Christian Fürchtegott Gellert

Es war ein schwächliches Predigerkind aus Hainichen und sollte selber ein Prediger werden; aber sein schlechtes Gedächtnis und seine Schüchternheit machten dem Armen die Kanzel zum Schrecken.

Auch war er heimlich der Poesie zugetan und hielt einen rundlichen Reim lieber im Sinn als eine polternde Predigt: so wurde er Lehrer in Leipzig und las mit zärtlicher Liebe über die Schönheit.

Sie war keine strahlende Göttin für ihn, und den Pegasus liebte er nicht, der seinen Reiter mit rauschenden Flügeln in die olympischen Lüfte hinaufriß; ihm war die Schönheit ein sauberer Garten hinter dem Haus, mit reinlichem Sand auf den Wegen, von Buchsbaumhecken umhegt.

Da pflegte er seine bescheidenen Blümchen: Schneeglöckchen, Aurikeln und rotbraunen Goldlack, Reseda und blaues Vergißmeinnicht, vielfarbene Astern im Herbst, und für den Winter die haltbaren Strohblumen.

Und wußte wohl, daß den Blumen allein kein häuslicher Garten gehöre, daß allerlei Kräuter und Suppengrün, reichlich Salat und ein wenig Kohl, Gurken, Erbsen und Bohnen, an Stangen gesteckt, samt krausen Mohrrübenbeeten für einen Haushalt vonnöten, und daß ein reifender Kürbis ebensowohl ein behaglicher Anblick sei als auch eine schmackhafte Nahrung.

Denn der Professor der hausbackenen Schönheit war selber ihr Dichter: Oden und geistliche Lieder, Fabeln mit frommer Moral, Schäferspiele sogar und sein Roman von der schwedischen Gräfin hielten sich ängstlich dem Flügelroß fern.

Ein bißchen Aufklärung und ein bißchen Erweckung; der kleinste Zuschnitt des Lebens mit erlaubter Vernunft und erlaubten Gefühlen fand seinen empfindsamen Sprecher.

So lehrte, lebte und schrieb Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig und war der demütigen Jugend der liebe Gott selber im Schlafrock; die Fürsten sandten ihm Geld, die Bürger Schinken und Holz, daß sein kränklicher Körper im Winter gewärmt und ernährt sei.

Und als er tot war, flossen die Tränen um ihn wie nie um einen Dichter in Deutschland, Denkmäler zeugten der Nachwelt für seine Verehrung; seine Fabeln blieben im Mund der genügsamen Jugend und seine geistlichen Lieder im Kirchengesangbuch.