Mißgeschick

Zu schwer wiegt dieser Last Gewicht,

Kaum kann ein Sisyphus sie heben,

Die Kunst währt lang und kurz das Leben,

Selbst wenn es nicht an Mut gebricht.

Nie hab an ruhmbekränzten Särgen

Ich aufgeschluchzt, mich packt das Weh,

Der Gram, wenn ich an Gräbern steh,

Die namenlose Tote bergen.

Manch Kleinod ward in Nacht versenkt

Und Finsternis, kein Spaten denkt

Nach dem vergessenen Schatz zu schürfen;

Still haucht manch Blüte in die Luft

Wie ein Geheimnis ihren Duft,

Den tiefe Einsamkeiten schlürfen.

Das Ideal

O nein, sie sind es nicht, die leicht umrissnen Fratzen,

Die tauben Früchte dieser Zeit, vermorscht, verrucht,

Die hohlen Puppen, die geschmeidig falschen Katzen,

Sie sind es nicht, o nein, die meine Seele sucht.

Ich gönne Gavarni,[3] dem Dichter der Chlorosen,

Dies Volk und sein Gekreisch, ihm und dem Hospital,

Nie blüht in wilder Pracht bei diesen bleichen Rosen,

Nie blüht auf diesem Beet mein rotes Ideal.

Es lebt ein andres Bild auf meines Herzens Grunde,

Der Lady Macbeth gleicht’s in ihrer Schicksalsstunde,

Dem Traum, der Aeschylus groß vor der Seele stand.

Dir gleicht es, ewige Nacht, wie einst in stolzen Tagen

Dich Michelangelo hat aus dem Stein geschlagen,

Dir, deren düsterer Reiz Giganten zwingt und bannt.


[3] Zeichner von Karrikaturen und modernen Typen, 1804-1866.