An Frau M.

Selbst wenn die Qual, die meine Seele leidet,

In ihr entfachte noch einmal die Glut,

Selbst wenn das Schicksal, das dies Glück mir neidet,

Mir ärmsten gönnte solch ein seltenes Gut,

Selbst wenn die Scham, die jetzt dich von mir scheidet,

Mir alles schenkte, was still in dir ruht,

Selbst dann, du Kind, von Unschuld fromm bekleidet,

Hätt ich zur Liebe weder Witz noch Mut.

Doch wenn dereinst die müden Sinne schwinden,

Wenn diese Welt nichts mehr in dir bewegt,

Wird die Erinnerung dich mir verbinden.

Magst du dich freuen, dich in Schmerzen winden,

In deiner Hand wirst du die meine finden,

Du hörst mein Herz, das an dem deinen schlägt.

Lebewohl!

Lebwohl! Gott heißt dich weiter gehen,

Nur dich, da meiner er vergißt,

Auf Erden gibt’s kein Wiedersehen ...

Jetzt weiß ich, was du mir gewesen bist.

Nur keine Tränen, keine Klagen,

Ich beuge mich, das Schicksal spricht,

Mag dich dein Schiff von dannen tragen,

Ich sehe lächelnd zu und weine nicht.

Die Hoffnung läßt dich sorglos scheiden,

Voll Hochmut kehrst du wieder her,

Und jene, die beim Abschied bitter leiden,

Die kennst du dann gewiß nicht mehr.

Lebwohl, zieh deinem Traum entgegen,

Da du im Rausche nach Gefahr nicht fragst,

Noch blendet dich der Stern auf deinen Wegen,

Noch lockt das Irrlicht dich, nach dem du jagst.

Einst lernst du, magst du jetzt auch prahlen,

Welch reiches Glück ein Herz gewährt,

Das uns versteht, und welche Qualen

Wir dulden, wenn sich’s von uns kehrt.