Hände

Das sind nicht Prinzenhände, keines

Prälaten Hände, wohl gepflegt,

Und doch ist etwas zartes, feines

In diesen Händen ausgeprägt.

Auch keines Künstlers, oder ehrlich

Auch keines Dichters. Dennoch steckt

Etwas von Leid darin, das schwerlich

Ein anderes Empfinden weckt.

Nicht minder fühlen, nicht geringer

Als Welten sie ihr Weh und Wohl,

Der Daumen und der kleine Finger

Bezeichnen dem Magnet den Pol.

Und bricht das Herz im Sturme nieder,

Und wird das Hirn vom Blitz erhellt,

Es spiegelt alles treu sich wieder

In dieser klugen kleinen Welt.

Vom Steine sind sie nicht zerrieben,

Nicht schwielig von des Beiles Hieb,

Doch in den Linien steht geschrieben

Von Arbeit, die nichts schuldig blieb.

Lang sind sie, mager und von schmalen

Gelenken, grau, die Nägel breit,

Wie man sie in den Kathedralen

Auf Bildern sieht aus früher Zeit.

Wie man sie wohl bei Invaliden,

Die nichts mehr aus dem Traume stört,

Von Tagen, die längst abgeschieden,

Von schweren Kämpfen flüstern hört.

Die trocknen Hände fielen heute

In dieses Abends düsterm Bann

Gedankenschwerem Leid zur Beute,

Ich seh es ihnen deutlich an.

Die Sorge peinigt sie, die blasse,

Auch ihnen bleibt sie nicht erspart,

Der Alb drückt sie, und die Grimasse,

Die es verrät, ist eigner Art.

Ich habe Angst, ich muß mich hüten!

Auf meinem Tische seh ich sie

In tiefem Schweigen finster brüten,

So furchtbar schienen sie noch nie.

Rechts die, links die ..! bin ich bei Sinnen?

Sind diese Hände wirklich mein?

Dort auf dem Bett das weiße Linnen,

Das muß ein Totenlaken sein!

Da draußen geht der Tag zu Ende,

Der Sturmwind heult in wilder Wut ...

Ach, wären Traum nur diese Hände!

Das wäre gut — — nein, schlecht — — nein, gut.