9. Siam. Indochina.

Von Singapore nach Bangkok.

Vgl. die Karte bei S. [155].

Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd gehen bald nach Ankunft des Reichspostdampfers von Singapore in 4-5 Tagen nach Bangkok.

Das Schiff geht mit östlichem Kurs um die SO.-Spitze der Halbinsel Malakka ins Südchinesische Meer (S. [214]), dann mit NNW.-Kurs an mehreren kleinen Küsteninseln, darunter die 1050 m hohe Insel Tioman, vorbei längs der Ostküste der Halbinsel Malakka, die zuletzt beim Kap Laboha (Labuan) auf etwa 41/2° nördl. Br. gesichtet wird; östl. von diesem Kap liegt die 283 m hohe Insel Teng-gol. Dann gelangt man in den Golf von Siam, dessen Ostseite die Küste von Kambodja bildet; im innern, nördlichsten Teile des Golfs passiert man r. beim Kap Liant (r.) kleine grüne Inseln, ehe das Flachland des Menamflusses in Sicht kommt. Die Menammündung ist nur für kleinere Dampfer mit etwa 4 m Tiefgang zugänglich, weil eine seichte Barre ihr vorgelagert ist; größere Schiffe müssen auf der Reede von Koh ti Chang oder Ang Hin ankern. Das Fahrwasser ist mit Seezeichen und Leuchtfeuern gut versehen, ein Feuerschiff bezeichnet die Barre. Die Flußfahrt (s. die Karte auf S. [172]) dauert 3 St. und zeigt schon die Reize des seltsamen Landes; in der schönen Landschaft tauchen die weißen, sonderbaren Tempelbauten, Wat genannt, mit vergoldeten Spitzen und merkwürdigen Giebeln auf. Am linken Ufer liegt die Zollstation Paknam (PT, Zollamt, Bahnhof, Bahn nach Bangkok) mit einem Küstenfort. Auf dem Fluß ist reger Verkehr von Fischerbooten, kleinen Dampfern und Seglern. Die Ufer zeigen Reisfelder, Dörfer, Zuckerplantagen, Fischbuhnen, Fischereihallen und Festungswerke zwischen Palmen. Gegenüber von Paknam sieht man zwei Inseln mit dem Fort Sua-Son-Lek-Tin (Tiger mit verborgenen Klauen) und prächtige Tempelbauten (Wat Phra-tschedi), zu denen im Oktober beim Thot Kathin-Fest siamesische Pilger wallfahren. Weiter aufwärts liegt an einer Schleife des Flusses der Ort Paklat; man passiert erst Unter-Paklat, umfährt große Orangegärten am rechten Ufer und erreicht dann Ober-Paklat in der Nähe großer Palmenhaine. Die gute Landstraße Chareun Krung führt von Paklat nach (etwa 16 km) Bangkok. Bei der nächsten Biegung des Flusses gelangt man vorbei an Schiffswerften und Docks, an Gärten und Reismühlen im Vorort Bang Koläm, und biegt an der letzten Krümmung in das Stadtgebiet von Bangkok ein, wo die Kriegsschiffe und Königsjachten vor Anker liegen, neben zahllosen schwimmenden Häusern; dahinter moderne Fabrikschlote und siamesische Tempel.

Siam ist ein unabhängiges Königreich (Pufferstaat) zwischen dem englischen Birma im W. und dem französischen Indochina im O., das letzte Gebiet Hinterindiens, das noch nicht unter europäischer Herrschaft steht; es umfaßt heute nur noch das Gebiet des Menamflusses und einen Teil der Halbinsel Malakka, etwa 314000 qkm mit 6,7 Mill. Einw. Die allermeisten Reisenden werden ihren Besuch auf Bangkok nebst Umgebung und Ayuthia beschränken, d. h. auf den untersten Teil der Menamebene, die von diesem Fluß aufgebaut ist und noch jetzt alljährlich von ihm weithin überflutet wird. Der Menam hat einen viel kürzern Lauf (700-800 km) als die andern großen Flüsse Hinterindiens; er entspringt im Nordteil Siams, dem gebirgigen Laosland, das die südl. Fortsetzung der Schanstaaten Ostbirmas bildet, und durchfließt in seinen untern Teilen eine große Ebene, die ebenso ein Kulturzentrum geworden ist wie die Ebene des Irawaddyflusses, Unterbirma. Das Klima der Menamebene ist tropisch-warm, wenn auch nicht so gleichmäßig wie in Penang und Singapore. Die Niederschläge werden auch hier vom SW.-Monsun gebracht, der von Ende April bis September weht; bald nach seinem Beginn (im Mai) und gegen sein Ende zu (im September) sind die Regen am stärksten. Dementsprechend beginnt auch der Menam Ende Mai oder Anfang Juni zu steigen und verbreitet sich von Anfang August bis zum November weithin über die umgebende Niederung, ihr fruchtbaren Schlamm und die nötige Feuchtigkeit für die Reiskultur zuführend. Da die Niederschläge und die Überschwemmungshöhe von Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken, haben die Siamesen zur Regelung der Überflutungen zahlreiche Kanäle (Klongs) angelegt.
Das herrschende Volk des Landes, die Siamesen, sind ein Mischvolk wie alle Völker Hinterindiens, doch überwiegt der mongolische Einschlag bei ihnen. Sie sind klein und kräftig, aber als Buddhisten ziemlich indolent, sehr abergläubisch und vergnügungssüchtig; die Frauen sind tüchtiger als die Männer. Musik, Theater, Tierspiele und Geldspiele sind sehr beliebt, jede Gelegenheit wird benutzt, um Feste zu feiern (vgl. S. [176]). Neben den Siamesen spielen im Wirtschaftsleben Siams die Chinesen eine wichtige Rolle. Während die Siamesen vor allem dem Reisbau, der in Siams Volkswirtschaft bei weitem die wichtigste Rolle spielt, obliegen, haben die Chinesen die Verarbeitung und Verwertung des Reises in Händen und sind Handwerker und Arbeiter. Auch einige 1000 Europäer leben im Land als Regierungsbeamte und Kaufleute; zum Teil sind sie mit der Ausbeutung der Teakholzwälder Nordsiams beschäftigt.


Staatsreligion ist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt, zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei Schmuck. Der Hauptverkehr in der Menamebene findet trotz neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und nach der chinesischen Provinz Yünnan (S. [189]) erfolgt durch Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai, ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der König Maha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao, geb. 1. Jan. 1881, in London erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit dem Weißen Elefanten, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h. nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.

Bangkok.

Vgl. die Pläne S. [172] und S. [174] sowie die Karten S. [155] und [177].

Ankunft zur See. Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der Stadt liegt.
Gasthöfe: Oriental Hotel, am Flußufer, mäßig und nicht billig; schickt Motorboot zum Dampfer.—Hôtel de l'Europe, ganz mäßig.—Bristol Hotel und Restaurant (Deutscher, C. Prüfer), gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150 Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.— Pension in den Gasthöfen 8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).
Post: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab, nicht in die Straßenbriefkasten.—Telegraph: Überland nach Birma, Singapore und Indochina.—Telephon in den Gasthöfen etc.
Wagen: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen nicht englisch).
Straßenbahn: elektrisch, führt vom südlichen Vorort Bāng Koläm durch die New Road bis zur Königsstadt.
Eisenbahnen: Von Bangkok nach (20 km) Paknam und nach (264 km) Korat mit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km) Petscha-buri (deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km) Patriu; Privatbahn nach (33 km) Tacheen und weiter nach (34 km) Meklong an der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der Staatsbahn.)
Ortszeit von Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.
Dampfer: Norddeutscher Lloyd (Agent: A. Markwald & Co., Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen. —Messageries fluviales de Cochinchine, alle 14 Tage über Schantabun (Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.) Saïgon.—Auf dem Menam: Siam Steam Packet Co. täglich nach Ayuthia (in 8 St.) und Muong Angton; wenn der Wasserstand es zuläßt, auch bis Muong Paknam-Poh.
Geld. Silbermünzen: 1 Tikal (oder Bat = 15 g Silber) hat etwa 1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100 Satang. Auch 10-, 5-und 1-Cents-Stücke werden geprägt.

Einige Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende man sich womöglich stets an das Konsulat.

Lageplan von Bangkok.

Banken: Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank; Banque de l'Indo-Chine; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. Siam Commercial Bank.
Sprache, Tai genannt, ist einsilbig und verwandt mit dem Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit und Pali vor. Vgl. Wershoven, Lehr-und Lesebuch der siamesischen Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892. —Zeitungen: »Bangkok Daily Mail«; »Bangkok Times«; »Siam Observer«.— Theater: siamesische und chinesische. —Konsulate: Deutsches Reich, Gesandter Frhr. v. d. Goltz; Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. —Österreich-Ungarn, der deutsche Vertreter. —Deutsche unterstehen in Siam deutscher Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. — Deutscher Klub.Amerikanische Mission (gibt sehr liebenswürdig Auskunft über Land und Volk). —Polizei gegen Fremde im allgemeinen zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.
Ärzte: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer und Dr. Hintze.


Geschäftsadressen: Gute europäische und chinesische Läden in der New Road; beim Einkauf von Rubinen und Saphiren ist Vorsicht geboten; die besten Edelsteine gehen roh zum Schleifen nach Europa. Deutscher Juwelier, auch Curios: F. Grählert & Co. Auch ein deutscher Photograph (Rob. Lenz & Co.) sowie zwei deutsche Apotheken: Bangkok Dispensary (R. Schulz) und Tatten Dispensary (M. Mannsfeldt) sind in Bangkok.
Zeitteilung. 1. Tag: Wagen-und Bootsfahrt durch die Stadt, Märkte besuchen, Nm. New Road und Dusit-Park. —2. Tag: Vm. Tempel, Nm. Palastviertel.—3. Tag: Ausflug nach Ayuthia. Zum Kennenlernen Siams sind 14 Tage Zeit gut zu verwerten.
Klima. Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht sehr gut, da die Stadt auf flachem, feuchtem Boden erbaut und von zahlreichen Kanälen durchzogen ist, die allen Unrat aufnehmen und bei niedrigem Wasserstand sehr schlimme Gerüche aussenden. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,7° (Dezember 23,8°, April 28,6°). Man unterscheidet, wie in Indien, drei Jahreszeiten: die kalte Zeit vom November bis Februar, die heiße im März und April und die Regenzeit von Ende April bis in den Oktober hinein. Die kalte Zeit mit vorwiegendem NO.-Wind bringt nach warmen Tagen recht kühle Nächte, so daß man sich vor Erkältungen sehr hüten muß, und ist fast regenlos. Die Wärme nimmt dann rasch zu und wird im April namentlich dann sehr unangenehm, wenn die Seebrise ausbleibt. Der gegen Ende April einsetzende SW.-Monsun bringt auch hier die Regenfälle, die am heftigsten zu Beginn (Mai) und gegen Ende seines Wehens (September) fallen. Die Gesamtregenmenge ist vergleichsweise gering (1500 mm), da das Gebirge Malakkas viel Feuchtigkeit abfängt.
Geschichte. Nach Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthia 1767 durch die Birmanen wurde das Dorf Bangkok Hauptstadt des chinesischen Feldherrn Phya Tak, der dort seine Dynastie begründete, aber 1782 durch den siamesischen Chan Phya Chakkri entthront wurde; amtlich heißt die Stadt deshalb noch Si Ayuthia Mahä = große, erhabene Stadt. Nach Abschluß der Handelsverträge mit England, den Vereinigten Staaten und Preußen (um 1861) entwickelte sich Bangkok zur wichtigsten Handelsstadt; ihr schnelles Aufblühen wurde durch den 1910 verstorbenen König Tschulalongkorn tatkräftig und erfolgreich gefördert. 1893 erzwangen 2 französische Kanonenboote die Durchfahrt durch die Küstenbefestigungen und bedrohten Bangkok; seitdem sichert die Eifersucht der europäischen Großmächte dem Lande vorläufig die Unabhängigkeit.

Bangkok (»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw. (darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl. Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen 830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen; die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700 besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr belebt.

Stadtplan von Bangkok.

In der innern Stadt liegt der Palast des Königs (s. unten) hinter einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit Marmor-und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, der Mahāprasāt, die Halle, in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern Saal erteilt der König Gehör.— Der schönste Schmuck Bangkoks ist die Pagode Wat Tscheng (S. [176]), die sich in Terrassen bis zu einer Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden, wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.—Besuchswert ist auch die Vajirañan-Bibliothek (Dir. Dr. O. Frankfurter), 1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.—Die Bevölkerung besteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien, Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.—Die heimische Industrie ist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend; ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen, viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des aufblühenden Außenhandels von Siam.

Rundfahrt durch die Stadt. Das siamesische Leben und das Treiben auf den Märkten sieht man auf Fluß-und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen Hauptbasar Talāt Noï, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem kleinern Basar Talāt Vat Koh; die meisten Fremden, besonders Chinesen, trifft man auf dem Basar *Sampeng im SO. der Stadt, mit vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das *Palastviertel, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte der Palast des Königs (s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt. Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter dem Empfangspalast liegt das Königshaus Khāng Nai, worin der König wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S. [171]) gezeigt; sie nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.—Prächtig ist der Tempel *Wat Phra Käo (Tempel der Kleinodien), dessen Hauptbau Phra Ubosat verschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel-und pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist die Si Rathana Phratschedi außen bis zur Spitze mit Goldmusiv bekleidet.— In der Nähe liegt der Krönungstempel Putaprang Phrasat und daneben der feine Pavillon Phra Mondop.

Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht man den Vogelmensch Khrut, aus Bronze, obere Hälfte Mensch, untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken, Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell-und dunkelgelb gekleidete Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis opfernde Frauen and Kinder.

Außerhalb des Palastes liegt das Museum, eine Schatzkammer von Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter Tempel mit vielen Buddhafiguren.—Südl. vom Schloß sind Staats-und Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.—Im nördlichen Teile liegen das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der Nähe hat König Tschulalongkorn den schönen Dusit-Park (Paradiespark) angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes *siamesisches Theater, wo nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen Göttersage spielen.—Von den vielen Tempelanlagen ist *Wat Tscheng mit dem 70 m hohen Phraprangturme weithin sichtbar; von der obersten Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. —Ebenfalls weithin sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel der Wat Saket.—Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist der Wat Poh mit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.—Noch zu erwähnen ist der Wat Radschabophit mit den Grabmälern der Königskinder; Wat Sutat mit Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der Palast Sarānrom mit schönen Fresken.

Siamesische Volksfeste. Das Hauptfest Kathin (Besuch der Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen, die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen grotesken Galeere Rüa Pratinang, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa 40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen Aufzügen.—Andre Feste sind: die Zeremonie des Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten: Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater-und Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.—Ähnlich, mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der Kriegsschiffe, wird der Geburts-und Krönungstag des Königs gefeiert.
Ausflüge: 1) Nach Phrabāt (oder Prabat), einem berühmten Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn (nach Lop buri) bis (102 km) Tarna, von da mit Straßenbahn noch 20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält; im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen verziertem Thronhimmel.


2) Nach *Ayuthia, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und Mundvorrat mitnehmen! Eisenbahn von Bangkok nach Ayuthia in 2 St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt 1/2 St. von den Ruinen und dem Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die *Fahrt auf dem Menam mit selbstgemietetem kleinen Dampfer der Siam Steam Packet Co.; man muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St., zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man beim königlichen Sommerschlosse Bang Pha-in (auch mit der Bahn zu erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten, zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der östliche Arm führt zum Ort Ayuthia; man landet beim *Elefantenkral, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und 1/2 m dicken Teakholzpfosten, die etwa 1/2 m voneinander in die Erde gerammt sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden, von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer verkauft werden.—Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit *Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter Überblick über Alt-und Neu-Ayuthia; der neue Ort Krungkao mit etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten, fährt.—Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe und daher sehr heilige Pyramide oder Phratschedi Palavi, umgeben von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen; oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete Buddhafigur.
3) Nach Lopburi, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).

Von Singapore nach Saïgon.

Vgl. beifolgende Karte.

Messageries Maritimes alle 14 Tage von Singapore in 2 Tagen nach (648 Seem.) Saïgon; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie zwischen Saïgon und Singapore, wo die Dampfer Anschluß haben: nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.— Von Saïgon Anschlußdampfer alle 8 Tage über Quinhone und Tourane nach Haïphong.

Die Fahrt von Singapore geht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische Meer (S. [214]), vorbei an der Granitinsel Pulo Condor, Strafkolonie für Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. Bei Kap Saint-Jacques, dem SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in Sicht; das Kap ist ein oben kahler, unten dichtbewaldeter Bergrücken (mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenen Donnaï-Fluß 60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln, dann Reisfeldern, Bananen-und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in den Saïgonfluß sieht man die roten Türme der Kathedrale der Stadt Saïgon; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.

Indochina. Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete gliedert: Cochinchina, Cambodja, Anam, Laos, Tonkin und Kwangtschou; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000 qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw. Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die des Mekong und des Roten Flusses (Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs-und Hochland und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von Laos.—Klimatisch gehört ganz Indochina dem südasiatischen Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem Herbst-und Winterregen von Huë.—Auch die Vegetationsverhältnisse sind sehr verschieden, vom tropischen Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im Laoslande.—Die bekanntesten Vertreter der Tierwelt sind hier wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der Gibbonaffe. —Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte der Kultur und Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.—Die Bevölkerung teilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S. [185]) erhalten.
Cochinchina besteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich geeigneten Delta des gewaltigen Mekongstromes, das sich rasch weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken im Tonlé-sap, einem See, der die Mitte des Beckens von Cambodja einnimmt, besitzt.


Bei der Hauptstadt von Cambodja, Pnom-Penh, beginnt das Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von 110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000 qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter die nötige Feuchtigkeit zu. —Ein Netz von Kanälen regelt den Zu-und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.
Das nw. von Cochinchina angrenzende Cambodja ist in seinem Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees, die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus dem Pnom-dangrek, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von Nieder-Laos.
Das feuchtheiße Klima Cochinchinas ist als sehr wenig günstig bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle, die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von 27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.
Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000 qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der König Sisowath residiert. Die Hauptmasse der Bevölkerung Cochinchinas wird von Anamiten gebildet, die als vorzügliche Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.
Reisen in Indochina. Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen, meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr. Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach Möglichkeit die Flußdampfer.
Reiseliteratur: Gräfin Montgelas, Bilder aus Südasien (München 1906); Madrolle, Indo-Chine (Paris 1902).

Saïgon.

Vgl. den Plan S. [180].

Ankunft zur See. Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest; Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum Gasthof.

Plan von Saïgon.

Gasthöfe: Grand Hôtel Continental, Rue Catinat; 100 Z. 4, F. 0,75, Déj. 2, Dîn. 3, Pens. von $ 8 an; zu empfehlen. —De l'Univers, Rue Turc; 70 Z., Dîn. $ 1,50, Pens. $ 4-9.— Des Nations, Boulevard Charner, ganz bescheiden.—Des Colonies, Rue Nationale, nur als Restaurant zu benutzen. Restaurants: Grand Hôtel Restaurant de l'Hôtel de Ville, guter Mittagstisch $ 1,50.—Cafés sind viele vorhanden.
Post und Telegraph: Place de la Cathédrale.—Telephon im Stadtgebiet.
Wagen: Zweispänner und Einspänner (Malabar) nach Tarif (Fahrt nach Cholon 70 bzw. 50 c.).—Rikschas (Poussepousse) nach Cholon 40 c., hin und zurück mit 1 St. Aufenthalt 80 cents.— Sampans (Boote) mit zwei Ruderern nach Cholon 40 cents.
Dampfstraßenbahn: Nach (6 km) Cholon zwei Linien, davon eine bis (5 km) Bin-dong; eine nach (18km) Hok-mon mit Zweiglinien nach Da-kao. —Eisenbahnen: Von Saïgon über Cholon nach Mytho 71 km; von Saïgon über Bienhoa und Giaray (79 km) nach Tanh-linh, 132 km, und nach Phanthiet soll an der Küste bis Vinh (im nördl. Anam) geführt werden (dann Anschluß bis Yünnanfu in China, S. [189]).
Automobile werden bei den guten Straßen viel, auch zu Postfahrten (z. B. nach Tay-ninh [100 km nw.], nach [23 km] Bienhoa und [120 km] St.-Jacques) verwendet. Automobile zum Besuch der Umgebung sind zu mieten, einschl. Chauffeur $ 30 für den Tag.
Dampferagenturen: Messageries Maritimes: de Baillou (Tel.-Adresse: Messageries Saïgon).—Messageries fluviales de Cochinchine.Norddeutscher Lloyd: Speidel & Co. (Tel.-Adresse: Speidel, Saïgon).
Geld. Amtlich französisches Geld: 1 Fr. =100 Centimes; im Landesverkehr ist die Hauptmünze der Dollar (Piastre genannt) zu 100 cents; vgl. S. [219]. Ein Silberdollar etwa = 2 Fr. 15 c. = 1,80 Mk.—Banken: Banc de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank.—Hongkong & Shanghai Banking Corporation, beide am Kai des Arroyo chinois, beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Chartered Bank of India, Australia and China.
Sprache der Anamiten ist einsilbig, isolierend mit sechs Tonakzenten und stark mit chinesischen Lehnwörtern durchsetzt. Grammatik von Dignet (Paris 1897) und Dirr (Wien 1894), Wörterbuch (anamitisch-französisch) von Bonet (Paris 1899-1900). In den Gasthöfen, Bahnhöfen und Agenturen wird Französisch und Englisch gesprochen.
Theater. Théâtre municipal, französische Truppe, Spielzeit Oktober bis April, Vorstellungen am Di. Do. Sa. So., Logenplatz $ 2, Fauteuil $ 1,50.— Anamitische Theater, sehenswert!
Militärkonzerte: Mi. abds. am Boulevard Charner, So. Nm. im Jardin de Ville oder Jardin Zoologique.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul Reinsdorf.—Österreich-Ungarn, Konsul Franz Fischer.—Deutscher Klub.Polizeiamt: Ecke Quai du Commerce und Boulevard Charner.
Ärzte: französische Zivil-u. Militärärzte. Großes Militärhospital.—Buchhandlungen: Schneider, im Continental Hotel; Rey & Curiol; Claude, die beiden letztern Rue Catinat.—Zeitungen; Opinion; Courrier Saïgonnais; Nam-ky. —Geschäfte in der Rue Catinat.
Zeiteinteilung: 1. Tag: Vm. Markt, Stadt und Zoologischer Garten; Nm. nach Cholon und zurück.—2. Tag: Ausflüge in die Umgebung.—3.-10. Tag (oder länger): Reise über Pnom-penh nach Angkor-Thom.
Geschichte. Die anamitische Ortschaft wurde von Chinesen besiedelt; 1789-1811 war Saïgon Hauptstadt des anamitischen Kaisers Hia-long, der, durch den Taysonsaufstand aus Hué vertrieben, erst 1811 wieder sein altes Reich eroberte. Seitdem nennen die Anamiten die Stadt Gia-dinh; 1790 befestigte Oberst Ollivier, ein Franzose im Dienste Anams, die Stadt. 1859 nahm Admiral Rigault de Genouilly Saïgon, das bis 1902 Hauptstadt Indochinas blieb und wichtiger Kriegshafen wurde.

Saïgon, Hauptstadt von Cochinchina, liegt nahe dem Ostrande des Mekongdeltas, 55 km vom Meer entfernt, am r. Ufer des Saïgonflusses, der im Gegensatz zu den verschlammten Mündungsarmen des Mekong für Dampfer befahrbar ist, auf 10° 40' nördl. Br. und hat etwa 51000 Einw., darunter 5500 Franzosen, 300 andre Europäer und 12000 Chinesen. Die Stadt ist sorgfältig und geschmackvoll gebaut mit reinlichen Straßen, der Sumpfboden ist durch Kanäle trockengelegt. Als Hafen dient der Fluß; Warenschuppen und Kohlenlager der Messageries Maritimes (BC5) liegen am Südende, die Marinewerft mit großem Trockendock am Nordende der Stadt. An die Marinewerft grenzt der Zoologische und Botanische Garten (BC1, 2); letzterer reicht bis zu der großen Zitadelle (mit europäischen Kasernen; B2). Von der Ostseite der Zitadelle führt der breite Boulevard Norodom (AB2, 3[see above]) zu dem mitten in großem Park gelegenen Palast des Gouverneurs (A3), hinter dem sich der Volkspark (A4; Jardin de Ville) anschließt. Saïgon hat eine große Kathedrale (A3) in romanischem Stil, eine Sternwarte, mehrere Schulen und verschiedene Denkmäler. Das Klima ist für Europäer nicht gesund. Hauptausfuhr: Reis, gesalzene Fische, Baumwolle, Pfeffer, Gummi, Kopra, Häute, Felle, Hörner und Kautschuk. Einfuhr: Textilwaren, Maschinen, Chemikalien u. a.—Rundfahrt. Um das Volksleben kennen zu lernen, fahre man frühmorgens auf den Markt (B4; Marché) in der Nähe des Arroyo chinois, dann durch die hübschen Anlagen des Jardin de Ville; nördl. von diesem Volkspark liegt das Collège Chasseloup-Laubat (A3), wo Eingeborne als Dolmetscher ausgebildet werden; dann nach r. um den Park des Gouverneurs herum durch den Boulevard Norodom, vorbei r. am Denkmal Gambettas (A3) und der Kathedrale, l. der Zitadelle, zum Botanischen Garten (Jardin Botanique), der reich an tropischen Zier-und Nutzpflanzen ist (mit Baumschule und botanischer Versuchsstation); im daranschließenden Zoologischen Garten (Jardin Zoologique) sind sehr große Königstiger, Leoparden, Bären, Elefanten, Pelikane sowie Schlangen. Nm. besuche man die Promenaden in der Umgebung (A1; Tour de l'Inspection), wenn man das Villenviertel und die vornehme Welt Saïgons sehen will.

Ausflüge: 1) Nach der Eingebornenstadt Cholon, 5 km sw. Dampfstraßenbahn (2 Linien) alle 20 und 30 Min. in 14 Min.; Eisenbahn in 9 Min.; oder mit Wagen auf verschiedenen Wegen. Man fährt am Arroyo chinois entlang durch die anamitischen Vororte, vorher am Hospital von Choquan über mehrere Brücken über den mit Sampans und Dschunken besetzten Arroyo (Kanal). —Ein andrer Weg, die »Route stratégique«, führt vorbei an europäischen Gärten sowie an chinesischen und anamitischen Gemüsegärten; dann vorüber an den Trümmern einer Königspagode bei der Ferme des Mares (einem Landgut) und über die Gräberebene (Plaine des tombeaux) mit vielen Grabhügeln.
Cholon (Bahnwirtschaft; Café de Paris, Avenue Jaccareo.—Juweliere: Chan Binh, Rue Gia-long 78; Ngo Phuoc, Rue des Jardins 47; Taquang Thanh, Rue de Canton 80; Holzschnitzereien, Möbel mit Perlmuttereinlagen; Stickereien: Duyet-hoa Xuong, genannt O-chau, Rue de Canton 73), Stadt von 138000 Einw., die wichtigste Gewerbe-und Handelsstadt von Cochinchina und Hauptstapelplatz für den Reishandel; von Chinesen 1780 gegründet, sieht Cholon ganz chinesisch aus, mit chinesischen und anamitischen Theatern und buntem Straßenleben sowie mehreren Pagoden. Das Drachenfest wird jährlich wie in China sehr gefeiert.— In der Nähe von Cholon liegt die Tonwarenfabrik Caï-maï.
2) Eisenbahn über (23 km nö.) Bienhoa (am Donnai) nach dem 800 m hohen, prächtig bewaldeten Berge Nui-Chuachan, mit Observatorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation, unweit des derzeitigen Endpunktes der Bahn (Giaray). Man nehme Verpflegung mit.


3) Mit Automobil: a) Über Bienhoa nach den Wasserfällen des Donnai, oberhalb Trian, 48 km; Mundvorrat mitnehmen.—b) Über Bienhoa und Baria (Gasthof) nach Kap St.-Jacques (S. [177]), 120 km.—c) Nach (30 km nördl.) Thudau mot (Gasthof, gute Küche) am Saïgonfluß, Hauptstadt der wegen intensiver Tropenkulturen bekannten Provinz gleichen Namens.

Seitentour: Von Saïgon über Pnom-Penh nach Angkor-Thom.

Vgl. die Karte auf S. [177].

Für Weltreisende lohnt der Besuch Saïgons nur, wenn damit eine Reise nach Cambodja (beste Zeit November, Dezember, Januar) zum Besuch der berühmten Khmer-Bauten in Angkor-Thom verbunden wird.
Die Société des Études Indochinoises, an deren Spitze gebildete Franzosen stehen, welche die Reise nach Angkor selbst gemacht haben (Adresse im Museum und in der Stadtbibliothek zu erfragen), macht sich eine Ehre daraus, den Reisenden mit Auskünften zu helfen. Die Dampfergesellschaft Messageries fluviales hat zwei Ausflüge eingerichtet (Nr. 1 für 8 Tage zu 350 Fr., Nr. 2 für 12 Tage zu 450 Fr.) nach folgender
Zeiteinteilung: Ausflug für 8 Tage: Dampferabfahrt von Saïgon Do. abds. (man kann auf eigne Kosten, I. Kl. $ 2,55, II $ 1,70, Fr. Nm. mit Bahn ab Saïgon fahren nach [71 km] Mytho [Hotelrestaurant Viol], wichtige Hafenstadt in der Cua Tieu-Mündung des Mekong-Deltas mit 6950 Einw.; Ausfuhr von Reis, Mais, Tabak und Kopra. In Mytho erreicht man den Dampfer);— Sa. früh Ankunft in Pnom-Penh;— So. früh ab Pnom-Penh;—Mo. früh an Siem-Reap-Mündung, mittags an Angkor-Wat, Tempelbesuch;—Di. früh nach Angkor-Thom, Nm. Rückkehr nach Angkor-Wat;—Mi. früh ab Angkor, nachts an Pnom-Penh;— Do. ab Pnom-Penh Vm.;—Fr. früh an Saïgon.
Ausflug für 12 Tage: Fr., Sa., So. wie vorher;—Mo. Angkor-Wat; —Di. Angkor-Thom;—Mi. Preah-Khan; —Do. Ta-Prohm;—Fr. Bat Choum;—Sa. Me-Bom etc.;—So. Abfahrt und nachts an Pnom-Penh; —Mo. ab Pnom-Penh;—Di. früh an Saïgon. Die Zeiten stimmen gut mit den Dampfergelegenheiten nach und von Hongkong und Singapore.
Die Khmervölker bilden den östlichen Zweig der Austroasiaten, einer sehr alten Bevölkerungsschicht Südasiens, die im Gesichtstypus zwischen den Mongolen und den Malaien steht, aber mit keiner dieser beiden Völkergruppen näher verwandt ist. Die heutigen Khmer (die Cambodjaner) sind liebenswürdig, friedlich, heiter, gastlich, sehr wahrheitsliebend, mit starkem Nationalgefühl, stehen aber in ihren wirtschaftlichen Leistungen weit hinter den Anamiten zurück. Ihre Ehen meist monogamisch, die Frauen sehr frei; der Bräutigam dient um die Braut und lebt im Hause der Eltern der Frau.
Die Blütezeit ihrer Kunst und die Zeit ihrer politischen Vormachtstellung liegen weit zurück. Ihre Kunst blühte im 10.-14. Jahrh. und war eine Tochter der vorderindischen (neubrahmanischen) Kunst; von dieser hat sie die Grundlagen für die bauliche Anordnung ihrer Pagoden und Paläste übernommen, diese aber durchaus selbständig und glücklich weiterentwickelt, so daß Bauten entstanden sind, die sowohl durch die Großartigkeit der Gesamtanlage wie die Schönheit der Einzelteile und den reichen Schmuck an Bildwerken noch heute als Ruinen unser Staunen wachrufen und sehr vorteilhaft von der überladenen neusiamesischen Baukunst abstechen. Besonders merkwürdig ist das Durcheinander brahmanischer und buddhistischer Darstellungen und Götterbilder in diesen Tempeln, die als brahmanische Verehrungsstätten errichtet, aber später vom Buddhismus in Besitz genommen worden sind.
Das Khmer-Reich begründete in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. der sagenhafte Held Preah Thong (lebt noch in Volksliedern), der die jungfräuliche Königin Neang heiratete.


Ende des 5. Jahrh. führte Kambu, ein indischer oder nach Indien verbannt gewesener cambodjanischer Prinz, indische Religion und Sitten ein; ihm folgten andre bedeutende Herrscher, deren Reich sich auf ganz Hinterindien bis an den Golf von Bengalen und auf die Malakkahalbinsel ausdehnte; 811 wurde die prächtige Hauptstadt Angkor-Thom eingeweiht, die nach noch vorhandenen chinesischen Schilderungen nirgends ihresgleichen gehabt hat. Die Erbauung von Angkor-Wat unter König Suryavarman II. fällt schon in den Beginn des Verfalls (12. Jahrh.); 200jährige blutige Kriege zwischen Cambodja und den Thaï (jetzigen Siamesen und Laoten) im 13.-15. Jahrh. verursachten den Zusammenbruch des Khmer-Reiches, dessen Hauptstadt Angkor-Thom 1462 nach dreimaliger Zerstörung endgültig verlassen wurde. Die zur Herrschaft gelangten Thaï, die dem Buddhismus anhingen, machten Angkor-Wat zum buddhistischen Heiligtum (ob es im Khmer-Reich nur Tempelstadt oder auch Königspalast war, ist zweifelhaft, doch wahrscheinlich). Cambodja hütet die alten Überlieferungen des Khmer-Reiches; die alte hohe Kultur ist noch überall sichtbar und unterscheidet das interessante, noch zu wenig bekannte Land sehr von allen andern hinterindischen Ländern.

Von Mytho (s. S. [183]) fährt man mit Flußdampfer über Vinhlong, hübsche Niederlassung am r. Ufer, und über Sadec, den »Garten von Cochinchina«, vorbei an Ortschaften in fruchtbaren Niederungen mit bergigem Hinterland und erreicht

Pnom-Penh (Grand Hôtel [Unterbringung im Hotel auf Kosten der Messageries fluviales. Das Hotel gibt für den Aufenthalt in Angkor einen Boy als Koch sowie Proviant, Wein und Mineralwasser mit. Zur Stadtbesichtigung ist 1 Tag Zeit]; Banque de l'Indo-Chine, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Post und Tel.; viele französische Geschäfte; Agent des Norddeutschen Lloyd: Speidel & Co.), Hauptstadt des Königreichs Cambodja mit 46000 Einw., darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 6800 Chinesen; einige Stadtteile haben modernen Zuschnitt, im Khmerstil gebaut. Viele Spielhöllen, von Chinesen geleitet, wo »ba-quan« gespielt wird. Eine große Allee führt parallel zum Flusse durch die Stadt zum *Königspalast, mit vielen Gebäuden mit Perlmutterornamentik, großem Thronsaal mit Deckengemälden (Nymphen und Göttinnen). Sehr sehenswert ist das Ballett der Bajaderen des Königs, mit anmutigen Körperbewegungen von klassischer Schönheit. Mitten in der Stadt liegt der *Pnom, ein Hügel mit einer 986 erbauten Pagode, umgeben von schattigem Volkspark mit Käfigen wilder Tiere und Vogelhäusern. Prächtige Steintreppe mit Löwen- und Kriegerfiguren führt zur Pagode, *Aussicht auf Fluß und Umgegend. Modern sind das Heiligtum des großen Bonzen und der Königstempel Vaht Phrakeo; auch die Leichenverbrennungsstätte ist sehenswert.

Die Fahrt geht von Pnom-Penh in den Ausfluß des Tonlé-sap (S. [179]) und erreicht den großen See bei Kompong Luong, dem Landungsplatz für den 6 km westlichern alten Königssitz Ou-dong, mit seltsamen Mausoleen und einem Riesenbuddha sowie mehreren reich mit Figuren, Reliefs etc. geschmückten Pagoden. Am r. Ufer liegt flußaufwärts das Malaiendorf Lo-vek und 8 km westl. davon die Ruinen von Lo-vek, einer noch ältern Hauptstadt Cambodjas als Ou-dong. Am NW.-Ende des großen Sees liegt die Mündung des Siem-Réap; dort liegen l. Sampans bereit für Reisende und Gepäck. Man fährt etwa 41/2 St. mit Sampan je nach Wasserstand den kleinen Fluß hinauf, bis man die Ochsenkarren erreicht, die den Reisenden zum Rasthause (ganz neu, mit 10 Z. und 14 Betten sowie Speisesaal) bei Angkor-Wat bringt; Mitnahme von Decken für die zuweilen sehr kühlen Morgenstunden im Boot ist zu empfehlen. Nm. Besuch des wenige Schritte vom Rasthaus entfernten, noch gut erhaltenen, von Prea-ket Mealea im J. 57 n. Chr. erbauten Tempel *Angkor-Wat, etwa 3 km nördl. von Siem-Réap; er steht in einem Park, zeigt viele brahmanische Inschriften, Denkmäler, seltsame Tiergestalten, Säulenhallen, große Gopuratürme, prächtige Tore etc. Von da Besuch des Königspalastes von *Angkor-Thom, 4 km nördl. vom Rasthaus; er ist von einem Mauerviereck mit 4 km Seitenlänge umgeben, das fünf Tore mit Türmen und Terrassen hat; im Innern stehen sonderbare Zeugen der alten Khmerkunst: der Bhan-yong (Bayon), ein mehrstöckiger Hallenbau mit 14 Türen sowie andere fast rätselhafte Bauwerke, die als Paläste und Tempel dienten. Nach Angkor-Wat wallfahrten jetzt noch zahlreiche Pilger; die Tempelstätten werden von Priestern gepflegt. Die ganze Umgegend ist reich an Tempelruinen.

Die Dampfer fahren noch weiter bis Battambang am Seng-ke; die Stadt ist des Handels wegen wichtig, hat auch viele alte Tempel im Innern und in der Umgegend.
Von Pnom-penh nach Khôn (276 Seem.) auf dem Mekong aufwärts mit Dampfern der »Messageries fluviales« im August bis Dezember in 4 Tagen, zurück in 18 St. Auf dem obern Mekong Dampfer je nach Wasserstand bis Pak-moun, dann Bootsfahrt in 15 bis 20 Tagen bis Luang-prabang im obern Laos. Sehr interessante und landschaftlich lohnende Fahrt durch das meist ziemlich enge, stellenweise schluchtartige, tief (bis 1000 m) ins Gebirge eingesenkte, aber infolgedessen auch ziemlich heiße Mekongtal. Die Strombreite wechselt zwischen 1/2 km und 50 m; mehrfach sind Stromschnellen zu überwinden. Man treffe Vereinbarungen mit den »Messageries fluviales«.

Von Saïgon nach Haïphong und Hanoï.

Messageries Maritimes alle 8 Tage von Saïgon nach Tourane für I. Kl. 128, II. 891/2 Fr. und weiter nach Haïphong für I. 192, II. 140 Fr. Dann 101 km Eisenbahn von Haïphong nach Hanoï.
Anam. Das unter französischer Oberherrschaft stehende Königreich Anam, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué, besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht, bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter die Bucht von Tourane; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80 km nördl. gelegene Hauptstadt Hué entwickelt, die ihrerseits ihre Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber nach Laos (Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge, die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder 700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen Gesteinen und ist gut bewaldet.


Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. Das Klima der nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August 29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember, Höhepunkt im Oktober.

Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S. [177]) längs der Küste von Anam bietet vom Leuchtturm des Kap Padaran (mit Blitzfeuer von 32 Seem. Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in der Bucht von Cam-ranh, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient. Manche Dampfer laufen den Hafen von Nha-Trang an, in dessen Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert dann Kap Varella mit Leuchtturm und gelangt nach Quinhone, Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele Baudenkmäler der Khmer (S. [183]); 18 km nw. liegt die Zitadelle von Binh-dinh (15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die schöne Bucht von

Tourane (Tourane Hôtel oder Hôtel Morir, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens. 12 Fr.;—Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S. [185]) mit 4300 Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben von Nang-Son; Eisenbahn von hier über Hué nach Quangtri, 175 km. Im Volkspark Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt 3/4 St. von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden (Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen Bergkamm Col des Nuages bis (107 km) Hué; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt man mit der Eisenbahn (s. S. [185]) nach

Hué (Grand Hôtel Guérin Hué), Hauptstadt des Königreichs Anam, mit 50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer des Huong-giang oder Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft (Résidence supérieure) und ein kleines französisches Viertel. Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *Palast des Königs Duy-Tan ist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen, Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben. Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nach Hanoï. Beim Ausflug nach den *Königsgräbern (1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt zuerst das Mausoleum von Gia-long, dann das hervorragend schön gepflegte von *Minh-mang (mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und Besichtigung der interessanten Totenstadt von *Tu-duc in der Nähe von Thieu-tri.

Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durch den Golf von Tonkin auf die kleine Insel Hon-dau mit Leuchtfeuer zu, die vor der Cua-Cam-Mündung des Roten Flusses liegt; r. läßt man die Norwayinseln mit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. Bei Do-Son (Grand Hôtel; Doson Hôtel, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die Mündung des Cua-Nam-trieu, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong, das durch den Dinh-Vu-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang einsteuern.

Haïphong, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß des Song Tam-bac mit dem Cua-Cam, 37 km vom Meere.

Gasthöfe: De Commerce.De l'Univers, beide ersten Ranges; einfacher De Marseille; De l'Europe.—Post u. Tel.Telephon nach Hanoï; Kabel nach Saïgon und Hongkong.—Eisenbahn nach Hanoï und weiter, vgl. unten. —Dampfer: Messageries Maritimes nach Saïgon und Marseille; Correspondances fluviales du Tonkin nach Hanoï zweimal wöchentl., außerdem nach vielen Plätzen in Tonkin; Norddeutscher Lloyd: Agent Speidel & Co.— Geld: S. [181].—Banken: Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Hongkong Shanghai Banking Corporation; Chartered Bank of India, Australia and China (Agent Speidel & Co.).
Sprache, vgl. S. [181].—Theater mit französischer Truppe; Societé musicale. —Ärzte: Dr. Forest; Mazot.— Apotheken: Brousmiche; Pharmacie Coupard.—Buchhandlung: Schneider. —Zeitungen: Courrier de Haïphong etc.—Photographen: Bonal & Co.; A-kit, Rue du Commerce 3; A-dong, Rue du Commerce 59.

Die Stadt macht europäischen Eindruck; an den Flußufern liegen Warenschuppen und Schiffswerften, gute Kai-Anlagen und ein Trockendock. Haïphong ist Ein-und Ausfuhrhafen für Tonkin und die chinesische Provinz Yünnan, bis zu deren Hauptstadt eine Eisenbahn führt. Deutsche Frachtdampfer der Hamburg-Amerika Linie und der Reederei Jebsen laufen Haïphong regelmäßig an. Ausfuhr: Reis, Zinn, Farbhölzer (Gambir), Mais, Paddy (ungeschälter Reis), Maniok (Manihot), Galmei (Zinkspat), Wolfram. Außer einem Denkmal Jules Ferrys keine Sehenswürdigkeiten.

Ausflug in die *Alongbucht und den *Faitsilong-Archipel ist sehr lohnend, doch beschwerlich; man fährt am besten mit Küstendampfer von Haïphong bis Hongay (kleiner Gasthof) und mietet dort einen großen Sampan (mit Schlafgelegenheit); bequemer, doch teurer ist das Mieten einer Dampfbarkasse in Haïphong. Zur Fahrt ist ein ortskundiger Schiffer unentbehrlich. Thos. Cook's Office in Hongkong stellt Heckraddampfer für 2-4tägigen Ausflug von Haïphong aus; Kosten nach Zahl der Teilnehmer. Die grotesken Felseninseln der Bucht sind Naturwunder größter Sehenswürdigkeit, besonders folgende: Ile de la Surprise, Grottes des Merveilles, le Cirque, le Tunnel (2 km lange, enge Tropfsteinhöhle, durch die man hindurchfährt) und viele andre seltsam geformte, meist steile Klippen und Inseln, deren grüne Kalkfelsen mit Orchideen, Gräsern und Gebüsch prachtvoll bewachsen ist. Vor der Fahrt beschaffe man sich Seekarten der Bucht beim Hafenkapitän in Haïphong. Photographien sind in Haïphong und Hanoï zu haben.

Eisenbahn nach Hanoï, 101 km in 3 St. 40 Min. für I. $ 7,07, II. $ 5,05. Man fährt um Haïphong herum, dann über eine 90 m lange Drehbrücke durch die Flußniederung vorbei an der Zitadelle von (44 km) Haïduong, Stadt mit 8000 Einw., 25 m hohem Uhrturm und schönem Park; dann über (60 km) Cam-giang, (76 km) Lac-dao und (95 km) Gia-lam und über die prächtige, 1682 m lange Brücke Pont Doumer über den Roten Fluß nach

Hanoï, Hauptstadt Indochinas, auch Kescho(d. i. Markt) genannt.

Gasthöfe: Grand Hôtel Métropole, Boulevard Henri Rivière, gute Pens. 15-25 Fr.—Hanoï-Hôtel, Rue Paul Bert.—De la Paix, Rue Paul Bert.— Du Lac, Rue Jules Ferry.—Post u. Tel.: Square Paul Bert.—Telephon, auch nach Haïphong.—Elektrische Straßenbahn von Place de Négrier nach Bac-moi-phuong, Village du Papier und Tan-ap; I. Kl. 5 cents.—Eisenbahn: nach Haïphong; nach Lang-son und noch 465 km über die chinesische Grenze bis Yünnanfu soll zum Yangtse-Tal geführt werden (S. [189]); nach Ninh-binh im Bau bis Vinh und weiter nach Anam; im Bau nach Sontay.— Dampfer der Correspondances fluviales nach Haïphong, Nam-dinh und Laokay. —Bank: Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Theater: Théâtre municipal, französische Truppe am Boulevard Amiral Courbet; chinesisches Theater. —Konzerte: Militärmusik Do. abds. Square Paul Bert, So. Nm. im Botanischen Garten; Société philharmonique. —Militärhospital.Buchhandlungen: Schneider; Crébassac, beide Rue Paul Bert.—Zeitungen: Avenir du Tonkin; Indépendance tonkinoise; Indo-Chinois; Tribune; Revue indochinoise.
Geschichte. Hanoï wurde angeblich 767 n. Chr. von Chinesen gegründet und lag damals dem Meere ganz nahe, ist ihm aber durch Anwachsen des Flußdeltas entrückt worden. 1427 wurde Hanoï durch die Le-Dynastie Hauptstadt von Anam und Tonkin. Infolge Vertrags von 1874 wurde neben zwei ändern Häfen auch Hanoï dem Fremdhandel eröffnet und ein französischer Konsul mit militärischer Bedeckung in der Stadt zugelassen, die in dem Kriege von 1882 beschossen, besetzt und mit Tonkin 1883 unter französisches Protektorat gestellt wurde.
Tonkin. Die Ebene des Roten Flusses oder Songkoi, dessen Mittelpunkt Hanoï bildet, ist nur so groß wie Sachsen oder Baden, aber von den Bewohnern mit chinesischem Fleiß bestellt und darum sehr volkreich. Die Reisproduktion des Songkoideltas würde freilich noch viel bedeutender sein, wenn der Songkoi nicht während seines Hochwassers, das seinen Wasserstand um 8-9 m erhöht, häufig ausbräche und sich ein neues Bett suchte; auch die Ausbildung des die Wasserverteilung im Delta regelnden Kanalnetzes ist infolge dieser Unbeständigkeit des Flusses zurückgeblieben.— Das Klima Tonkins ist insofern dem Cochinchinas ähnlich, als die Regenzeit wie dort vom SW.-Monsun gebracht wird und in den Sommer fällt (Höhepunkt Juli). Dagegen macht sich die nördlichere Lage im Winter schon ziemlich bemerkbar: die Junitemperatur beträgt noch 28,7°, aber die Februartemperatur nur noch 16,5°, der mittlere jährl. Tiefstand der Temperatur 6,7°.

Die Stadt Hanoï, unter 21° 2' nördl. Br. am r. Ufer des Songkoi, 175 km von dessen Mündung, malerisch gelegen, ist terrassenförmig angelegt, mit breiten, modernen Straßen und hübschen Promenaden, hat schöne Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Villen und große moderne Magazine (Debeaux frères, Union commerciale indo-chinoise etc.) im europäischen, andre Häuser aus Stein und Ziegeln im chinesischen Stil. Hanoï ist Sitz des französischen Generalgouverneurs und Oberresidenten, mit 103188, mit Nachbarorten 150000 Einw., darunter 2000 Chinesen, 1088 Europäer (ohne Militär). Die eingeborne Industrie erzeugt Baumwollen-und Seidenstoffe, schöne Seidenstickereien, Perlmutterarbeiten (Inkrustationen), Filigranarbeiten aus Gold und Silber, lackierte Waren. Der Handel, meist in den Händen von Chinesen, neuerdings auch von Europäern, ist bedeutend; Ausfuhr: Reis, Zuckerrohr, Seide, Mais, Bohnen, Schellack, Erze. Fahrzeuge können bis Hanoï hinaufgelangen, Boote (in der guten Jahreszeit auch Dampfschaluppen) bis Laokay. Außerhalb der Stadt liegt die hohe alte, für den damaligen Herrscher von Anam nach Vaubans System durch französische Offiziere erbaute Zitadelle mit schöner Pagode, Wohnungen der Mandarinen, Kasernen, Magazinen, Arsenal, Schatzkammer etc.—Rundfahrt. Morgens besuche man die Markthallen in der Eingebornenstadt, in der Rue du Riz; dicht dabei, in der Rue des Voiles, ist die Pagode des Kriegsgottes Ba Mã mit *Bronzestatue auf Drachenthron. Beim Teich von Truc-bach liegt die *Pagode des Großen Buddha mit schöner Riesenbronzestatue Buddhas; auch die Pagode der beiden Schwestern Trung (Trung-Liet, zweier tonkinesischer Jungfrauen von Orléans, die Anam 38 n. Chr. vom chinesischen Joch befreiten) ist sehenswert. Im Kleinen See (Petit Lac) liegt die *Pagode de l'île de Jade (auch Ngoc Son genannt). Von da fahre man an der Kathedrale vorbei zum *Museum beim Bahnhof am Boulevard Gambetta, worin Baudenkmäler der hinterindischen Kunststile gesammelt sind; in Nebenhallen sind permanente Ausstellungen von Kunst-, Gewerbe-und Handelsgegenständen. Vor dem Museumsplatz steht am Boulevard Gambetta ein schönes Denkmal (von Rivière): »Frankreich beschützt Indochina«.—Nun zum Botanischen Garten (Jardin Botanique), in dessen Mitte der kleine Hügel Nui-sa liegt; oben *Aussicht über Stadt und Roten Fluß. Außer Pflanzensammlung findet man Käfige mit Tigern, Hirschen, Vögeln, Schlangen etc.—Neben dem Botanischen Garten liegt in schönem Park der Palast des Generalgouverneurs.—Südl. vom Botanischen Garten die Lotospagode Chua Mot-cot, aus dem 11. Jahrh.— Die bis zur Hauptstadt der benachbarten chinesischen Provinz Yünnan seit 1910 fertiggestellte Bahn (s. unten) ermöglicht einen bequemen Besuch des südwestlichen China.

Von Hanoï nach Yünnanfu.

Vgl. die Karte bei S. [215].>

Eisenbahn: Die Tonkin-Yünnanbahn (von der Compagnie française de chemin de fer de l'Indochine et du Yunnan erbaut und 1. April 1910 dem Verkehr übergeben) verbindet die Tiefebene von Tonkin durch das großartige Erosionstal des Songkoi (Roter Fluß) mit der südwestlichsten chinesischen Provinz Yünnan. Wegen der prächtigen Naturbilder und der zahlreichen kühnen Bauwerke dieser Gebirgsbahn ist ihre Befahrung zu empfehlen trotz zurzeit noch vorkommender Betriebsstörungen.

Über Fahrzeiten, Fahrpreise, Unterkunft etc. erkundige man sich in Hanoï oder Haïphong.
Den größern Ostteil der chinesischen Provinz Yünnan bildet ein im Mittel 2000 m hohes, von Gebirgszügen überragtes Kalksteinhochland, das wegen seiner Wasserarmut eine ziemlich dürftige Vegetation hat; die Bergzüge tragen jedoch vielfach Laub-und Nadelwälder. Die Talmulden sind teilweise mit rotem Ton, den Zersetzungsprodukten des Kalksteins, ausgekleidet und zuweilen von Seen eingenommen. —Das Klima soll für Europäer angenehm sein.


—Die Bevölkerungszahl beträgt nur 12 Mill., darunter einige beinahe unabhängige Stämme der Ureinwohner (Lolo und Lissu). Etwa ein Drittel der Bewohner sind Mohammedaner (Panthoi oder Choitsu), die nichtchinesischer Herkunft, aber stark mit Chinesen vermischt sind. Letztere machen die Hauptmasse der Bevölkerung aus. Infolge seiner Abgelegenheit sind in Yünnan besonders häufig Aufstände gegen die Zentralregierung erfolgt, zuletzt der große Mohammedaneraufstand 1853-72.— Der Hauptreichtum des Landes liegt in seinen Bodenschätzen, vor allem Zinn, Zink, Kupfer, Silber, Gold, Kohlen und Salz sowie Edel-und Halbedelsteine (Rubine, Saphire, Jade, Jadeit, Nephrit). Durch den Bau der Yünnanbahn haben sich die Franzosen die Ausbeutung dieser Erzlager gesichert (englisch-französisches Bergwerkssyndikat). Der Westteil Yünnans steht durch Tragtierkarawanen in regem Handelsverkehr mit Birma und Siam, der Nordteil mit Suifu am Yangtse (S. [254]).

Von Hanoï (S. [188]) über eine große Eisenbahnbrücke auf das l. Ufer des Songkoi und durch den obersten Teil der angebauten Deltaebene bis zur Austrittsstelle des Songkoi aus dem Gebirge. Das Tal des Mittellaufes des Flusses ist 1000-1200 m tief in das regenreiche Gebirgsland von Obertonkin eingeschnitten und größtenteils mit Urwald bedeckt, der zahlreiches Wild birgt; der Strom ist trotz mancher Stromschnellen in der Regenzeit (Sommer) mit großen Schiffen aufwärts bis Laokay zu befahren. Die Bahn folgt dem Songkoital bis

(296 km) Laokay, dem französischen Grenzort, an der Mündung des Bergflusses Namti in den Songkoi; wichtiger Handelsplatz; kleine Zitadelle, erzreiche Umgebung.—Über den Namtifluß nach dem chinesischen Grenzort Hokeon (d. h. Flußmündung). Dann beginnt der 180 km lange Aufstieg zum Hochlande von Yünnan, im Tale des Namti aufwärts, mit Hilfe von 78 Tunneln und 123 Brücken, davon 24 Tunnel und eine zwischen zwei Tunnel eingeschaltete Brücke auf einer 15 km langen Strecke (Boucle, Schleife), die zur Überwindung eines Talkessels dient, bis—(476 km) Möngtse (1370 m), Stadt mit etwa 12000 Einw., seit 1889 dem Fremdenhandel geöffnet; in der Umgebung Zinn-, Silber-und Bleibergwerke. Weiter nordwestwärts wieder über zahlreiche Brücken und Tunnel über Tschikai und die Kreishauptstadt Lin-ngan (1380 m), sodann über einen Gebirgszug ins Tal des Holiukiang, des Hauptquellflusses des Hsikiang (S. [254]), und in diesem aufwärts auf die Hochfläche von Hsin-hsing (1643 m), zuletzt um den See Tienschi (1950 m) herum nach

(773 km) Yünnanfu (1960 m), Hauptstadt der Provinz Yünnan und Amtssitz des Generalgouverneurs von Yünkwei (Provinzen Yünnan und Kweitschou); Missionsstation, Telegraph nach Tschungking (S. [263]) und weiter nach Mittelchina sowie nach Birma; berühmte Seidenstoffe und Teppiche.