Die nennenswerthesten Zweifler.
Diese wenigen Zeilen sind es, an welche der gewaltige wissenschaftliche Streit anknüpft; die Zahl der Kämpfer, über die jede Partei verfügt, ist nicht gering, und hier, wie da finden sich Namen von gutem Klang. Auf der einen Seite, derjenigen der Zweifler, stehen zunächst einige Schriftsteller des Alterthums[5]; sicher ist nämlich, dass man seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. an die Umsegelung Afrikas durch die Phönizier, sowie an die Thatsache, welche durch sie bewiesen werden sollte, die Halbinselgestalt Libyens, nicht allgemein geglaubt hat[6]. Seit jener Zeit schon existiren also in der Beurtheilung unserer Frage zwei Parteien. Die alexandrinischen Gelehrten leugneten wunderbarerweise die Umschiffung[7], ebenfalls Posidonius, wie uns Strabo erzählt[8], auch dieser letztere Schriftsteller selbst; wenigstens nimmt er einen Theil der afrikanischen Küste als noch unbefahren an[9]. Dieser Zweifel Strabos an der Umsegelung Afrikas ist um so auffälliger, als er z. B. die Argonautenfahrt ohne Beanstandung als geschichtliche Wahrheit gelten lässt[10]. Sein Zeugniss in betreff der phönizischen Reise wird aber verdächtig durch den Umstand, dass er an einer Stelle sagt[11], alle, die versucht hätten, vom rothen Meere oder von den Säulen des Herakles aus Libyen zu umsegeln, seien nicht um die Südspitze herumgekommen, während er doch gleich darauf Afrika im Süden für umschiffbar erklärt. Woher konnte Strabo denn das aber wissen? Es ist klar, dass dieser Widerspruch Misstrauen erwecken muss und seinen Zweifel an der Umsegelung ohne Gewicht erscheinen lässt. Von namhafteren neueren Schriftstellern erheben Bedenken gegen die Wahrheit der Erzählung Bunbury[12], der Verfasser des Artikels „Africa“ in „The Penny Cyclopaedia“[13], Gosselin[14], Lelewel[15], welcher meint, dass genauere Betrachtung „zu kühnerem Zweifel an der Umschiffung ganz Afrikas, worüber so viel schriftstellerischer Fleiss sich vergebens angestrengt hat, geneigt macht“, Malte-Brun[16], der die Ansicht vertritt, dass die Fahrt überhaupt nicht stattgefunden habe oder höchstens eine entstellte Ueberlieferung sei, Vincent in seinem interessanten Werke[17] und vor allen Dingen Vivien de St. Martin[18]. Diesen schliessen sich an unsere Landsleute v. Bohlen[19], Bredow[20], Forbiger[21], sowie Mannert[22], der die Umschiffung „vielleicht wahrscheinlich“ nennt, dessen Scheingründe für die geäusserten Zweifel aber von Heffter[23] gründlich widerlegt sind. Die hier angeführten Namen repräsentiren die gelehrten Zweifler jedoch durchaus nicht erschöpfend; sie nennen nur einige der bedeutendsten und lassen der Vervollständigung weiten Spielraum. Jedenfalls hat Wheeler Recht[24], wenn er die Ueberlieferung nennt: „a narrative, which was evidently believed by Herodotus and his contemporaries, but rejected by succeeding authors and doubted by many of the ablest geographers of modern times“.