Mondschein
Ein seltsam Bild ist deiner Seele Grund,
Das Spiel der Masken kann ich unterscheiden,
Die dort den Reigen schreiten, doch wie bunt
Das Kleid auch ist, es täuscht mich nicht, sie leiden.
Zur Laute singen sie ein Lied in Moll
Von Amors Sieg, ein Lied zu seinem Preise,
Des frohen Glaubens scheinen sie nicht voll,
Der Silbermondschein trinkt die zarte Weise,
Der stille Mondschein, welcher im Geäst
Die Vögel schaukelt, die dort müde träumen,
Der schlanke Wasserstrahlen schluchzen läßt,
Die trunken aus dem Marmorbecken schäumen.
Auf dem Spaziergang
Dem bleichen Himmel und den dürren Zweigen
Sind unsere hellen Kleider nur zum Spott,
Die mit vergnügten Mienen keck und flott
Sich bauschen und sich leicht beflügelt zeigen.
Des Windes Atem kräuselt still den Teich,
Der Sonne zarter Strahl fällt durch die Linden,
Die Schatten werden schwächer und sie schwinden
Im fahlen Licht ersterbend blau und bleich.
Wir losen Schönen, wir geschmeidigen Ritter,
Mit Herzen, zärtlich zwar, doch niemals treu,
Wir plaudern und wir scherzen ohne Scheu,
Und unsere Liebe ist nur Tand und Flitter.
Es fällt wohl auch einmal von Zeit zu Zeit
Ein leichter Schlag zur Abwehr, darauf müssen
Die Herren schnell den kleinen Finger küssen,
Ganz vorn am letzten Glied. Geht man zu weit,
Dann wehe! wehe! dann ist’s kein Vergnügen,
Dann zuckt ein Blick, vernichtend, scharf und kalt,
Jedoch das kleine Mäulchen straft gar bald
In gnadenreicher Huld das Auge Lügen.
Ein Aufzug
Possierlich muß und höchst galant
Ein Affe vor der Dame schreiten,
Ein Spitzentüchlein läßt sie gleiten
Durch ihre wohlgepflegte Hand.
Stolz trägt der Schleppe leichte Bürde
Ein kleiner Neger, ganz in rot;
Wo nur ein falsches Fältchen droht,
Wehrt er mit Eifer und voll Würde.
Der Affe hat sich umgedreht,
Den weißen Hals frech anzustieren,
Der Torso müßte Götter zieren,
Den dieser stolze Hals verrät.
Der Neger hebt die Schleppe höher,
Als es erlaubt, schlau gibt er Acht
Auf Dinge, die in stiller Nacht
Der Traum ihm zeigt, der lose Späher.
Die Treppe aufwärts schreitet sie,
Es kann sie weiter nicht erregen,
Was an Bewunderung entgegen
Der Herrin bringt das liebe Vieh.
Der Faun
Ein alter Faun grinst mit Behagen
Im Park uns an. Es prophezeit
Ein Ende voller Traurigkeit
Der dreiste Wicht den heitern Tagen,
Die dich und mich hierher geleitet.
Wir zweifeln in Melancholie
Auf unserm Pilgerweg ja nie,
Daß trotz des Lärms die Zeit entgleitet.