Moderne Studie nach der Antike
Bah! Die Antike bleibt ein Bild von kalter Tugend,
Wir respektieren sie .., ein Nachklang nur der Jugend!
Ein Vorurteil, mein Freund, gleich andern ist auch dies;
Nichts ist erlebt, nichts klar, nichts einfach, nichts praecis.
Wir wollen heut Detail und keine leeren Phrasen,
Die Alten ..., lieber Freund, da geht der Esel grasen.
.... Die Hütte steht am Strand, mit Binsen leicht gedeckt,
Aus Weiden ist die Wand. Dort liegen ausgestreckt
Zwei Fischer auf dem Bett von Gräsern dürr und trocken.
Daneben Fanggerät. Die Köder, welche locken,
Die Angeln mit der Schnur, die Haken, etwas Tang,
Die Netze, Körbe auch zu bergen ihren Fang.
Geflochtne Reusen. Dann im Hintergrund, am Ende,
Zwei Ruder mit den Spuren harter Schwielenhände,
Ein wackeliges Boot auf Rollen und auf Stützen,
Armselige Lumpen und zwei alte Fischermützen.
Als Decken noch ein paar ganz abgenutzte Matten,
Dies alles, wie sie’s grade hingeworfen hatten,
Ihr ganzes Hab und Gut, ein Durcheinander bunt.
Nichts weiter, keine Tür, ja nicht einmal ein Hund.
Wozu denn auch? es würde kaum der Mühe lohnen,
Da beide ganz allein in dieser Öde wohnen.
Die Hütte liegt verlassen in der Einsamkeit,
Denn ihre Armut schützt sie vor der Menschen Neid.
Jetzt, Freundchen, darfst Du die Kritik zum besten geben!
Ist dieses Bild praecis, natürlich, hat es Leben,
Zeigt es Dir das Detail ganz einfach, ohne Schwall?
Sprich Dich nur offen aus, was sagst Du zu dem Fall?
Die Studie findest Du, ich will den Zweifel stillen,
Als einundzwanzigste in Theokrits Idyllen.
Auf Wache[5]
Mein Junge, Du bist an der Reih,
Du hast die Wache bis um drei,
Wie willst Du Dir die Zeit vertreiben?
Lang wird die Nacht Dir am Kompaß,
Willst schlafen Du? ein schlechter Spaß!
Und träumen? Junge, das laß bleiben!
Horch lieber, wie die Woge braust,
Und horche, wie der Sturmwind saust,
Horch auf der Winde tollen Reigen;
Vielleicht gelingt Dir ein Gedicht,
Das wie ihr Laut zum Herzen spricht,
Das Herzen peinigt, wie ihr Schweigen.
[5] Der Dichter war in seiner Jugend Schiffsjunge.