Musik des Abschieds.
Beginn der Klänge zwischen dir und mir!
Uralte Sänge, die mich heiß verfluten –
Gewühl der Zeiten, die mich weiß zerbluten –
Geläute. Schweigen zwischen mir und dir.
O Gräber, Gärten zwischen mir und dir!
Gespannt die Tänzer unsichtbar auf Seilen –
Traum-Silber-Pflüge, die Eisschollen teilen –
Die Boten eilen zwischen dir und mir.
Erbrochene Schlachten. Bunte Völkerwelten.
Die Roten Felsen über Agadir.
Gesprengte Wälder. Heller Tod der Helden …
O dunkle Sprachen zwischen mir und dir.
Und sah die Meere durch die Himmel fließen.
Besternte Menschen viel auf Plätzen dicht.
Fluch deiner Finsternis: verkohlte Wiesen.
Die Flöte ruft. Es reift dein Angesicht.
Und sähe Mägde aus dem Brunnen schöpfen
Krug milden Trankes … und das blöde Tier
Leckt unvertrieben Honig aus den Töpfen …
O Fest! O Stunde zwischen dir und mir!
Dann jagte ich auf unergriffenem Schiffe.
Denn schroffer Sturm verlöschte jede Spur.
Und durchs Gezisch und durchs Gestrüpp der Riffe …
Und in den Händen eine Muschel nur:
Zerschellt. Genebel. Schädel. Fäulnis. Und die Feuchte
Gefleckter Sümpfe. Räudiger Rachen Gier – –
Ich aber fühlte: Duft und Pracht und Leuchte!
O Nacht des Bundes zwischen dir und mir.
Hans Bethge.
Geboren am 9. Januar 1876 zu Dessau in Anhalt. – Die stillen Inseln, Die Feste der Jugend, Saitenspiel, Lieder an eine Kunstreiterin.