Der Kriegsherr

Als Friedrich zum drittenmal auszog, den Frieden zu brechen, hatte sich rings um das preußische Glück der Kreis seiner Feinde geschlossen: Frankreich und Österreich, Rußland und Sachsen und Schweden standen im Bündnis gegen den König; und mehr als Schlesien sollte es gelten.

Elf Jahre lang hatte die Hofburg heimliche Fäden geflochten, im zwölften sollte das Netz den frechen Spötter von Sanssouci fangen: aber der König bekam warnende Kunde aus Holland und hieb in die Maschen.

Wohl fing er bei Pirna das sächsische Heer und konnte in Böhmen eindringen, aber der Feldmarschall Daun stand besser gerüstet; bei Kolin schlug er dem König das Glück und das Schwert aus der Hand.

Indessen der siegreiche Feind ihm Schlesien nahm, mußte Friedrich nach Sachsen zurück, den kläglichen Rest seiner Kriegsmacht zu sammeln.

Da kam schon Soubise mit der Reichsarmee an, und das Glück lachte den stolzen Franzosen, den schweißenden Fuchs zu fangen; bei Roßbach hatten sie ihre Falle gestellt, aber der Fuchs biß sich durch, ehe sie dachten.

So zornig schlug seine Rute unter die Hasen, daß sie zu laufen begannen von Sachsen bis an den Rhein; und ob es die Reichsarmee war, die mit den Franzosen davon lief: das Gelächter sprang schadenfroh hinterdrein und der Jubel, daß der französische Übermut so zu Fall kam.

Und als der König den Atem nicht anhielt, als er – ein todwundes Wild – in dreißig Tagen sein kärgliches Heer von Sachsen nach Schlesien führte, den Schlag gegen die Habsburger Hauptmacht zu wagen, als er das Schalksspiel von Roßbach bei Leuthen feierlich krönte: da staunte die Welt, daß wieder ein Kriegsherr und Held war.

Aber noch waren zwei Jahre erst von den sieben des Krieges bestanden, und schwer trug das Land an den Leiden: zweimal mußte Berlin Lösegeld zahlen, und als der Tag von Kunersdorf kam, schien alles zu Ende.

Das letzte Heer war geschlagen, die besten Führer waren gefallen, Mangel und Mutlosigkeit saßen beim Feuer, kein Lied klang mehr aus den Zelten.

Ein ganzes Jahr lang wollte das Unglück nicht weichen, bis endlich bei Liegnitz wieder ein Sieg kam; aber es war nur ein Loch in den Maschen, und die Übermacht blieb.

Der König war matt und von Schmerzen geplagt; schlug er den Feind hier, standen ihm dort drei neue: der rasch begonnene Krieg konnte im bösen Siechtum nicht sterben.

Da sah die Welt, daß der König ein Held und ein Mann war: standhaft und stolz zog er die Lose, und nahm das schwärzeste hin, wie ein Held das Schicksal hin nimmt, um es zu meistern.

Bis endlich des Blutes genug war und aus den Bränden so vieler Zerstörung der blasse Frieden zurück kam: in Hubertusburg mußte Maria Theresia zum drittenmal Schlesien lassen.

Die großen Mächte Europas mußten den König von Preußen als Sieger anerkennen; sie hatten Berge gewälzt, ihn zu verschütten, aber immer noch stand der Sieger von Roßbach und Leuthen.

Aber nun war es nicht mehr der heitere Gutsherr von Rheinsberg und nicht mehr der Spötter von Sanssouci: als er zum drittenmal heimkam, hager, gebeugt von der Gicht und den unsäglichen Leiden, ließ er dem Sieg das Tedeum blasen und singen; er aber saß in dem hölzernen Stuhl und hielt sein Auge allein auf den Jammer gerichtet, und seine Getreuen sahen ihn weinen.