Vierte Szene.
(Der Sohn mit der schwarzen Maske, im Frack, tritt ein.)
Der Freund
(führt ihn, der nicht sieht, hypnotisch, ohne ihn zu berühren, mit den Fingern näher):
Atme! Hier sind Menschen. Die Fahrt ist vorbei! Nicht mehr die angstvolle Enge der III. Klasse im Zug. Keiner verfolgt dich. Hier wirst du leben!
(Er lüftet einen Augenblick seine Maske und sieht in sein visionäres Gesicht):
Hebe dein Antlitz! Die Erde geht auf — es sind keine Wärter, die dich prügeln!
(Er führt ihn vor den Vorhang, dicht an den Saal):
Hörst du die — dort? Sie erwarten dich. Rede zu ihnen! Beschwöre die Qual deiner Kinderzeit! Sage, was du gelitten hast! Ruf sie zu Hilfe — ruf sie zum Kampf —
(Leise Musik im Saal, wie am Ende des zweiten Aktes, aus der IX. Symphonie.)
Der Freund:
Was siehst du?
Der Sohn
(unter der Suggestion fern und entrückt):
Dieser Glanz, dieser Glanz! Auge, du scheinst. Hier ist es schön. Hier grüßt mich der Stern.
Der Freund:
Wen siehst du?
Der Sohn
(mit tastenden Armen):
Als Kind oft durfte ich, wenn ein Fest bei uns war, zum Dessert vor den Damen erscheinen. Wie steh ich nun wieder in Früchten und Eis unter dem strahlenden Leuchter. Ihr Damen und Herren — ich kenne euch ja — ein linkischer Knabe begrüßt euch —
(Er verneigt sich langsam im Kreis.)
Ich hab Ihre Spuren in Nächten gesehn! O, daß ich bei ihnen sein darf! Aus dem lichtlosen Äther komme ich her; der Ärmsten einer, und doch bin ich hier. Daß mir das Wunder zuteil ward!
Der Freund
(reißt den Vorhang auf und stößt ihn aufs Podium in den Saal):
Nun sprich zu ihnen! Ein Toter nicht mehr — du bist frei!