Der Bauernkrieg
Kaiser und Kirche hatten einander bestritten, aber sie waren die starken Machthalter der Welt; nun sahen die Völker die Stärke schwach werden, und aus den Tiefen der Unterdrückung hob die Freiheit die drohenden Fäuste.
Was in Zürich durch Zwingli geschah, konnte im Reich nicht werden: hart lag die Bischofs- und Fürstengewalt auf dem Bürger, der Bauer war höriger Untertan seines Ritters.
Ihm konnte die Freiheit in Christo nicht in sein unfreies Dasein leuchten, ihm mußte die Predigt von Wittenberg die Schwarmgeister irdischer Hoffnung wecken: Karlstadt und Münzer waren seine Propheten, sein Evangelium wurde der Aufruhr.
Indessen der Junker Jörg auf der Wartburg die deutsche Bibel zu schreiben begann, war Karlstadt in Wittenberg mächtig geworden: er sah die Kirchengebräuche an als Wohnung des Teufels und war mit Eifer dabei, sie zu zerstören.
Messe und Klosterdienst, Beichte und Bilderverehrung, das Eheverbot und die Geltung des geistlichen Standes griff er mit hitzigen Schriften und heftigen Predigten an.
Auch kamen nach Wittenberg Männer, aus Zwickau vertrieben, die glaubten und lehrten in hitziger Einfalt die Freiheit der Seele, die selber und immer in Gott sei und weder der Schrift noch einer lehrbaren Deutung bedürfe, um selig zu werden.
Der gefährlichen Predigt zu wehren, zog Luther sein Junkergewand aus; Bann und Reichsacht zum Trotz kam er zurück, sein mächtiges Wort gleich einem Damm vor das leckende Feuer zu werfen.
Ihm mußten die Zwickauer Schwärmer aus Wittenberg weichen; aber die hart Vertriebenen nahmen den Feuerbrand mit, sie zogen hinaus in die süddeutschen Länder: bald fingen die Dörfer in Thüringen, Franken und Schwaben hell an zu brennen.
Da fraß die Lehre der Freiheit das faule Gebälk der Obrigkeit nieder, da griff die Gleichheit vor Gott die irdische Hörigkeit an, da rief der Schwarmgeist den Bauer zur Bruderschaft auf, sein Menschenrecht zu erzwingen.
Die zwölf Artikel hieß das Gelübde, darauf sie den Bund schworen, darauf die Bauern den Krieg gegen die Fürsten und Ritter begannen.
Sie wollten nicht länger leibeigen bleiben und nicht mehr den Zehnten bezahlen; wieder wie einst sollte das Land der freien Gemeinde gehören; Holz, Fischfang und Jagd sollten für jedermann frei sein; das Recht sollte wieder im deutschen Herkommen stehen statt in der römischen Rechtssatzung; auch wollten sie selber die Prediger wählen.
Wo es am meisten verschüttet war, stand Menschenrecht auf; der alte Bundschuh wurde lebendig, den die Ritterfaust niederschlug; noch einmal sein Blut an die Freiheit zu wagen, war der Bauer bereit, und die Bürgerschaft rief ihm zu, daß seine Sache gerecht sei.
Schwarz, rot und weiß war die Fahne, die Hans Müller von Bulgenbach trug, als er in Waldshut die blutige Kirchweih begann; bald wehte sie siegreich in Schwaben: die Herren mußten sich beugen, und wer sich nicht beugte, den jagten die Bauern durch ihre Spieße.
Da fiel die Furcht der Vergeltung in reiche Gemächer: Fürsten und Bischöfe schworen, die zwölf Artikel zu halten; als auch in Franken die schwarzrotweiße Fahne von den Kirchen und Rathäusern wehte, stand hinter dem Aufruhr ein neues Reich und wollte Wirklichkeit werden.
Ein neues Reich, auf den Willen des Volkes statt auf die Willkür der Fürsten und Herren gegründet: wohl sollten die Stände bestehen, aber nicht Vorrechte haben; die Geistlichen sollten die Hirten der Christengemeinde, nicht mehr die weltlichen Herren der Kirchenmacht sein.
So war der Plan, und die verschüttete Freiheit des Volkes hob ihre Fäuste, ihn zu erfüllen; aber die Schwarmgeister mischten die Brunst ihrer unreinen Machtgier hinein.
Thomas Münzer hieß der unselige Mann, der sein blutiges Wahnreich in Thüringen träumte, der mit dem Schwert Gideons kam, Fürsten und Pfaffen den Reigen der Rache zu tanzen.
In Mühlhausen hielt er gleich einem König der Juden Gericht über die Heiden; wo seine grausamen Haufen erschienen, rauchte das Blut der erschlagenen Leiber im Brand der Klöster und Burgen.
So sah Luther die Saat aufgehen im Unkraut; er wollte die christliche Freiheit allein im Gewissen, nun schrie sie Gewalt und war Aufruhr: zum andernmal schwoll ihm der Zorn, und wie er den Ablaß der Kirche mit groben Worten verdammte, verdammte er nun den Aufruhr der Bauern.
Totschlagen gleich tollen Hunden hieß er die Bauern; und wie seine mächtige Stimme erschallte, so hoben die Fürsten das Schwert: Philipp von Hessen und Truchseß von Waldburg kamen mit Harnisch und großem Geschütz gegen den Aufruhr gezogen.
Sie fanden die Haufen der Bauern uneins im Streit ihrer Führer; durch die erfahrene Feldkunst der Herren einzeln geschlagen, mußten sie überall weichen: so wurde das harte Wort aus Wittenberg wahr.
An ihren Dörfern wurde der Brand der Klöster und Burgen gerächt, an ihren Leibern das Blut der erschlagenen Ritter; hundert mußten ins Gras um einen, und ehe der Henkertod kam, hatte die Folter gequält.
So ging der Bauernkrieg aus unter dem Galgen; die aber das Blutgericht überstanden, wollten nicht mehr das Wort von Wittenberg hören: die Freiheit in Christo war ihnen ein höhnischer Traum, davon sie die grausame Wirklichkeit sahen.