I
Ignatius, Otto Friedrich. Historienmaler. Geb. 17. April 1794 im Pastorat Haggers in Estland; gest. 26. August 1824 in Petersburg. Sein erster Lehrer war der Maler [Sigism. Walther], den der auf dem benachbarten Gute Schwarzen wohnende Dichter Aug. v. Kotzebue für seine Kinder hatte kommen lassen und an dessen Unterweisungen sowohl Ignatius als [Hippius] teilnahmen. Dann besuchte er die Petersburger Kunstakad., verliess diese aber schon nach kaum zwei Jahren, um seine weitere Ausbildung im Auslande zu suchen. Er ging zunächst nach Berlin, wo er zu dem Bildhauer Gottfr. Schadow in Beziehungen trat, dessen Tochter Adelheid er später heiratete. Von Berlin wandte er sich nach Wien. 1817 wanderte er mit seinem Studiengenossen [A. Pezold] nach Rom und trat hier zu Overbeck, Cornelius, Veith, Schnorr und Ludw. Richter in intimen Verkehr; besonders mit Overbeck verband ihn bald enge Freundschaft, um so mehr als sich seine Kunstanschauungen mit denen Overbecks völlig deckten. 1819 kehrte er in die Heimat zurück und begab sich dann nach Petersburg, wo er nach kurzer Zeit zum Hofmaler ernannt und von der Kaiserl. Familie mit grossen Aufträgen betraut wurde. Den Tod seiner jungen Gemahlin, mit der er kaum ein Jahr verheiratet war, verwand seine zart angelegte Natur nicht. Ein Jahr nach ihrem Hingange trugen die Freunde auch ihn zu Grabe. I. hat sich mit vielem Geschick auch als Dichter und Komponist betätigt. Sein poetischer Nachlass findet sich zum Teil abgedruckt in der Zeitschrift Estona, I. Jahrg. 1838. Seine Hauptarbeit, die Ausmalung der Kaiserl. Loge in der Kirche zu Zarskoje Sselo, vollendete nach seinem Tode [G. A. Hippius]
Petersburger Zeitung, herausg. v. Oldekop 1825, Bd. 17 u. 18. — Estona I S. 23: Tagebuch seiner Reise nach Italien. — Dörptsche Beiträge 1816 S. 492 ff. — Baltische Monatsschrift Bd. 36, S. 708 ff.; Bd. 37, S. 30–49 u. 107–130. — W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 23–26.
Iwansohn, Eduard, aus Dorpat gebürtig, kam 1858 als Zeichner in die lithogr. Anstalt von [L. Höflinger] in Dorpat und arbeitete zugleich für die dortige Gesellschaft der Naturforscher, durch die er Mittel zu weiterer Ausbildung erhielt. 1860 und 1861 hielt er sich zu Studienzwecken im Auslande auf. Von ihm: Das Kommersbild der Curonia; lith. von [Höflinger]. — Mehrere Blätter zu dem Album von Dorpat und Umgebung; herausg. 1860 v. [L. Höflinger]. — Porträt Konstantins v. Knorring auf Kamby. Lith. kl. fol. — Porträt des Landmarschalls Gustav Baron Nolcken. Lith. kl. fol. — Porträt eines Unbekannten. Lith. 4o.
Inland 1860 S. 798. — Sitzungsber. der Naturforscher-Gesellsch. in Dorpat 1861 S. 429, 453, 462.
Iversen, Johann Hermann. Maler. Geb. 8. Oktober 1791; gest. 10. Oktober 1840 in Petersburg, studierte von 1810–1815 Nationalökonomie an der Universität Dorpat und genoss zugleich den Unterricht des Kupferstechers [C. A. Senff]. Er wandte sich schliesslich ganz der Kunst zu, hat aber fast ausschliesslich als Lehrer gewirkt, so am pädagogischen Hauptinstitut, dem dritten Gymnasium und dem Katharinenstift in Petersburg. Bekannt sind von ihm Blumenstücke in Pastell.
Nach Familiennachrichten.
Jacob, der Snytker. Rigascher Bildschnitzer in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Von ihm wurden Schnitzarbeiten im Ratsweinkeller ausgeführt, auch wurde um 1470 die Rolandssäule von ihm gemacht.
Ausgabebuch der Stadt von 1405–1474 (Anton Buchholtz).
Jantzen, D(avid). Porträt- und Landschaftszeichner und Lithograph, in Riga in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Von ihm: Das Porträt des Bürgermeisters J. J. Rolssen; lith. von [Hauswald] in Riga. — Zwölf Blatt „Malerische Ansichten aus Riga und Umgebung“. Lith. v. [Hauswald]. Qu. fol. Erschienen 1835 in zwei Heften, enthaltend: Ansicht von Bolderaa, Riga mit der Dünabrücke, Schlossplatz, Krautabend in Riga, die von Peter dem Gr. gepflanzte Ulme im Kaiserl. Garten, Wöhrmanns Park, der Börsenplatz, die Petrikirche, das Hungerkummerfest, das Innere der Domkirche, Bienenhof bei Riga, Partie aus Ebels Garten.
Rigasche Stadtbl. 1833 S. 318; 1835 S. 368, 404.
Jensen, Severin. Architekt, ein Däne von Geburt, trat 1772 in die Dienste des Herzogs Peter von Kurland. Sein Hauptwerk ist das schöne Gymnasium illustre in Mitau, das der Herzog in den Jahren 1773–1775 von ihm errichten liess. Zu vermuten ist, dass auch die Ausbauten der herzoglichen Schlösser zu Schwethof und Würzau von ihm herrühren. Nach der Abdankung des Herzogs trat er in russische Dienste als kurländischer Gouvernementsarchitekt, gab das Amt aber 1803 auf und ging nach Italien, wo er am Schlossbau zu Caserta beschäftigt gewesen sein soll.
Wöchentliche Unterhaltungen Bd. IV (1806) S. 399. Schlippenbach, Malerische Wanderungen durch Kurland, 1809 S. 416 ff. — Sitzungsber. der Kurl. Ges. für Lit. und Kunst, 1877 S. 43. — Brief des Herzogs Peter von Kurland im Mus. zu Mitau (J. Döring).
Johann, Maler, kommt in der zweiten Hälfte des 15. und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in Rigaschen Quellen vor. Er scheint identisch mit dem Maler [Johann von der Lynen], der 1466 und 1467 im Rigaschen Rathause malt.
(Anton Buchholtz.)
Jonstein, Peter, als Jonsten von Kaiser Peter I. von Russland baronisiert, war Kaiserl. Baumeister in Riga, wo er vermutlich das Kaiserliche Palais erbaute. Er starb um 1725.
Sitzungsber. der Gesellsch. für Gesch. und Altertumskunde 1898 S. 110 ff. — Rigasche Stadtbl. 1847 S. 302.
Jordan, Friedrich Ernst v. Ingenieur-Kapitän, war unter dem Ingenieur-Obersten E. v. Seidlitz vom 9. Mai 1831 ab als dessen Gehilfe bei den Wiederherstellungsarbeiten der 1820 abgebrannten Olaikirche in Reval beschäftigt.
G. v. Hansen, die Kirchen und ehem. Klöster Revals S. 22. — Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval. II S. 102.
Jordan, Wilhelmine. Malerin. Geb. 3. Mai 1821 in Reval; gest. daselbst 7. April 1895, war Schülerin des Malers [S. Walther] und bildete sich weiter in Dresden unter [W. Juncker]. Noch in späteren Jahren unternahm sie Studienreisen und beschäftigte sich in Rom unter Broschi. Sie hat grösstenteils Porträts gemalt.
Nach Familiennachrichten.
Josten, Jakob. Baumeister, stammte aus Holland und war 1662 aus Danzig nach Riga gekommen, um als städtischer „Kunstmeister“ den Bau der Wasserleitung zu übernehmen. Nach dem Einsturze des Turmes der Petrikirche (1666) übertrug ihm der Rat die Wiederherstellungsarbeiten. 1671 wurde er neben dem Adjunkten des Stadtingenieurs Mag. Johannes Schwenburg und dem Baumeister Heinrich Henicke vom Rat zu einer Konkurrenz zur Erlangung geeigneter Entwürfe für die neue Turmfassade aufgefordert, aus der er als Sieger hervorging. Im Mai 1675 nahm er seinen Abschied, um nach Danzig zurückzukehren. An seine Stelle trat sein von ihm dem Rate empfohlener Gehilfe [Ruppert Bindenschu].
A. Buchholtz in Sitzungsber. der Gesellsch. für Gesch. und Altertumskunde 1891 S. 48 ff. — W. Neumann, das mittelalterliche Riga. Berlin 1892 S. 35.
Juncker, Wilhelm Karl. Porträt- und Genremaler. Geb. 8. Juli 1820 in Wenden; gest. 17./30. April 1901 in Dresden. Früh verwaist, wurde er zu einem Stubenmaler in die Lehre getan, doch stellte seine Begabung für das Porträtieren ihn bald auf eigne Füsse. 1843 trat er in die Dresdner Akad. ein und bildete sich, nach deren Absolvierung in Antwerpen, worauf er sich in Dresden niederliess. Er hat eine grosse Anzahl Porträts, auch mehrere anziehende, grösstenteils dem Frauen- und Kinderleben entnommene Genrebilder, sowie einige kirchliche Gemälde geschaffen. Wir nennen: Porträt der jugendlichen Elise von der Recke, Kopie nach Anton Graff, 1847 gem. (Bes. Mus. zu Mitau). — Porträt des Historienmalers Prof. [K. Baehr] (Familienbes., Dresden). — Christus am Kreuz mit Maria und Magdalena, Altargem. für die Kirche zu Ronneburg in Livland, 1858 gem. — Bettelnde Kinder. — Die kleine Kunstfreundin. — Die lauschende Mutter. — Heiligenbilder für die griech. orthod. Kirche in Dresden. — Bildnis eines jungen Mädchens in Renaissancekostüm (Vom Künstler 1884 der Rigaschen Stadtgal. geschenkt). — Eislauf auf dem Teich des grossen Gartens in Dresden (Nach Amerika verkauft). — Aufbruch zur und Rückkehr von der Jagd, Wandgemälde im Schlosse des Hn. v. Arnim, auf Kitzscher bei Borna in Sachsen (Originalskizzen im Bes. v. Dr. W. Neumann, Riga). — Christus am Kreuz, Altargem. für die Kirche zu Linden in Kurland. 1887. — Porträt der Königin Auguste Amalia v. Sachsen; lith. v. K. Fischer. — Mehrere Handzeichnungen im städt. Museum zu Riga.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 68–69.
Jung-Stilling, Elise v. Malerin. Geb. 9. August 1829 in Mitau als Tochter des Landpostmeisters v. J.; gest. 10. Juli 1904 in Peterskapelle bei Riga, wurde von [J. Döring] in die Kunst eingeführt, setzte seit 1852 ihre Studien im Atelier von Professor A. Ehrhardt in Dresden fort und arbeitete später unter Liezenmayer in München. 1863 übernahm sie das Amt einer Zeichenlehrerin an der Stadttöchterschule und gründete 1873 die heute in den Besitz der Stadt als städtische Kunstschule übergegangene Jung-Stillingsche Zeichen- und Malschule in Riga. Von ihr das schöne Porträt des Landrats Hamilkar von Fölkersahm, lith. von H. Hanfstängl 1856. Im Jahre 1908 liess der Rigasche Kunstverein eine Medaille auf sie prägen.