14.

Waclaw erhob sich rasch, und nach der Sitte jener Zeit

Drückt er die alte Hand, die ihm voll biedrer Herzlichkeit,

Wenn kräftig auch und rauh, den Druck erwiderte. Schon hatten

Das flinke Roß sammt Reiter hinter sich der Bäume Schatten,

Indes der greise Kämpe an sein Vaterunser schreitet.

Wie reizend doch der junge Waclaw durch die Steppe reitet!

Um Haar und Federn spielt ein Silberglanz und winzig bricht

Sich in dem Waffenschmuck des vollen Mondes Angesicht.

Ha! welche Lust, wenn die Natur in Stille ruht gefangen,

Zu fliegen zur Geliebten hin mit sehnendem Verlangen!

Zu grüßen jeden Gegenstand mit freundlichem Gedenken,

Mit ungehemmter Freude sich in jeden zu versenken!

Da wird die Stille unterbrochen nur von süßen Tönen,

Der Nachtigallensang, das Wassermurmeln, Fröschestöhnen,

Sie sind in Klängen wild und bange, rührend und lebendig

Dem wachen Fühlensdrang geheimer Sehnsucht all geständig.

Dann scheucht der holde Duft, der aus den Blütenkelchen quillt,

Mit leichtem, wonn’gem Hauch der Sorgen düstres Nebelbild;

Die Seele ist verklärt, als sollte sie im Himmel landen

Bei ihrem Schöpfer droben, frei von ihres Körpers Banden.

Natur ist Mutter dann, die mit dem Menschen alles teilt:

Und alles lächelt, weil die Freude allerorten weilt.

Dann bleibet ungezückt das Schwert, vergessen jede Wunde,

Die Güte wohnt im stolzen Blick, Verzeihen aus dem Munde.

Und so flog Waclaw selig schon, als hätt ein Wetterstrahl

Des Lebens Segel eben ihm zerteilt mit einem Mal:

Denn beugen konnt ihn nicht der Erdensturm, mit starkem Flügel,

Er hätte wütend nur umbraust den kalten Grabeshügel. —

Und so flog er die Steppe hin; doch ach, der Traum so licht,

Der in der Erdenkinder Glückesrausch sich blendend flicht,

Er währt zu kurz. Erinn’rung steigt empor wie ein Gesicht

Und weckt vergangne tote Zeit, in deren duft’gem Flor

Unruhig schauervoll es flüstert wie im Geisterchor:

«Du sahest sie so bleich, so schwach — traun, ohne Schutz verzehrt

Die zarte Ranke sich und welkt! — traun, ohne Hülle währt

Die süße Frucht hier nicht. Und wie? zurückgekehrt zu ihr

Sahst dein verlornes Eden du und stießest es von dir!?

Weshalb? Um eitlen Ruhmes willen, dessen Schimmer nicht

Ein einzig Lächeln aufwiegt vom geliebten Angesicht,

Ach, hättest du nur Grund auf des Geschicks Bestand zu bauen!

Doch kaum entwich der Sturm, hellt schon dein Blick sich von Vertrauen.

Vergessend, daß die Zeit nach Gram zu messen bitter schmerzt,

Hast du das Glück, das dir bestimmt, leichtsinnig selbst verscherzt!»

Und weiter, schneller gings. Leicht über Strauch und Graben sprang

Das Pferd gestreckten Leibs; des Laufes Schall, der Hufe Klang,

Des Ritters blitzende Gestalt den Landmann eben traf,

Wie er die Sinne sammelte, erwachend aus dem Schlaf.

«Hu, hu!» Eh er die Augen rieb und Herz vermocht zu fassen,

Ist fort der Reck und hat die Vampirsage hinterlassen.

So stürmte Waclaw hin und war, im Glücke angsterfüllt,

In Schönheit fürchterlich, der Sterblichen getreues Bild.