Schwindsucht.

Ich zweifle nicht im geringsten daran, daß die meisten Schwindsüchtigen gerettet werden könnten, wenn ihnen eine gewisse Zeit lang im ersten Stadium ihrer Krankheit täglich ein Mal Kopf und Brust mit dem präparirten Franzbranntwein eingerieben würde, und sie täglich ein bis zwei Löffel davon, mit heißem Wasser gemischt, einnähmen. Ich will nur zwei Beispiele fast wunderbarer Heilung dieser oft für unheilbar geltenden Krankheit anführen, von denen das eine in Frankreich, das andere auf der Insel Man vorgekommen ist.

Im Juli des Jahres 1838 wurde ich zu einem jungen Mann, dem einzigen Sohn einer Wittwe, gerufen, der, wie die Leute sagten, auf dem Sterbebette lag, und nur noch von seinem Lager fortgetragen wurde, wenn man es auflockern und »machen« wollte. Die Anwendung meines Mittels schien mir schon zu spät; da dies Mittel jedoch in keinem Fall Schaden anrichten kann, so wollte ich es an einem Versuch nicht fehlen lassen, und verfuhr wie folgt:

Zuerst wurde ihm der obere Theil des Kopfes gut und hinreichend mit dem präparirten Franzbranntwein gewaschen, — unmittelbar darauf bekam er zwei Eßlöffel davon, mit vier Eßlöffel heißen Wassers gemischt, zu trinken, und endlich ward ein weiches leinenes Tuch in die Flüssigkeit getaucht, zwei Mal zusammengefaltet und ihm auf die Brust gelegt, und zwar, um auf den furchtbaren Husten zu wirken, von welchem er häufige und erschütternde Anfälle, bei hartem und gelbem Auswurf, zu erleiden hatte. Ich verordnete außerdem noch das gewöhnliche Einnehmen eine Stunde vor dem Frühstück, und verließ ihn mit der Ermahnung an seine Mutter, in der angegebenen Art ruhig fortzufahren. Ich fragte jeden Tag an, ob keine günstige Veränderung eingetreten sei, erhielt indeß immer »Nein« zur Antwort, und gab ihn schon auf. Endlich sagte er mir, er huste zwar noch, aber nicht mehr so schmerzbar, und der Auswurf sei weiß und schaumig geworden. Ich ließ die Kur in der angefangenen Weise fortsetzen. Sechs Tage nachher erzählte er mir, er habe einen solchen Hunger, daß er glaube, Alles essen zu können. Er bekam hierauf zu essen, gewann Kräfte, stand endlich auf und besuchte seine Nachbaren. Bald nachher fühlte er aber einen heftigen Schmerz in der Seite; es bildete sich ein Geschwür und eine heftige Entzündung aus. Durch Auflegung eines mit dem Medicament angefeuchteten Tuches legte sich Schmerz und Entzündung, und das Geschwür brach in Zeit von einer Woche auf. Mit der bedeutenden Absonderung von Eiter verschwand auch der Husten, er behielt seinen Appetit, kam immer mehr zu Kräften und brauchte unser Mittel weiter. Ein Arzt aus der Umgegend erklärte ihn für gerettet; leider mußte ich Frankreich verlassen, bevor noch das Geschwür zugeheilt war; doch habe ich bis jetzt nicht erfahren, daß er einen Rückfall bekommen hätte.

Ueber das andere Beispiel von Heilung der Schwindsucht durch unser Mittel, möge ein öffentliches Blatt — „Mans Liberal“ — sprechen, welches, wie folgt, darüber berichtet:

»Unsere letzte Nummer enthielt einen Artikel über ein neues, höchst einfaches Mittel gegen mehrere gefährliche Krankheiten, mit denen das Menschengeschlecht geplagt ist. Da der Artikel nicht den Zweck hatte, behufs des Absatzes ein marktschreierisches Aufsehn zu erregen, sondern von einem uneigennützigen Menschenfreund herrührte, öffneten wir ihm mit Vergnügen unsere Spalten und versäumen gegenwärtig auch nicht, einen uns zugegangenen Bericht aufzunehmen, aus welchem die Wirksamkeit des neuen Mittels auf eine schlagende Weise erhellet.«

»Ein junger Mann, der eine Zeit lang auf unserer Insel (Man) gelebt hatte, ging vor etwa drei Jahren von hier nach Süd-Carolina, in der Absicht, sich daselbst anzusiedeln, welches mehrere seiner Freunde bereits vor ihm gethan. Da ihm das dortige südliche Klima jedoch nicht bekam, kehrte er vor etwa vier Wochen hierher zurück, in der Hoffnung, von einer Schwindsucht zu genesen, welche sich während seines mehrjährigen Aufenthalts in Süd-Carolina in ihm vollständig ausgebildet hatte. Da er von dem oben erwähnten neuen Medicament gehört hatte, machte er nach der vorgeschriebenen Weise an sich einen Versuch damit, wovon die Folge war, daß in Zeit von 3 Wochen alle Symptome der Schwindsucht verschwanden, und er sich jetzt schon wieder anschickt nach Amerika zurückzukehren, um sich diesmal jedoch in einer gesunderen Gegend anzubauen.«

Sollte es nicht die Pflicht jedes Arztes und jedes Menschenfreundes sein, dergleichen Notizen zu beachten, um vorkommenden Falles zum Nutzen der leidenden Menschheit Gebrauch davon zu machen?