Der Schläfer im Tal
Ein grüner Winkel, wo im engen Bette munter
Das Bächlein singt und Silberfetzen aufgeräumt
An Gräser hängt, wo von dem stolzen Berg herunter
Die Sonne glänzt, ein Tal, das hell im Lichte schäumt.
Ein junger Krieger schläft barhaupt mit offnem Munde,
Der Nacken badet tief im frischen blauen Kraut,
Der bleiche Jüngling dehnt sich auf dem weichen Grunde,
Das grüne Lager ist vom Sonnenlicht betaut.
In Lilien ist der Fuß gebettet, um die Wangen
Spielt eines kranken Kindes Lächeln, das umfangen
Vom Traume ruht. Natur, umhüll ihn warm und gut,
Denn ihm ist kalt. Die Brust trinkt nicht der Blumen Düfte,
Er schläft im Sonnenbrand, die Hand auf seiner Hüfte,
Darunter sickert aus dem Herzen rotes Blut.
Der Schrank
Ein reich geschnitzter großer Schrank in dunkel Eichen,
Uralt, gleich alten Menschen blickt er gut und fein,
Die Tür steht auf, die Düfte, die daraus entweichen,
Umschmeicheln lockend Herz und Sinn wie alter Wein.
Ganz vollgestopft ist er mit tausend Kinkerlitzen,
Verblichner Wäsche, Wohlgerüchen, Weibertand,
Verkramtem Kinderzeug, mit längst verschlissnen Spitzen,
Mit Tüchern von der Großmama und buntem Band.
Dort finden sich vergessne Medaillons und Locken,
Weiß oder blond, Porträts, auch Blumen, welk und trocken,
Ihr Staubgeruch und Obst in stiller Harmonie.
Von ihren Vätern könntest künden Du den Söhnen,
Du alter Schrank, Geschichten wüßtest Du ...! sowie
Sich Deine Türen langsam öffnen, mußt Du stöhnen.