K
[Vide ante, p. [327]]
STOLBERG
Hymne an die Erde.
Erde, du Mutter zahlloser Kinder, Mutter und Amme!
Sei mir gegrüsst! Sei mir gesegnet im Feiergesange!
Sieh, O Mutter, hier lieg' ich an deinen schwellenden Brüsten!
Lieg', O Grüngelockte, von deinem wallenden Haupthaar
Sanft umsäuselt und sanft geküsst von thauenden Lüften! 5
Ach, du säuselst Wonne mir zu, und thauest mir Wehmuth
In das Herz, dass Wehmuth und Wonn' aus schmelzender Seele
Sich in Thränen und Dank und heiligen Liedern ergiessen!
Erde, du Mutter zahlloser Kinder, Mutter und Amme!
Schwester der allesfreuenden Sonne, des freundlichen Mondes 10
Und der strahlenden Stern', und flammenbeschweiften Kometen,
Eine der jüngsten Töchter der allgebärenden Schöpfung,
Immer blühendes Weib des segenträufelnden Himmels!
Sprich, O Erde, wie war dir als du am ersten der Tage
Deinen heiligen Schooss dem buhlenden Himmel enthülltest? 15
[[1131]]Dein Erröthen war die erste der Morgenröthen,
Als er im blendenden Bette von weichen schwellenden Wolken
Deine gürtende Binde mit siegender Stärke dir löste!
Schauer durchbebten die stille Natur und tausend und tausend
Leben keimten empor aus der mächtigen Liebesumarmung. 20
Freudig begrüssten die Fluthen des Meeres neuer Bewohner
Mannigfaltige Schaaren; es staunte der werdende Wallfisch
Ueber die steigenden Ströme die seiner Nasen entbrausten;
Junges Leben durchbrüllte die Auen, die Wälder, die Berge,
Irrte blökend im Thal, und sang in blühenden Stauden. 25
The German original is printed in the Notes to P. W., 1893, p. 615.
L
[Vide ante, p. [376]]
FRIEDERIKE BRUN
Chamouny beym Sonnenaufgange
(Nach Klopstock.)
'Aus tiefem Schatten des schweigenden Tannenhains
Erblick' ich bebend dich, Scheitel der Ewigkeit,
Blendenden Gipfel, von dessen Höhe
Ahndend mein Geist ins Unendliche schwebet!
'Wer senkte den Pfeiler tief in der Erde Schooss, 5
Der, seit Jahrtausenden, fest deine Masse stützt?
Wer thürmte hoch in des Aethers Wölbung
Mächtig und kühn dein umstrahltes Antlitz?
'Wer goss Euch hoch aus des ewigen Winters Reich,
O Zackenströme, mit Donnergetös' herab? 10
Und wer gebietet laut mit der Allmacht Stimme:
"Hier sollen ruhen die starrenden Wogen"?
'Wer zeichnet dort dem Morgensterne die Bahn?
Wen kränzt mit Blüthen des ewigen Frostes Saum?
Wem tönt in schrecklichen Harmonieen, 15
Wilder Arveiron, dein Wogengetümmel?
'Jehovah! Jehovah! Kracht's im berstenden Eis:
Lawinendonner rollen's die Kluft hinab:
Jehovah Rauscht's in den hellen Wipfeln,
Flüstert's an rieselnden Silberbächen.' 20
See Poems, 1844, p. 572.
M
[Vide ante, p. [392]]
Opere del Cavalier Giambattista Marino, with introduction by Giuseppe Zirardini. Napoli, 1861, p. 550.
Alla sua Amica
Sonetto.
Donna, siam rei di morte. Errasti, errai;
Di perdon non son degni i nostri errori,
Tu che avventasti in me sì fieri ardori
Io che le fiamme a sì bel sol furai.
[[1132]]Io che una fiera rigida adorai, 5
Tu che fosti sord' aspra a' miei dolori;
Tu nell' ire ostinata, io negli amori:
Tu pur troppo sdegnasti, io troppo amai.
Or la pena laggiù nel cieco Averno
Pari al fallo n'aspetta. Arderà poi, 10
Chi visse in foco, in vivo foco eterno.
Quivi: se Amor fia giusto, amboduo noi,
All' incendio dannati, avrem l' inferno,
Tu nel mio core, ed io negli occhi tuoi.
The Italian original is printed in the Notes to P. W., 1893, p. 632.
[N]
[Vide ante, p. [409]]
In diesem Wald, in diesen Gründen
Herrscht nichts, als Freyheit, Lust und Ruh.
Hier sagen wir der Liebe zu,
Im dichtsten Schatten uns zu finden:
Da find' ich dich, mich findest du. 5
The German original is translated from an MS. Notebook of ? 1801.