Das Gespenst
Ein Engel, dessen Blick erblichen,
Komm ich in dein Gemach geschlichen,
Geräuschlos nahe ich und sacht
Als Schatten dir in tiefer Nacht.
Mein Lieb, du wirst gewiß erschrecken,
Wenn Küsse, kalt wie Eis, dich wecken,
Wenn einer Schlange feuchter Glast
Den braunen Leib umspielt, umfaßt.
Naht dann des Morgens blasser Schimmer,
Du findest deinen Liebsten nimmer,
Der Platz bleibt bis zum Abend kalt.
Was liebend andere erringen,
Soll Furcht und Schrecken mir erzwingen,
In meinem Reiche herrscht Gewalt.