Die Blockade

So hatte der Krieg mit gewaltigen Schlägen begonnen, froh wehten die Fahnen in Deutschland: sie wehten Sieg, aber sie wehten kein Ende; denn der Feind war nicht Frankreich und Rußland, der Feind war England, und England saß hinter dem Wasser.

Wohl lagen die großen Schlachtschiffe gerüstet zum Kampf im Troß ihrer Kreuzer; sie konnten die Küsten beschützen, den Kampf in Feindesland tragen konnten sie nicht: sie mußten lauern und warten, was England, dem Seeherrn, beliebte.

England, der Seeherr, brauchte sich nicht zu beeilen; ihm saß der Feind in der Falle, ihm konnte er siegen gegen die Russen und festhalten in Frankreich, und war doch verloren.

Denn England sperrte die Nordsee; und Deutschland mit all seinen Soldaten und ihrer Todesbereitschaft, mit seinen Fabriken und volkreichen Städten im kargen Land, Deutschland mit all seinen flatternden Fahnen und allen Wimpeln der Flotte war nur eine belagerte Festung; und eine belagerte Festung besiegte der Hunger.

Englische List und Gewalt mußten der Festung den letzten Weg in die Welt verriegeln; daß aber List und Gewalt gerecht und geehrt unter den Völkern daständen, mußte der Deutsche das Recht und die Achtung des ehrlichen Mannes verlieren.

So wurden auf allen Straßen der Welt die deutschen Greuel verkündigt; so wurde ein ehrliches Volk unehrlich gesprochen; so wurden Groll und Geschäftsneid der Völker zum Haß aufgestachelt.

Alle die Völker der Erde, die weißen, schwarzen und gelben: alle wurden gerufen, als Kläger, Richter und Büttel der englischen Feindschaft Gericht über Deutschland zu halten.

Alle hatten angeblich den Nächsten geliebt und seine Rechte geachtet, keiner hatte je einem Gewalt angetan, wie der Burenbezwinger, der Schutzherr Ägyptens und gütige Pfleger der indischen Völker mit ehrlicher Miene bezeugte: nur Deutschland allein hatte zuerst das Geschäft und danach den Frieden gestört.

List und Gewalt der Blockade sperrten der Festung die letzte Hintertür zu; mochten die deutschen Soldaten in Frankreich und Flandern, in Polen und Rußland ihr hartes Männerwerk tun, an ihren Frauen und Kindern mußten sie dennoch verlieren; England stand vor der Welt im Glorienschein seiner Gerechtigkeit da.