Dritte Szene.
(Durch die Seitentür rechts tritt das Fräulein. Sie erblickt den Vater, eilt auf ihn zu und sieht, daß er tot ist. Dann erkennt sie den Sohn im Stuhl und kommt langsam auf ihn zu.)
Das Fräulein:
Nun bist du wieder hier — und dir zu Füßen
Vermischt sich Heimat mit dem Wunderland.
Ist keine Stimme nah, dich zu begrüßen:
Sei nun willkommen einer Mutter Hand!
Und deine Stirne, die so heiß gestritten,
Ich will sie trocknen dir in Angst und Not.
Ich frage nicht; ich weiß, du hast gelitten.
Er wird dich nicht mehr hassen. Er ist tot.
Der Sohn:
Kennst du den Knaben noch, der dir entschwindet?
O glaube nicht, ich kehrte dir zurück. —
Wo ist ein Mensch, der das noch überwindet!
Das Fräulein:
Mein armer Freund! Du bist nicht mehr im Glück.
Der Sohn:
Nein, Fräulein, die vergänglichen Gebärden
Entrücken mich des Horizonts nicht mehr.
Ich weiß, daß Taten nur durch Opfer werden:
Mein Herz war übervoll — jetzt ist es leer.
Doch hab ich es vollbracht, ich bin verschwendet.
Vorbei ist nun die große Leidenschaft.
Viel ist erfüllt — noch ist mir nichts vollendet;
Die Wolke zog dahin. Es blieb die Kraft.
Und wenn ich über Tote jetzt ins Leben
Noch einmal schreite: dem hier bin ich fern.
Vermag ich nicht im Rausche zu entschweben,
Entschweb ich denn auf einem neuen Stern —
Und was in meinem Geist steht ungeheuer,
Bald seh ich es in letzter Klarheit Schein:
Entzünd ich weiter, immer weiter Feuer,
Dann bin ich mehr als bin — dann werd' ich sein!
(Sie kniet vor ihn hin, wie er vor sie im zweiten Akt.)
Ich seh den Himmel über Ihnen scheinen,
Den ich in meiner ersten Nacht gesehn.
Und könnt ich heut an Ihrem Busen weinen
Sie würden meine Träne nicht verstehn.
Und könnt ich heute noch die Worte sagen:
Geburt und Dasein — einst in Ihrem Schoß —
Mich würde Ihre Liebe nicht mehr tragen,
Ich bin zu arm. Die Erde ließ mich los.
(Sie erheben sich langsam beide.)
Ins schmerzlich Ungeliebte, in die Schwere
Des tief Erkannten treibt mein Körper hin.
Umfängt mich auch die grenzenlose Leere:
Voll Frucht und voller Segen ist mein Sinn.
Denn dem Lebendigen mich zu verbünden,
Hab ich die Macht des Todes nicht gescheut.
Jetzt höchste Kraft in Menschen zu verkünden,
Zur höchsten Freiheit, ist mein Herz erneut!
(Sie reichen sich die Hände und gehen ab nach verschiedenen Seiten. Der Tote, in der Mitte des Saales, bleibt allein.)
Ende des fünften Aktes.