19.

Aufs feur’ge Roß sich schwingend, doch das Auge kummernaß,

Der junge Waclaw mit dem ersten Sprung im Sattel saß.

Auch er schwang sich aufs feurige Roß, doch heiter blickt der Greis,

Und tummelte voll Ungestüm es rund herum im Kreis.

Posaunen schmettern hinter ihnen; hinter ihnen fleucht

Der Ritterhauf’ wie Vögel, von der Erde aufgescheucht.

Voran des Adels Jugend sprengt — ha, gegen die Tataren!

Das Heer es wälzt sich nach: die Reis’gen37 wohlgereiht, Husaren,

Gepanzerte, und ihnen nach Kosaken rasch im Flug;

Troßbuben scheue Rosse tummelnd schließen dann den Zug. —

Sieh unterm Strohdach nur hervor, du Kind so trotzig wild,

Der Krieger Anblick er entlocke dir ein Lächeln mild;

Vielleicht, vielleicht, daß bald der Krieg solch wilde Früchte pflückt!

Du Mutter auch, die grüßend nickt, leb wohl, von Ruh beglückt.

Nicht ängst’ge dich vor Waffenklang und nicht vor langen Speeren,

Der Pole löscht des Auges brennend Feuer gern mit Zähren. —

Nur Staub noch weht im Dorfe; Rossestampfen und Geklirre

Dröhnt noch erzitternd an das Ohr und macht es taub und wirre.

Im Dorf der Staub sich niedersenkt, nur abgerissen klingen

Von weitem Kriegeshörner her auf flücht’ger Töne Schwingen.

Und still ists, wie wenn leis der Tod aufs Herze drückt sein Bildnis,

Und traurig bang, wie in Mariens Seele — eine Wildnis.

Sie richtet die anmutige Gestalt empor, empor —

Nichts war zu sehn, der Wind jagt nur der grauen Wolken Chor.

Sie beugt die Knie, faltet zum Gebete fromm die Hände;

Dem Auge, das zum Himmel starrt, entperlt des Schmerzes Spende.

Und still, wie das Gebet in Gottes Schoß entströmend mündet,

Und öde, traurig, bange ists wie wenn das Glück entschwindet.

Zweiter Gesang38

On Conrad’s stricken soul exhaustion prest,

And stupor almost lulled it into rest.

Byron

1.

«Die Steppenblume üppig sprießt und stirbt doch einsam bang,

Vergeblich schweift das Auge weit die Ebene entlang.

Willst du den Gram versüßen dir, den du nicht kannst zerstören —

Du siehst nur Wolkenhimmel auf der Flur und herbe Beeren.

Geh lieber in der Myrthen und Cypressen schönes Land,

Wo Tag um Tag die Sonn ersteht im freundlichen Gewand;

Geh hin wo klarer sieht das Aug in heller reiner Luft,

Wo süßer aller Stimmen Klang und wollüst’ger der Duft;

Hin wo der Lorbeer sprießt und ewig schön der Himmel lacht,

Die Erde farbig glänzt, der Geist in heitrer Muße wacht;

Wo auf Pallästen hehr die Männer stehn der alten Zeit

Weiß angetan, und stolz auf ihrer Namen Herrlichkeit

Dich aus der Ferne laden in die zaubrischen Ruinen

Der Götter und Heroen Wohnsitz einst, und jetzt — der Spinnen.

Wenn du des Altertums in tiefster Seele gern gedenkst —

Vielleicht, so du dein Auge in das schöne Blau versenkst,

Findst du dort Trost in der Verzweiflung, Wonne in der Trauer,

Geliebten Mundes Lächeln gleich bei kaltem Todesschauer.

Doch geh nicht auf die Steppe, ist das Herz dir weh und wund;

Grabhügel — weiter nichts blieb auf der kahlen Fläche und

Den Rest hat der ukrain’sche Wind verwehet aus dem Grunde —

Bleib du daheim und horch der schwermütgen Kosakenkunde.» —

«Sag, Bürschchen du, mein junges Blut, wohin du wandernd gehst?

Kehrst du aus heil’gem Land zurück, daß du so seufzend flehst?»

«O nein, ich bin in meinem Vaterland fremd jedem Blick

Und schwarze Narben ließ der Tod in meiner Brust zurück,

Ich hab gezehrt vom bittern, giftgetränkten Brot der Welt:

Das drückt mein Herz und einsam fließen Tränen ungezählt,

Und lach ich überlaut, klingts doch, als sollt ich mich kastei’n,

Und wenn ich singen werde, wirds ’ne düstre Weise sein.

Mein welkes Antlitz ist der Blässe Heimat nur geblieben,

Und aus der Seele Wildnis längst die Freude mir vertrieben.

Mein Schutzgeist winkt — ich seh das Grab im Himmelslichte glühn.»

«Was suchst du also, Knabe?» — «Der Verzweiflung zu entfliehn!»

2.

So stand das junge Knäblein; unterm Zaune blieb es stehn;

Man ließ den Schmerz, beachtet kaum, in Klagen sich ergehn.

Und jener, der so eben mit ihm sprach, ans Tor gelehnt,

Starrt nach der andern Seite hin, die Lider weit gedehnt,

Von wo in Trachten bunt gefärbt, mit lärmendem Geschrei

Ein Schwarm von Masken völlig unerwartet kam herbei.