Morgengrauen

Noch ist im sternenvollen Raum

Der frischen Nacht kein Hauch zu spüren.

Zuweilen nur im halben Traum

Wie schauernd sich die Wipfel rühren.

Noch liegt es rings auf Feld und Au

Wie namenloser Trauer Schweigen;

Die Gräser stehn gebeugt im Tau,

Die Vögel schlummern in den Zweigen.

Da trägt ein Hauch vom Himmelszelt

Den ersten Lerchenjubel nieder;

Ein Schimmer überhaucht die Welt,

Und rein ersteigt der Tag uns wieder.

Wilhelm Weigand