Art der Fahrzeuge.

Welcher Art diese phönizischen Fahrzeuge waren, werden wir aber mit ziemlicher Sicherheit feststellen können. Wheeler nimmt an, es seien Kauffahrteischiffe gewesen[263], eine Ansicht, der ich nicht zustimmen kann, denn unsere Expedition sollte, soweit wir ihren Charakter zu erkennen vermögen, wohl nicht selbst Handel treiben, sondern vielmehr zukünftigem kaufmännischem Verkehr die Wege ebnen. Wehrlose und schwerfällige Schiffe, wie die phönizischen Handelsleute sie häufig benutzten – der Name γαυλός, der etwa so viel wie „Wanne“ bedeutet, sagt schon genug –, konnte man auf einer so gefahrvollen Expedition nicht brauchen, zumal Tauschgegenstände, die man dem etwas unsicheren Geschick eines Transportes in völlig unbekannte Gegenden und zu voraussichtlich barbarischen Nationen hätte aussetzen müssen, schwerlich mitgenommen wurden. Man hat sich vielmehr höchst wahrscheinlich phönizischer Pentekontoren bedient, die, Ruder- und Segelschiffe zugleich, sich durch einen hohen Grad von Schnelligkeit auszeichneten[264]. Schon in den homerischen Gedichten lesen wir ja, dass Schiffe theils durch Ruder, theils durch Segel, die man bei günstigem Winde aufzog, bei ungünstigem herunterliess, getrieben wurden; im Laufe der Jahrhunderte, welche seit der Entstehung jener Lieder verflossen waren, hatten die Phönizier beide Arten der Fortbewegung aber in hohem Grade vervollkommnet. Das Urtheil Movers’, eines sehr gründlichen Kenners des phönizischen Alterthums, über die Pentekontoren lautet: „Für weite Seefahrten an unbekannten und gefährlichen Küsten, wozu weder die grossen und schwerfälligen Gauloi, noch auch die Triremen wegen ihres Tiefgangs taugten, war die leichtgebaute mit Rudern und Segelwerk versehene, dazu mit Kriegsmannschaft ausgerüstete Pentekontore ganz das geeignete Fahrzeug“[265]. Die Behauptung Vincents, die Phönizier hätten mit diesen kleinen Barken niemals ums Kap fahren können[266], ist leicht widerlegt. Zunächst kann man im allgemeinen annehmen, dass Schiffe, die von Syrien nach Indien und Britannien fuhren, auch gross genug gewesen sein werden, die Reise um Afrika zu machen trotz all der Schrecknisse und Gefahren, welche Vincent[267] anführt, und wenn auch vorauszusetzen ist, dass der Verkehr zwischen Phönizien und jenen Ländern hauptsächlich durch Kauffahrteischiffe, also durch Gauloi, vermittelt wurde, so wird doch schwerlich jemand bestreiten, dass auch Pentekontoren, sei es als Pfadfinder, sei es zur Bedeckung jener, dorthin gekommen sind. Als speziellen Beweis für die Möglichkeit, auch auf einem kleinen Fahrzeuge eine ähnliche Strecke wie die Phönizier zurückzulegen, erwähne ich aber noch, dass im Jahre 1539 Diego Botelho, ein Portugiese, sich zu Goa auf einem Boote von etwa 5 Meter Länge und 3 Meter Breite einschiffte und glücklich nach Lissabon gelangte[268]. Auch der in tausend Gefahren erprobte Muth phönizischer Seeleute mag die Zweifel derjenigen überwinden helfen, welche meinen, dass die benutzten Schiffe für eine solche Reise zu schwach gewesen seien. Es ist eine unleugbare Thatsache, dass die Erfahrung und Kühnheit der Bemannung in gewissem Grade die Schwäche ihrer Fahrzeuge zu kompensiren vermag; das zeigt uns das Beispiel der Normannen, die an allen Küsten Europas Schrecken verbreiteten, obgleich ihre Schiffe so klein waren, dass sie mit ihnen auch auf Flüssen fahren konnten, oder das der Malayen, die in ihren kleinen Barken um die halbe Erde gewandert sind[269]. Wir dürfen also annehmen, dass die Phönizier auf ihren Pentekontoren allen Eventualitäten der Reise, welche an die Leistungsfähigkeit ihrer Fahrzeuge appellirten, gewachsen waren, und werden schwerlich irren, wenn wir hinzufügen, dass der König Necho ihnen durchaus seetüchtige Schiffe zum Zwecke der Umsegelung auf dem rothen Meere wird haben bauen lassen.