Das Thalheimer Spiel.
Im Hauptstaatsarchiv zu Dresden befindet sich unter III, 100 Fol. 1e sub + ein im Jahre 1873 vom Stollberger Amtsgericht eingeliefertes Aktenstück aus dem Jahre 1805 ff, welches die Bezeichnung trägt: »Die von einigen Bergleuten und Strumpfwürkern zu Thalheim begangene strafwürdige Handlung bey Darstellung der Geschichte der Geburt Jesu unter der Benennung des heil. Drey Königen- oder Engelscharspiel betr.«
Die Veranlassung der Einleitung der Untersuchung gab ein Manuskript unter der Ueberschrift: »Traurige Begebenheit zur Sittengeschichte unserer Zeiten.« Dieses war beim Schneeberger Wochenblatt eingegangen, man hatte aber Bedenken getragen, es abzudrucken, da der Verfasser sich nicht nennen wollte. Durch Vermittlung des Schneeberger Amts-Physikus ging es aber schließlich an das Stollberger Amt, das für Thalheim zuständig war, und das die Angelegenheit aufgriff.
Was war nun eigentlich geschehen? Lassen wir das interessante Schriftstück folgen:
»Traurige Beyträge zur Sittengeschichte unserer Zeiten: Thalheim bei Stollberg i. Erzgeb. Mit welchem Vergnügen liest man in Sachsen die so schönen öfters herauskommenden Landes-Befehle, welche alle die Hoffnungen erwecken, daß durch diese, jene Ueberbleibsel roher Zeiten, jene Finsternis, aus unserem Vaterlande verschwinden müssen. Welcher Wunsch könnte nun von einem Jeden, dem Vaterlandswohl am Herzen liegt, herzlicher und inniger seyn, als: daß nun auch über diese Befehle gewacht, auf Befolgung derselben gehalten werden möchte; welches aber leider! nicht immer der Fall ist. Von vielen Polizey-Aufsehern kann man wohl eigentlich sagen: ein gut Theil schlafen – oder mit sehenden Augen sehen sie nicht – mit hörenden Ohren hören sie nicht – denn ich fand diese Wahrheit in Thalheim mehr als begründet; da beinahe jede gesetzwidrige Handlung, jede Thorheit, von den dasigen Polizey-Aufsehern gebilliget wird. Ich theile Ihnen, Freunde des Vaterlandes, hier eine solche schädliche und abgeschmackte Thorheit mit, welche ich bey einer Durchreise durch Thalheim kennen lernte. Was mir zuerst auffiel, da ich den Ort betrat, war eine Frau, die sich Brod und Erdäpfel erbettelte. Da ich mich bey ihr erkundigte, ob viel Arme hier wären, versetzte sie: »Kein Dorf im ganzen Gebirge kann mehr Hilfsbedürftige zählen, als Thalheim; beinahe jede Hütte ist eine Wohnung der Armuth und des Elends, wo die mehrsten Menschen mit bleichen, halbhungrigen und halbbekleideten Körpern, hinter dem Wollrade nach Hülfe und Brod seufzen.« Von dieser Erzählung ganz bewegt und in tiefes Mitleid gegen die Armen dieses Ortes versunken, ging ich, ohne auf etwas zu sehen und zu hören, weiter. Allein, da ich in die Mitte des Dorfes kam, wurde ich von dem Wohlstande Thalheims ganz anders belehrt. Hier sah ich eine Schar zusammengelaufener Narren, die mit Goldpapier und Flittergold behangen und beklebt waren und ein noch größerer Trupp Müßiggänger machte den Beschluß, daß man in Gefahr kam, erdrückt zu werden. Ein ziemlich bejahrter Mann, dem ich begegnete, der mir diesen tumultarischen Aufzug erklärte, was er zu bedeuten habe, sagte: Diese zusammengelaufene Rotte wären theils leichte Strumpfwirker, die nicht arbeiten wollten und theils einige Bergleute, die in der Weihnachts- und Neujahrszeit in hiesiger Gegend, in ärgerlicher und läppischer Verkleidung umherzögen, stellten den Kasper, Melchior und Balthasar, den Joseph, die Maria, die Hirten, Engel, Herodes pp. vor, sangen Lieder plumper Versart, und führten in den Häusern eine Art von Komödie auf, von der Geburt des Menschenerlösers und anderen religiösen Gegenständen, die sie nur schändeten und lächerlich machten, in denen sie vor der Puppe, welche die sogenannte Maria bei sich führte, niederfielen und wunderliche Vorstellungen machten.« Um über die schöne Art der Poesie urtheilen zu können, folgt hier ein Pröbchen davon, so viel ich aus der Erzählung des alten Mannes gemerkt habe:
Marie singt z. B.
Joseph mein! lieber Joseph mein!
zünd mir an ein Feuerlein,
und koch dem Kind ein Breyelein.
Joseph antwortet:
Maria, Maria, das will ich gerne thun,
dieweil nun schläft der liebe Suhn;
will ich dir machen ein Feuerlein,
und will kochen dem Kind ein Breyelein.
Den Brey koch ich und bück mich hart,
darzu verbrenn ich mir den Bart. pp.
Mitleidig dacht ich bey mir, wie weit ist diese Classe von Menschen von dem wolthuenden Lichte der Aufklärung zurück! Ich fragte nach dem Prediger des Ortes, ob er mit diesem Unfug zufrieden sey: »o nein!« sagte der Alte, »dieser hat zu verschiedenen Malen öffentlich diesen Müßiggängern ihre schändliche und abgeschmackte Bettelei vorgehalten. Unser Polizey-Aufseher, der Lehnrichter, ließ doch trotz der Rüge des Herrn Pastors nicht blos im Dorfe –, sondern sogar zu verschiedenen Malen dieses Gaukelspiel bei sich – in seinem Zechenhause aufführen –!«
Mit einem nochmaligen Händedruck und einem Seufzer über seines Ortes Obrigkeit, schied der Mann von mir und ich verließ das Dorf mit einem Herzen voll Mitleid. Auf meiner Rückreise nahm ich den Weg wieder durch Thalheim und erkundigte mich noch einmal nach diesem Gesindel, ob es noch immer ihre erbauliche Arlequinade so unverschämt, unter den Augen eines hochlöblichen Amts fortspielen dürfe[14]. Aber leider: nicht ein heiliger Weihnachtsabend – nicht der 1. Feiertag – kein Sonnabend noch Sonntag ist verschont worden. Das Schauspiel hatte sich vielmehr fast auf alle hiesige benachbarte Orte verbreitet, nur Jahnsdorf und Gornsdorf sollen sich rühmlichst ausgezeichnet haben; besonders am ersteren Ort haben sie diese Obskuranten in Verhaft nehmen wollen. Auch von den Einwohnern zu Thalheim bewies der größte Theil an diesem lächerlichen Schauspiel seinen größten Mißfallen; nur Wenige nahmen an diesem Unfug Antheil.
Dem Urtheile eines jeden Unbefangenen sey es anheimgestellt, ob dergleichen Aufzüge, ich will nicht sagen unseren Zeiten angemessen; sondern überhaupt einer wahren Religiosität beförderlich sind? Der Pöbel belustigt sich freilich an dergleichen Spektakel-Scenen: aber zu seiner sittlichen Besserung tragen sie nichts bey; sie schaden vielmehr der Guten Sache und geben den Leichtsinnigen Gelegenheit zu Spottungen über die Religion selbst.«
Die einzelnen Beteiligten wurden vernommen. Man ersieht aus den Akten, daß der Hauptbeteiligte ein gewisser Unger war, der das Spiel auswendig kannte und seinen Mitspielern diktierte. Der ganze Prozeß hat die eine segensreiche Folge gehabt, daß das ganze Spiel zu den Akten genommen wurde und uns auf diese Weise erhalten geblieben ist.
Es mag hier folgen:
Kleiner Engel.
(Im weißen Hemde, an den Armen und am Körper mit rotseidenen Bändern geschmückt, auf dem Kopfe eine Papierkrone, in der Hand ein hölzernes, mit Silberpapier beklebtes Schwert tragend.)
Vorsichtige Künste lieben Herren und Frauen,
wie sie allhier versammelt seyn, zu hören und zu beschauen,
was dies für ein Spiel mag seyn, –
nicht Silber, Gold oder Geld
welches liebt die ganze Welt,
sondern das liebe Jesulein
das wollen wir fürtragen,
wie Herodes mit List
gedacht nach dem Kindlein Jesus Christ,
es zu töten.
Wir bitten, seyn Sie feyn still,
wir wollen agieren unser Spiel.
Puer natus in Bethlehem, unde gaudet etc.
Drei Könige aus Saba kommen dâhar
Gold, Weyrauch, Myrrhen brachten sie dar.
Alleluja:
(gehet ab).
Joseph (im grauen Rock, mit Schurzfell angetan, einen Zimmermann darstellend, eigentümlich hustend) kommt zum Wirt:
Ach, gutes Glück mein,
wir möchten gern beherbergt seyn.
Wirt:
Ey was – für solche schlechte Nation –
geht ihr von mir, packt euch davon,
ihr seht mir aus für solche Gäst
die ihr selbst nicht viel habt zum Best,
ich schaff mir solche Vögel an,
die ich tapfer rupfen kann
auf das ich eins für zwey kann schreiben
damit ich auch ein Wirt mag bleiben.
Joseph:
Ach, lieber Herr, behalt uns heut,
wir sind zwar arm, doch ehrliche Leut.
Wirt:
Es ist weder Platz noch Raum allhier,
ich kann euch geben kein Quartier.
Wollt ihr aber damit zufrieden seyn,
so gehet in diesen Stall hinein.
Da liegt ein wenig Stroh und Heu,
auf daß mirs nicht zu weit ausstreuh!
Maria:
Ist das Plätzchen noch so klein,
so wollen wir damit zufrieden seyn.
Der 1. König.
Ich will mich einmal sehen um,
wie das Gestirne läuft herum,
das ich wahrhaftig schreiben kann,
was sich das Jahr hat zugetran –
Man sagt, es sey ein neuer König geboren,
dieser König ist gewiß geboren schon
ach! schön bist du und glänzest hell –
Glück zu, ihr drey weisen Gesell!
Der 1. Schäfer (im weißen Gewand in gelben Hosen, runder Mütze, wie ein Schachthut geformt, die mit Goldpapier besetzt war und mit einem grünen Stab in der Hand):
Wir armen Schäfersleut sind wohl hier auf Erden
von der geringsten Art, die kaum genannt mag werden.
Im Sommer über liegen wir wohl auf dem freyen Feld.
Haben wenig Brot und auch dazu kein Heller Geld,
im Winter aber müssen wir viel Kält und Frost ausstehen,
und dürfen überdies noch keine Nacht zu Bette gehen.
Der Wolf schleicht um die Schafe bald nieder bald auf
drum heißt es, ihr Schäfersleut, habt fleißig Acht darauf!
Der 2. Schäfer.
Ich lasse nicht alle Hoffnung schwinden,
dieweil wir nun von unsern Sünden
so Gott es will durch wahre Buß bekehren
so wird er uns viel Guts bescheren.
Halt an, halt an, was hör ich klingen
und fröhlich in den Lüften singen?
Dies ist das liebe Engelein,
dies, dies wird der rechte Bote seyn.
Der 1. Schäfer.
Auf, auf Gespann, die Nacht ist schon vergangen,
wir wolln mit Freuden wieder einen neuen Tag anfangen,
dieweil wir nun die Pflicht der Ruh genossen,
so wolln wir säumen nicht, doch längst schon unverdrossen
des Höchsten Ruhm erhebe sich
mit Danken und mit Beten.
Allein, was seh doch,
die dort herzu uns treten?
Weil dann die Furcht mit Schrecken gar kein Ende nimmt,
schaut her, der helle Glanz, der jetzt herzu uns kimmt.
Der kleine Engel.
Hört ihr Hirten, fürcht euch nicht,
eine große Freud, die ich euch bericht
denn euch ist heut der Heiland geboren
welcher ist Christus auserkoren.
Der 1. Schäfer.
Nun hört doch, ihr lieben Gespann mein,
zu uns Hirten ist kommen ein Engelein.
Hat uns verkündet von einem schönen Kindelein
welches liegt in einem Krippelein,
dies, dies soll der Heiland seyn.
Der 2. Schäfer.
Nun, wohlan, so laßt uns gahn,
um diese Dinge recht erfahren,
dieweil uns Gott der Herr hat solches kund gethan,
unser Vieh wird er indessen wohl bewahren.
Alle drei Schäfer singen:
Nun laßt uns gehen zum Krippelein,
beschaun wie diese Geschichte sey,
denn weil so viel tausend Engelein
singen von dem schönen Kindelein.
Der 1. König.
Ich, König Kaspar aus Hustiz,
ich besitze zwar großen Verstand und Witz,
wie das ich aber seh gewiß,
daß der Stern erschienen is (t).
Der 2. König.
Ich, König Melchor aus Griechewitz,
ich besitze zwar großen Verstand und Witz
wie das ich aber seh gewiß,
daß der Stern erschienen is.
Der Mohrenkönig (grüne Jacke, rotes mit Goldpapier besetztes Schurzfell, einen Degen an der Seite und eine Krone auf dem Haupt):
Ich bin der Schwarze aus Mohrenland,
ich, König Palzar aus Orient werd ich genannt,
ich sags euch frey nach meinem schlechten Verstand gewiß,
daß der Stern erschienen is.
Der 4. Schäfer.
Ihr Brüder, haben wir auch dem Kindlein etwas mitzubringen?
Der 3. Schäfer.
Ach, ich wüßte nichts von unserm armen Hirtenleben,
daß wir dem Kindlein könnten geben,
doch wolln wir singen ein schönes Liedelein
zu Ehren dem schönen Kindelein.
Alle Schäfer singen:
In dulci jubilo, nun singet und seid froh
unsers Herzens Wonne liegt in praesepio etc.
Der 1. Schäfer.
Nimm an, du schönes Kindelein
von uns das schöne Liedelein
das wir jetzt gesungen haben
du wollest uns nicht unbelohnet haben.
Der 2. Schäfer.
Ach mein herzliebes Jesulein,
mach dir ein so neues Bettelein,
zu ruhn (in) meines Herzensschrein,
das ich nimmermehr vergesse dein.
Der 1. Schäfer.
Da liegst du, o schönes Kindelein,
das aller Welt soll Heiland seyn.
Der 2. Schäfer.
Ist das nicht eine wunderbare Sache,
daß man den Heyland so schlecht und geringe achte.
Alle Schäfer singend ab:
Nun wir gehen von deiner Krippen etc.
Der 2. König.
Lasset uns den Herodes fragen,
daß er uns tät diese Geschichte sagen.
Die drei Könige singen:
Jacob Stern, du Licht der Erden etc.
Der Mohrenkönig kommt zum König Herodes:
Glück und Sieg nach stetem Frieden
Sey mir der König aus Judäa.
König Herodes.
Meinen untertänigsten Dank sagt man den Herrn frey,
sie sind mir aber willkommen die Herren alle drey,
sie sollen mir aber Bescheid thun, wer sie seyn –
denn ihre Gestalt ist fremd, desto wichtiger muß ihre Sache seyn.
Der Mohrenkönig.
König Herodes, wir sind in seiner Gewalt,
und demütigen uns für seiner Gestalt,
was aber unsere Verrichtung sey,
wir wolln fragen, wo der neugeborene König der Juden sey.
Denn, wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland, weit von fern,
und sind deswegen kommen an,
daß liebe Kind zu beten an.
König Herodes.
Hu! ich weiß von keinem König nichts,
ich bin der König und kein andrer nicht.
Wäre mir ein neuer König geboren,
wäre mein ganzes Königreich verloren.
Ich will mir aber bald lassen fordern her
einen Schriftgelehrten, dieser soll ratschlagen
wo und in welcher Stadt zu finden ist ein solches Kind.
Hallo! mein Diener Laban, fordre mir alsbald einen Schriftgelehrten!
Der Kriegsknecht.
Ganz gehorsam, ihre König Majestät.
(geht nach einem Winkel wo der Schriftgelehrte steht)
Der Schriftgelehrte soll alsbald zu Königs Majestät kommen!
Schriftgelehrter (mit einer großen Brille nebst einem Buch, die Bibel vorstellend, die er hin und her wirft, schwarz gekleidet):
O wey, o wey, wie geschieht mir –
ist etwas beim königlichen Hof vorgegangen?
Kriegsknecht:
Unfehlbar.
Schriftgelehrter (kommt zu Herodes).
Ey Schalom, ey Schalom, mein lieber Herr König,
was ist ihr Bitten und Begehr,
daß sie mich haben lassen fordern hierher?
König Herodes.
Hör, ein groß Wunder kommt mir für Ohren,
welches mir ist, ein neuer König geboren,
dieweil allda sind zur Hand
drei Könige aus dem Mohrenland.
Die fragen mich ohne alle Scheu,
wo der neugeborene König der Juden sey.
Drum sag und bericht in der That,
wo und welcher Stadt
zu finden ist ein solches Kind.
Schriftgelehrter:
Soviel ich weiß und befindlich ist,
so schreibt der Prophet Micho
im V. seiner Kapitel also:
und du Bethlehem in Ephrata
die du klein bist unter den Tausenden in Juda
aus dir soll mir der kommen,
der über mein Volk ein Herr sey, ein Herr sey.
König Herodes.
Nun hört, ihr großen Herrn insgemein –
ihr sollt mir aber Bescheid tun, wo euch der Stern erschienen ist.
Der 1. König.
Wo uns der Stern erschienen ist,
das sagen wir zu dieser Frist,
er ist uns erschienen im Morgenland,
drum haben wir uns gemacht auf den Weg bald.
König Herodes.
Nun hört doch, ihr großen Herren insgemein,
ziehet nun hin nach Bethlehem fein;
und sucht fleißig bis daß ihrs find,
und wenn ihrs dann gefunden habt,
so kommt wieder her in diese Stadt,
und bericht mich auch fein geschwind,
daß ich auch komme und anbete das liebe Kind
und große Schätze gebe fein
und mit mir nehme aufs Schloß herein;
ich wollte wünschen, sie kämen glücklich an den Ort.
Der 2. König.
So wir das liebe Kind werden treffen an,
so wolln wir ihre König Majestät kund und zu wissen thun.
Die drei Könige singen:
Kein Herodes kann uns sagen,
Wo sein Thron ist aufgestellt etc. –
(Sie kommen zu Joseph und fallen vor der Krippe nieder.)
Der 1. König.
Nimm hin arabisch Gold
und sei dabei uns Heyden hold.
Der 2. König.
Nimm hin den Weihrauch aus meiner Hand
den schreib ich dir zum Unterpfand.
Der Mohrenkönig.
Da will ich dir die Myrrhe verehren
daß du uns wirst viel Freude bescheren.
Joseph.
Habt Dank ihr Herren alle drey (hustet bei einem jeden Wort auf sonderbarer Art.)
Der 1. König.
Führ uns in den Himmel ein –
Maria singt:
Joseph, lieber Joseph mein, zünd mir an ein Feuerlein,
Koch dem Kind ein Breielein.
Joseph.
Maria, Maria, das will ich gerne thun,
dieweil nun schläft dein lieber Suhn,
will ich dir machen ein Feuerlein
und will kochen dem Kind ein Breilein,
Den Brei koch ich und bück mich hart,
dabei verbrenn ich mir den Bart.
Jetzt kommt die kalte Winterszeit,
so beschwerlich über uns arme Leut,
daß ich faßt so erfroren bin,
so dauert mich das liebe Kind.
Der 1. König.
Ich bin müd und abgematt',
die Abendzeit uns überschatt',
wir wolln ein wenig schlummern ein,
Gott, Gott wird unser Hüter sein.
Der 2. König.
So ruht ihr abgematten Glieder und genießt der süßen Ruh,
legt euch ohne Sorgen nieder, Gottes Güte deckt euch zu.
Der Mohrenkönig.
Mein Herz sehnt sich nach seiner Ruhe!
Der kleine Engel.
Hört ihr drei Weisen aus Morgenland
von Gott bin ich zu Euch gesandt,
daß ihr euch sollt von dem Weg ablenken
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List
erdacht wider den Herrn Jesum Christ.
Der Mohrenkönig.
Auf, auf ihr großen Könige mit mir
ein Engel im Traum erscheinet mir,
daß wir sollen von dem Weg ablenken
und nicht wieder nach Herodes lenken,
denn weil Herodes eitel falsche List
erdacht wider den Herrn Jesus Christ.
Die Könige singen und gehen alsbald ab:
Deine Krippen glänzen hell etc.
Der kleine Engel kommt zu Joseph:
Joseph, mein lieber Joseph mein,
steh auf und nimm das Kindelein
und seine Mutter bey der Hand
und flieh mit ihr nach Egyptenland,
und bleib allda bis ich sage dir –
denn es ist Gefahr vorhanden hier
denn weil Herodes das Kindlein sucht,
denn weil er uns umbringen tut –
Joseph.
Maria, Maria steh auf und nimm das Kindlein
daß wirs bringen aus der Gefahr,
dieweil es Herodes beschlossen gar
das Kindlein umzubringen zur Hand,
so wolln wir wieder ziehen nach Egyptenland.
König Herodes.
O weicht! o weicht! alles Unglück auf mich herabbricht,
und da ich saß auf meinem Thron
ein süßer Schlaf der kam mir án (on)
kaum tat ich meine Augen zu
da kam ein Löw in meine Ruh
und stürzte mich in meinem Tron
und riß die Kron von meinem Haupt herab.
Mein ganz Gemüte in mir ergrimmt,
daß mir faßt das Herz im Leib zerspringt;
dieweil ich nunmehr sehe an
daß mich die Weisen betrogen han.
Auf Kriegsknecht! rüste dich
hau und brenne, tödt und stich
und laß dein Schwert den Kindern blutig wetzen
und thu mir nicht ein einzigs auf die Seite setzen!
Wirst du das thun –
so wird meine Krone auf festem Grunde ruhn!
Kriegsknecht.
Ganz gehorsam, ihr Könige Majestät –
was sie mir anbefohlen haben, soll alsbald ins Werk gerichtet werden.
Denn weil er mirs hat anbefohlen, so will ich auch kein Kind verschonen.
Ei! so will ich hinaus, will ziehen meinen Säbel heraus,
will durchgehn durch das ganze jüdische Land
will alle Knaben von 1, 2 bis Jahren.
Was drunter ist soll keins am Leben bleiben,
und wenn die Eltern täten Blut weinen.
Die ganze Schaar, 13 an der Zahl, singen:
Wenn wir in höchsten Nöten seyn
und wissen nicht, wo aus noch ein etc.
Kriegsknecht.
Ei, ei, wie hat mein Schwert geschnitten,
es half kein Flehen, es half kein Bitten,
viel tausend Mann hab ich erschlagen –
trotz dem, der mir ein Wort kann sagen!
Die kleinen Kinder schrien erbärmlich,
bei mir aber war ganz und gar kein Verschonen nich[t],
nun hab ich abermals ihre Könige Majestät Willen vollbracht,
daß sie nicht Ursache haben über mich zu klagen
ich bin so tyrannisch mit ihn[en] umgegangen,
es ist mir gewesen, als wenn [ich] nichts hab ermachen können! [als wenn ichs nicht hätt machen können!]
König Herodes.
Recht, so, nichts daran gelogen –
List muß wieder mit List belohnt werden.
Der Anfang ist gemacht, wer mir wird widerstehen,
der soll alsbald mit Schrecken untergehen,
allein die Juden mögen mich lassen,
sie müssen doch in Furcht die Macht sich dämpfen lassen.
Mein Mut und Kampf ist mir von Jugend auf erhitzet und läßt auch noch nicht nach.
Mein ist der Ruhm, mein ist die Ehr,
nun fürcht sich kein Herodes mehr!
Gesang: Wunderkind wie deine Kinder etc.
Der größere Engel.
Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein,
wir bedanken uns auch alle fein
für das Geschenk, das sie uns verehrt haben.
Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr!
Und sollten wir noch gesund seyn,
so kommen wir nächstes Jahr wieder rein.
Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.
Gesang: Heut schleußt er wieder auf die Thür.
[8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]
Die ganze Verhandlung läßt erkennen, daß jedenfalls der Ortsgeistliche der Urheber des Schriftstückes gewesen ist. Der Lehnrichter Siegel hatte die Aufführung in seinem Saale verboten, da ging man kurzerhand ins Zechenhaus. Dies untersagte das Bergamt zu Geyer. Das Konsistorium in Dresden ließ die Sache bis zum Kurfürsten[15] gelangen, aus dessen Kabinett ein Befehl an den Amtmann zu Stollberg erging, die Uebeltäter zu bestrafen und zwar mit 2 Tagen Gefängnis und Tragung der nicht unerheblichen Kosten. Das Amt zu Stollberg verfügte demgemäß. Man versteht heutzutage die Maßnahmen der Geistlichen kaum, denn dem hohen Konsistorium zu liebe, wurde schließlich doch das Urteil gefällt. Es zeigt von einer Beschränktheit und Volksfremdheit, die durchaus nicht etwa die Stimmung der Bevölkerung im kirchenfreundlichen Sinne beeinflußte. Spieler und Hörer glaubten bei der Ausübung der alten Sitte ein christliches Werk zu tun. Der Vorwurf, die heilige Geschichte lächerlich gemacht zu haben, lehnten sie entschieden ab.
Das Thalheimer Spiel ist jedenfalls weitverbreitet gewesen. Der Bergmann Unger will es auch in Breitenbrunn mitgespielt haben.