Chrysilla

Ist einst der Becher voll, o Göttin reich an Gnaden,

Erspar es mir die Zeit, die zögernde, zu sehn,

Sie soll nicht tränenlos an meinem Lager stehn,

Sie kürzt mir viel zu spät des Lebens langen Faden.

Schick Eros aus! er hat mit Haß mich stets beladen,

Ich weiß es nur zu gut, könnt es nach ihm geschehn,

Im Sterben würde ich der Qual noch nicht entgehn,

In meinem Herzblut müßte sich die Erde baden.

Doch nein! ruf abends, wenn die frohe Sonne scheidet,

Die Jugend an mein Bett, stumm, schön und unbekleidet,

Wie sie den Reif auf bleiche Rosenblüten haucht.

Die Quelle weint ein Lebewohl, die Stunden neigen

Das Haupt vor ihr, die weder Pfeil noch Sichel braucht,

Gern will ich dann zum finstern Hades niedersteigen.