10.
Geschieden von den Seinen, mitten im Gedräng der Feinde,
Allein, hilf-, hoffnungslos und ohne Zeugen, ohne Freunde,
So kämpft der düstre Waclaw und er rang nicht mehr ums Leben,
Das ihm zur Last; der Schmach nur will er’s nicht zum Opfer geben.
Tod schleudert er, Tod suchend; denn, ach: tief im Herzen tönt
Ein Schrei, wie von der Taub, die unterm Habichtsschnabel stöhnt,
Der alles Denken lähmt. — Doch wie? — sei’s Staunen wunderbar,
Sei’s Schreck, vielleicht die Wirkung seines kräft’gen Armes gar:
Der Schwarm unzählbar, der ihn wie ein Knäul umschlossen hält,
Erweitert sich vor ihm zu immer größten Raumes Feld.
Sie sehn, erkennen ihn, den Führer! Jeder in der Runde
Stürzt los auf ihn und — fällt; mit keinem ist der Sieg im Bunde.
Doch als der blauäugige Jüngling nun es klar ersieht,
Daß zagend sich der Feinde Kreis vor ihm zurückezieht,
Gilt ihm der wunderbare Vorteil nur als traur’ge Mahnung,
Daß sich an ihm doch nicht erfüllen werde seine Ahnung.
Warum doch hatten sie nicht einen Pfeil in Köchers Munde,
Der mit dem Natterngifte53 stecken bliebe in der Wunde?
Ihn schmerzt’s, daß sie schon fliehn; die Furcht, das Leben zu erhalten,
Jagt ihn, die Brust zu bieten dar den grausigen Gestalten.
Bald! bald! Der feiste, braungerötete Tatarenkhan
Stürzt dort schon, schäumend ha! vor grimmig stolzer Wut, heran.
Er sieht die Horde sein von einer dunklen Macht besiegt,
Er sieht, wie sie des einen Mannes Tapferkeit erliegt,
Er zerrt am zott’gen Bart und reißt im grausen Ungemach
Den Mund auf zum Verzweiflungsschrei: «Entsetzen, o, und Schmach!»
Mit finstrer Stirn erheben Tausende auf Einen, traun
Ihr Schwert, sie nahen schon, sie werden ihn in Stücke haun!