13.
Ein Hügel war am Waldessaum, des Stirne lenzesgrün
Die würz’gen Düfte wilder Thymusblüte rings umsprühn.
Ihn schmücken Hangebirken, angetan mit weißen Flittern,
Die wenn die Weste kosend durch ihr Zweiggeflechte zittern,
In Tränen stehn wie Jungfraun alter Zeit am Grab von Rittern.
Dort unter ihrem traumesdämmrig balsamfrischen Kranze
Ruhn Sieger und Gefangne in der Eintracht heitrem Glanze.
Die Einheit hat das Leben doch, daß Wollust Schmerzen spendet
Und Mühsal, Langweil, Schande, Ruhm zusammt ermattend endet.
Im Vordergrund ein sinkend Feuer, das des Kampfes Feld,
Ersterbend schon mit düstrem Flackern zeitweis noch erhellt.
In Rücken barg die Sonne sich am grünen Waldesrand
Und staunte, weil die Wipfel all sie sah in glüh’ndem Brand.
Die Farben blichen, Raben flogen nieder und im Kreise
Umschwärmten sie mit heiserem Gekreisch die Leichenspeise.
Die Wachen sind gestellt, an Lagerfeuern tobt nicht faul
Das rühr’ge Kriegesvolk; das Gras knirscht in der Rosse Maul
Wie ferner Waffenklang, und einem weißen Aare gleich,
Saß bloßen Hauptes, alt und grau und doch so ruhmesreich,
Der Kronschwertträger in der Birke kühlem Schatten dort
Und redete zum finstern Eidam jetzo dieses Wort:
«Mein Sohn! — So nenn ich dich, seit wir so nahe sind verbunden,
Daß du in meinem Herzen hast den Sohnesplatz gefunden —
An einem Glückesfaden spann der Tag sich ab, fürwahr!
Mein Waclaw kehrt mir unverletzt; aufs Haupt ist der Tatar
Geschlagen und, Gott gebs! auf lang beruhigt die Ukraine —
Und das durch Gunst Fortunas mehr, als mein Verdienst, das kleine.
Doch wenn die Seele, wie es scheint, besitzt des sie begehrte,
So siehst du mir doch gar zu traurig aus als Siegsgefährte.
Sieh, wie so reizend schön der Mond dort kommt heraufgestiegen!
Genug des Ruhms! nun ziemt es auch dem Herzen zu genügen.
Sitz auf, eil fröhlich heim, wo dein getreues Weib mit Bangen,
Wie auch der Diener treue Schaar, sich sehnt dich zu empfangen.
Ich nehme noch des Aufbruchs wahr und morgen mit dem Dämmern
Da werd ich mit des Hufschlags Gruße «guten Tag» euch hämmern.
Sitz auf, dein edler Renner trägt dich hin in Flugeseil;
Leb wohl: mein, wie auch Gottes Segen bleib dein stetes Teil!»