VIII. Serbische Überlieferungen
[456.] Serbisch, S. 44 ff.
Eine hübsche Parallele bieten die Contes du Sieur Gaulard, S. 196 ff.:
Vne autrefois, estant arriué à Grey, son coche se vint à rompre en deux ou trois endroits. Dequoy extremement fasché, parce qu’il deuoit aller en quelque lieu en diligence: enfin il s’aduisa d’escrire à Monsieur de Lampas, son cousin, qui demeuroit à deux lieues de là, et le prioit bien fort de l’accomoder de son coche pour deux ou trois iours. Cela fait, il cachette sa lettre, et estoit prest à l’enuoyer par son laquais, quand son cocher luy vint dire que son coche estoit fort bien r’habillé, et qu’il n’en falloit jà emprunter. Alors le sieur Gaulard deschira cette lettre, et se fist apporter de nouveau vne plume et de l’encre, et escriuit à son cousin vne autre lettre, par laquelle il le remercioit bien fort de l’amitié qu’il luy vouloit faire, de luy enuoyer son coche, qu’il n’en estoit plus de besoin, et que le sien estoit raccomodé: et despescha son laquais qui porta cette derniere lettre au sieur de Lampas, qui le vint trouver le lendemain exprès à dix lieues de là, pour sçauoir ce qu’il vouloit dire. Lors il lui dit, Mon cousin, i’estois en peine, pource que ie vous auois escrit, qu’il vous pleust m’accomoder de vostre coche, et sçachant la bonne affection que vous me portez, ie me suis bien douté, que dés que i’aurois escrit, vous me l’enuoiriez. Et par ainsi ie vous ay escrit la derniere fois, afin que vous ne m’enuoyssiez pas vostre coche, puis que le mien estoit refait.
Anders ist folgende persische Geschichte (Kuka, S. 157):
An inhabitant of Baghdad went to Kazwin. As his stay at the latter place was prolonged beyond what he had originally intended it to be, he wrote a letter to his family, mentioning everything about himself and his affairs; but, as he could not find any messenger, he determined to take the letter himself to Baghdad. Accordingly he took up the letter, and arrived with it at his house, but stayed outside the door. The members of his family were glad to see him, and asked him, to enter the house; but this he would not do, saying, »my object in coming here was merely to bring this letter«; and with these words he left again, leaving the letter with them.
[457.] Serbisch, S. 45 ff.; Roda Roda, S. 124.
G. Bouchet, Les Serées, V, S. 69:
Ce maistre qui estoit de nos Serees, nous conta qu’vn iour il demanda à vn sien mestayer, comme il se portoit depuis deux ou trois iours que sa femme estoit morte, lequel luy respondit, quand ie reuins de l’enterrement de ma femme, m’essuyant les yeux, et trauaillant à plorer, chacun me disoit, compere, ne te soucie, ie sçay bien ton faict, ie te donneray bien vne autre femme. Helas! me disoit-il, on ne me disoit point ainsi, quand i’eu perdu l’vne de mes vasches.
[458.] Serbisch, S. 48. Ähnlich Buadem, Nr. 62; Serbisch, S. 72 ff.; Kroatisch, S. 44.
Eine ähnliche Schnurre aus dem Nuzhat al udaba, hat Basset in der RTP, XV, S. 363 mitgeteilt:
Einige Räuber hielten auf der Heerstraße mehrere Kaufleute an, bemächtigten sich ihrer und verteilten sie durchs Los. Die einen fanden bei ihren Gefangenen Stoffe und seidene Mäntel, andere Geld und andere Dinge; einer aber schlug seinen Kaufmann jämmerlich mit den Worten: »Warum sind deine Waren nicht so wie die deiner Gesellen?« Der Kaufmann antwortete: »Verzeih, Herr, ich wußte nicht, daß der Markt so gut besucht sein werde; habe Geduld bis zum nächsten Mal.« Der Räuber lachte und ließ ihn laufen.
[459.] Serbisch, S. 97.
[460.] Serbisch, S. 97 ff.
[461.] Serbisch, S. 98.
[462.] Serbisch, S. 109.
Eine seltsame Parallele und wohl zugleich die schließliche Quelle des serbischen Schwankes bietet eine Geschichte bei Bar-Hebraeus, S. 25, Nr. 98, deren Held der weise Günstling des persischen Königs Khosrev Anoscharwan (531–579) ist:
Bazarjamhir’s wife asked him a certain question and he replied, »I know not the answer.« Thereupon she said unto him, »Dost thou take such large wages from the king [for thy wisdom] and yet not know the answer to my question?« And he replied, »I receive my wages for what I know, and it is not payment for what I know not. If I were to receive wages for that which I know not all the king’s treasures would be insufficient to reward me, for the things which I know not are exceedingly many.«
Ebenso, nur daß es nicht die eigene Frau ist, steht die Geschichte, die bei Masudi fehlt, bei Galland, S. 53 ff.; auf einen andern übertragen ist sie bei Roda Roda, S. 63.
[463.] Serbisch, S. 117.
[464.] Serbisch, S. 128; Griechisch, Nr. 147; Pann, S. 338.
[465.] Serbisch, S. 131.
[466.] Serbisch, S. 132.
[467.] Serbisch, S. 135 ff.
Zu dem Anfange des Schwankes (Nasreddins Tür) ist auf Pann, S. 342 und oben auf unsere Nr. 329 zu verweisen; zu dem Reste, der eine Parallele bei Roda Roda, S. 252 hat, vgl. die Anmerkungen zu Nr. 399.
[468.] Serbisch, S. 144 ff.
[469.] Serbisch, S. 147.
[470.] Serbisch, S. 148.
[471.] Serbisch, S. 151 ff.
[472.] Serbisch, S. 152 ff.
[473.] Serbisch, S. 158.
Vgl. dazu die Nr. 92 bei Luscinius, Joci ac sales, abgedruckt bei Gastius, Convivales sermones, I, S. 288 ff. und in der Ausgabe Francofurti, 1602 der Mensa philosophica, S. 399 ff., Nr. 74:
Pauper quidam in tonstrinam veniens, ob Dei amorem orauit vt tonderetur, quod nihil sibi esset pecuniarum, quo operam tonsoris conduceret. Cum tonsor arrepta hebete nouacula, tanta inclementia miserum radit, vt ad singulos tractus lachrymae ex oculis vbertim manarint, interea eanis in culina acerbe verberatus, magno eiulatu in officinam tonsoris prosiliit. Quo conspecto, pauper ceu parem sortis iniquitatem in animali miseratus, exclamauit: O canis, quid adversi accidit tibi? num et tu rasus es ob Dei amorem?
Der Schwank, der aus Gastius in Domenichis Facetie, 1562, S. 229 (1581, S. 282 ff.), in die Cicalata in lode della Frittura, von Lorenzo Panciatichi (Biscioni im Kommentar zu Lorenzo Lippis Malmantile racquistato, Venezia, 1748, S. 47), in die Cuentos, von Juan de Arguijo (Paz y Mélia, Sales españolas, II, S. 137 ff.), in die Certayne Conceyts and Jeasts, Nr. 16 (Hazlitt, III, S. 8 ff.), in Zincgref-Weidners Apophtegmata, III, S. 256 usw. übergegangen ist, ist auch die Quelle der 82. Erzählung in Hebels Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes, in der zitierten Ausgabe III, S. 204.
Nahe steht aber unserer Geschichte auch folgender Schwank Von Claus Narren, S. 162:
Als jhm Clauß wolte lassen seinen Bart abnemmen, nam der Balbierer einen stumpffen Harsach[22] vnd räuffte den guten Menschen vbel. Clauß duldets vnd schweig stille. In dieser weile aber, da Clausen der Balbierer beschickte, ließ der Wirth im Hause ein gemestet Schwein stechen vnd abschlachten, das schreye sehr, da schrey Clauß auch: Hülff Gott, der Schlächter wird stumpff haben, weil das Schwein so schreyet; denn mein Balbierer hatt auch nit scharff, noch machte er mir nit so wehe, daß ich geschrien oder gezuckt hette.
[474.] Serbisch, S. 158 ff.
Der Schwank steht schon im Nuzhat al udaba, woraus ihn Basset im Keleti szemle, I, S. 221 übertragen hat, ferner bei Kuka, S. 182, Nr. 85.
[475.] Serbisch, S. 159 ff.
[476.] Serbisch, S. 166.
Tabourot, Contes du Sieur Gaulard, S. 209:
Allans par pays, son homme voulant gagner le beau chemin, trauersa vn chemin semé de pois. A raison dequoy, le sieur Gaulard se mit à crier à gorge desployée contre son homme, et luy disoit: Comment belistre, veux-tu brusler les iambes de mes cheuaux? ne sçais-tu pas bien que mangcant des poix, il y a six sepmaines, ils estoient si chauds qu’ils me bruslerent toute la bouche? Et bien n’auoit-il pas raison?
[477.] Serbisch, S. 169 ff.; Griechisch, Nr. 109; Walawani, S. 153 ff.; G. F. Abbott, Macedonian Folklore, Cambridge, 1903, S. 114 ff. (von »Nasreddin Khodja, the famous fourteenth century wit and sage of Persia«; mit einem Exkurs über das Niesen); Murad, Nr. 7; Pann, S. 329.
Die Geschichte ist identisch mit der bei Henning, Tausend und eine Nacht, XXIII, S. 73 ff. erzählten, wozu man Chauvin, VI, S. 137 vergleiche.
[478.] Serbisch, S. 173.
[479.] Serbisch, S. 176 ff.
Vgl. die Nrn. 332 und 482.
[480.] Serbisch, S. 177 ff.
Die Schnurre steht, geringfügig abweichend, schon in Castigliones Cortegiano, I. II, c. 51 (meine Ausgabe I, S. 184 und Nachweisungen I, S. 302) und in den Contes du Sieur Gaulard, S. 190 ff.
[481.] Serbisch, S. 179 ff.; Anthropophyteia, IV, S. 374 ff.
Der Schwank steht schon in der bereits zitierten türkischen Fabelsammlung, die Decourdemanche unter dem Titel Fables turques, Paris, 1882 aus einem von 1758 datierten Manuskripte ins Französische übersetzt hat und deren Abfassung er, allerdings ohne zwingenden Grund, in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts verlegt; die 19. Fabel, L’avare, lautet dort, S. 39, folgendermaßen:
C’est vraiment chose étonnante, disait un avare insigne à son ami en tirant un aspre de sa poche, de voir que, quand j’achète de la nourriture, mes chères espèces reviennent dans ma bourse!
— Cela t’est bien facile, fait l’autre: tu vas à la boucherie, tu y fais emplette d’un apre de tripes et tu les emportes chez toi; alors tu les nettoies avec soin, puis tu en revends pour un aspre. C’est ainsi que ton argent revient dans ta bourse.
L’avarice attire de pareilles répliques.
Der Schluß des vorliegenden Schwankes (nicht auch des aus der Anthropophyteia, angezogenen) erinnert an die 50. Novelle Morlinis, wo Gonnella, nachdem er außerhalb Neapels von zwei Frauenzimmern abgefertigt worden ist, auf den Besuch Neapels verzichtet, da er sich sagt: Si Parthenopeis mulierculis tanta inest argutia, quid de maribus cogitandum?
[482.] Serbisch, S. 183 ff.; Roda Roda, S. 107.
Vgl. die Nrn. 332 und 479. Hierher gehört auch die 189. Erzählung von Buadem: Buadem assoziiert sich mit einem, um eine Schreibstube zu halten. Als sie nun am ersten Abende die Einnahme zählen, ergibt sich, daß Buadems Gesellschafter, obwohl sie jeder gleich viel Schriftstücke verfaßt haben, das doppelte eingenommen hat. Sein Geschreibsel kann nämlich niemand lesen, und so bringen es die Kunden zurück, damit er es ihnen lese; dafür läßt er sich nun ebenso viel entrichten wie fürs Schreiben. Leider kann das Buadem nicht auch durchführen, weil er das, was er geschrieben hat, selber nicht lesen kann.
[483.] Serbisch, S. 188.
Siehe oben Nr. 349.
[484.] Serbisch, S. 190.
Krauss, Zigeunerhumor, S. 34 ff.: Es kommt auf die Seele der Zigeunerin.‚
[485.] Serbisch, S. 190 ff.
Roda Roda, S. 117.
[486.] Serbisch, S. 192.