18.
Sie stürzt an seine teure Brust und ängstlich preßt der Schmerz
Den schlanken Leib so heftig zitternd an des Gatten Herz,
Die Ohnmacht färbt so fahl die Wangen und so innig warm
Drängt an den holden, süßen Busen ihn der schöne Arm,
Daß, als er sich so tränenreichem Kuß entziehen wollte,
Ein Weh ihn faßt, wie wenn er sie vom Herzen reißen sollte.
Zu bleiben war unmöglich: nein! er spräch der Ehre Hohn
Und gäb die Liebe sonst der Schande preis zum bittern Lohn.
Und doch, wie tief, wie düster sind die Leiden, die ihn quälen!
Kann die Verzweiflung seines Weibes wohl den Mut ihm stählen?
Gleich schwer ists, allen ihren Reizen Lebewohl zu sagen,
Wie jetzt mit Ächzen tatenlos die Trennung zu vertagen.
Des Ruhms Drommete ruft, der greise Führer harrt auf ihn;
Die weh’nden Fahnen rauschen, und der Sieg will schon entfliehn!
Er legt die Teure hin, sein Auge blitzt in wildem Brand,
Er drückt an seine Lippen noch die weiße matte Hand,
Als wollte er in diese lieblich zarte Bucht der Minne
Einsenken alles Fühlens Kraft im Aufruhr seiner Sinne.
Fort war er, nahm den Frieden mit; dem spähend wachen Blick
Trat Schritt um Schritt die hohe, leuchtende Gestalt zurück.
Schon saß an der verlass’nen Stelle jetzt schwermütig, bleich
Die Einsamkeit, die seufzend weckt der Stille ödes Reich,
Und auf der Wüstenei des Glücks war schnell emporgeschossen
Der Gram und nährt aus wurmdurchnagtem Mark die dorn’gen Sprossen.