18.
Und so verlor auf einmal Waclaw alles auf der Erde —
Das Glück, die Tugend und die Achtung vor der Brüder Werte;
Denn nimmer weckt er aus dem Schlafe die Geliebte mehr,
Die — aller Tugenden Ersatz und sicherste Gewähr —
Mit reinem, lichtem Engelsschein die Täuschung, ach, die holde,
Um falsche Freundschaft, um der Herzen Leere spinnen sollte. —
Doch so blieb Waclaw einsam in der Wüste öder Nacht —
Wie hat Mariens Scheiden sie so schwarz, so schwarz gemacht! —
In stummer Trauer stand er lange an dem Leichenbette:
Ein starres Marmorbild an der geliebten Grabesstätte!
Denn grauser Bosheit Werk mit Schaudern hier betrachtend war
Die Seele selbst des rührenden Gefühls der Trauer bar.
Nur Ein’s erneut sein Weh, nur ein Gedanke, nicht zu fassen! —
«Ach, daß ich Menschen doch vertraut! ach, daß ich sie verlassen; —»
Und als er ihr ins Antlitz schaut, dünkt ihn, er höre klingen
Den Vorwurf unwillkürlich miterstarrt im Todesringen —
Den ersten, letzten Vorwurf, den sie je an ihn gerichtet: —
«Er habe beider Glück, und sich mit ihr zugleich vernichtet!»
Erst jetzt sein Herz den Pulsschlag wieder allgemach gewinnt; —
Er birgt das Antlitz in die Hände, weinend wie ein Kind.
Doch lange währt’ es nicht! Schon fühlt sein Herz empört, betrogen
Das Gift, das es in einem Augenblicke eingesogen;
Schon ist sein Geist, der Hoheit Sitz, von jenem Fluch berührt,
Der seiner sünd’gen Opfer Sinn in Schand und Schmach geführt.
Wär er der Welt ein Abscheu schon in üpp’ger Jugendblüte?
Ach! frage lieber doch! was frommt hier alle Herzensgüte,
Wo nur ein Schemen ist jedwedes edlere Gefühl,
Wo Kinder marktend stehn an greiser Eltern Sterbepfühl;
Wo Liebe Prahlerei, die sich an fremdem Unglück weidet,
Und Mitgefühl Verstellung ist, die andre: Glück beneidet —
Wo hoher Strebeziele Bahn auf immer ist entrückt,
Weil Heuchelei sich mit der Tugend schöner Hülle schmückt,
Wo treue, unverstandne Herzen einen Trost nur haben,
In der Begeistrung gleichen Strom ihr Leben zu begraben?!