Vlämische Kunst

I.

Kunst Flanderns, Du hast sie gekannt,

Die Dirnen waren Dein Entzücken!

Den Busen hat, den breiten Rücken

Verewigt Deiner Meister Hand.

Ob Göttinnen der Pinsel malte,

Ob Nymphen, die aus klarer Flut

Emporgetaucht zur Sonnenglut,

Zum Lichte, das sie frei umstrahlte,

Ob üppige Formen er verlieh

Der Jahreszeiten frohem Reigen,

Wen immer uns die Bilder zeigen,

Die Dirnen sind es, immer sie!

Du schufst sie uns, die drallen Schönen,

Ganz Sinnenlust, ein Feuer bricht

Durch ihre Haut hervor, ein Licht

Von ungekannten Farbentönen.

Sie strahlen hell, das Auge glüht

Wie Sternenglanz, und ohne Hülle

Schwillt ihres runden Busens Fülle,

Ein Strauß, der auf der Leinwand blüht.

Um sie herum in frechen Schwärmen

Des Waldes Götter, liebestoll;

Sie wälzen sich, des Wahnsinns voll,

Im Dickicht, wo die Vögel lärmen.

Sich selbst verspottend bohren dreist

Den heißen Blick sie durch das Dunkel,

In seinem lüsternen Gefunkel

Erglänzt ihr Lächeln fett und feist.

So wittern in der Brunst die Hunde!

Die Schönen sperren sich, doch bald

Zwingt sie der eignen Lust Gewalt,

Es ist nur Trotz der ersten Stunde,

Der Trotz, der keinen Sieg gewinnt!

Sie bäumen sich, die Hüften schwellen,

Der Nacken, über den in Wellen

Des Haares breiter Goldstrom rinnt,

Verlockt den Feind, den Sturm zu wagen,

Verheißt den Sieg in kurzer Frist,

Obschon die Weibchen voller List

Den ersten Kuß zum Schein versagen.

II.

Ihr hochgepriesenen Meister gabt

Ein reiches Leben jenen Leibern,

Den saft- und kraftgeschwellten Weibern,

Die Ihr geliebt, bewundert habt.

Chlorosen mochtet Ihr nicht schildern,

Nie haben Fratzen fahl und bleich

Wie Mondesschein im tiefen Teich

Herumgespukt auf Euren Bildern,

Mit Stirnen, düster wie die Nacht,

Wie Klagelieder müd und traurig,

Mit Augen, daraus flackernd, schaurig

Das Siechtum, die Verzweiflung lacht,

Die Grazien, mit erlognen, ekeln,

Gefälschten Reizen, die geziert,

Im Morgenkleide, parfümiert

Und schlaff sich auf dem Sofa räkeln.

Nie habt Ihr mit der Lust gespielt!

Ihr, die Ihr keine Freude scheutet,

Habt nie das Laster angedeutet,

Das frech und lüstern blinzelnd schielt.

Ihr zeigtet nie im Schmutz der Gasse

Frau Venus, die spazieren geht,

Nie habt durchs Fenster Ihr gespäht,

Ob nacktes Fleisch sich sehen lasse.

Wie Ohnmacht sich hysterisch spreizt,

Der Schäferin verbuhlte Künste,

Des Schlafgemaches schwere Dünste,

Sie haben niemals Euch gereizt.

Nein! Eure Frauen, die im festen,

Im großen Schritt, im leichten Tanz

Sich frei bewegten, die im Glanz

Gethront, in schimmernden Palästen,

Sie waren anders anzuschauen,

Sie führten, von Gesundheit strotzend,

Mit königlicher Miene, trotzend,

Am Narrenseil den geilen Faun.