Der Schrei
Still liegt der Weiher, braune Wasser träumen träge,
Im schwanken Schilfe hängt der Abendsonne Strahl,
Ein schriller Vogelschrei hallt durch das müde Tal,
Er kündet traurig eines Herzens letzte Schläge.
Wie schwach und schüchtern er aus tiefer Ferne taucht,
Wie er verzweiflungsvoll und jammernd näher schreitet,
Wie er sich dehnt, wie er im Flug sich streckt und weitet,
Wie er am Horizont verschwindet und verhaucht!
Sein Röcheln mißt die Zeit im Gleichmaß der Sekunden,
Ein kleiner, dünner Ton, der klagend weiter schwingt;
Der matte Widerhall, der durch die Lüfte hinkt,
Erzählt verzagt vom Schmerze trüber Dämmerstunden.
Kein Netz fängt diesen Schall, der träg vorüber zieht,
Dies unermüdliche, gedehnte Abschiedsläuten!
Wer ihn auch immer hört, weiß diesen Klang zu deuten,
Der einer Seele gilt, die aus dem Leben schied.
Ist es die Rose, sind es bunte Schmetterlinge,
Ist’s weißer Blütenduft, ein Käfer, ein Insekt,
Ein ferner Flug, der kühn zur Sonne sich gereckt,
Und jetzt im Moose ausruht mit gebrochner Schwinge?