Wechselstrophen

Ein kleiner Garten nur ist mein,

Vier Mauern drum, der Efeu bindet

Und sprengt den morschen, grauen Stein,

Um den er sich im Klettern windet.

Am Borde winziger Beete sprießt

Der Buchsbaum, regelrecht geschnitten,

Die schmalen Wege sind bekiest,

Sie kreuzen sich nach wenig Schritten.

Die Bäume strecken ihren Ast

Nach Dir in täppischem Verlangen,

Bald wird zum Scherz die Hand gefaßt,

Bald kratzen sie Dir grob die Wangen.

Kein klarer Wasserstrahl wagt kühn

Im Sprunge hoch empor zu steigen,

In herber Schönheit, schwarz und grün,

Ruht auf dem Garten ernstes Schweigen.

Aus keinem stillen Teiche quillt

Der blaue Himmel Dir entgegen,

Und keines Vogels Spiegelbild

Siehst Du die Schwingen dort bewegen.

Nie ist beim frohen Honigraub

Ein Schwarm von Bienen zu entdecken,

Es leuchtet wie Metall das Laub,

Die scharfe Speise will nicht schmecken.

Der schwere Duft macht müd und matt,

Nur Buchsbaum, Myrten und Cypressen,

Hier findest Du kein totes Blatt,

Doch auch die Blüten sind vergessen.

* *
*

Ich habe hinter meinem Haus

Ein Winkelchen. Der Sand, der gelbe,

Sieht heller bald, bald dunkler aus,

Das Einerlei bleibt stets dasselbe.

Ein einziger Baum steht dort, er kann

Mich mit dem Schatten grade decken,

Ich liebe es, mich dann und wann

Behaglich drunter auszustrecken.

Das grüne Laubdach ist so leicht,

So luftig das Gebälk, die Streben,

Wenn kaum der Wind darüber streicht,

Läßt er die Blätter alle beben.

Mir däucht, des kleinsten Vogels Lied

Muß diesem Baume Freude wecken,

Sobald ich grade stehe, sieht

Das Auge über dichte Hecken.

Da draußen zittert heiße Luft,

Doch meines Herzens Unrast schwindet,

Denn einer einzigen Rose Duft

Verrät ihm, daß es Liebe findet.