Allegorie

Ein alter Tempel, dessen Bau schon weicht,

Der vormals stolz von sonniger Höhe ragte,

Schaut wie ein König, den der Feind verjagte,

Sein Bild im Strom, der träg vorüber schleicht.

Mit einer Weidengerte züchtigt leicht

Den Faun, der lüstern sie zu necken wagte,

Die schläfrige Najade, die betagte,

Er lacht des Zorns, der ihn mit Ruten streicht.

Der fade Vorwurf bringt mich um die Laune.

Welch Dichter schuf dies Werk, das ich bestaune,

Welch düsterer Stümper dachte dich nur aus,

Verblichenes, zerschlissenes Gewebe?

Wie ein Theatervorhang blöd — —, und kraus,

Ach, wie das Leben, das ich ärmster lebe!

Hirngespinste

I.

Dame Mäuschen trottet

Schwarz in grauer Abendstund,

Dame Mäuschen trottet

Grau auf schwarzem Grund.

Eine Glocke läutet

Die Gefangnen in den Schlaf,

Eine Glocke läutet,

Schlaft und seid hübsch brav.

Keine bangen Träume,

Denket an die Liebste jetzt,

Keine bangen Träume,

Träumt was euch ergetzt.

Strahlt der Mond vom Himmel,

Schnarcht der müden Schläfer Schar,

Strahlt der Mond vom Himmel,

Ist es eben wahr.

Wolken ziehn vorüber,

Finster wird es, wie im Loch,

Wolken ziehn vorüber,

Und der Tag kommt doch.

Dame Mäuschen trottet

Rosig, ringsum ist es hell,

Dame Mäuschen trottet,

Auf, ihr Schläfer, schnell!

II.

Im Kreise trotten sie herum

Und keiner spricht,

Der Hof liegt stumm

Im grellen Licht.

Das Unkraut wuchert rings, es zaust

Der Wind die Stirn,

Und Unkraut haust

In ihrem Hirn.

O Simson, drehe nur den Stein!

Was für ein Korn

Mag das wohl sein?

Fragst Du im Zorn.

Die Mühle, die das Schicksal treibt,

Mahlt nicht zum Scherz,

Du Narr, zerreibt

Verstand und Herz.

Sie kommen! klipp, klapp, geht der Schuh,

Er ist von Holz,

Jetzt hast Du Ruh,

Verdammter Stolz!

Daß keiner seufzt und keiner zuckt,

Ihr wißt es doch:

Wer auch nur muckt,

Der fliegt ins Loch.

Das ist mein Zirkel, Tag für Tag

Bin ich sein Gast,

Auf jeden Schlag

Schon längst gefaßt.

Gesellschaft, hab ich Dich verletzt,

Dich keck bedroht,

Gibst Du mir jetzt

Kein Zuckerbrot.

Genossen, Brüder von der Zunft,

Seid nicht erbost,

Denn die Vernunft

Gewährt uns Trost.

Es ist so süß, im Sonnenbrand

Sich auszuruhn

Und mit Verstand

Mal nichts zu tun.