to the son: »Don’t go away till i return with a rope and take you out!«
522.
Zu der Nr. 25 (Serbisch, S. 59 ff.; Kroatisch, S. 36), wo Buadem einen Topf, der angeblich Gift, in Wirklichkeit aber Honig enthält, ausißt, vgl. meine Nachweise zu Morlinis 49. Novelle, S. 99 ff. und davon hauptsächlich Boltes Angaben bei Frey, S. 214, ferner Clouston, Noodles, S. 122.
523.
Die No. 27 (Serbisch, S. 60 ff.; Kroatisch, S. 37) erzählt: Als Buadem vom Sultan entweder mit einem Goldstücke oder mit einem Esel oder mit einigen Schafen oder mit einem Weingarten beschenkt werden soll, antwortet er, er wolle das Goldstück einstecken, auf den Esel steigen, die Schafe vor sich her treiben, in den Weingarten gehn und dort für den Sultan beten. Dazu vgl. man eine Erzählung von Abu Dulama, die bei Lidzbarski, S. 162, in asch Schirwanis Nafhat al jaman, (Ph. Wolff, Das Buch des Weisen, 2. Aufl., Stuttgart, 1839, II, S. 252 ff.) und bei Kuka, S. 181, Nr. 81 steht.
524.
In Nr. 32 (Serbisch, S. 62; Kroatisch, S. 38) rät Buadem seiner Frau, die in der Nacht von einem Insekte in den Fuß gebissen worden ist, künftighin in den Schuhen zu schlafen; ähnlich erzählt Philogelos, Nr. 15:
Σχολαστικὸς καθ’ ὕπνους ἧλον πεπατηκέναι δόξας, τὸν πόδα περιέδησεν. ἑταῖρος δὲ αὐτοῦ πυθόμενος τὴν αἰτίαν καὶ γνούς, δικαίως, ἔφη, μωροὶ καλούμεθα. διὰ τί γὰρ ἀνυπόδητος κοιμᾶσαι;
Auf Hierokles beruht wohl Lehmann, Exilium melancholiae, T, Nr. 55, S. 244 und schließlich auch Merkens, I, S. 180 ff., Nr. 210.
525.
In Nr. 40 (Serbisch, S. 64; Kroatisch. S. 39; Nawadir, S. 43) antwortet Buadem, der behauptet hat, er kenne das Verborgene, dem ungläubigen Richter, der ihn gefragt hat, was er in diesem Augenblicke denke: »Du hältst mich für einen Betrüger.« Ausführlicher erzählt Abdirabbihi im Kitab al ikd al farid, (Basset in der RTP, XIX, S. 311):
Man führte einen Menschen, der sich für einen Propheten ausgab, vor al Mamun[24], und der Chalif sagte: »Hast du ein Zeichen?« »Ja; ich weiß, was du denkst.« »Und was denke ich?« »Daß ich ein Lügner bin.« »Du hast recht,« sagte Mamun und ließ ihn ins Gefängnis werfen.
Nach einigen Tagen ließ er ihn holen und sagte zu ihm: »Hast du eine Offenbarung?« »Nein.« »Warum nicht?« »Ins Gefängnis kommen die Engel nicht.« Der Chalif begann zu lachen und ließ ihn frei.
Ebenso steht die Geschichte auch in Abschihis Mustatraf, (Basset in der RTP, XIII, S. 232); eine der unsern entsprechende Version hat Roda Roda, S. 73. Eine sehr hübsche persische Variante bringt Kuka, S. 174:
A person claimed to be a prophet. He was asked by some persons to give some sign of prophetship. He said, »Let every one of you think upon something, and I shall be able to tell you your thoughts.« They said, »we have each thought of something. Now tell us our thoughts.« He replied, »Well, all of you are thinking that I am a fool, and that I am telling you a falsehood.« They acknowledged that for once he was right in his conjecture.
Ähnlich kehrt Frage und Antwort in dem größten Teile der Erzählungen von den drei Fragen wieder, deren bekanntestes Beispiel Bürgers Kaiser und Abt, ist; vgl. dazu die oben zu Nr. 70 angegebene Literatur.
526.
Buadem, Nr. 50 (Serbisch, S. 67; Kroatisch, S. 40 und 41), wo der Einfaltspinsel, nachdem er gesehn hat, wie die Früchte von einem Maulbeerbaume geschüttelt wurden, auch Vögel von einem Baume schütteln will, beruht wohl wieder in letzter Instanz auf einer Facetie des Philogelos, auf der 19., die folgendermaßen lautet:
Σχολαστικὸς ἰδὼν πολλοὺς στρουθοὺς ἐπὶ δένδρου ἑστῶτας, ἁπλώσας τὸν κόλπον ἔσειε τὸ δένδρον, ὡς ὑποδεξόμενος τοὺς στρουθούς.
Dasselbe erzählt Der edle Fincken-Ritter, S. 57, Nr. 308.
527.
Die Nr. 72 bei Buadem (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48) wird in Gladwins Persian Moonshee, II, S. 15, Nr. 31 folgendermaßen erzählt:
One day a King and his son went a hunting. The weather being hot, they put their fur cloaks on the back of a jester. The King smiled and said to the buffoon, »you have an ass’s load upon you.« He answered, »yes; or rather the burdens of two asses.«
528.
In der folgenden Geschichte, Nr. 73 (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48) sagt Buadem seiner Mutter, es sei ein Bettler unten, der um Brot bitte; sie antwortet, er solle sagen, sie sei nicht zu Hause. Darauf entgegnet Buadem: »Er will nicht dich, er will Brot.« Dasselbe erzählt Gladwin, II, S. 20, Nr. 53; die Quelle dürfte Dschamis Bäharistan, (zit. Ausg. S. 83) sein, woraus auch Galland (S. 43 ff.) schöpft.
529.
Buadem, Nr. 75 (Serbisch, S. 77; Kroatisch, S. 48) hat im wesentlichen denselben Inhalt wie die folgende Schnurre des Nuzhat al udaba, (Basset in der RTP, XV, S. 355):
Man erzählt, daß ein unwissender, dummer Arzt einem Kranken einen tötlichen Trank gegeben hat, so daß der Kranke daran gestorben ist. Nach zwei Tagen ging er wieder nach ihm sehn und fand, daß er tot war und daß man ihn begraben hatte. Der Vater des Toten trat dem Arzte entgegen, und der sagte: »Was für eine Kraft war in dem Tranke! wäre dein Sohn am Leben geblieben, so hätte er ein ganzes Jahr keine Arznei gebraucht!«
530.
Die Nr. 91 (Serbisch, S. 83; Kroatisch, S. 57), in der Buadem einem Freunde rät, er solle das Haus, wo seine vier Frauen gestorben sind, nur einem Freunde verkaufen, erinnert an die bekannte Anekdote aus Cicero, De oratore, II, 69, 278, zu der meine Ausgabe von Castigliones Hofmann, I, S. 323 zu vergleichen ist.
531.
Zu der Nr. 103 (Serbisch, S. 88; Kroatisch, S. 58), des Inhalts, daß man sich, wenn Käse da ist, an einen den Käse lobenden Spruch halten soll, wenn aber keiner da ist, an einen ihn verwerfenden, vgl. Hammer, Rosenöl, II, S. 72, Nr. 40; von Nasreddin wird die Geschichte erzählt bei Roda Roda, S. 121, und bei Kuka, S. 214 ff. steht sie, ohne daß der Sprecher der Sentenzen genannt würde, mitten unter den Erzählungen, deren Held Nasreddin ist.
532.
In Nr. 106 (Serbisch, S. 89; Kroatisch, S. 59) wird erzählt: Buadem, der auf »Salz und Brot« eingeladen worden ist, findet, daß sein Gastgeber nicht vielleicht aus Bescheidenheit so gesprochen hat: es gibt tatsächlich nichts andres; als nun der Gastgeber einem zudringlichen Bettler droht, er werde ihm den Schädel einschlagen, rät Buadem diesem, sich zu packen, weil der Mann nie lüge. Diese Geschichte steht schon bei Abdirabbihi (Basset in der RTP, XVIII, S. 217) und bei Kuka, S. 172, Nr. 53.
533.
Auf dem Bäharistan, (S. 83 der genannten Ausg.; Galland, S. 44) beruht wieder die Nr. 119 (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; etwas anders Nawadir, S. 41): Buadems Frau (im Nawadir, Dschohas Sohn) ist schwer erkrankt, und Buadem läßt die Leichenwäscherin holen; als man ihm vorhält, daß doch die Kranke noch nicht tot sei, meint er, das tue nichts: wenn die Waschung beendigt sei, werde es auch mit ihr zu Ende sein, und so habe man wenigstens Zeit erspart. Vgl. auch eine Erzählung des Nuzhat al udaba, (Basset, Keleti szemle, I, S. 223, Nr. 25), wo Dschoha, der um einen Arzt für seinen Vater geschickt worden ist, gleich den Leichenwäscher mitbringt, weil usw. usw.
534.
Ebenso geht auf das Bäharistan, (S. 75 ff.; Galland, S. 36) die Nr. 120 (Kroatisch, S. 61) zurück: Buadem kommt zu einem Lehrer, dem er etwas aufzubewahren gegeben hat, und bittet, ihm das auszufolgen; er wird ersucht, bis zum Ende des Unterrichts zu warten. Da nun der Lehrer beim Unterrichte fortwährend mit dem Barte wackelt, sagt ihm Buadem, er solle nur um das Depot gehn; das Bartwackeln werde inzwischen er für ihn besorgen[25]. In der Fassung des Nawadir, (S. 41) ist der Lehrer durch einen Kadi ersetzt.
535.
Eine ziemliche Verbreitung hat die 121. Geschichte von Buadem (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; Nouri S. 117; Nawadir, S. 41): Auf die Frage, wie viel Dumme es in seiner Heimat gebe, antwortet Buadem, das wisse er nicht, die Gescheiten aber könne er sofort herzählen. Schon Bar-Hebraeus erzählt sie mit der Lokalisierung in Emesa oder Homs, einem der vielen Schilda des Orients (Budge, S. 158, Nr. 630; ins Deutsche übersetzt von L. Morales in der Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges., XL, S. 419). Bahlul ist ihr Held im Bäharistan, (S. 74; Galland, S. 34); ebenso steht sie bei Cardonne, II, S. 119 (deutsche Ausg. S. 242) und Herbelot, I, S. 524; nach Herbelot erzählen Flögel, S. 172, Nick, I, S. 141 und Doran, S. 68. Vgl. weiter Chauvin, VII, S. 126[26].
Von den 29 Stücken, die Murad Efendi, in Reime gebracht hat, ist uns die Mehrzahl schon bei den nach andern Fassungen gebrachten Schwänken begegnet; hier mögen noch die Inhaltsangaben der Gedichte, zu denen ich Parallelen nachweisen kann, samt diesen folgen.
536.
Murad, Nr. 2: Nasreddin, der sich mit einem Nachbar, einem Geizhalse, nach einem Zwiste versöhnt hat, übernimmt die Beistellung des Friedensmahles, und auf dieses bereitete sich der Geizige durch ein längeres Fasten vor. Als er sich dann dazu einfindet, muß er Nasreddin erst zu den Einkäufen auf den Markt begleiten. Nasreddin fragt zuerst um gutes Weißbrot; da der Händler sein Brot, um es anzupreisen, mit Butter vergleicht, meint Nasreddin, es sei besser, sich gleich an die Butter zu halten. Die Butter wird nun als süß wie Öl gepriesen, und Nasreddin verzichtet auf sie zugunsten des Öls. Da weiter der Händler von seinem Öle sagt, es sei klar wie Wasser, sieht Nasreddin von jedem Einkaufe ab und bewirtet seinen Gast mit Wasser.
Dieselbe Geschichte, aber von einem Geizigen aus Basra und einem aus Kufa, bringt Hammer aus dem, wie er sagt, ursprünglich persischen, aber schon unter Murad II. ins Türkische übertragenen »Dschamiol Hikajat ve Lamiol-rivajat« im Rosenöl, II, S. 267 ff.; ebenso steht sie bei A. Certeux, Kebir-Chahà, in der RTP, III, S. 496b ff. Die anscheinend älteste Version, wo in der obigen Reihe Brot und Butter fehlen, steht bei Bar-Hebraeus (Budge, S. 113 ff., Nr. 439; Morales in der Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges., XL, S. 416 ff.).
537.
Die Nr. 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit dem Aga auf die Jagd reiten muß, nimmt er sich drei Datteln mit; sooft er aber eine in den Mund steckt, richtet der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die Dattel samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig bleibt, als sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit einer Zofe seiner Gattin scherzen; aber nun rächt sich Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal hintereinander just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Antworten richtig stellt.
Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad erzählt dasselbe Hammer im Rosenöl, II, S. 232 ff. nach dem »Mehedschon-nufus«; an die Stelle Ibads tritt Abu Nuwas bei Meißner, Neuarabische Geschichten aus dem Iraq, S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der RTP, XXII, S. 215 ff.
538.
In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61 (Serbisch, S. 72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit, damit aber auch des Witzes entkleidet ist, schleichen sich Strolche in den Stall Nasreddins; er und seine Frau hören ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh zu stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre Lust zu büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr entrüstet, als seine Frau zuzuwarten rät.
Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei Hammer, Rosenöl, II, S. 293 nach dem »Nozhatol-ebsar«, das wohl mit dem von Basset in den Contes populaires berbères, S. 201 zu seiner dasselbe erzählenden 50. Geschichte (Le vieillard, la femme et les voleurs‚) als Parallele zitierten Kitab nozhat el absar, identisch ist.
539.
Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vortrage eines stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn dieser voll Stolz fragt, was denn auf ihn einen besondern Eindruck gemacht habe, erhält er zur Antwort, daß sich Nasreddin beim Anblicke seines wackelnden Bartes[27] wehmütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert habe.
Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem vom Prediger mit der Eselsstimme, den ich im Mönchslatein, S. 8 mitgeteilt habe; in einer an unsere Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das erinnernde Merkmal) steht er im Nuzhat al udaba‚ (Basset, RTP, XV, S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr. 33 (dazu Clouston, Flowers, S. 71 ff.), bei Swynnerton, S. 157 und in einer bulgarischen Erzählung aus Altserbien in der Anthropophyteia, II, S. 387 ff.
Zu meinen Nachweisungen im Mönchslatein, S. 197 ff. sind noch nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, L’esprit de nos aïeux, S. 20 ff., Nr. 13 (nach J. de Vitry) und Paul Sébillot, Contes de prêtres et de moines, recueillis en Haute-Bretagne, Nr. 12 im Archivio, XIII, S. 567.
540.
Die 23. Erzählung Murads bringt die bekannte Geschichte vom Traumbrod, wozu man Chauvin, IX, S. 28[28] vergleiche, und zwar in einer Fassung, die der des Nuzhat al udaba, (Hammer, Rosenöl, II, S. 303 ff.; Basset in der RTP, XV, S. 668 ff.), aber auch der im Mesnewi‚ von Dschelaleddin Rumi außerordentlich nahe steht; nicht um Brot, sondern wie in der von Clouston in den Popular Tales and Fictions, II, S. 89 aus der Historia Jeschuae‚
Nazareni, ...., illustrata a Joh. Jac. Huldrico, Leyden, 1705, d. i. Huldreichs Ausgabe der Tholedoth Jesu, mitgeteilten Version um eine Gans handelt es sich in der serbischen Ausgabe, S. 155 ff. (Nasreddin foppt zwei Derwische).
541.
Die kroatische Ausgabe enthält zwei außerordentlich verbreitete Erzählungsstoffe; der eine (S. 91 ff.; Nouri, S. 57 ff.) stellt die unter dem Namen Asinus vulgi bekannte Geschichte dar, zu der man die bei Chauvin, II, S. 148, III, S. 70 und 145 und VIII, S. 140 angegebene Literatur, ferner Waas, Die Quellen der Beispiele Boners, S. 48, Köhler, II, S. 571, Meißner, Neuarabische Geschichten aus dem Iraq, S. 54 und 55, Nr. 30 und S. 111 vergleiche. Zwei Versionen sind bis jetzt unbeachtet geblieben: die eine steht im Antonius dialogus‚ von Jo. Jov. Pontanus (Opera, Basilae, 1538, II, S. 163); die andere, die die Fabel damals schon als Altweibermärchen charakterisiert, findet sich in einem Briefe Petrarcas (Epistolae de rebus familiaribus et variae, ed. Fracasetti, Florenz, 1859 ff., II, S. 404):
Unam tibi e fabellis referam vulgo notis, et quibus anus ante focum hibernas noctes fallere solitae. Senex cum adolescente filio agebat iter. Erat his unus parvus asellus ambobus, quo vicissim laborem viae levabant. Hoc dum genitor veheretur, sequente pedibus suis nato, irridere obvii. En, aiebant, ut moribundus inutilisque seniculus dum sibi obsequitur, formosum perdit adolescentem. Desiluit senex, et invitum natum in suum locum sustulit. Murmurare praetereuntium turba; en ut segnis et praevalidus adolescens, dum propriae blanditur ignaviae, decrepitum patrem mactat. Pudore ille victus, patrem coegit ascendere. Ita uno quadrupede simul vecti murmur occurrentium indignatioque crebrescere, quod una brevis duabus magnis belluis premeretur. Quid te moror? His moti pariter ambo descendunt, et vacuo asello pedibus incedunt propriis. Enimvero tunc illusio acrior risusque protervior, duos asinos uni ut parcant, sibi non parcere. Hic genitor: cernis, inquit, fili, ut nil quod probetur ab omnibus fieri potest; repetamus pristinum morem nostrum; hi suum loquendi carpendique omnia morem servent. Nil amplius dicam, nec necesse est: rudis fabella, sed efficax.
542.
Weiter hat eine Geschichte in der kroatischen Ausgabe, S. 95 ff. (Nouri, S. 41 ff.) folgenden Inhalt: Der Hodscha erzählt seiner schwatzhaften Frau, er habe ein Ei gelegt. Sie erzählt das unter dem Siegel der Verschwiegenheit ihrer Nachbarin Ajscha, diese wieder ihrer Freundin Fatima; binnen kurzem verbreitet sich die Sache in stets gesteigerter Form in der ganzen Stadt und endlich erfährt sie auch der Sultan, dem schon von 699 Eiern berichtet wird. Auch er tut so wie die andern und fragt Nasreddin, ob es wahr sei, daß er 700 Eier gelegt habe.
Dies ist die Fabel La Fontaines Les femmes et le secret‚; vgl. Boltes Nachweisungen bei Montanus, S. 592 ff. und Chauvin, VIII, S. 168 und 197.
543.
Unter den serbischen Überlieferungen in den Anthropophyteia, ist eine (I, S. 465 ff.), die ebenso wie eine Erzählung im Nawadir, (S. 16) den Stoff des Dit de perdriz‚ (Montaiglon-Raynaud, I, S. 188 ff.) behandelt; die serbische Variante tut dies in einer Form, die sehr an die der Tausend und einen Nacht, (Chauvin, VI, S. 179 ff.) erinnert. Man vergleiche Legrand, Fabliaux ou contes, Paris, 1829, IV, S. 38 ff.; Bédier, S. 466; v. d. Hagen, Gesammtabenteuer, II, S. XV ff.; Pauli, S. 514, Nr. 364; H. Sachs, II, S. 169 und III, S. 149; A. L. Stiefel in den Hans Sachs-Forschungen, S. 158 ff.; Benfey, I, S. 146; Österley in der Zeitschr. f. vgl. Littgesch, I, S. 54; K. Reinhardstoettner ebendort, VII, S. 474; Cosquin, II, S. 348 ff.; Fourberies, S. 27 ff. Zu den an diesen Stellen genannten Nachweisungen kommen noch: Der edle Fincken-Ritter, S. 61, Nr. 353; Bladé, Contes populaires de la Gascogne, III, S. 289 ff.; Sébillot, Littérature orale de la Haute-Bretagne, S. 137 ff.; Stumme, Tunis, I, S. 73 und II, S. 122.
544.
Die Erzählung in der Anthropophyteia, II, S. 412 ff. ist äußerst obszön: Nasreddin rächt sich an einem Gläubiger, einem reichen Türken, der seine Tochter verführen will, indem er, als seine Tochter verkleidet, zuerst die drei Töchter und dann die Frau des Türken beschläft und schließlich noch ihn selber schändet. Der hier nur zum Schluß vorkommende Zug, daß die dankbaren Mädchen und ebenso ihre Mutter auf ihren Kuchenanteil zugunsten der falschen Zuleika verzichten, ist besser verarbeitet in Sercambis Novelle De Malvagio famulo, (ed. Renier, S. 335 ff.), zu der die 191. Facetie Poggios: Facetia cuiusdam qui subagitabat omnes de domo, samt den von Noël, II, S. 183 ff. beigebrachten Parallelen zu vergleichen ist.
545.
In Anton Panns rumänischer, Gedichtesammlung Nazdravaniile lui Nastratin Hogea, wird S. 331 erzählt, wie der Hodscha ob seiner Lustigkeit von einem Freunde gefragt wird, ob er denn seine Schulden bezahlt habe. Er antwortet verneinend; aber die Sorge überlasse er den Gläubigern.
Das ist eine Variante der oft bearbeiteten 204. Facetie Poggios: Exploratio ad hominem tristem ob pecuniam debitam, (dazu Noël, II, S. 193 ff.).
546.
Pann, S. 338 (Griechisch, Nr. 151): Als der Hodscha Nasreddin Knoblauch gegessen hat, weigert sich seine Frau, mit ihm zu schlafen, weil sie den Geruch nicht verträgt. Der Hodscha fragt einen Freund, wie er es anstellen müsse, um geruchlosen Knoblauch zu bekommen, und erhält den Rat, ihn (der Schale) entkleidet zu pflanzen. Der Knoblauch riecht aber wieder, und nun meint der Freund, der Hodscha müsse eben auch sich selber entkleiden. Der Erfolg bleibt wieder aus, und der Hodscha sagt zum Knoblauch: Dich habe ich ausgezogen, mich habe ich ausgezogen, aber dein Gestank ist geblieben.
547.
Sehr hübsch ist folgende Geschichte bei Pann, S. 340: Als der Hodscha einmal sein Hemd flickt, bildet der Zwirn zufällig einen Knoten, und er merkt, daß die Näharbeit dadurch leichter von statten geht. Voll Stolz erzählt er allen Leuten, was für eine Erfindung er gemacht hat, erntet aber nur Spott.
Vgl. Eulenspiegel, Hist. 50 (Neudruck, Halle, 1884, S. 78 ff.; Dr. Thomas Murners Ulenspiegel, hg. v. Lappenberg, Leipzig, 1854, S. 73 ff. und 257) und Aug. Wilh. Schlegels Poetische Werke, Heidelberg, 1811, II, S. 278 ff.: Parabel vom Eulenspiegel und den Schneidern‚.
548.
Pann, S. 342 ff.: Im Kaffeehause bitten den Hodscha seine Freunde, eine Lüge zu sagen; er entgegnet aber mit trauriger Miene, sie hätten freilich leicht lustig sein, ihm sei aber sein Vater gestorben, und er habe kein Geld zum Begräbnis. Darauf gibt ihm jeder Geld und er geht mit einem hübschen Sümmchen fort. Bald darauf kommt der totgesagte Vater ins Kaffeehaus; auf die Vorwürfe seiner Freunde entgegnet Nasreddin, sie hätten ihn ja lügen heißen.
549.
Pann, S. 344 ff.: Ein Kaufmann gibt dem Hodscha irrtümlich Seife statt Käse. Als der Hodscha den vermeintlichen Käse ißt, stellt er fest, daß er anders als sonst schmecke; seine Frau, die ihm zusieht, sagt ihm, daß er eben Seife esse. Aber Nasreddin ißt ruhig weiter: der Kaufmann sei ein Ehrenmann, und was er bezahlt habe, werde er auch essen.
Ebenso essen im 24. Stücke der Märchen der Schluh von Tazerwalt, von Stumme, Leipzig, 1895 die Bewohner des Wad Draa Seife für Honig (Hartmann in der ZVV, VI, S. 269).
550.
Ein guter Schwank ist auch folgender (Pann, S. 346): Der Hodscha geht mit seiner Ziege auf den Markt, um dort ihre Milch zu verkaufen. Es kommt ein Kunde, und der Hodscha melkt die Ziege; da aber dem Kunden die Milch zu teuer ist, schüttet er sie der Ziege zurück in den Mund, damit sie wieder in die Euter fließe.
Vgl. dazu Kathá Sarit Ságara, II, S. 61: Story of the king who replaced the flesh, mit Tawneys Noten.
551.
Diese Ziege wird später (Pann, S. 346) von Wölfen gefressen; der Hodscha macht sich aber nichts daraus und sagt: Wo Gewinn ist, kann auch einmal ein Verlust sein.
552.
Altbekannte Motive behandelt die folgende Erzählung (Pann, S. 347 ff.): Der Hodscha sieht einmal, wie in einem Hofe ein Diener einem reich geschmückten Esel die Fliegen abwehrt, während der Eigentümer des Esels vergnügt zusieht; er geht hin, umarmt und küßt den Esel und sagt: »Schade, daß er nicht reden kann.« Auf die erstaunte Frage des Eigentümers antwortet er: »Freilich kann ich ihn reden lehren, noch dazu in vier fremden Sprachen.« Daraufhin bekommt er den Esel mit nach Hause und dazu ein schönes Stück Geld, damit er das verwöhnte Tier ordentlich pflege; in einem Jahre soll der Unterricht beendet sein. Nasreddins Frau ist mit dem Geschäfte nicht zufrieden, aber er tröstet sie, daß in dem Jahre entweder der Besitzer oder der Esel oder er selber sterben könne, und das Geld habe er ja schon. Am nächsten Tage beginnt er mit dem Unterrichte, indem er dem Esel mit Stockschlägen beibringt, auf einen Wink mit der Hand den Kopf zu heben oder zu senken. Als das Jahr um ist, bringt Nasreddin den Esel zu seinem Herrn, der eine Menge Gäste eingeladen hat. Auf die Frage Nasreddins, ob er wie die andern Esel brällen wolle, hebt der Esel den Kopf zum Zeichen der Verneinung, und so beantwortet er noch eine Reihe ähnlicher Fragen. Den Einwand des Besitzers, daß der Esel noch immer nicht spreche, beantwortet Nasreddin dahin, daß der Esel noch ein kleines Kind sei, das schon alles verstehe, aber zu reden erst noch lernen werde. Der Herr des Esels gibt mit Freuden wieder Geld her, aber nun ändert Nasreddin sein Verfahren; er gibt dem Esel, dem er das Essen abgewöhnen will, täglich weniger Futter, bis er endlich verendet. Als er dann dem Eigentümer des Esels dessen Tod meldet, veranstaltet ihm der voll Trauer ein schönes Begräbnis.
In den Hauptzügen deckt sich diese Geschichte mit La Fontaines Fabel Le charlatan, zu der man Robert, Fables inédites des XIIe, XIIIe et XIVe siècles, Paris, 1825, II, S. 54 ff. vergleiche. Um einen Bären handelt es sich bei Lodovico Carbone, Facezie, ed. Abd-el-Kader Salza, Livorno, 1900, S. 58 ff., Nr. 83, um einen Affen in der 88. Novelle von Des Periers (zit. Ausg. S. 300 ff.): D’un singe qu’avoit un abbé, qu’un Italien entreprint de faire parler, und um einen Elephanten in folgenden Fassungen: Guicciardini, Detti et fatti, Venetia, 1581, S. 21: Cosa opportuna, et utile, godere il beneficio del’tempo: Le tombeau de la melancholie, (1. Ausg. 1625), Paris, 1639, S. 214 ff.: Gentille inuention d’vn Gentilhomme François pour sauver sa vie; Democritus ridens, S. 42; Roger Bontemps en Belle humeur, S. 369: Bon tour d’Anthoine Martinus; Das kurtzweilige Leben von Clement Marodt‚ (1. deutsche Ausg. 1660), Gedruckt im Jahre 1663, S. 29 ff.; (Henry Daudiguier) Histoire des amours de Lysandre et de Calisto, (1. Ausg. Leyden, 1650), Amsterdam, 1670, S. 433. Die Geschichte ist noch heute lebendig, wie Roseggers Bearbeitung zeigt.
Älter scheint die Erzählung von dem Esel zu sein, der lesen lernen soll: Stricker, Der Pfaffe Amis, v. 181 ff. (Lambel, Erzählungen und Schwänke, Leipzig, 1872, S. 25 ff., 13 und 16); Poggio, fac. 250: Facetum hominis dictum asinum erudire promittentis, (Noël, II, S. 257 ff.); Brant, Esopi appologi, Basileae, 1501, Bl. B_7a; Eulenspiegel, Hist. 29 (Neudruck, S. 44 ff.; Lappenberg, S. 40 ff. und 246); Camerarius, Fabellae Aesopicae, Tubingae, Ex. off. Morhardi, 1538, Bl. 86a: Rex et subditus‚: H. Sachs, IV, S. 308; Fr. Delicado, La Lozana Andaluza, Paris, 1888, II, S. 277 ff.; Seb. Mey, Fabulario, Valencia, 1613, fáb. 47 (Menéndez y Pelayo, Origenes, II, S. CX ff.); Tales and Quicke Answeres, Nr. 99: Of hym that vndertoke to teache an asse to rede, (Hazlitt, I, S. 115); Prym-Socin, Tûr ’Abdín, II, S. 291 ff. (hier handelt es sich um ein Kamel). Lesen und schreiben soll der Esel lernen bei Abstemius, Hecatomythium secundum, fab. 33: De grammatico docente asinum, (Aesopi Phrygis et aliorum Fabulae, Venetiis, 1539, Bl. 61b) und Waldis, Esopus, IV, Nr. 97 (hg. v. Kurz, II, S. 270 ff. und Anm. S. 184). Vgl. weiter Levêque, Les mythes et les légendes de l’Inde et de la Perse, Paris, 1880, S. 560 ff., ZVV, VII, S. 95 ff. und Archivio, XXI, S. 358.
Zu dem Troste, daß in der gestellten Frist der eine oder der andere sterben kann, vgl. Chauvin, VIII, S. 117 ff.
Der Zug, daß einem Esel oder Pferde das Essen abgewöhnt, werden soll, kehrt auch heute noch oft in Schwänken wieder; er findet sich aber schon im Philogelos, wo die 9. Facetie lautet:
Σχολαστικὸς θέλων τὸν ὄνον αὐτοῦ διδάξαι μὴ τρώγειν, οὐ παρέβαλεν αὐτῷ τροφάς. ἀποθανόντος δὲ τοῦ ὄνου ἀπὸ λιμοῦ, ἔλεγε· μεγάλα ἐζημιώθην· ὅτε γὰρ ἔμαθε μὴ τρώγειν, τότε ἀπέθανε.
553.
Interessant ist ein griechisches, »Märchen« in den schon zitierten 52 Παραμύθια; es ist das 23. (S. 54 ff.): Ἡ γυναῖκα τοῦ Ναστραδὶν Χότζα, dessen wesentlicher Inhalt in einer breitern Fassung in den Νεοελληνικὰ Ἀνάλεκτα, II, Athen, 1874, S. 103 ff. als 33. der Λημώδη παραμύθια Νάξου wiederkehrt: Die Frau Nasreddins ist in den Arzt des Dorfes verliebt. Da er auf ihre Blicke und sonstigen stummen Liebeswerbungen nicht achtet, schickt sie ihm endlich durch ihre Magd eine Torte, worein sie einen Zettel gesteckt hat. Der Hodscha begegnet der Magd, nimmt ihr die Torte ab, ißt diese mit einem Freunde auf, liest den Zettel, übergibt der Magd einen andern, des Inhalts, daß er in der Dunkelheit kommen werde, und befiehlt ihr, der Frau zu sagen, sie habe ihren Auftrag ausgerichtet und der Arzt sende ihr diese Antwort. Ganz glückselig richtet die Frau alles her zum Empfange des Geliebten. Inzwischen geht der Hodscha zu dem Arzte und läßt sich von ihm ein stark wirkendes Abführmittel geben; in der Dunkelheit geht er dann in sein Haus. Seine Frau, die ihn erwartet hat, hält ihn, weil beide gleich dick sind, für den Arzt, und sie begeben sich sofort ins Bett. Nun beginnt auch schon das Abführmittel zu wirken: der angebliche Arzt besudelt nicht nur Bett und Zimmer, sondern auch die liebeshungrige Frau und macht sich endlich unter ihren Verwünschungen davon. Nach einigen Tagen kommt der Hodscha zurück, und sein erstes ist, daß er den Arzt zum Essen einlädt. Seinem der Magd erteilten Auftrage gemäß, fehlt auf dem Tische bald ein Löffel, bald eine Gabel, bald ein Glas, so daß er mehrmals Gelegenheit hat, das Zimmer zu verlassen und die Zornesausbrüche seiner Frau gegen den Arzt zu belauschen, dem sie schließlich einen Löffel Reis ins Gesicht wirft. Der Arzt entfernt sich, indem er dem Hodscha sein Bedauern ausspricht, daß sein Weib nicht recht bei Sinnen sei. Sie ist aber von ihrer Leidenschaft geheilt und liebt fortan ihren Hodscha so wie früher den Arzt.
Mit geringfügigen Abweichungen wird diese Geschichte in einer Novelle Bandellos erzählt, nämlich der 35. des I. Teiles: Nuovo modo di castigar la moglie ritrovato da un Gentiluomo veneziano‚; die Novelle Bandellos ist die Quelle der 1. Histoire in den Amans trompez, Amsterdam, 1696, S. 3 ff.: De Camille, et du Docteur du‚ Cil, die wieder nach Tittmanns Einleitung zum II. Bande der Simplicianischen Schriften, Grimmelshausens, Leipzig, 1877, S. XIX ff. die Quelle der Erzählung im 5. bis 8. Kapitel des II. Teiles des Vogelnests, S. 174 ff. ist.
554.
Die griechische Ausgabe der Schwänke Nasreddins schließt mit einer Geschichte, in der Nasreddin gar nicht vorkommt; denselben Inhalt hat aber Buadem, Nr. 161 und überdies hat sie Renato La Valle 1910 im Giornale d’Italia, dessen Vertreter er in Konstantinopel ist, von Nasreddin mitgeteilt: Einmal erschien Nasreddin vor dem Sultan und klagte ihm sein Leid; »Ich habe nicht zu leben,« sagte er, »könnte aber mein Leben sehr gut fristen, wenn du mir durch ein Handschreiben die Erlaubnis gäbest, von jedem Muselman, der vor seiner Frau Furcht hat, fünf Para einzuheben.« Da die Zahl der Muselmanen, die ihre Weiber fürchten, sehr groß ist, wird der Hodscha bald ein reicher Mann. Da sagt der Sultan zu ihm: »Da du durch meine Gnade reich geworden bist, hoffe ich, daß du dich mir durch ein Geschenk erkenntlich zeigen wirst.« »Sicherlich, Großherr; ich habe dir auch schon eine wunderschöne Sklavin aus Cypern mitgebracht.« »Sprich doch leiser,« sagte der Sultan, indem er sich scheu umblickte; »im Nebenzimmer ist meine Frau.« Sofort nahm der Hodscha den Erlaß aus der Tasche und sagte: »Fünf Para her, Großherr!«
Vgl. Krauss, Zigeunerhumor, S. 208 ff.: Wer sich da vor seinem Weibe fürchtet‚.
555.
Zum Schlusse folge eine Dschohageschichte, die Reinisch in der Nubasprache, im Idiome von Fadidscha, aufgezeichnet, deren Übertragung ins Deutsche er aber aus naheliegenden Gründen unterlassen hat (Nuba-Sprache, I, S. 236 ff.):
Dschauha quondam gregem prae se agebat ac dum vadit magna voce clamavit: »Gregem meum totum is, sive vir erit sive femina, accipiet, qui me edocuerit, quo modo coitus instituatur.«
Quam conditionem captiosam audivit homo quidam, qui in loco superiore occupatus erat opere in agro. Oculis igitur modo in meridiem, modo in septentrionem conversis non conspexit ullum testem molestum.
Tum is homo secum: »Age, inquit, id quod vult edocebo istum ac gregem eius accipiam.« Itaque Dschauham is acclamavit verbis: »Heus tu, huc veni! nam te edocebo.«
Venit Dschauha et rusticus braccis detractis se obtulit illi apto ad eam rem usus corporis statu. Qui mox penem intulit in anum rustici semenque emisit.
Iam cum penem eduxisset Dschauha quaesivit ex rustico, quid esset album illud, quod de natura ipsius destillaret. Rusticus: »Inde, inquit, nascuntur pueri.«
Tum Dschauha rusticum manibus apprehendit et clamavit: »Redde mihi liberos meos!« Is autem cum, ne clamore Dschauhae res proderetur, metueret, miti ac clara voce dixit: »Ego vero nullo pacto postulo gregem tuum; quam ob rem tacitus quaeso abeas.«
Unde profectus cum grege Dschauha cum ad villam venisset, ante aedium ianuam mulierem vidit cum puella sedentem. Cum igitur ibi eadem quae ante clamando pronuntiasset, mulier ad puellam haec locuta est: »Cum non sint nobis armenta, hunc quae vult edocendo faciam, ut gregem eius accipiam.«
Advocatus Dschauha, postquam mulier vestibus depositis accubuit, eam subagitavit. Coitu perfecto ex muliere quaesivit, quid esset album illud, quod de natura ipsius destillaret.
Respondit mulier: »Necdum id tu cognovisti?« »Minime,« ait Dschauha. Et mulier: »Inde, inquit, nascuntur pueri.«
Tum Dschauha mulierem manibus apprehendit ac minis usus petiit ab ea, ut sibi liberos redderet. Perterrita mulier: »Iam abeas, inquit, cum grege.« Itaque profectus est Dschauha.
Cum autem sol ad occasum vergeret, rusticus domum venit ex agro ac cum matre, uxore filiaque consedit ad cenandum.
Sedentibus iis, vir cum grave interdiu fecisset opus podice, crepitum emisit.
Tum is: »Quid, inquit, id est?« Et uxor: »Id podex tuus fecit.«
Quae cum dixisset mox ipsa crepuit. Ex qua cum quaesivisset vir, cur creparet, respondit: »Praeteriit villam nostram homo quidam cum aliquot boum capitibus et clamavit: ›Qui me coitum facere didicerit, sive vir erit sive femina, gregem meum mercedem accipiet.‹ Ut rem familiarem tuam augerem, me ab illo subagitari passa sum, qua re defatigata crepitum emisi.«
Tum vir: »Ergone, inquit, iste huc etiam venit? ut ego quoque creparem, is effecit.«
Quae cum locuti essent, rem integram reliquerunt.