Ballade an den Mond

Hoch auf dem Turme glitzt er,

Der Mond, so gelb wie nie,

Da sitzt er,

Wie’s Tüpferl auf dem I.

Welch Elf hat auf den Faden

Dich mit geschickter Hand

Geladen,

Du naseweiser Fant?

Du Maske der Gespenster,

Was guckt für ein Gesicht

Durchs Fenster

Herein, du blasser Wicht?

Bist du, der Nacht Begleiter,

Nur rund geformtes Gold,

Das weiter

Sich ohne Beine trollt?

Bist du es gar, Geselle,

Bist du es, dessen Lauf

Der Hölle

Die träge Uhr zieht auf?

Ein Zeiger, der die Stunden

Verdammten Seelen weist,

Sekunden

Der Ewigkeit umkreist?

Ist es ein Wurm, der witternd

Sich anzuschleichen wagt

Und zitternd

Die Sichel dir benagt?

Wer hat dich halb geblendet?

Hat gestern dich im Traum

Geschändet,

Vielleicht ein spitzer Baum?

Auf meines Zimmers Wände

Trägt mir dein fahler Schein

Behende

Des Gitters Netzwerk ein.

Es hat der Sonne Gnade,

Da sie ins Meer getaucht,

Dich gerade

Ein wenig angehaucht.

Einst wirst du ganz erkalten,

Dein Angesicht verrät

Durch Falten,

Wie schlimm es um dich steht.

Die Göttin gib uns wieder,

Die keusch und nie besiegt

Die Glieder

An ihre Hirschkuh schmiegt,

Die einst in der Platane

Gehege sich gefiel,

Diane

Und ihrer Meute Spiel.

Hoch flüchtig sind gesprungen

Die Rehe, wenn voll Macht

Gedrungen

Das Hifthorn durch die Nacht,

Wenn auf der Spur der Beute

Ringsum durch Wald und Feld

Die Meute

Zur Hetze hat gebellt.

Als eines Abends linde

Durch ihren Hain gerauscht

Die Winde,

Hat Phoebus sie belauscht,

Der Gott, der nächtlich schwärmend

Die Hirtin und den Hirt

Keck lärmend

Im Vogelflug umschwirrt.

Durch jedes Abenteuer,

Dem still du beigewohnt,

Bleibst teuer

Du alle Zeit uns, Mond.

Wem immer du begegnet,

Dem bist für ewig du

Gesegnet,

Ob ab du nimmst, ob zu.

Du bist es jedem Schäfer,

Wenn auch zu nächtiger Stund

Dich Schläfer

Hat angebellt sein Hund.

Du bist es jedem Schiffe,

Das hart vom Sturm bedrängt

Durch Riffe

Der Lotse sicher lenkt.

Und jedem schönen Kinde,

Das mal in dunkler Nacht

Geschwinde

Sich aus dem Staub gemacht.

Tief unter dir gebettet

Und wie ein wilder Bär

Gekettet

Träumt das gezähmte Meer.

Wenn ich bei Wind und Wetter

Nicht aus der Stube kann,

Herr Vetter,

Dann schaue ich dich an,

Seh auf dem Turm dich glitzen,

Seh dich vergnügt wie nie

Dort sitzen,

Wie’s Tüpferl auf dem I.

Wenn manches wider Hoffen

Ein Ehemann zu Haus

Getroffen,

Dann lachst du ihn noch aus.

Und wenn der junge Gatte,

Nachdem die Mutter zach

Ihm hatte

Entriegelt das Gemach,

In Schlafrock und Pantoffel

Die Kerze löscht im Nu,

Du Stoffel,

Dann siehst du spöttisch zu.

Bang harrt sie mit dem Ringe

Am Finger, der sie mahnt

An Dinge,

Die sie nur zitternd ahnt.

Der Herr Gemahl fängt Feuer,

Sie wird in ihrer Qual

Nur scheuer

Und wehret dem Gemahl.

Er blickt mit heißen Augen

Und ruft: Mein Kind, was soll

Das taugen?

Bei Gott, du machst mich toll!

Kaum kann er es noch tragen,

Da läßt ihn ein Gesicht

Nichts wagen,

Und er, er wagt es nicht.

Es zittert und es zuckt ja,

Wir sind hier nicht allein,

Man guckt ja

Ins Zimmer uns herein!

Hoch auf dem Turme blitzt er,

Der Mond, so frech wie nie,

Dort sitzt er,

Wie’s Tüpferl auf dem I.