Meine Berufung
Ich kam auf diese Erde
Geängstigt und verzagt,
Kaum hätte aus der Herde
Ich je mich vorgewagt.
Mein Weinen und mein Klagen
Verhauchte fast im Wind,
Da hörte Gott ich sagen:
So singe doch, mein Kind!
Der Reichtum fährt mit vieren,
Verlacht des Armen Not,
Wenn sie vorbei kutschieren,
Bespritzt uns nur der Kot.
Euch habe ich im Magen!
Doch macht der Zorn mich blind,
Dann höre Gott ich sagen:
So singe doch, mein Kind!
Weich bin ich nicht gebettet,
Zum Einerlei verdammt,
Gefesselt und gekettet
An mein bescheiden Amt.
Muß ich zu sehr mich plagen,
Daß Brot mein Arm gewinnt,
Dann höre Gott ich sagen:
So singe doch, mein Kind!
Manch Glück hab ich gefunden
In meines Lebens Mai,
Die Jahre sind entschwunden,
Es ist damit vorbei.
Doch will mein Herz mal fragen,
Warum das Glück zerrinnt,
Dann höre Gott ich sagen:
So singe doch, mein Kind!
So will ich ewig singen,
Will singen bis zuletzt,
Will jedem Freude bringen,
Den mein Gesang ergötzt.
Wo frohe Herzen schlagen,
Die freundlich mir gesinnt,
Da höre Gott ich sagen:
So singe doch, mein Kind!